In einer Zeit, in der beruflicher Erfolg zunehmend mit einer immer enger werdenden Spezialisierung verbunden ist, wird das Phänomen des Universalgenies selten. Einer der wenigen, denen es gelingt, viele verschiedene Talente erfolgreich miteinander zu vereinen und dessen Spezialität geradezu die Vielseitig ist, das ist bekanntermaßen Karl Lagerfeld. Dabei ist das Element, das alle seine Tätigkeiten miteinander verbindet, das Papier. Von der Inspiration durch die Literatur und die Kunst, über das Zeichnen der Entwürfe, über das Fotografieren der Kollektionen bis hin zu deren Verbreitung in Modemagazinen – immer ist das Papier mit im Spiel. Und so trägt die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Modemethode“, die seit dem 28. März in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist, auch den Untertitel „From Paper to Paper“.
MODE KUNST ARCHITEKTUR
Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.
Mittwoch, 25. März 2015
Karl Lagerfeld.Modemethode. Über die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn
In einer Zeit, in der beruflicher Erfolg zunehmend mit einer immer enger werdenden Spezialisierung verbunden ist, wird das Phänomen des Universalgenies selten. Einer der wenigen, denen es gelingt, viele verschiedene Talente erfolgreich miteinander zu vereinen und dessen Spezialität geradezu die Vielseitig ist, das ist bekanntermaßen Karl Lagerfeld. Dabei ist das Element, das alle seine Tätigkeiten miteinander verbindet, das Papier. Von der Inspiration durch die Literatur und die Kunst, über das Zeichnen der Entwürfe, über das Fotografieren der Kollektionen bis hin zu deren Verbreitung in Modemagazinen – immer ist das Papier mit im Spiel. Und so trägt die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Modemethode“, die seit dem 28. März in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist, auch den Untertitel „From Paper to Paper“.
Samstag, 14. März 2015
Zum Tode von Frei Otto: Olympia / München
Zum
Tode des Architekten Frei Otto am vergangenen Montag, dem 9. März, werfen wir
noch einmal einen Blick zurück ins Jahr 1972 zur Olympiade nach München. Sowohl Günther Behnisch als auch
Frei Otto hatten jahrelang mit freitragenden Dachkonstruktionen experimentiert,
bevor Behnisch im Jahr 1967 zusammen mit einigen anderen Architekten den Ideenwettbewerb für das Münchner
Olympiagelände gewann. Als Vorbild für Behnischs Idee eines transparenten
Zeltdachs hatte Frei Ottos Entwurf des Deutschen Pavillons für die Weltausstellung
1967 in Montreal gedient. Tatsächlich war die Realisierbarkeit von Behnischs
Idee für die Olympiade 1972 noch ungewiss, als er den Zuschlag bekam und so lag
es nah, Frei Otto mit ins Team zu holen und das spektakulärste, größte und
eleganteste Zeltdach aller Zeiten zu entwerfen. Die Transparenz, die für
Behnisch auch in symbolischer Hinsicht für sein gesamtes Werk von Bedeutung
war, erreichte man in München durch den Einsatz tausender von
Plexiglaselementen. Im Dortmunder Westfalenpark hatte Behnisch zuvor ein
Sonnensegel installiert, das als direkte Vorstudie des Olympiadachs betrachtet
wird. Frei Otto hingegen hatte bereits in den Fünfzigerjahren mit Seifenlauge und Drahtmodellen
experimentiert und 1957 ein erstes Zeltdach über dem Kölner Tanzbrunnen
installiert.
Beweglich
Plättchen aus Metall und Plastik, die mit Kettengliedern aneinander befestigt
werden und eine bewegliche Oberfläche bilden, kennt man im Bereich der Mode
spätestens seit Paco Rabannes Entwürfen für den Film „Barbarella“ aus dem Jahr
1968. Und nicht umsonst stellt Hans Hollein, der sich immer wieder auf Paco
Rabanne bezieht, in seiner Zeitschrift „Bau“ im gleichen Jahr das Schnittmuster
einer Herrenjacke dem Schnittmusterbogen des Expo-Pavillons für Montreal gegenüber.
Freitag, 13. März 2015
NRW-Forum Düsseldorf: Peter Behrens und die Vielfalt der Gestaltung
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| Behrens' eigenes Haus für die Mathildenhöhe in Darmstadt, 1901. |
Anlässlich
des 75. Todestages von Peter Behrens wurde am 27. Februar im NRW-Forum
Düsseldorf eine ausgesprochen elegant entworfene Ausstellung eröffnet. Peter Behrens, der vor allem für sein gestalterisches
Gesamtkonzept für die Firma AEG und die Turbinenhalle bekannt ist, die er in
diesem Zusammenhang für den Standort Berlin entworfen hat, hatte über sein
gesamtes Leben hinweg ein enges Verhältnis zu Düsseldorf. Nachdem er zunächst
an den Kunstakademien Düsseldorf und Karlsruhe Malerei studierte und sich erst
in der Folgezeit der Architektur zuwandte bzw. sein erstes Haus für die
Darmstädter Mathildenhöhe baute, kehrte Behrens im Jahr 1903 zurück, setzte
sich gegen seinen Mitbewerber Wilhelm Kreis durch und war von 1903 bis 1907 als
Direktor der der Kunstgewerbeschule
Düsseldorf tätig. 1907 zog Behrens schließlich nach Berlin, um sein eigenes
Architekturbüro zu gründen, in dem u. a. Walther Gropius, Mies van der Rohe und
der damals noch unter dem Namen Jeanneret firmierende LeCorbusier arbeiten
sollten. 1912 entstanddann die Turbinenhalle für AEG, an denen Walther
Gropius maßgeblich beteiligt war. Das Mannesmann-Haus, das sich direkt am
Düsseldorfer Rheinufer befindet, stammt aus genau dieser Zeit. Für seine
Lehrtätigkeit an der Kunstakademie kehrte Peter Behrens schließlich noch einmal
in den Jahren 1931/22 an den Rhein zurück.
Die
Ausstellung im NRW-Forum, die in Zusammenarbeit mit der FH Düsseldorf
entstanden ist, hätte dem Maler, Produktdesigner und Architekten Peter
Behrens in ihrer perfekten Ausführung
und mit ihren elegant arrangierten Exponaten vermutlich sehr gefallen. Zu
weiteren Informationen geht es hier entlang: www.peter-behrens-ausstellung.de
Freitag, 27. Februar 2015
Gottfried Böhm: Landesbetrieb Information und Technik NRW, Düsseldorf 1972 - 76
Landesbetrieb
Information und Technik NRW - das klingt weder nach Abenteuer noch nach
Aufregung. Die Gegend entlang der Roßtraße, in der sich das Statistische Landesamt befindet, wirkt auf
den ersten Blick auch eher sachlich und nüchtern. Das Finanzamt Nord befindet
sich dort beispielsweise und gesellt sich zu verschiedenen Bürogebäuden und gepflegten
Mehrfamilienhäusern.
