MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

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Mittwoch, 28. Januar 2026

Bjart Mohr's townhall in Fagernes/Norway and my partcipation in FLYKTIG/FUGITIVE in August 2025

 

Julia Zinnbauer, Flyktig Fugitive, Fagernes,Bjart Mohr, Odd Tandberg Costume

FLYKTIG/FUGITIVE is an ephemeral performance art project happening in Valdres, Norway every August, curated by Anne-Marte Før and Gary Farrelly.

Thanks to the the very glamorous invitation to be part of the 2025 edition, I did not only incounter the architecture of Bjart Mohr in Fagernes, but I also got to know Odd Tandberg's incredibly subtle relief in the Fagernes Kulturhuis. Mohr's townhall, inaugurated in 1979, and his Kulturhuis are linked by an elegantly floating canopy. 

As soon as you enter the Kulturhus you are being guided by a curved corridor down to a lower level where you can find the local library and the cinema. For this elegantly shaped wall, the sculptor Odd Tandberg created a relief made of concrete that deals with very different surfaces and a system of dynamic lines. Moreover, the abstract shapes of Tandberg's relief feature very different surfaces - between very soft and rather rough – and they inspred me to create a costume for the lecture performance I gave at the end of the project. In this context I projected my video about the architectural ensemble directly on the exposed aggregate concrete, which was a rhar exciting experience.

2025 participating artists were Bendik Bendik, Sissel M. Bergh, Lou Cocody-Valentino, Gary Farrelly, Anne-Marte Før, Gilles Hellemans and Julia Zinnbauer.


Julia Zinnbauer, Bjart Mohr, Odd Tandberg, Fagernes, Flyktig Fugitive


Samstag, 10. August 2019

FLYOVER im Stadtmuseum Düsseldorf - Die Eröffnung

Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf



Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer








 
Am Samstag, dem 3. August 2019 wurde mein Ausstellung "FLYOVER - Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf" Im Stadtmuseum Düsseldorf eröffnet. Ich bedanke mich bei allen, die durch ihre Begeisterung, ihr Interesse und ihre Unterstzung dazu beigetragen haben, dass das ein absolut unvergesslicher, schöner, feierlicher Abend war.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. September 2019 zu sehen. Am 8. September, dem Tag des Offenen Denkmals, werde ich um 15 Uhr eine Führung durch die Ausstellung machen und zur Finissage der Ausstellung am Sonntag, dem 15. September, 11.30 Uhr, spricht Bazon Brock im Rahmen der Denkerei mobil zum Thema: „Re - education durch Architektur. Wie die Amerikaner den Deutschen das Senkrechtstehen beibringen wollten - Stahlskelettbau und Charaktermasken“.



Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211-89-96170
www.duesseldorf.de/stadtmuseum




Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer



Samstag, 7. Juli 2018

STEADY SMILE MOVE. A video and an environment by Julia Zinnbauer at GRÖLLE passprojects Gallery, Wuppertal













Der Film „STEADY SMILE MOVE“ handelt von Bert Wollersheims Gestaltung des Interieurs seiner drei ehemaligen Bordellbetriebe auf der Rethelstraße in Düsseldorf, von seinen Überlegungen und Ideen, die dahinter stehen und von der Epoche, die mit dem geplanten Abriss der drei Häuser zu Ende geht. Der ehemalige Zuhälter Wollersheim kommt im Rahmen des Films selbst zu Wort, als kreative Geist, als Künstler, als Unternehmer, als Dandy im Sinne Charles Baudelaires und vor allem als Schöpfer eines Gesamtkunstwerks. 

Der Film, der in der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie GRÖLLE passprojects in Raum 2 zu sehen ist, wird im Zusammenhang mit einem Environment gezeigt, das aus Artefakten besteht, die allesamt aus den Häusern stammen, in denen das Video gedreht wurde. 

Eigens für die Ausstellung hat der Düsseldorfer Künstler Joe Brockerhoff ein Portrait von Julia Zinnbauer angefertigt. Brockerhoff hat bei Beuys studiert, war mit Sigmar Polke befreundet und ist der legendärste Airbrush-Künstler aller Zeiten. Von ihm stammen die Wandarbeiten in den Räumen, die in STEADY SMILE MOVE die Hauptrolle spielen.


GRÖLLE pass projects
Friedrich-Ebert-Straße 143 e
42117 Wuppertal, 7 p. m

22.06.2018 - 22.07.2018

Schwebebahn-Stop: Pestalozzistraße


English version below. 






