MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Mittwoch, 25. März 2015

Karl Lagerfeld.Modemethode. Über die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn









In einer Zeit, in der beruflicher Erfolg zunehmend mit einer immer enger werdenden Spezialisierung verbunden ist, wird das Phänomen des Universalgenies selten. Einer der wenigen, denen es gelingt, viele verschiedene Talente erfolgreich miteinander zu vereinen und dessen Spezialität geradezu die Vielseitig ist, das ist bekanntermaßen Karl Lagerfeld. Dabei ist das Element, das alle seine Tätigkeiten miteinander verbindet, das Papier. Von der Inspiration durch die Literatur und die Kunst, über das Zeichnen der Entwürfe, über das Fotografieren der Kollektionen bis hin zu deren Verbreitung in Modemagazinen – immer ist das Papier mit im Spiel. Und so trägt die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Modemethode“, die seit dem 28. März in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist, auch den Untertitel „From Paper to Paper“.  

Samstag, 14. März 2015

Zum Tode von Frei Otto: Olympia / München



Zum Tode des Architekten Frei Otto am vergangenen Montag, dem 9. März, werfen wir noch einmal einen Blick zurück ins Jahr 1972 zur Olympiade nach München. Sowohl Günther Behnisch als auch Frei Otto hatten jahrelang mit freitragenden Dachkonstruktionen experimentiert, bevor Behnisch im Jahr 1967 zusammen mit einigen anderen Architekten den Ideenwettbewerb für das Münchner Olympiagelände gewann. Als Vorbild für Behnischs Idee eines transparenten Zeltdachs hatte Frei Ottos Entwurf des Deutschen Pavillons für die Weltausstellung 1967 in Montreal gedient. Tatsächlich war die Realisierbarkeit von Behnischs Idee für die Olympiade 1972 noch ungewiss, als er den Zuschlag bekam und so lag es nah, Frei Otto mit ins Team zu holen und das spektakulärste, größte und eleganteste Zeltdach aller Zeiten zu entwerfen. Die Transparenz, die für Behnisch auch in symbolischer Hinsicht für sein gesamtes Werk von Bedeutung war, erreichte man in München durch den Einsatz tausender von Plexiglaselementen. Im Dortmunder Westfalenpark hatte Behnisch zuvor ein Sonnensegel installiert, das als direkte Vorstudie des Olympiadachs betrachtet wird. Frei Otto hingegen hatte bereits in den Fünfzigerjahren  mit Seifenlauge und Drahtmodellen experimentiert und 1957 ein erstes Zeltdach über dem Kölner Tanzbrunnen installiert.

Beweglich Plättchen aus Metall und Plastik, die mit Kettengliedern aneinander befestigt werden und eine bewegliche Oberfläche bilden, kennt man im Bereich der Mode spätestens seit Paco Rabannes Entwürfen für den Film „Barbarella“ aus dem Jahr 1968. Und nicht umsonst stellt Hans Hollein, der sich immer wieder auf Paco Rabanne bezieht, in seiner Zeitschrift „Bau“ im gleichen Jahr das Schnittmuster einer Herrenjacke dem Schnittmusterbogen des Expo-Pavillons für Montreal gegenüber.

Freitag, 13. März 2015

NRW-Forum Düsseldorf: Peter Behrens und die Vielfalt der Gestaltung

Behrens' eigenes Haus für die Mathildenhöhe in Darmstadt, 1901.
Anlässlich des 75. Todestages von Peter Behrens wurde am 27. Februar im NRW-Forum Düsseldorf eine ausgesprochen elegant entworfene Ausstellung eröffnet. Peter Behrens, der vor allem für sein gestalterisches Gesamtkonzept für die Firma AEG und die Turbinenhalle bekannt ist, die er in diesem Zusammenhang für den Standort Berlin entworfen hat, hatte über sein gesamtes Leben hinweg ein enges Verhältnis zu Düsseldorf. Nachdem er zunächst an den Kunstakademien Düsseldorf und Karlsruhe Malerei studierte und sich erst in der Folgezeit der Architektur zuwandte bzw. sein erstes Haus für die Darmstädter Mathildenhöhe baute, kehrte Behrens im Jahr 1903 zurück, setzte sich gegen seinen Mitbewerber Wilhelm Kreis durch und war von 1903 bis 1907 als Direktor der der  Kunstgewerbeschule Düsseldorf tätig. 1907 zog Behrens schließlich nach Berlin, um sein eigenes Architekturbüro zu gründen, in dem u. a. Walther Gropius, Mies van der Rohe und der damals noch unter dem Namen Jeanneret firmierende LeCorbusier arbeiten sollten. 1912 entstanddann die Turbinenhalle für AEG, an denen Walther Gropius maßgeblich beteiligt war. Das Mannesmann-Haus, das sich direkt am Düsseldorfer Rheinufer befindet, stammt aus genau dieser Zeit. Für seine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie kehrte Peter Behrens schließlich noch einmal in den Jahren 1931/22 an den Rhein zurück.

Die Ausstellung im NRW-Forum, die in Zusammenarbeit mit der FH Düsseldorf entstanden ist, hätte dem Maler, Produktdesigner und Architekten Peter Behrens  in ihrer perfekten Ausführung und mit ihren elegant arrangierten Exponaten vermutlich sehr gefallen. Zu weiteren Informationen geht es hier entlang: www.peter-behrens-ausstellung.de


Freitag, 27. Februar 2015

Gottfried Böhm: Landesbetrieb Information und Technik NRW, Düsseldorf 1972 - 76


Landesbetrieb Information und Technik NRW - das klingt weder nach Abenteuer noch nach Aufregung. Die Gegend entlang der Roßtraße, in der sich das  Statistische Landesamt befindet, wirkt auf den ersten Blick auch eher sachlich und nüchtern. Das Finanzamt Nord befindet sich dort beispielsweise und gesellt sich zu verschiedenen Bürogebäuden und gepflegten Mehrfamilienhäusern.