Inmitten
dieses ordentlichen Idylls sieht es jedoch aus, als habe sich knirschend und
krachend die Erde geöffnet und eine riesige rostige Maschine sei aus dem Boden
geschossen, installiert von einer fremden Macht, um von dort aus den gesamten
Planeten zu übernehmen. Weit ragt das rostig wirkende Monument über die
umliegenden Gebäude hinaus und wirkt in seiner strengen Form, seinen
stufenförmig ansteigenden unteren Geschoßen und seinen auf der Außenhaut liegenden
Lüftungsrohen und Treppen ausgesprochen brachial und technisch. Noch
geheimnisvoller erscheint das Gebäude zusätzlich dadurch, dass es nur über eine
Brücke zu erreichen ist. Es handelt sich dabei um das sechzehngeschossige
Gebäude von Gottfried Böhm für das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen
aus den Jahren 1972 - 76, heute Landesbetrieb Information und Technik genannt. Sonntag, 22. Februar 2015
Wie ich weder Günther Uecker noch Trisha Donnelly gesehen habe. How not to be seen in Düsseldorf
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| Foto: Ellen Heyer |
Donnerstag, 19. Februar 2015
2. Fashion Blogger Café Shoeedition bei der GDS
Das
Fashion Blogger Café, das seit Jahren von der Modeplattform Styleranking (Link) mit
solider Regelmäßigkeit an den verschiedensten Orten ausgerichtet wird, ist
jedes Mal wie Weihnachten. Nur, dass es hier definitiv mehr Überraschungen gibt,
als an Weihnachten und Ostern zusammen.
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| Schuhe: Clarks; Jacke und Shirt: Scissorella |
Zum
zweiten Mal fand das Styleranking-Bloggertreffen am 6. Februar nun im Rahmen der GDS statt,
der Düsseldorfer Schuhmesse. Neu war dabei, dass man diesmal an mehreren Tagen
Zutritt zur Messe hatte und sich somit neben dem Besuch des Bloggerevents einen
ausgiebigen Überblick über die kommenden Trends verschaffen konnte. Neu war
aber auch das gesamte Konzept der GDS, mit der die ursprünglich „Große Deutsche
Schumusterschau“ bereits im letzten Juli in die „Global Destination for Shoes
and Accessories“ umgewidmet worden war.
Nach
einem umfassenden Orientierungsgang am Donnerstag widmete ich mich am Freitag
ganz dem Fashionblogger-Café. Die Damen, die die Firma Clarks repräsentierten
und jeder Bloggerin ein paar Schuhe schenkten, habe ich mit meiner Begeisterung
vermutlich ziemlich in den Wahnsinn getrieben. Die silbefarbenen Aquifer Belle,
die ich überreicht bekam, entsprachen aber auch zu sehr meiner Vorstellung von
Schuhen, die genau für mich entworfen waren, sodass ich in einen Zustand der
totalen Schuh-Freude verfallen MUSSTE. Die Aquifer Belle vereinen mit ihrem
kleinen, perfekt geschwungenen Absatz, ihrem Fersenriemchen und ihrer
unglaublich spitzen Form die Silhouette der frühen mit dem Material der späten
Sechzigerjahre. DAS sind die Schuhe, die für Dachterrassen-Events und Cabriofahrten
gemacht sind und ich weiß nicht, wie oft ich in diesem Zusammenhang den Namen Doris Day erwähnt habe.
Sonntag, 15. Februar 2015
Platform Fashion: Thomas Rath präsentiert "Shades of Scotland"
Vor
einigen Wochen erhielt ich eine hellbraun-dunkelbraun karierte Karte, auf der
eine Dame, die aussah wie Maria Stuart, zu einer Modenschau namens „Shades of
Scotland“ einlud. Auf der beigefügten Rückantwort konnte ich ankreuzen, ob ich an
der Veranstaltung teilnehme, nicht teilnehme, in Begleitung erscheine und / oder
mit Fahrer. Die Einladung entsprach genau dem überbordenden Glamour, den man
spätestens seit dem letzten großen Defilee des Absenders im vergangenen Juli ein
weiteres Mal erleben wollte. Die Einladung stammte von Thomas Rath. Bereits im
letzten Sommer hatte der Designer im Rahmen der Platform Fashion Gold über der
Stadt ausgeschüttet, und nun sollte das Fest also fortgesetzt werden.
Am
Abend der Show entlud sich die Vorfreude aller in schiere Begeisterung, und es
waren wirklich alle in den Schwanenhäfen versammelt, die man zu sehen hoffte (Link).
Ich traf JADES-Inhaberin Evelyn Hammerström, das Unternermer-Ehepaar Muth,
Society-Lady Renate Blumentrath, Modeexpertin Monika Gottlieb (Link) mit ihren
phantastischen Freundinnen und dass ich wieder einmal Dolly Buster begegnet
bin, hat mich ebenfalls ganz besonders gefreut.
Donnerstag, 12. Februar 2015
Platform Fashion Selected in den Schwanenhöfen
Einen Überblick über die Teilnehmer der letzten Ausgaben der Platform Fashion und den Vertretern dieser Saison bot die Selected-Show im Anschluss an das Passionata-Defilee in den Schwanenhöfen. Mit dabei waren u.a. Annette Görtz (Link), Milian by Annette Görtz und Barbara Schwarzer (Link). Und wer von Passionata (Link) noch nicht genug bekommen hatte, für den posierten die Damen in der fröhlich bunten Unterwäsche noch ein zweites Mal, genau so, wie die Show auch einen Ausblick auf den Abschluss und Höhepunkt des Abends bot, auf die Kollektion von Thomas Rath mit dem Titel "Shades of Scotland". Farblich gesehen kann man festhalten, dass man zum bunten Darunter weiterhin schwarz und grau trägt und man sich sowohl bei Annette Görtz als auch bei Barbara Schwarzer an Beton- und Steinoberflächen orientiert.
