MODE KUNST ARCHITEKTUR

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Samstag, 5. Juni 2021

Was ist aus der Eleganz geworden? Und was ist eigentlich Eleganz?

John Lautner: Sheats Goldstein Residence, Beverly Hills, Selbstportrait 2017

Text veröffentlicht bei Eiskellerberg.TV am 03.06.2021


Vieles wird im zweiten Jahr der Pandemie vermisst – das Reisen, das flirrende Gefühl, auf Ausstellungseröffnungen zu gehen und nicht zu wissen, wohin einen der Abend noch führt, jegliche Form von Geselligkeit und Spontaneitä, und auch so einfache Dinge, wie sich mit jemandem zu unterhalten ohne Angst zu haben, die verbrauchte Luft des anderen einzuartmen. Stattdessen sind Besuche im Baumarkt zu einem seltenen, aufregenden Ereignis geworden, Online-Events haben sich zu glamourösen Höhepunkten entwickelt und der lange verdrängte Zahnarztbesuch bringt immerhin ein wenig Dreidimensionalität in den flachen Bidschirm-Alltag.

Aber vermisst eigentlich auch jemand die Eleganz? Und was genau verbirgt sich hinter diesem Wort, das man mit Mode, gutem Design und einem gewissen Schwung verbindet? Der Begriff der Eleganz beinhaltet Klarheit und Einfachheit. Eleganz zu definieren, ist allerdings nicht so einfach.

Wörterbücher wie Duden und Wahrig sind sich einer Meinung, wenn sie die Eleganz auf die äußere Erscheinung und das Verhalten eines Menschen beziehen. Es ist die Rede von elegantem Aussehen, Gewandtheit, Geschmeidigkeit in der Bewegung, von kultivierter Form, es fallen Ausdrücke wie erlesen und harmonisch, sich elegant kleiden, eine elegante Formulierung verwenden und sogar mit einem eleganten Schwung vom Barren abgehen. Neben der Eleganz selbst findet zudem auch der sogenannte Élégant Erwähnung, der gepflegte, stets nach der letzten Mode gekleidete und frisierte Mann.

Aber spätestens die Zeile, in der die Eleganz im Wahrig-Wörterbuch als „feiner, stilsicherer, modischer Geschmack“ definiert wird lässt aufhorchen. Alleine die beiden Begriffe Stil und Geschmack verraten es schon: es ist kompliziert! Wo man auch hinblickt, wird der Begriff der Eleganz durch Ausdrücke beschrieben, die in sich selbst schon ein gesamtes weltanschauliches Konzept tragen und die man nicht so einfach als Synonyme betrachten kann.

Hier greift die Etymolgie helfend ein. Das Adjektiv „elegant“ leitet sich vom französischen „élégant“ ab, das wiederum vom lateinischen „elegans“ abstammt. „Elegans“ bedeutet „wählerisch, geschmackvoll“, abgeleitet vom Verb „eligere“, also „auswählen“. So erklärt sich auch der Begriff „elitär“. Guter Geschmack und die Fähigkeit, auszuwählen stehen also von Anfang an in direkter Verbindung. Auf welcher Grundlage aber wählt man aus? Und setzt die Möglichkeit auszuwählen nicht auch eine gewisse Freiheit voraus?