Inmitten dieses ordentlichen Idylls sieht es jedoch aus, als habe sich knirschend und krachend die Erde geöffnet und eine riesige rostige Maschine sei aus dem Boden geschossen, installiert von einer fremden Macht, um von dort aus den gesamten Planeten zu übernehmen. Weit ragt das rostig wirkende Monument über die umliegenden Gebäude hinaus und wirkt in seiner strengen Form, seinen stufenförmig ansteigenden unteren Geschoßen und seinen auf der Außenhaut liegenden Lüftungsrohen und Treppen ausgesprochen brachial und technisch. Noch geheimnisvoller erscheint das Gebäude zusätzlich dadurch, dass es nur über eine Brücke zu erreichen ist. Es handelt sich dabei um das sechzehngeschossige Gebäude von Gottfried Böhm für das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen aus den Jahren 1972 - 76, heute Landesbetrieb Information und Technik genannt. 

Sonntag, 22. Februar 2015

Wie ich weder Günther Uecker noch Trisha Donnelly gesehen habe. How not to be seen in Düsseldorf


Foto: Ellen Heyer
Es gibt Künstler, von denen man lange Zeit gar nicht genau wusste, ob sie überhaupt existieren. Und es gibt Künstler, die zwar schon seit Jahrzehnten den Status einer Legende haben, die aber scheinbar trotzdem auch in ihrer Heimatstadt noch immer nicht bei allen bekannt sind. Es gibt Künstler, die sich nicht fotografieren lassen und solche, die in die Kamera lächeln und Autogramme geben aber tatsächlich so viele Fans haben, dass die, die zu lange in der Schlange gestanden haben, den Meister genau um eine halbe Minute verpassen. Und dann gibt es auch noch die Art von Künstlerinnen, deren ausgeübte Kunstform das Leben selbst ist, die Eleganz und die Lebensfreude. Und diese Damen zeigen dann auch eine ausgesprochene Souveränität im Umgang mit Kameras. Am vorletzten Freitag bin ich tatsächlich ganz verschiedenen Formen des künstlerischen Ausdrucks begegnet. Oder eben gerade nicht begegnet.

Donnerstag, 19. Februar 2015

2. Fashion Blogger Café Shoeedition bei der GDS

Die Aquifer Belle von Clarks werden definitiv einen rasanten Auftritt in meinem kommenden Architekturfilm haben. Den Schuh-Muffin stellte freundlicherweise die Firma Bugatti zur Verfügung, denn ein Bloggertreffen ohne Muffins wäre schier undenkbar.

Das Fashion Blogger Café, das seit Jahren von der Modeplattform Styleranking (Link) mit solider Regelmäßigkeit an den verschiedensten Orten ausgerichtet wird, ist jedes Mal wie Weihnachten. Nur, dass es hier definitiv mehr Überraschungen gibt, als an Weihnachten und Ostern zusammen.

Schuhe: Clarks; Jacke und Shirt: Scissorella
Zum zweiten Mal fand das Styleranking-Bloggertreffen am 6. Februar nun im Rahmen der GDS statt, der Düsseldorfer Schuhmesse. Neu war dabei, dass man diesmal an mehreren Tagen Zutritt zur Messe hatte und sich somit neben dem Besuch des Bloggerevents einen ausgiebigen Überblick über die kommenden Trends verschaffen konnte. Neu war aber auch das gesamte Konzept der GDS, mit der die ursprünglich „Große Deutsche Schumusterschau“ bereits im letzten Juli in die „Global Destination for Shoes and Accessories“ umgewidmet worden war.

Nach einem umfassenden Orientierungsgang am Donnerstag widmete ich mich am Freitag ganz dem Fashionblogger-Café. Die Damen, die die Firma Clarks repräsentierten und jeder Bloggerin ein paar Schuhe schenkten, habe ich mit meiner Begeisterung vermutlich ziemlich in den Wahnsinn getrieben. Die silbefarbenen Aquifer Belle, die ich überreicht bekam, entsprachen aber auch zu sehr meiner Vorstellung von Schuhen, die genau für mich entworfen waren, sodass ich in einen Zustand der totalen Schuh-Freude verfallen MUSSTE. Die Aquifer Belle vereinen mit ihrem kleinen, perfekt geschwungenen Absatz, ihrem Fersenriemchen und ihrer unglaublich spitzen Form die Silhouette der frühen mit dem Material der späten Sechzigerjahre. DAS sind die Schuhe, die für Dachterrassen-Events und Cabriofahrten gemacht sind und ich weiß nicht, wie oft ich in diesem Zusammenhang den Namen Doris Day erwähnt habe.

Sonntag, 15. Februar 2015

Platform Fashion: Thomas Rath präsentiert "Shades of Scotland"


Vor einigen Wochen erhielt ich eine hellbraun-dunkelbraun karierte Karte, auf der eine Dame, die aussah wie Maria Stuart, zu einer Modenschau namens „Shades of Scotland“ einlud. Auf der beigefügten Rückantwort konnte ich ankreuzen, ob ich an der Veranstaltung teilnehme, nicht teilnehme, in Begleitung erscheine und / oder mit Fahrer. Die Einladung entsprach genau dem überbordenden Glamour, den man spätestens seit dem letzten großen Defilee des Absenders im vergangenen Juli ein weiteres Mal erleben wollte. Die Einladung stammte von Thomas Rath. Bereits im letzten Sommer hatte der Designer im Rahmen der Platform Fashion Gold über der Stadt ausgeschüttet, und nun sollte das Fest also fortgesetzt werden.  

Am Abend der Show entlud sich die Vorfreude aller in schiere Begeisterung, und es waren wirklich alle in den Schwanenhäfen versammelt, die man zu sehen hoffte (Link). Ich traf JADES-Inhaberin Evelyn Hammerström, das Unternermer-Ehepaar Muth, Society-Lady Renate Blumentrath, Modeexpertin Monika Gottlieb (Link) mit ihren phantastischen Freundinnen und dass ich wieder einmal Dolly Buster begegnet bin, hat mich ebenfalls ganz besonders gefreut. 

Donnerstag, 12. Februar 2015

Platform Fashion Selected in den Schwanenhöfen

Einen Überblick über die Teilnehmer der letzten Ausgaben der Platform Fashion und den Vertretern dieser Saison bot die Selected-Show im Anschluss an das Passionata-Defilee in den Schwanenhöfen. Mit dabei waren u.a. Annette Görtz (Link), Milian by Annette Görtz und Barbara Schwarzer (Link). Und wer von Passionata (Link) noch nicht genug bekommen hatte, für den posierten die Damen in der fröhlich bunten Unterwäsche noch ein zweites Mal, genau so, wie die Show auch einen Ausblick auf den Abschluss und Höhepunkt des Abends bot, auf die Kollektion von Thomas Rath mit dem Titel "Shades of Scotland". Farblich gesehen kann man festhalten, dass man zum bunten Darunter weiterhin schwarz und grau trägt und man sich sowohl bei Annette Görtz als auch bei Barbara Schwarzer an Beton- und Steinoberflächen orientiert.