Montag, 9. Februar 2015
Platform Fashion: Playful Seduction in den Schwanenhöfen - Passionata
Ob
dieses Magazin nun von jungen Mädchen oder doch eher von Herren im besten
Alter gelesen wird, spielt bei diesem Bericht einmal keine Rolle. Die Passionata-Show, um die es hier geht,
versetzte als Auftakt der Platform Fashion (Link) in Düsseldorf gleichermaßen alle Besucher in
Begeisterung. Die Models verbreiteten mit ihren Pin-up-Posen echte Fröhlichkeit
in den Schwanenhöfen und auch inhaltlich war für jeden etwas dabei. Unter dem
Motto „Playful Seduction“ reichte die Palette von neon-bunt über
pastellfarben-verspielt bis zu sachlich-weiß und fand ihr Finale in
verrucht-schwarzer Eleganz. Mit ihrer neuen Location in den Schwanenhöfen brachte
die dritte Ausgabe der Platform Fashion auch eine ganz neue Laufstegform mit
sich und damit verbunden auch eine größere Möglichkeit für Choreographien. Im
Gegensatz zu den bisherigen Schauen saßen die Besucher nun erstmalig mitten im
Geschehen, was vermutlich ebenfalls zu der mitreißenden Begeisterung und der
beschwingten Atmosphäre mit beitrug. Mit dem Dessous-Defilee von Passionata war
die Basis gelegt für die weiteren Schauen des Abends, bei denen es jedoch
eher um das „Darüber“ gehen sollte. Fortsetzung folgt.
Mittwoch, 4. Februar 2015
Düsseldorf 2015: Platform Fashion - Das Zelt in den Schwanenhöfen
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| Wiedersehen mit Dolly Buster (Link) |
Das
Zelt (Link) als unverwechselbares Element, das in allen Metropolen in Erscheinung
tritt, in denen eine Modewoche abgehalten wird, hat nun auch seinen Eingang in
die Düsseldorfer Eventarchitektur gefunden. Denn neben den Kleiderentwürfen
selbst benötigt auch der gesellschaftliche Aspekt der Mode einen Rahmen, in dem
sich das begeisterte Publikum präsentieren kann. Ohne den Gesamtzusammenhang
eines besonderen Lebensgefühls, zu dem Menschen, Orte, Emotionen und
Geschichten gehören, ist Mode eben oft nur der Oberbegriff für Kleidungsstücke
und andere Gebrauchsgegenstände.
Seit
Jahren arbeitet der Verein Fashion Net e.V. (Link) daran, Düsseldorf wieder zu dem
Glanz zurück zu verhelfen, für das die Stadt durch die lange Tradition der
Königsallee und der IGEDO als Modestandort bekannt ist. Seitdem übertrifft
tatsächlich jede Saison die vorangegangene, insbesondere seit dem Februar
letzten Jahres. Im Februar 2014 fanden im Rahmen der Platform Fashion in Bilk
die ersten großangelegten Modenschauen statt, gefolgt von den Schauen im Juli,
bei denen klar wurde, dass Glamour und Luxus unzweifelhaft auf immer untrennbar
mit dem Stadtbild verbunden bleiben werden.![]() |
| Mit Countertenor Oswald Musielski (links) und Thomas Rath (Foto: Ellen Heyer) |
Montag, 2. Februar 2015
Düsseldorf: Euphorie und Glanz bei der Platform Fashion
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| Foto: Ellen Heyer; Outfit: Scissorella |
Glamour, Lebensfreude und Schönheit bot am gestrigen Abend die dritte Ausgabe der Platform Fashion in Düsseldorf. Bevor hier ein umfassender Bericht über die Defilees von Annette Görtz, Barbara Schwarzer, Passionata und Thomas Rath folgt, sende ich Euch einen euphorischen Gruß aus der Glitzerredaktion. SO sieht echte Düsseldorfer Begeisterung aus!
Mittwoch, 28. Januar 2015
Ansage.
Nach
sechs Jahren des Bloggens muss ich wohl auch einmal etwas über das Bloggen
selbst schreiben.
Scissorella
war ursprünglich der Name des Modelabels, das ich einmal gründen wollte.
Nachdem ich Unmengen von Kleidern entworfen und mich im Lauf der Zeit auch mit
den Mechanismen der Modebranche auseinandergesetzt habe, bin ich diesbezüglich
ein wenig desillusioniert. Es geht dort vor allem darum, dass Trends
beschlossen und umgesetzt werden. Beim Betreiben eines Blogs scheint es ähnlich
zu sein.
Da
ich aus einem Umfeld stamme, in dem man keine Aufgaben gestellt bekommt,
sondern sich seine Aufgaben selbst stellt (was definitiv schwieriger ist), habe
ich meine Kleiderentwürfe immer aus Situationen oder Themen heraus entwickelt,
die mich schwer beeindruckt haben. Dabei spielt bis heute das Motiv der
Besessenheit eine Rolle. Irgendeinen Lehrer hatte ich dabei nicht. John Keats
würde sagen „I believe in nothing but in the truth of the heart’s affection.“ Der Blog namens Scissorella entstand im November 2008
und sollte von meinen verschiedenen künstlerischen Aktionen berichten, von meiner
Herangehensweise und wie ich meine Ideen entwickele. Da die Architektur neben
der Kunst und der Literatur schon immer eine entscheidende Rolle in meinem
Leben gespielt hat, hat über die Jahre der Anteil an Architekturberichten auf
meinem Blog kontinuierlich zugenommen. Mode, Kunst, Architektur und Sprache
sind Bereiche, die untrennbar miteinander verbunden sind. Erst in ihrem
Zusammenklang kann eine Gesamtsicht entstehen.
Dienstag, 27. Januar 2015
imm cologne 2015 / SYSTEM DESIGN im makk
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| Spektakuläres Sitzen bei de Sede |
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| Retroglamour bei Gubi |
Willkommen
im modernen Biedermeier / Glückseligkeit in Opas Sessel / Bunter, runder,
weicher. Die Überschriften der offiziellen Pressetexte zur imm cologne 2015 beschreiben
genau das, was in der Architektur seit Jahren zu beobachten ist. Diejenigen,
die hoffen, dass der Trend zum Rückzug ins Private bzw. in die Gemütlichkeit
langsam einmal ein Ende haben sollte, müssen weiterhin tapfer sein und zwischen
all den flauschigen Oberflächen und kuscheligen Formen ihrerseits ihren
Privatglauben an ein zukunftsweisendes, lebendigeres Wohnen aufrecht erhalten.
Dennoch
muss ich sagen, dass es absolut beeindruckend war, tagelang durch ein riesiges
gebautes Paralleluniversum zu wandern, in dem Stile und Epochen fließend
ineinander übergingen und in dem sich neu aufgelegte Originalentwürfe mit den genau
diesen Ursprungsformen nachempfundenen Neufindungen vermischten. Vielleicht
liegt in einer Zeit, in der die Vergangenheit ein genau so wichtiger
Sehnsuchtsort geworden ist, wie in früheren Jahrzehnten die Zukunft, die
Entscheidung nicht mehr in der Frage nach dem Dekor, sondern in der Frage, ob
man sich überhaupt einer praktisch-technischen Funktionalität widmen will.