Montag, 9. Februar 2015

Platform Fashion: Playful Seduction in den Schwanenhöfen - Passionata

Ob dieses Magazin nun von jungen Mädchen oder doch eher von Herren im besten Alter gelesen wird, spielt bei diesem Bericht einmal keine Rolle. Die  Passionata-Show, um die es hier geht, versetzte als Auftakt der Platform Fashion (Link) in Düsseldorf gleichermaßen alle Besucher in Begeisterung. Die Models verbreiteten mit ihren Pin-up-Posen echte Fröhlichkeit in den Schwanenhöfen und auch inhaltlich war für jeden etwas dabei. Unter dem Motto „Playful Seduction“ reichte die Palette von neon-bunt über pastellfarben-verspielt bis zu sachlich-weiß und fand ihr Finale in verrucht-schwarzer Eleganz. Mit ihrer neuen Location in den Schwanenhöfen brachte die dritte Ausgabe der Platform Fashion auch eine ganz neue Laufstegform mit sich und damit verbunden auch eine größere Möglichkeit für Choreographien. Im Gegensatz zu den bisherigen Schauen saßen die Besucher nun erstmalig mitten im Geschehen, was vermutlich ebenfalls zu der mitreißenden Begeisterung und der beschwingten Atmosphäre mit beitrug. Mit dem Dessous-Defilee von Passionata war die Basis gelegt für die weiteren Schauen des Abends, bei denen es jedoch eher um das „Darüber“ gehen sollte. Fortsetzung folgt.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Düsseldorf 2015: Platform Fashion - Das Zelt in den Schwanenhöfen



Wiedersehen mit Dolly Buster (Link)

Das Zelt (Link) als unverwechselbares Element, das in allen Metropolen in Erscheinung tritt, in denen eine Modewoche abgehalten wird, hat nun auch seinen Eingang in die Düsseldorfer Eventarchitektur gefunden. Denn neben den Kleiderentwürfen selbst benötigt auch der gesellschaftliche Aspekt der Mode einen Rahmen, in dem sich das begeisterte Publikum präsentieren kann. Ohne den Gesamtzusammenhang eines besonderen Lebensgefühls, zu dem Menschen, Orte, Emotionen und Geschichten gehören, ist Mode eben oft nur der Oberbegriff für Kleidungsstücke und andere Gebrauchsgegenstände.

Seit Jahren arbeitet der Verein Fashion Net e.V. (Link) daran, Düsseldorf wieder zu dem Glanz zurück zu verhelfen, für das die Stadt durch die lange Tradition der Königsallee und der IGEDO als Modestandort bekannt ist. Seitdem übertrifft tatsächlich jede Saison die vorangegangene, insbesondere seit dem Februar letzten Jahres. Im Februar 2014 fanden im Rahmen der Platform Fashion in Bilk die ersten großangelegten Modenschauen statt, gefolgt von den Schauen im Juli, bei denen klar wurde, dass Glamour und Luxus unzweifelhaft auf immer untrennbar mit dem Stadtbild verbunden bleiben werden.
Mit Countertenor Oswald Musielski (links) und Thomas Rath (Foto: Ellen Heyer)

Montag, 2. Februar 2015

Düsseldorf: Euphorie und Glanz bei der Platform Fashion

Foto: Ellen Heyer; Outfit: Scissorella

Glamour, Lebensfreude und Schönheit bot am gestrigen Abend die dritte Ausgabe der Platform Fashion in Düsseldorf. Bevor hier ein umfassender Bericht über die Defilees von Annette Görtz, Barbara Schwarzer, Passionata und Thomas Rath folgt, sende ich Euch einen euphorischen Gruß aus der Glitzerredaktion. SO sieht echte Düsseldorfer Begeisterung aus!

Mittwoch, 28. Januar 2015

Ansage.

Nach sechs Jahren des Bloggens muss ich wohl auch einmal etwas über das Bloggen selbst schreiben.

Scissorella war ursprünglich der Name des Modelabels, das ich einmal gründen wollte. Nachdem ich Unmengen von Kleidern entworfen und mich im Lauf der Zeit auch mit den Mechanismen der Modebranche auseinandergesetzt habe, bin ich diesbezüglich ein wenig desillusioniert. Es geht dort vor allem darum, dass Trends beschlossen und umgesetzt werden. Beim Betreiben eines Blogs scheint es ähnlich zu sein.

Da ich aus einem Umfeld stamme, in dem man keine Aufgaben gestellt bekommt, sondern sich seine Aufgaben selbst stellt (was definitiv schwieriger ist), habe ich meine Kleiderentwürfe immer aus Situationen oder Themen heraus entwickelt, die mich schwer beeindruckt haben. Dabei spielt bis heute das Motiv der Besessenheit eine Rolle. Irgendeinen Lehrer hatte ich dabei nicht. John Keats würde sagen „I believe in nothing but in the truth of the heart’s affection.“ Der Blog namens Scissorella entstand im November 2008 und sollte von meinen verschiedenen künstlerischen Aktionen berichten, von meiner Herangehensweise und wie ich meine Ideen entwickele. Da die Architektur neben der Kunst und der Literatur schon immer eine entscheidende Rolle in meinem Leben gespielt hat, hat über die Jahre der Anteil an Architekturberichten auf meinem Blog kontinuierlich zugenommen. Mode, Kunst, Architektur und Sprache sind Bereiche, die untrennbar miteinander verbunden sind. Erst in ihrem Zusammenklang kann eine Gesamtsicht entstehen.

Dienstag, 27. Januar 2015

imm cologne 2015 / SYSTEM DESIGN im makk



Spektakuläres Sitzen bei de Sede

Retroglamour bei Gubi
Willkommen im modernen Biedermeier / Glückseligkeit in Opas Sessel / Bunter, runder, weicher. Die Überschriften der offiziellen Pressetexte zur imm cologne 2015 beschreiben genau das, was in der Architektur seit Jahren zu beobachten ist. Diejenigen, die hoffen, dass der Trend zum Rückzug ins Private bzw. in die Gemütlichkeit langsam einmal ein Ende haben sollte, müssen weiterhin tapfer sein und zwischen all den flauschigen Oberflächen und kuscheligen Formen ihrerseits ihren Privatglauben an ein zukunftsweisendes, lebendigeres Wohnen aufrecht erhalten.

Dennoch muss ich sagen, dass es absolut beeindruckend war, tagelang durch ein riesiges gebautes Paralleluniversum zu wandern, in dem Stile und Epochen fließend ineinander übergingen und in dem sich neu aufgelegte Originalentwürfe mit den genau diesen Ursprungsformen nachempfundenen Neufindungen vermischten. Vielleicht liegt in einer Zeit, in der die Vergangenheit ein genau so wichtiger Sehnsuchtsort geworden ist, wie in früheren Jahrzehnten die Zukunft, die Entscheidung nicht mehr in der Frage nach dem Dekor, sondern in der Frage, ob man sich überhaupt  einer praktisch-technischen Funktionalität widmen will.

de Sede DS-25


Donnerstag, 8. Januar 2015

Fritz Schaller: Betonpilze am Kölner Dom, 1964 - 70

Brutalism,  post-war modernism, Cologne



Bis vor einigen Monaten standen an der Nordseite des Kölner Doms sechs kantige Betonpilze. Die Pilze waren nicht etwa dem unweit gelegenen Heinzelmännchen-Brunnen entlaufen, sondern markierten den Rand der Domplatte, die dort einen scharfen Absatz macht. Schaute man über die Brüstung der Domplatte, entdeckte man die eigentliche Funktion der Pilze: sie bildeten das Dach einer etwas tiefer gelegenen Bushaltestelle.

Am Ende waren die sechs Pilze das Einzige, was von der Domplatten-Neugestaltung des Kölner Architekten Fritz Schaller noch erhalten war. Schaller hatte 1964 den entsprechenden Wettbewerb gewonnen und sorgte daraufhin dafür, dass das Niveau des Domplatzes auf die Höhe der Eingangspforten des Gebäudes angehoben und eine direkte Verbindung zwischen Dom und Altstadt hergestellt wurde. Mit der Zick-Zack-Linie der aneinander gebauten Pilzdächer und der Brüstung der Domplatte bezog sich Schaller auf die gotischen bzw. neugotischen Formen des Doms. Dies behauptet der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings in einem Artikel des Kölner Stadtanzeigers (Link). Seiner Meinung nach hätten die sechs Dächer auf ihren schlanken Stützen nicht „exekutiert“ werden müssen. Unter dem Artikel versammeln sich in den Kommentaren die üblichen Wutausbrüche, die man dem Beton der Sechzigerjahre gemeinhin entgegenbringt. Auch die Architektur-Fachzeitschrift „Express“ (Link) betont konsequent in mehreren Artikeln, wie hässlich Schallers Betonobjekte seien und lässt ihre Leser wählen, welches Gebäude sie am liebsten abreißen würden. Die Antwort: die schlimmen Pilze stehen auf Platz eins der „Wut-Liste“ des Jahres 2011. Im November 2013 wurden Schallers Betonskulpturen dann abgesägt und entsorgt. Zahllose Rentner, Studenten und so genannte Nachtschwärmer atmeten, so der Kölner Express, daraufhin merklich auf und können sich nun endlich unbehelligt von Schallers neoexpressionistischen Formen zwischen Dom und Hauptbahnhof aufhalten.

Sonntag, 4. Januar 2015

BÜRO211 wünscht: Viva Vivarium - Zum Wiederaufbau des Vivarium von Mark Dion im Hofgarten


Eine Stadt wie Düsseldorf ändert andauernd ihr Aussehen, überall werden ständig Gebäude abgerissen und ausgewechselt. Nichts hat im letzten Jahr jedoch so sehr in das Stadtbild eingegriffen, wie der Sturm Ela, der am Pfingstfest 2014 alleine in Düsseldorf etwa 45 000 Bäume zerstört bzw. entwurzelt hat. Seitdem werden in der Stadt Spenden für die Wiederaufforstung gesammelt. Die Griechische Gemeinde Düsseldorf hat der Stadt beispielsweise im November fünfzig Stieleichen geschenkt, die aus der Gegend des Olymp im Norden Griechenlands stammen.

In das Entsetzten und die Trauer, die all die uralten, riesigen Bäume auslösten, deren massive Wurzeln sie nicht davor bewahren konnten, umgerissen zu werden, mischte sich auch Erstaunen über das Bild, das sich nach dem Sturm im Hofgarten bot. Dort war ein Baum genau im rechten Winkel auf ein Glashaus gefallen, in dem schon seit vielen Jahren ein anderer Baum aufgebahrt lag. Dabei handelte es sich um das Vivarium des Amerikanischen Künstlers Mark Dion. Auf einem wie in einem Schneewittchensarg liegenden Baumstamm hatte Dion Pilze und Insekten angesiedelt und auf diese Weise so etwas wie ein lebendes Kunstwerk geschaffen. Die Natur hatte also ein Kunstwerk zerstört, das davon handelte, etwas aus der Natur herauszulösen und unter eine Glasglocke bzw. in den Kontext der Kunst zu setzen (Link).

Donnerstag, 1. Januar 2015

Tag eins.


Als ich gestern Nacht aus der Stadt nach Hause kam, lagen bei mir mitten auf der Straße zwei ineinandergeknäulte, reglose Körper und wurden von zwei Frauen beweint. Einige erste Polizisten kamen angefahren und zwei Leute berichteten mir, die beiden hätten sich Bierflaschen auf den Kopf geschlagen. Der eine ist doch schon tot, meinte eine Frau. Ein älterer Herr gesellte sich zu uns, der sich im Gehen ein Stück Klopapier in die Nase steckte. Er hatte kurz zuvor versucht, die beiden zu trennen und dabei selbst einen Schlag aufs Gesicht bekommen. Eine aufgeregte Frau und ein Mädchen, das einen riesigen Kochlöffel in der Hand trug, eilten zu der Verkehrsinsel. Noch stundenlang hörte ich von meinem Küchenfenster aus Hundegebell, Polizeiautos und aufgeregtes Rufen. Dabei wurde der Nebel immer dichter und legte sich über das wie inszeniert wirkende Bild. So also begann Tag eins des neuen Jahres.