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| de Sede DS-25 |
Donnerstag, 8. Januar 2015
Fritz Schaller: Betonpilze am Kölner Dom, 1964 - 70
Bis
vor einigen Monaten standen an der Nordseite des Kölner Doms sechs kantige Betonpilze.
Die Pilze waren nicht etwa dem unweit gelegenen Heinzelmännchen-Brunnen
entlaufen, sondern markierten den Rand der Domplatte, die dort einen scharfen
Absatz macht. Schaute man über die Brüstung der Domplatte, entdeckte man die
eigentliche Funktion der Pilze: sie bildeten das Dach einer etwas tiefer
gelegenen Bushaltestelle.
Am
Ende waren die sechs Pilze das Einzige, was von der Domplatten-Neugestaltung des
Kölner Architekten Fritz Schaller noch erhalten war. Schaller hatte 1964 den
entsprechenden Wettbewerb gewonnen und sorgte daraufhin dafür, dass das Niveau
des Domplatzes auf die Höhe der Eingangspforten des Gebäudes angehoben und eine
direkte Verbindung zwischen Dom und Altstadt hergestellt wurde. Mit der
Zick-Zack-Linie der aneinander gebauten Pilzdächer und der Brüstung der
Domplatte bezog sich Schaller auf die gotischen bzw. neugotischen Formen des
Doms. Dies behauptet der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings in einem
Artikel des Kölner Stadtanzeigers (Link). Seiner Meinung nach hätten die sechs
Dächer auf ihren schlanken Stützen nicht „exekutiert“ werden müssen. Unter dem
Artikel versammeln sich in den Kommentaren die üblichen Wutausbrüche, die man
dem Beton der Sechzigerjahre gemeinhin entgegenbringt. Auch die Architektur-Fachzeitschrift
„Express“ (Link) betont konsequent in mehreren Artikeln, wie hässlich Schallers
Betonobjekte seien und lässt ihre Leser wählen, welches Gebäude sie am liebsten
abreißen würden. Die Antwort: die schlimmen Pilze stehen auf Platz eins der
„Wut-Liste“ des Jahres 2011. Im November 2013 wurden Schallers Betonskulpturen dann
abgesägt und entsorgt. Zahllose Rentner, Studenten und so genannte
Nachtschwärmer atmeten, so der Kölner Express, daraufhin merklich auf und
können sich nun endlich unbehelligt von Schallers neoexpressionistischen Formen
zwischen Dom und Hauptbahnhof aufhalten.
Sonntag, 4. Januar 2015
BÜRO211 wünscht: Viva Vivarium - Zum Wiederaufbau des Vivarium von Mark Dion im Hofgarten
Eine
Stadt wie Düsseldorf ändert andauernd ihr Aussehen, überall werden ständig
Gebäude abgerissen und ausgewechselt. Nichts hat im letzten Jahr jedoch so sehr
in das Stadtbild eingegriffen, wie der Sturm Ela, der am Pfingstfest 2014
alleine in Düsseldorf etwa 45 000 Bäume zerstört bzw. entwurzelt hat. Seitdem
werden in der Stadt Spenden für die Wiederaufforstung gesammelt. Die
Griechische Gemeinde Düsseldorf hat der Stadt beispielsweise im November fünfzig Stieleichen
geschenkt, die aus der Gegend des Olymp im Norden Griechenlands stammen.
In
das Entsetzten und die Trauer, die all die uralten, riesigen Bäume auslösten,
deren massive Wurzeln sie nicht davor bewahren konnten, umgerissen zu werden, mischte sich auch
Erstaunen über das Bild, das sich nach dem Sturm im Hofgarten bot. Dort war ein
Baum genau im rechten Winkel auf ein Glashaus gefallen, in dem schon seit
vielen Jahren ein anderer Baum aufgebahrt lag. Dabei handelte es sich um das
Vivarium des Amerikanischen Künstlers Mark Dion. Auf einem wie in einem
Schneewittchensarg liegenden Baumstamm hatte Dion Pilze und Insekten
angesiedelt und auf diese Weise so etwas wie ein lebendes Kunstwerk geschaffen.
Die Natur hatte also ein Kunstwerk zerstört, das davon handelte, etwas aus der
Natur herauszulösen und unter eine Glasglocke bzw. in den Kontext der Kunst zu
setzen (Link).
Donnerstag, 1. Januar 2015
Tag eins.
Als ich gestern Nacht aus der Stadt nach Hause kam, lagen bei mir mitten
auf der Straße zwei ineinandergeknäulte, reglose Körper und wurden von
zwei Frauen beweint. Einige erste Polizisten kamen angefahren und zwei
Leute berichteten mir, die beiden hätten sich Bierflaschen auf den Kopf
geschlagen. Der eine ist doch schon tot, meinte eine Frau. Ein älterer
Herr gesellte sich zu uns, der sich im Gehen ein Stück Klopapier in die
Nase steckte. Er hatte kurz zuvor versucht, die beiden
zu trennen und dabei selbst einen Schlag aufs Gesicht bekommen. Eine
aufgeregte Frau und ein Mädchen, das einen riesigen Kochlöffel in der
Hand trug, eilten zu der Verkehrsinsel. Noch stundenlang hörte ich von
meinem Küchenfenster aus Hundegebell, Polizeiautos und aufgeregtes
Rufen. Dabei wurde der Nebel immer dichter und legte sich über das wie
inszeniert wirkende Bild. So also begann Tag eins des neuen Jahres.
Montag, 22. Dezember 2014
Pascal Haüsermann: L’Eau Vive, Raon l’Étape 1967
Als gegen Ende der Sechzigerjahre eine euphorisch-exzessive Welle über dem Planeten zusammenschwappte und die metallisch schimmernde Geradlinigkeit von Häusern und Möbeln in Schwung versetzte, da befand sich der Schweizer Architekt Pascal Haüsermann schon lange mitten im Geschehen rund um das Maison Bulle, das Blasenhaus. Haüsermanns Geschichte zeigt, wie eine überbordende Phantasie und der Idealismus, das Wohnen spektakulärer und individualistischer zu gestalten, am Ende an immer rigider werdenden Bauvorschriften und sogar offen zur Schau gestellter Missgunst scheiten sollte.
Bereits
im Jahr 1959 baute Pascal Haüserman in Grilly ein erstes Ferienhaus und
entwickelte dabei sowohl seine Technik, Betonschalen herzustellen, als auch seine
eigenen Ideen zum Thema Autokonstruktion. Haüsermans Methode bestand darin, zunächst
ein korbartiges Gestell aus gebogenen Stahlbändern zu bauen, um in einem
zweiten Schritt die so entstandene Armierung per Hand mit Beton zu umschließen.