Montag, 22. Dezember 2014

Pascal Haüsermann: L’Eau Vive, Raon l’Étape 1967



Als gegen Ende der Sechzigerjahre eine euphorisch-exzessive Welle über dem Planeten zusammenschwappte und die metallisch schimmernde Geradlinigkeit von Häusern und Möbeln in Schwung versetzte, da befand sich der Schweizer Architekt Pascal Haüsermann schon lange mitten im Geschehen rund um das Maison Bulle, das Blasenhaus. Haüsermanns Geschichte zeigt, wie eine überbordende Phantasie und der Idealismus, das Wohnen spektakulärer und individualistischer zu gestalten, am Ende an immer rigider werdenden Bauvorschriften und sogar offen zur Schau gestellter Missgunst scheiten sollte.


Les Maisons Bulle
Bereits im Jahr 1959 baute Pascal Haüserman in Grilly ein erstes Ferienhaus und entwickelte dabei sowohl seine Technik, Betonschalen herzustellen, als auch seine eigenen Ideen zum Thema Autokonstruktion. Haüsermans Methode bestand darin, zunächst ein korbartiges Gestell aus gebogenen Stahlbändern zu bauen, um in einem zweiten Schritt die so entstandene Armierung per Hand mit Beton zu umschließen. Eine Verschalung benötigte man für die geschwungenen Formen somit nicht. Auf diese Weise gelangen ihm begeh- und bewohnbare Skulpturen, die an Eier, Ellipsen und Muscheln erinnern und die ein wenig wie überdimensionierte Töpferwaren aussehen. Nicht zufällig betreibt heute noch Haüsermanns erste Frau Claude Costy in dem „La Ruine“ genannten Haus, das ebenfalls von dem Architekten stammt, eine Töpferwerkstatt. Claude Costy war lange Jahre intensiv am Werk ihres Mannes beteiligt.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

ellipsoid episodes - Ein filmischer Ausflug in die totale Schwerelosigkeit

 
Nachdem „ellipsoid episodes“, mein Kurzfilm aus dem Jahr 2012, mittlerweile bei den wildesten Veranstaltungen gezeigt wurde, nehme ich den nun gerade vergangenen sechsten Geburtstag meines Blogs zum Anlass, das Weltraumabenteuer endlich Teil dieser Seite werden zu lassen. Die Entstehungsgeschichte des Films (Link) und der Kostüme, die ich dafür entworfen habe, sind genauso mit meinem Blog verwoben, wie die Erlebnisse rund um die Aufführungen der UFO-Episoden. Immer geht es dabei um meine Suche nach aufregender, futuristischer Architektur und so habe ich mich natürlich gefreut, dass „ellipsoid episodes“, nachdem ich den Film in einem Futuro von Matti Suuronen gedreht hatte, von Anfang an  auch an ungewöhnlichen Orten gezeigt wurde. Seine Uraufführung erlebte der Kurzfilm bei der Eröffnung des Museums Charles Wilp Space in Witten (Link), war dann im Filmmuseum Düsseldorf zu sehen und in der Wuppertaler Galerie Grölle pass:projects (Link), während die Schwebebahn über die Köpfe der Zuschauer hinweg rauschte. Bei der Wiedereröffnung der Caprigarage (Link) wurde "ellipsoid episodes" unter einem riesigen Sternenhimmel gezeigt und war schleißlich Teil der 60. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (Link). Es bleibt mir, Euch einen vergnüglichen Ausflug in die totale Schwerelosigkeit zu wünschen.

ellipsoid episodes
Ein Film von Julia Zinnbauer
Kamera, Schnitt, Kostüme, Regie: Julia Zinnbauer
Mit Sandra Labs (Weltraummechanikerin), Patrizia Lohmann (Astronautin), Stefanie Pürschler (Astronautin), Axel Schrooten (Astronaut) und Julia Zinnbauer (Weltraumtouristin, Astronautin, Samba-Fransenmonster)
Düsseldorf 2012 

Zu der Entstehungsgeschichte der Kostüme geht es hier entlang: Link / Link / Link

Montag, 1. Dezember 2014

Arne Jacobsen: Das Mainzer Rathaus (1974)


Seit Jahren diskutiert man, ob man das Mainzer Rathaus nicht einfach abreißen soll. Zum vierzigsten Geburtstag des Gebäudes von Arne Jacobsen und Otto Weitling fand nun im Foyer des Hauses eine Ausstellung statt, die einmal die gesamte Entstehungsgeschichte aufrollte und das groß angelegte Konzept hinter dem Entwurf der beiden Architekten erklärte. Dabei wurde vor allem eines ganz deutlich: das Mainzer Rathaus ist ein Gesamtkunstwerk.

Samstag, 22. November 2014

Die Modesammlerin: Monika Gottlieb auf der Cologne Fine Art

Monika Gottlieb / Kleid von Nina Ricci
Die Frage, was man zu seinem Jaguar E-Type anzieht, beantwortet Monika Gottlieb natürlich mit Dior. Zurzeit nimmt die Düsseldorferin mitsamt ihrer Entourage an der Cologne Fine Art teil und bringt mit ausgewählten Stücken aus ihrer Sammlung den Glanz des internationalen Jetsets in die Domstadt. 

Die Geschichte Monika Gottliebs ist eng verwoben mit dem Aufstieg Düsseldorfs zur Modemetropole in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und das Flair exklusiver Mode begleitet sie von klein auf. Über das Parfümerie- und Modeschäft von Monika Gottliebs Eltern in der Nähe der Königsallee und die Sammlung, die daraus hervorging, habe ich nun schon einige Male berichtet (hier (Link) und hier (Link)). Umso mehr freute ich mich, von Frau Gottlieb zur diesjährigen Cologne Fine Art eingeladen zu werden. Als zusätzliches Highlight der Messe war auf Anraten Frau Gottliebs die Londoner Auktionatorin Kerry Taylor (Link) angereist, die mit ihrem Vortrag das Publikum sehr ins Schwärmen brachte. Dabei ging es um Schätze von Madelaine Vionnet und Elsa Schiaparelli, die sie in Kellern und auf Dachböden ausfindig machte, um die Garderobe Prinzessin Dianas, um die Kleider von Filmdiven wie Liz Taylor und Ava Gardner, die Kerry Taylor immer wieder mit einem euphorischen „gorgeous“ kommentierte und schließlich auch die drei Gründe, weswegen sich eine Dame überhaupt von ihrer luxuriösen Kleidung trennt: debt, divorce, death. 