Eine Verschalung benötigte man für die geschwungenen Formen somit nicht. Auf
diese Weise gelangen ihm begeh- und bewohnbare Skulpturen, die an Eier,
Ellipsen und Muscheln erinnern und die ein wenig wie überdimensionierte Töpferwaren
aussehen. Nicht zufällig betreibt heute noch Haüsermanns erste Frau Claude
Costy in dem „La Ruine“ genannten Haus, das ebenfalls von dem Architekten
stammt, eine Töpferwerkstatt. Claude Costy war lange Jahre intensiv am Werk
ihres Mannes beteiligt.
Mittwoch, 3. Dezember 2014
ellipsoid episodes - Ein filmischer Ausflug in die totale Schwerelosigkeit
Nachdem „ellipsoid episodes“, mein Kurzfilm aus dem Jahr 2012, mittlerweile bei den wildesten Veranstaltungen gezeigt wurde, nehme ich den nun gerade vergangenen sechsten Geburtstag meines Blogs zum Anlass, das Weltraumabenteuer endlich Teil dieser Seite werden zu lassen. Die Entstehungsgeschichte des Films (Link) und der Kostüme, die ich dafür entworfen habe, sind genauso mit meinem Blog verwoben, wie die Erlebnisse rund um die Aufführungen der UFO-Episoden. Immer geht es dabei um meine Suche nach aufregender, futuristischer Architektur und so habe ich mich natürlich gefreut, dass „ellipsoid episodes“, nachdem ich den Film in einem Futuro von Matti Suuronen gedreht hatte, von Anfang an auch an ungewöhnlichen Orten gezeigt wurde. Seine Uraufführung erlebte der Kurzfilm bei der Eröffnung des Museums Charles Wilp Space in Witten (Link), war dann im Filmmuseum Düsseldorf zu sehen und in der Wuppertaler Galerie Grölle pass:projects (Link), während die Schwebebahn über die Köpfe der Zuschauer hinweg rauschte. Bei der Wiedereröffnung der Caprigarage (Link) wurde "ellipsoid episodes" unter einem riesigen Sternenhimmel gezeigt und war schleißlich Teil der 60. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (Link). Es bleibt mir, Euch einen vergnüglichen Ausflug in die totale Schwerelosigkeit zu wünschen.
ellipsoid episodes
Ein Film von Julia Zinnbauer
Kamera, Schnitt, Kostüme, Regie: Julia Zinnbauer
Mit Sandra Labs (Weltraummechanikerin), Patrizia Lohmann (Astronautin), Stefanie Pürschler (Astronautin), Axel Schrooten (Astronaut) und Julia Zinnbauer (Weltraumtouristin, Astronautin, Samba-Fransenmonster)
Düsseldorf 2012
Zu der Entstehungsgeschichte der Kostüme geht es hier entlang: Link / Link / Link
Montag, 1. Dezember 2014
Arne Jacobsen: Das Mainzer Rathaus (1974)
Seit Jahren diskutiert man,
ob man das Mainzer Rathaus nicht einfach abreißen soll. Zum vierzigsten
Geburtstag des Gebäudes von Arne Jacobsen und Otto Weitling fand nun im Foyer
des Hauses eine Ausstellung statt, die einmal die gesamte Entstehungsgeschichte
aufrollte und das groß angelegte Konzept hinter dem Entwurf der beiden
Architekten erklärte. Dabei wurde vor allem eines ganz deutlich: das Mainzer
Rathaus ist ein Gesamtkunstwerk.
Samstag, 22. November 2014
Die Modesammlerin: Monika Gottlieb auf der Cologne Fine Art
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| Monika Gottlieb / Kleid von Nina Ricci |
Die
Frage, was man zu seinem Jaguar E-Type anzieht, beantwortet Monika Gottlieb
natürlich mit Dior. Zurzeit nimmt die Düsseldorferin mitsamt ihrer Entourage an
der Cologne Fine Art teil und bringt mit ausgewählten Stücken aus ihrer
Sammlung den Glanz des internationalen Jetsets in die Domstadt.
Die Geschichte Monika Gottliebs ist eng verwoben mit dem Aufstieg Düsseldorfs zur Modemetropole in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und das Flair exklusiver Mode begleitet sie von klein auf. Über das Parfümerie- und Modeschäft von Monika Gottliebs Eltern in der Nähe der Königsallee und die Sammlung, die daraus hervorging, habe ich nun schon einige Male berichtet (hier (Link) und hier (Link)). Umso mehr freute ich mich, von Frau Gottlieb zur diesjährigen Cologne Fine Art eingeladen zu werden. Als zusätzliches Highlight der Messe war auf Anraten Frau Gottliebs die Londoner Auktionatorin Kerry Taylor (Link) angereist, die mit ihrem Vortrag das Publikum sehr ins Schwärmen brachte. Dabei ging es um Schätze von Madelaine Vionnet und Elsa Schiaparelli, die sie in Kellern und auf Dachböden ausfindig machte, um die Garderobe Prinzessin Dianas, um die Kleider von Filmdiven wie Liz Taylor und Ava Gardner, die Kerry Taylor immer wieder mit einem euphorischen „gorgeous“ kommentierte und schließlich auch die drei Gründe, weswegen sich eine Dame überhaupt von ihrer luxuriösen Kleidung trennt: debt, divorce, death.
Die Geschichte Monika Gottliebs ist eng verwoben mit dem Aufstieg Düsseldorfs zur Modemetropole in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und das Flair exklusiver Mode begleitet sie von klein auf. Über das Parfümerie- und Modeschäft von Monika Gottliebs Eltern in der Nähe der Königsallee und die Sammlung, die daraus hervorging, habe ich nun schon einige Male berichtet (hier (Link) und hier (Link)). Umso mehr freute ich mich, von Frau Gottlieb zur diesjährigen Cologne Fine Art eingeladen zu werden. Als zusätzliches Highlight der Messe war auf Anraten Frau Gottliebs die Londoner Auktionatorin Kerry Taylor (Link) angereist, die mit ihrem Vortrag das Publikum sehr ins Schwärmen brachte. Dabei ging es um Schätze von Madelaine Vionnet und Elsa Schiaparelli, die sie in Kellern und auf Dachböden ausfindig machte, um die Garderobe Prinzessin Dianas, um die Kleider von Filmdiven wie Liz Taylor und Ava Gardner, die Kerry Taylor immer wieder mit einem euphorischen „gorgeous“ kommentierte und schließlich auch die drei Gründe, weswegen sich eine Dame überhaupt von ihrer luxuriösen Kleidung trennt: debt, divorce, death.
Mittwoch, 19. November 2014
surveillance souterraine: Die Making-of-Fotos meines Videodrehs von Robert Freund
Als
ich im Januar des Jahres im Rahmen des onomato-Video-Stpendiums meinen Kurzfilm mit dem Titel „surveillance
souterraine“ gedreht habe (Link), begleitete der Düsseldorfer Fotograf Robert Freund (Link) das
Team für einen Tag und dokumentierte unsere Aufnahmen. Ich freue mich wirklich
sehr darüber, unsere Dreharbeiten und auch die Kostüme, die ich eigens für das Projekt entworfen und angefertigt habe, im Nachhinein noch einmal aus einer anderen,
nicht weniger architekturbegeisterten Perspektive zu sehen. Robert Freund hat
ursprünglich Architektur studiert, fotografiert jedoch seit einigen Jahren das glamouröse
Geschehen zwischen Düsseldorf und Sardinien.
Ganz
der Schönheit der Architektur dreier U-Bahnhöfe gewidmet, die im Jahr 2002 nach
Entwürfen von Wolfgang Döring im Stadtteil Düsseldorf Oberbilk eröffnet wurden,
handelt „surveillance souterraine“ davon, wie sich die vier Filmfiguren von den
elegant arrangierten Linien und Flächen der Gebäude in Bewegung versetzen
lassen und zunehmend in eine ausgelassene Euphorie geraten. Ein ganz wichtiges
Ritual, das sich über die gesamten Dreharbeiten hinweg wiederholte, lag darin,
dass wird den teils streng, teils erfreut dreinblickenden Sicherheitsleuten der
Rheinbahn mit offizieller Mine unsere Drehgenehmigung vorlegen mussten. Auch
diese Momente hat Robert Freund festgehalten. Mir bleibt, mich an dieser Stelle
noch einmal ganz herzlich sowohl bei meinen Darstellerinnen als auch bei unserem souveränen Setfotografen zu bedanken.
surveillance
souterraine
Mit
Alwina Heinz, Sandra Labs, Patrizia Lohmann und Julia Zinnbauer
Kamera,
Schnitt, Kostüme, Regie: Julia Zinnbauer
Düsseldorf
2014
20.07 min.
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| Mit Alwina Heinz (links) und Patrizia Lohmann (rechts) im Oberbilker Untergrund. |
Dienstag, 11. November 2014
Roger Hummel, André Blanc: L'École Nationale de la Marine Marchande du Havre, 1961
Zu
einer Hafenstadt, und als nichts anderes wurde LeHavre im 16. Jahrhundert
gegründet und angelegt, gehört neben einem Leuchtturm und diversen Hafenbecken
auch eine Marineschule. Die École Royale d'Hydrographie du Havre wurde bereits
im Jahr 1666 auf königliche Anweisung hin gegründet und ist eine der ältesten
Marineschulen Frankreichs. Während des Zweiten Weltkriegs und den
Bombardements, die die ganze Stadt zerstörten, wurde die Schule geschlossen und
im Jahr 1949 in einem Provisorium wiedereröffnet. Im Rahmen des Wiederaufbaus
der Stadt sollte auch die Marineschule ein neues Gebäudeensemble erhalten,
allerdings hoch oben auf einem Felsen im Vorort Sainte Adresse, mit einem
weiten Blick über Le Havre hinaus auf das Meer.
Eine gewisse Erfahrung mit Schiffsformen hatte Roger Hummel (1900 - 1983) durchaus, als er Ende der Fünfzigerjahre damit beauftragt wurde, zusammen mit seinem Kollegen André Blanc ein neues Schulgebäude für die angehenden Offiziere der Handelsmarine zu entwerfen. Das lag nicht nur daran, dass er seit 1945 der leitende Architekt der Französischen Handelsmarine war. Bereits in den Dreißigerjahren hatte er diverse Schulgebäude entworfen, und zwar ganz im Sinne der Licht, Luft und Sonne Bewegung, mit großen Terrassen und breiten Fensterbändern. Der Ozeandampfer galt damals nicht nur bei LeCorbusier als absolutes Ideal an Funktionalität und Modernität. LeCorbusier war begeistert von der Reduktion auf das technisch Notwendige an Flugzeugen, Schiffen und Silos, vom Fehlen jeglicher Dekoration und den harmonischen Proportionen rein funktionaler Bauten. Art-Déco-Architekten wie Roger Hummel imitierten mit ihren Gebäuden jedoch auch die äußere Form von Ozeandampfern mitsamt ihren Rundungen und Bullaugen (z.B. das Aquatic Bathhouse Building in San Francisco von Sargent Claude Johnson aus dem Jahr 1939 (Link)). Von Roger Hummel stammen beispielsweise La Groupe Scolaire Condorcet in Paris (1930 - 34, Link) und das Gebäude des Collège Jules Ferry in Toulouse, das 1935 eröffnet wurde (Link).
Samstag, 8. November 2014
Musée Malraux, LeHavre (1953 - 1961)
Dort,
wo Auguste Perrets strenge Betonstadt auf das Meer trifft und sich Le Havre zu
seinem namensgebenden Hafen hin öffnet, liegt das Musée Malraux. Fest in seinem
Sockel verankert, ist es in seiner filigranen Konstruktion aus Glas, Stahl und
Aluminium ganz seiner exponierten Lage gewidmet und zelebriert das extreme,
ständig wechselnde Licht der Normandie, den Wind und die weite Sicht auf das
Meer. Die
Architekten Guy Lagneau, Michel Weill, Jean Dimitrijevic und Raymond Audigier
(der auch für die Vollendung St. Josephs nach Perrets Tod im Jahr 1954 verantwortlich war (Link)), hatten ihren
Entwurf für das erste Kunstmuseum, das in Frankreich nach dem Krieg eröffnet
werden sollte und damit auch einen großen symbolischen Wert hatte, bereits im
Jahr 1953 vorgestellt. Eingeweiht wurde der Bau 1961.
Mit seiner Transparenz
und Offenheit widersprach das Musée Malraux damals allem, was man bis dahin als
Museumsbau kannte. Die Stahlkonstruktion erlaubt es, dass im Innern keine
tragenden Wände notwendig sind, ganz so, wie es LeCorbusiers Ideal entspricht.
Durch die Modularität der Trennwände kann man diese je nach Anlass arrangieren.