Mittwoch, 19. November 2014

surveillance souterraine: Die Making-of-Fotos meines Videodrehs von Robert Freund




Als ich im Januar des Jahres im Rahmen des onomato-Video-Stpendiums meinen Kurzfilm mit dem Titel „surveillance souterraine“ gedreht habe (Link), begleitete der Düsseldorfer Fotograf Robert Freund (Link) das Team für einen Tag und dokumentierte unsere Aufnahmen. Ich freue mich wirklich sehr darüber, unsere Dreharbeiten und auch die Kostüme, die ich eigens für das Projekt entworfen und angefertigt habe, im Nachhinein noch einmal aus einer anderen, nicht weniger architekturbegeisterten Perspektive zu sehen. Robert Freund hat ursprünglich Architektur studiert, fotografiert jedoch seit einigen Jahren das glamouröse Geschehen zwischen Düsseldorf und Sardinien.

Ganz der Schönheit der Architektur dreier U-Bahnhöfe gewidmet, die im Jahr 2002 nach Entwürfen von Wolfgang Döring im Stadtteil Düsseldorf Oberbilk eröffnet wurden, handelt „surveillance souterraine“ davon, wie sich die vier Filmfiguren von den elegant arrangierten Linien und Flächen der Gebäude in Bewegung versetzen lassen und zunehmend in eine ausgelassene Euphorie geraten. Ein ganz wichtiges Ritual, das sich über die gesamten Dreharbeiten hinweg wiederholte, lag darin, dass wird den teils streng, teils erfreut dreinblickenden Sicherheitsleuten der Rheinbahn mit offizieller Mine unsere Drehgenehmigung vorlegen mussten. Auch diese Momente hat Robert Freund festgehalten. Mir bleibt, mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich sowohl bei meinen Darstellerinnen als auch bei unserem  souveränen Setfotografen zu bedanken.

surveillance souterraine
Mit Alwina Heinz, Sandra Labs, Patrizia Lohmann und Julia Zinnbauer
Kamera, Schnitt, Kostüme, Regie: Julia Zinnbauer
Düsseldorf 2014
20.07 min.


Mit Alwina Heinz (links) und Patrizia Lohmann (rechts) im Oberbilker Untergrund.

Dienstag, 11. November 2014

Roger Hummel, André Blanc: L'École Nationale de la Marine Marchande du Havre, 1961


Zu einer Hafenstadt, und als nichts anderes wurde LeHavre im 16. Jahrhundert gegründet und angelegt, gehört neben einem Leuchtturm und diversen Hafenbecken auch eine Marineschule. Die École Royale d'Hydrographie du Havre wurde bereits im Jahr 1666 auf königliche Anweisung hin gegründet und ist eine der ältesten Marineschulen Frankreichs. Während des Zweiten Weltkriegs und den Bombardements, die die ganze Stadt zerstörten, wurde die Schule geschlossen und im Jahr 1949 in einem Provisorium wiedereröffnet. Im Rahmen des Wiederaufbaus der Stadt sollte auch die Marineschule ein neues Gebäudeensemble erhalten, allerdings hoch oben auf einem Felsen im Vorort Sainte Adresse, mit einem weiten Blick über Le Havre hinaus auf das Meer.



Eine gewisse Erfahrung mit Schiffsformen hatte Roger Hummel (1900 - 1983) durchaus, als er Ende der Fünfzigerjahre damit beauftragt wurde, zusammen mit seinem Kollegen André Blanc ein neues Schulgebäude für die angehenden Offiziere der Handelsmarine zu entwerfen. Das lag nicht nur daran, dass er seit 1945 der leitende Architekt der Französischen Handelsmarine war. Bereits in den Dreißigerjahren hatte er diverse Schulgebäude entworfen, und zwar ganz im Sinne der Licht, Luft und Sonne Bewegung, mit großen Terrassen und breiten Fensterbändern. Der Ozeandampfer galt damals nicht nur bei LeCorbusier als absolutes Ideal an Funktionalität und Modernität. LeCorbusier war begeistert von der Reduktion auf das technisch Notwendige an Flugzeugen, Schiffen und Silos, vom Fehlen jeglicher Dekoration und den harmonischen Proportionen rein funktionaler Bauten. Art-Déco-Architekten wie Roger Hummel imitierten mit ihren Gebäuden jedoch auch die äußere Form von Ozeandampfern mitsamt ihren Rundungen und Bullaugen (z.B. das Aquatic Bathhouse Building in San Francisco von Sargent Claude Johnson aus dem Jahr 1939 (Link)). Von Roger Hummel stammen beispielsweise La Groupe Scolaire Condorcet in Paris (1930 - 34, Link) und das Gebäude des Collège Jules Ferry in Toulouse, das 1935 eröffnet wurde  (Link).

Samstag, 8. November 2014

Musée Malraux, LeHavre (1953 - 1961)



Dort, wo Auguste Perrets strenge Betonstadt auf das Meer trifft und sich Le Havre zu seinem namensgebenden Hafen hin öffnet, liegt das Musée Malraux. Fest in seinem Sockel verankert, ist es in seiner filigranen Konstruktion aus Glas, Stahl und Aluminium ganz seiner exponierten Lage gewidmet und zelebriert das extreme, ständig wechselnde Licht der Normandie, den Wind und die weite Sicht auf das Meer. Die Architekten Guy Lagneau, Michel Weill, Jean Dimitrijevic und Raymond Audigier (der auch für die Vollendung St. Josephs nach Perrets Tod im Jahr 1954 verantwortlich war (Link)), hatten ihren Entwurf für das erste Kunstmuseum, das in Frankreich nach dem Krieg eröffnet werden sollte und damit auch einen großen symbolischen Wert hatte, bereits im Jahr 1953 vorgestellt. Eingeweiht wurde der Bau 1961. 


Mit seiner Transparenz und Offenheit widersprach das Musée Malraux damals allem, was man bis dahin als Museumsbau kannte. Die Stahlkonstruktion erlaubt es, dass im Innern keine tragenden Wände notwendig sind, ganz so, wie es LeCorbusiers Ideal entspricht. Durch die Modularität der Trennwände kann man diese je nach Anlass arrangieren. Um den besonderen Lichtverhältnissen gerecht zu werden, besteht für jede der fünf Glasfassaden ein eigenes System aus Sonnenblenden. Dabei stammen die Aluminiumelemnte und der Dachaufbau von Jean Prouvé (Link), der zudem auch die sechs mal sieben Meter große Tür auf der Westseite des Gebäudes entworfen hat. Gefiltert wird das Licht zusätzlich durch Streifen aus Milchglasscheiben. Die Bedeutung, die hier dem Licht beigemessen wird, bezieht sich nicht zuletzt aber auch auf die Malerei, der das Musée Malraux gewidmet ist (Link).

Samstag, 1. November 2014

Oscar Niemeyer: Le Volcan, Le Havre, 1977 - 1982




Als ich vor etwa einem Jahr nach Le Havre fuhr, um mir Auguste Perrets Modulstadt (Link) und Oscar Niemeyers Kulturzentrum anzuschauen, schienen dessen großer und kleiner Vulkan tatsächlich von einer alles zerstörenden Subduktionszone umgeben zu sein, die sich inmitten der Stadt am Bassin de Commerce aufgetan hatte. Obwohl das Ensemble erst 1982 eröffnet worden war, hatte man sich offensichtlich zu einer umfassenden Renovierung, um nicht zu sagen: Demontage der Anlage entschlossen und den ehemals taubenförmigen Grundriss in eine Kraterlandschaft verwandelt.


Sonntag, 19. Oktober 2014

Auguste Perret: St. Joseph, Le Havre 1951- 57




Der Wiederaufbau Le Havres nach den Ideen von Auguste Perret fand seinen Abschluss und Höhepunkt in der Einweihung der Église St. Joseph im Jahr 1964. Außen mit Waschbetonplatten verkleidet, erschließt sich die eigentliche Dimension von St. Joseph erst im Inneren, wo das Licht durch millionen von farbigen Glaselementen auf eine gigantisch anmutende Betonkonstruktion fällt. Wie bei den Wohn- und Verwaltungsgebäuden Perrets kann man dort, im offenen Innenraum der Kirche, deren gesamte Konstruktion nachvollziehen. Zahllose Betonpfeiler gruppieren sich umeinander, um den hoch aufragenden Kirchturm zu tragen. Steht man inmitten all dieser Pfeiler und Streben und blickt hinauf in das offene Innere des Turms, glaubt man im schönsten, futuristischsten Atomkraftwerk des gesamten Landes zu stehen. St. Joseph wird gemeinhin als Mahnmal für die großflächige Zerstörung Le Havres im Zweiten Weltkrieg bezeichnet und dabei mit einem Leuchtturm verglichen. Tatsächlich wird nachts die Innenbeleuchtung der Kirche intensiviert, sodass ihr Licht weit hinaus auf das dunkle Meer fällt und von den in der Ferne vorbeiziehenden Schiffen aus zu sehen ist.

Perrets Ideen reichen zurück in die Zwanzigerjahre, in die Zeit, aus der seine andere sehr bekannte Kirche stammt, Notre Dame de Raincy (1922/23). Auch der Entwurf für St. Joseph basiert auf einem Plan aus dem Jahr 1926. Bereits damals hatte Perret eine gigantische Kirche für Paris entworfen, die jedoch niemals gebaut wurde. Für St. Joseph vereinfachte und verkleinerte er schließlich seinen Entwurf. Auf diese Weise lässt sich vielleicht auch der ungewöhnliche Gesamteindruck erklären, den das Stadtbild Le Havres und insbesondere auch die Église St. Joseph bei Besuchern hinterlässt. Die Gebäude wirken in ihrer Modulhaftigkeit und der konsequenten Verwendung von Stahlbeton einerseits absolut fortschrittlich und im besten Sinne des Wortes modern. Andererseits entsprechen Perrets Bauten so gar nicht dem Bild, das man gemeinhin von der filigranen Stahl- und Glas-Architektur den Fünfziger- und Sechzigerjahre hat. Eher noch denkt man an den sozialistischen Klassizismus der Karl-Marx-Allee in Berlin, die ebenfalls aus den Fünfzigerjahren stammt (oder sogar an den Singing Tower an der Rainbow Bridge in Niagara Falls, Link).

Sonntag, 5. Oktober 2014

Auguste Perret: Le Havre - Der Wiederaufbau 1944 bis 1964



Einmal eine gesamte Stadt anzulegen mag der Traum manch eines Architekten sein. Sowohl für LeCorbusier als auch für Oscar Niemeyer ging der Traum mit den Städten Chandigarh und Brasilia in Erfüllung. Für beide Architekten war jedoch die Ausgangssituation eine andere als bei Auguste Perret im Fall von LeHavre.

Als LeCorbusier um 1950 mit dem Auftrag betraut wurde, nach der Teilung Indiens der Region Punjab eine Hauptstadt zu bauen, stand ihm dafür eine riesige Fläche zur Verfügung, auf der er all seine Überlegungen zu den Themen „Zoning“ und „Autogerechte Stadt“ umsetzen konnte. Eine Stadt hatte es an dieser Stelle nie gegeben und Chandigarh wurde nach einem in der Nähe gelegenen Dorf benannt.

Auch als sich Oscar Niemeyer in den Fünfzigerjahren auf holprigen Staßen auf den Weg ins Landesinnere von Brasilien machte, um auf das staubige Hochplateau seine futuristische neue Hauptstadt zu stellen, befand sich dort bis dahin ebenfalls nichts anderes als Landschaft. Zudem konzentrierten sich sowohl Niemeyer als auch LeCorbusier vor allem auf den jeweiligen Verwaltungsbezirk ihrer Städte.

Als Auguste Perret jedoch im Jahr 1944 die Leitung des Wiederaufbaus von Le Havre übernahm, erwartete ihn dort eine ganz andere Situation. Über den gesamten Zweiten Weltkrieg hinweg war die Hafenstadt an der Mündung der Seine im Norden Frankreichs immer wieder bombardiert und damit so gut wie komplett zerstört worden. Perret war mit einem riesigen Trümmerfeld konfrontiert und stand vor der Aufgabe, eine gesamte Stadt zu entwerfen, die mehr als nur einen Verwaltungsbezirk umfassen sollte. Perret war zu diesem Zeitpunkt bereits siebzig Jahre alt und verfügte über eine lebenslange Erfahrung mit dem Werkstoff Eisenbeton. Zudem stand ihm ein sechzigköpfiges Team aus Architekten zur Seite.

Freitag, 3. Oktober 2014

Inside the Speaker: Katharina Grosse im Museum Kunstpalast Düsseldorf

Scissorella inside the Speaker (Danke für das Foto, O.G.!)