Um den besonderen Lichtverhältnissen gerecht zu werden, besteht für jede der
fünf Glasfassaden ein eigenes System aus Sonnenblenden. Dabei stammen die
Aluminiumelemnte und der Dachaufbau von Jean Prouvé (Link), der zudem auch die
sechs mal sieben Meter große Tür auf der Westseite des Gebäudes entworfen hat. Gefiltert
wird das Licht zusätzlich durch Streifen aus Milchglasscheiben. Die Bedeutung,
die hier dem Licht beigemessen wird, bezieht sich nicht zuletzt aber auch auf
die Malerei, der das Musée Malraux gewidmet ist (Link).Samstag, 1. November 2014
Oscar Niemeyer: Le Volcan, Le Havre, 1977 - 1982
Als
ich vor etwa einem Jahr nach Le Havre fuhr, um mir Auguste Perrets Modulstadt
(Link) und Oscar Niemeyers Kulturzentrum anzuschauen, schienen dessen großer und
kleiner Vulkan tatsächlich von einer alles zerstörenden Subduktionszone umgeben
zu sein, die sich inmitten der Stadt am Bassin de Commerce aufgetan hatte.
Obwohl das Ensemble erst 1982 eröffnet worden war, hatte man sich
offensichtlich zu einer umfassenden Renovierung, um nicht zu sagen: Demontage
der Anlage entschlossen und den ehemals taubenförmigen Grundriss in eine
Kraterlandschaft verwandelt.
Sonntag, 19. Oktober 2014
Auguste Perret: St. Joseph, Le Havre 1951- 57
Der
Wiederaufbau Le Havres nach den Ideen von Auguste Perret fand seinen Abschluss
und Höhepunkt in der Einweihung der Église St. Joseph im Jahr 1964. Außen
mit Waschbetonplatten verkleidet, erschließt sich die eigentliche Dimension von
St. Joseph erst im Inneren, wo das Licht durch millionen von farbigen
Glaselementen auf eine gigantisch anmutende Betonkonstruktion fällt. Wie bei
den Wohn- und Verwaltungsgebäuden Perrets kann man dort, im offenen Innenraum der
Kirche, deren gesamte Konstruktion nachvollziehen. Zahllose Betonpfeiler
gruppieren sich umeinander, um den hoch aufragenden Kirchturm zu tragen. Steht
man inmitten all dieser Pfeiler und Streben und blickt hinauf in das offene
Innere des Turms, glaubt man im schönsten, futuristischsten Atomkraftwerk des
gesamten Landes zu stehen. St. Joseph wird gemeinhin als Mahnmal für die
großflächige Zerstörung Le Havres im Zweiten Weltkrieg bezeichnet und dabei mit
einem Leuchtturm verglichen. Tatsächlich wird nachts die Innenbeleuchtung der
Kirche intensiviert, sodass ihr Licht weit hinaus auf das dunkle Meer fällt und
von den in der Ferne vorbeiziehenden Schiffen aus zu sehen ist.
Perrets
Ideen reichen zurück in die Zwanzigerjahre, in die Zeit, aus der seine andere
sehr bekannte Kirche stammt, Notre Dame de Raincy (1922/23). Auch der Entwurf
für St. Joseph basiert auf einem Plan aus dem Jahr 1926. Bereits damals hatte
Perret eine gigantische Kirche für Paris entworfen, die jedoch niemals gebaut
wurde. Für St. Joseph vereinfachte und verkleinerte er schließlich seinen
Entwurf. Auf diese Weise lässt sich vielleicht auch der ungewöhnliche
Gesamteindruck erklären, den das Stadtbild Le Havres und insbesondere auch die
Église St. Joseph bei Besuchern hinterlässt. Die Gebäude wirken in ihrer
Modulhaftigkeit und der konsequenten Verwendung von Stahlbeton einerseits
absolut fortschrittlich und im besten Sinne des Wortes modern. Andererseits
entsprechen Perrets Bauten so gar nicht dem Bild, das man gemeinhin von der
filigranen Stahl- und Glas-Architektur den Fünfziger- und Sechzigerjahre hat.
Eher noch denkt man an den sozialistischen Klassizismus der Karl-Marx-Allee in
Berlin, die ebenfalls aus den Fünfzigerjahren stammt (oder sogar an den Singing
Tower an der Rainbow Bridge in Niagara Falls, Link).
Sonntag, 5. Oktober 2014
Auguste Perret: Le Havre - Der Wiederaufbau 1944 bis 1964
Einmal
eine gesamte Stadt anzulegen mag der Traum manch eines Architekten sein. Sowohl
für LeCorbusier als auch für Oscar Niemeyer ging der Traum mit den Städten
Chandigarh und Brasilia in Erfüllung. Für beide Architekten war jedoch die
Ausgangssituation eine andere als bei Auguste Perret im Fall von LeHavre.
Als
LeCorbusier um 1950 mit dem Auftrag betraut wurde, nach der Teilung Indiens der
Region Punjab eine Hauptstadt zu bauen, stand ihm dafür eine riesige Fläche zur
Verfügung, auf der er all seine Überlegungen zu den Themen „Zoning“ und
„Autogerechte Stadt“ umsetzen konnte. Eine Stadt hatte es an dieser Stelle nie
gegeben und Chandigarh wurde nach einem in der Nähe gelegenen Dorf benannt.
Auch
als sich Oscar Niemeyer in den Fünfzigerjahren auf holprigen Staßen auf den Weg
ins Landesinnere von Brasilien machte, um auf das staubige Hochplateau seine
futuristische neue Hauptstadt zu stellen, befand sich dort bis dahin ebenfalls
nichts anderes als Landschaft. Zudem konzentrierten sich sowohl Niemeyer als
auch LeCorbusier vor allem auf den jeweiligen Verwaltungsbezirk ihrer Städte.
Als
Auguste Perret jedoch im Jahr 1944 die Leitung des Wiederaufbaus von Le Havre
übernahm, erwartete ihn dort eine ganz andere Situation. Über den gesamten
Zweiten Weltkrieg hinweg war die Hafenstadt an der Mündung der Seine im Norden
Frankreichs immer wieder bombardiert und damit so gut wie komplett zerstört
worden. Perret war mit einem riesigen Trümmerfeld konfrontiert und stand vor
der Aufgabe, eine gesamte Stadt zu entwerfen, die mehr als nur einen
Verwaltungsbezirk umfassen sollte. Perret war zu diesem Zeitpunkt bereits
siebzig Jahre alt und verfügte über eine lebenslange Erfahrung mit dem
Werkstoff Eisenbeton. Zudem stand ihm ein sechzigköpfiges Team aus Architekten
zur Seite.