Am letzten Sonntag wurde im Museum Kunstpalast Katharina Grosses 800 Quadratmeter große Rauminstallation mit dem Titel „Inside the Speaker“ eröffnet (Link). Katharina Grosse ist bekannt für ihre großflächigen Farbexzesse, mit denen sie schon lange das Format handelsüblicher Leinwände verlassen hat und neben ihren gigantischen Gemälden immer wieder Räume und Gebäude bearbeitet. Eine ganze Landschaft anzulegen ist jedoch ein neues Element ihrem Werk.

Am Sonntagnachmittag also kletterten unzählige Zuschauer begeistert über die farbigen Erdhügel und Felsen Katharina Grosses und wurden damit selbst Teil des unwirklichen Szenarios.

Montag, 29. September 2014

Inzwischen: Zehn Jahre Atelier Interim - Die Jubiläumsfeier



Ihre Begeisterung für Wortspiele und verschiedene Bedeutungsebenen machten die beiden Düsseldorfer Künstlerinnen Sandra Hoitz (Link) und Stefanie Pürschler (Link) zum Zentrum ihrer Rauminstallation, die sie anlässlich des zehnten Jubiläums des  Ateliers Interim am 27. September präsentierten. Sprichwörtlich ad fontes gingen sie mit ihrer Brunnenskulptur, die sie zusammen mit einem filmischen Rückblick auf die letzten zehn Jahre des Ateliers und Projektraums zeigten. Über die zahllosen Aktionen, die sie „inzwischen“, so der Titel der Präsentation, in ihrem Raum durchgeführt haben, gibt auch der Katalog Auskunft, den die beiden Künstlerinnen anlässlich des Jubiläums veröffentlicht haben. Von Ausstellungen, Konzerten, einem Filmfestival, einer Modeperformance, bis hin zu Lesungen, gibt es eigentlich kaum etwas, was in dem Raum im Düsseldorfer Stadtteil Hamm nicht stattgefunden hat.

Mittwoch, 17. September 2014

Jörg Schuler und Ekkehard Jatzlau von Lennep: Das Rathaus in Ratingen, 1969 - 72

Brutalism, post-war modernism Ratingen ist eine wehrhafte Stadt im Nord-Osten Düsseldorfs, zu deren Verteidigung schon vor Jahrhunderten eine ringförmige Stadtmauer angelegt wurde. Auch heute noch umschließt die teilweise rekonstruierte Mauer die idyllische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und der gotischen Kirche St. Peter und Paul, deren Fundamente sogar noch aus dem 8. Jahrhundert stammen. Besonders bedroht sahen sich die Ratinger in den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts, als ihre Stadt dem nahen Düsseldorf angeschlossen werden sollte. Aus dieser Zeit stammt auch der Plan, in Ratingen ein besonders trutzig wirkendes Rathaus zu bauen, das eng mit der Stadtmauer verwachsen sein sollte. Vielleicht lag es ja zu einem Teil tatsächlich an der massieve Einheit aus dem neu gebauten, modernen Betongebäude und der historischen Stadtmauer, am symbolischen Wert der Architektur, dass Ratingen schließlich selbstständig blieb und die Düsseldorfer unverrichteter Dinge wieder abzogen.

Das Ratinger Rathaus entstand in den Jahren 1969 bis 1972 nach Entwürfen von Jörg Schuler und Ekkehard Jatzlau von Lennep.  Wie ein Bergfried erhob sich das Verwaltungsgebäude mit seinen markanten Querstreifen über der Stadtmauer und gliederte sich mit seinen Nebengebäuden und dem mehreckigen Ratssaal elegant in die Ringmauer ein. Das Skulpturale des Betons bildete mit den unregelmäßigen Steinen des Wehrgangs eine Einheit, das Historische verband sich mit dem Modernen und die Nähe zu Gottfried Böhms Rathaus in Bensberg (1963 bis 1969, Link) war von den beiden Architekten durchaus beabsichtigt. Als „ modern, urban, exquisit, wenngleich auch etwas gewagt“ wurde das Ratinger Rathaus laut einem Artikel in der RP Online (Link) zur Zeit seiner Einweihung von den Ratingern bezeichnet. Diese Begeisterung für das moderne Betongebäude, das sich harmonisch mit dem mittelalterlichen Stadtbild verband und sich auf die lokale Architektur mit ihren Wehrtürmen und der gotischen Kirche Bezug nahm, liegt nunmehr vierzig Jahre zurück. Zurzeit kann man sich über eine Webcam den schon weit fortgeschrittenen Abriss des Ensembles live im Internet anschauen (Link).  

Freitag, 12. September 2014

Phantasialand Brühl: Abschied vom Space-Age

Dschungel-grün anstatt weiß-silbern: Das ehemalige Space Center


Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, mir einmal Gedanken über das mir bis dahin unbekannte Terrain der Freizeitpark-Architektur zu machen. Wer sich für Las Vegas begeistern kann (Link), für den ist auch ein bereits im Jahr 1967 gegründeter Freizeitpark von Interesse - das Phantasialand bei Brühl.

Von modernen Freizeitparks und Weltausstellungen erwartet man zwei Grundelemente: eine Einschienenbahn und eine geodätische Kuppel. Sowohl Bahn als auch Kuppel bildeten bis vor wenigen Jahren im Phantasialand eine Einheit und der Anblick des Phantasialand Jets, dessen stromlinienförmige Waggons an der goldenen Kuppel des Galaxy-Flugsimulators vorbeiglitten, muss tatsächlich einen Hauch von Seattle und Montreal gehabt haben. Bei dem Brühler Jet aus dem Jahr 1972 handelte es sich jedoch nicht um eine echte Alweg Bahn, wie die Nähe zu Köln vermuten lässt. Dort nämlich hatte die Firma Alweg (Link) in der Fühlinger Heide bereits im Jahr 1950 mit der Entwicklung einer Einschienenbahn begonnen, die 1959 ins Disneyland nach Los Angeles und 1962 anlässlich der Weltausstellung auch nach Seattle exportiert wurde. Von der Alweg Teststrecke ist in Köln leider nichts mehr erhalten, genau so wie vom Phantasialand Jet, der in Wirklichkeit vom Achterbahn-Experten Schwarzkopf stammt (Link).

Zum Glück nur umgebaut und nicht abgerissen: die geodätische Kuppel des Flugsimulators "Galaxy Quest"