Freitag, 3. Oktober 2014
Inside the Speaker: Katharina Grosse im Museum Kunstpalast Düsseldorf
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| Scissorella inside the Speaker (Danke für das Foto, O.G.!) |
Am letzten Sonntag wurde im
Museum Kunstpalast Katharina Grosses 800 Quadratmeter große Rauminstallation
mit dem Titel „Inside the Speaker“ eröffnet (Link). Katharina Grosse ist bekannt für
ihre großflächigen Farbexzesse, mit denen sie schon lange das Format
handelsüblicher Leinwände verlassen hat und neben ihren gigantischen Gemälden
immer wieder Räume und Gebäude bearbeitet. Eine ganze Landschaft anzulegen ist
jedoch ein neues Element ihrem Werk.
Am Sonntagnachmittag also kletterten
unzählige Zuschauer begeistert über die farbigen Erdhügel und Felsen Katharina
Grosses und wurden damit selbst Teil des unwirklichen Szenarios.
Montag, 29. September 2014
Inzwischen: Zehn Jahre Atelier Interim - Die Jubiläumsfeier
Ihre
Begeisterung für Wortspiele und verschiedene Bedeutungsebenen machten die
beiden Düsseldorfer Künstlerinnen Sandra Hoitz (Link) und Stefanie Pürschler (Link) zum
Zentrum ihrer Rauminstallation, die sie anlässlich des zehnten Jubiläums
des Ateliers Interim am 27. September
präsentierten. Sprichwörtlich ad fontes gingen sie mit ihrer Brunnenskulptur,
die sie zusammen mit einem filmischen Rückblick auf die letzten zehn Jahre des
Ateliers und Projektraums zeigten. Über die zahllosen Aktionen, die sie
„inzwischen“, so der Titel der Präsentation, in ihrem Raum durchgeführt haben,
gibt auch der Katalog Auskunft, den die beiden Künstlerinnen anlässlich des
Jubiläums veröffentlicht haben. Von Ausstellungen, Konzerten, einem
Filmfestival, einer Modeperformance, bis hin zu Lesungen, gibt es eigentlich
kaum etwas, was in dem Raum im Düsseldorfer Stadtteil Hamm nicht stattgefunden
hat.
Mittwoch, 17. September 2014
Jörg Schuler und Ekkehard Jatzlau von Lennep: Das Rathaus in Ratingen, 1969 - 72
Ratingen
ist eine wehrhafte Stadt im Nord-Osten Düsseldorfs, zu deren Verteidigung schon
vor Jahrhunderten eine ringförmige Stadtmauer angelegt wurde. Auch heute noch
umschließt die teilweise rekonstruierte Mauer die idyllische Altstadt mit
ihren Fachwerkhäusern und der gotischen Kirche St. Peter und Paul, deren Fundamente sogar
noch aus dem 8. Jahrhundert stammen. Besonders bedroht sahen sich die Ratinger
in den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts, als ihre Stadt dem nahen
Düsseldorf angeschlossen werden sollte. Aus dieser Zeit stammt auch der Plan,
in Ratingen ein besonders trutzig wirkendes Rathaus zu bauen, das eng mit der
Stadtmauer verwachsen sein sollte. Vielleicht lag es ja zu einem Teil tatsächlich
an der massieve Einheit aus dem neu gebauten, modernen Betongebäude und der
historischen Stadtmauer, am symbolischen Wert der Architektur, dass Ratingen
schließlich selbstständig blieb und die Düsseldorfer unverrichteter Dinge
wieder abzogen.
Das
Ratinger Rathaus entstand in den Jahren 1969 bis 1972 nach Entwürfen von Jörg
Schuler und Ekkehard Jatzlau von Lennep.
Wie ein Bergfried erhob sich das Verwaltungsgebäude mit seinen markanten
Querstreifen über der Stadtmauer und gliederte sich mit seinen Nebengebäuden
und dem mehreckigen Ratssaal elegant in die Ringmauer ein. Das Skulpturale des
Betons bildete mit den unregelmäßigen Steinen des Wehrgangs eine Einheit, das
Historische verband sich mit dem Modernen und die Nähe zu Gottfried Böhms
Rathaus in Bensberg (1963 bis 1969, Link) war von den beiden Architekten durchaus beabsichtigt. Als „ modern,
urban, exquisit, wenngleich auch etwas gewagt“ wurde das Ratinger Rathaus laut
einem Artikel in der RP Online (Link) zur Zeit seiner Einweihung von den
Ratingern bezeichnet. Diese Begeisterung für das moderne Betongebäude, das sich
harmonisch mit dem mittelalterlichen Stadtbild verband und sich auf die lokale
Architektur mit ihren Wehrtürmen und der gotischen Kirche Bezug nahm, liegt
nunmehr vierzig Jahre zurück. Zurzeit kann man sich über eine Webcam den schon
weit fortgeschrittenen Abriss des Ensembles live im Internet anschauen (Link).
Freitag, 12. September 2014
Phantasialand Brühl: Abschied vom Space-Age
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| Dschungel-grün anstatt weiß-silbern: Das ehemalige Space Center |
Vor
kurzem hatte ich die Möglichkeit, mir einmal Gedanken über das mir bis dahin
unbekannte Terrain der Freizeitpark-Architektur zu machen. Wer sich für Las
Vegas begeistern kann (Link), für den ist auch ein bereits im Jahr 1967
gegründeter Freizeitpark von Interesse - das Phantasialand bei Brühl.
Von
modernen Freizeitparks und Weltausstellungen erwartet man zwei Grundelemente:
eine Einschienenbahn und eine geodätische Kuppel. Sowohl Bahn als auch Kuppel
bildeten bis vor wenigen Jahren im Phantasialand eine Einheit und der Anblick des
Phantasialand Jets, dessen stromlinienförmige Waggons an der goldenen Kuppel
des Galaxy-Flugsimulators vorbeiglitten, muss tatsächlich einen Hauch von
Seattle und Montreal gehabt haben. Bei dem Brühler Jet aus dem Jahr 1972 handelte
es sich jedoch nicht um eine echte Alweg Bahn, wie die Nähe zu Köln vermuten
lässt. Dort nämlich hatte die Firma Alweg (Link) in der Fühlinger Heide bereits im
Jahr 1950 mit der Entwicklung einer Einschienenbahn begonnen, die 1959 ins
Disneyland nach Los Angeles und 1962 anlässlich der Weltausstellung auch nach
Seattle exportiert wurde. Von der Alweg Teststrecke ist in Köln leider nichts
mehr erhalten, genau so wie vom Phantasialand Jet, der in Wirklichkeit vom Achterbahn-Experten
Schwarzkopf stammt (Link).
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| Zum Glück nur umgebaut und nicht abgerissen: die geodätische Kuppel des Flugsimulators "Galaxy Quest" |
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