Düsseldorfs Lage direkt am Rhein bot schon immer die besten Vorraussetzungen für den Handel und den kulturellen Austausch mit der ganzen Welt. Durch das Hofhalten von Kurfürst Jan Wellem, durch den Einfluss seiner Frau Anna Luisa de Medici und auch durch das Entstehen der Kunstakademie entwickelte sich in der alten Residenzstadt ein kulturelles Klima, in dem man gerne genießt und gerne Geld ausgiebt - für Mode, für Kunst und für das Schöne im allgemeinen. Seit Napoleons Besuch im Jahr 1811 ist Düsseldorf zudem als Messemetropole bekannt, was bis heute zum Reichtum und zum internationalen Flair der stetig wachsenden Stadt beiträgt. Auf der Königsallee wird der erwirtschafte Wohlstand schließlich zur Schau getragen, man flaniert auf und ab und hin und her, und die, die nicht reich sind, tun wenigstens so. Denn bei aller Bodenständigkeit und Leutseligkeit der Düsseldorfer gehören die ganz große Show und die Illusion ebenfalls zum Grundstock und Repertoire der Stadt.


STEADY SMILE MOVE, Filmstill: Bert Wollersheim, Julia Zinnbauer
























Während die sprichwörtlichen Milionärsgattinnen unter den alten Kastanien den Kögraben entlangschlendern, fließt ein paar Straßen weiter parallel dazu der Rhein und transportiert den Ruf und die Güter der Stadt in die Welt. Als Pendant zu den großen, öffentlichen Auftritten auf der Königsallee braucht eine Stadt wie Düsseldorf aber auch das Geheime, Verruchte und nicht minder Luxuriöse.   

Die ganz besondere Atmosphäre Düsseldorfs, die sich zwischen Glamour, Kunst, Geld, Lebenfreude, Mode, Internationalität und Illusion entspinnt, bot schließlich die idealen Bedingungen für das Entstehen eines der luxuriösestem Amüsierbetriebe der Welt. Schon in den 20erjahren des 20. Jahrhunderts war auf der Rethelstraße ein sogenannter Pensionsbetrieb gegründet worden. Im Jahr 1986 übernahm Bert Wollersheim die drei Häuser und leitete mit der spektakulären Umgestaltung des gesamten Innenraums eine ganz neue Ära auf der Rethelstraße ein. Für die Außenwelt lag immer etwas Geheimnisvolles über diesem ganz bestimmten Abschnitt der Straße. Wie es im Innern des Amüsierbetriebs tatsächlich aussah, das wusste niemand so ganz genau. Es entstanden Legenden und Geschichten, die sich um den Gebäudekomplex rankten, und wirklich sichtbar waren nur Berts riesige Stertchlimousinen, die Nacht für Nacht durch die Straßen der Stadt fuhren.  
 


















































Als der Betrieb aufgrund von internen Komplikationen vor einigen Jahren geschlossen wurde, dachte niemand in der Stadt daran, dass dieser Zustand endgültig sein sollte. Zu sehr gehörten die Erzählungen rund um die Häuser und ihren Hausherren zum Flair und zur Geschichte der Stadt. Im März 2016 hörte ich, dass die Gebäude abgerissen werden sollen. Sofort bemühte ich mich um die Möglichkeit, mir die Gebäude einmal anschauen zu können und tauchte schließlich ein in eine ganz andere, geheimnisvolle Welt, die fernab lag von jeglicher Realität. 

Gleich bei meinem ersten Besuch war mir klar, dass es sich bei all dem, wovon ich mir gerade einen allerersten Eindruck machte, um nicht weniger als ein in sich abgeschlossenes, perfekt durchgestaltetes Gesamtkunstwerk handelte. Immer wieder kehrte ich zurück auf die Rethelstraße und wenn ich einmal nicht in einem der drei Häusern war, dann träumte ich von ihnen. Ich lief hin und her und hin und her, treppauf, treppab und hin und her, draußen wurde es Tag, es wurde Nacht, die Jahreszeiten änderten sich, ich aber bekam von all dem nichts mit. Zwischen mir und der Außenwelt lagen Rolläden und Vorhänge, die auf immer verschlossen bleiben sollten. Ich verlief mich in dem Labyrinth aus Zimmern und Fluren und verlor mich in einem Kaleidoskop aus Spiegeln, deren Facetten den Raum in die Unendlichkeit vervielfältigten. 


Foto: Julia Zinnbauer
Eigens für die Ausstellung hat konnte ich den Düsseldorfer Künstler Joe Brockerhoff dafür gewinnen ein Portrait von mir zu sprayen. In den 1980er Jahren fertigte Brockerhoff großflächige, opulente Wandarbeiten für Bert Wollersheims Bordell auf der Rehtelstraße an.



Dienstag, 10. Oktober 2017

Halstenbachs in Barmen. Textile Schönheit, die alle Dimensionen umspannt

In der aktuellen Ausgabe des Kunstmagazins "Die Beste Zeit" berichte ich über Kaschmir, Bergisches Wasser  und wie Halstenbach Fine Clothes die New York Fashion Week erobert haben


Halstenbach, Wuppertal, Mode, Julia Zinnbauer
Der Name Halstenbach ist seit dem 19. Jahrhundert untrennbar mit Wuppertals Geschichte als Textilmetropole verbunden. Ganz unabhängig von der Tradition ihrer Familie hat sich Andrea Halstenbach vor einigen Jahren mit ihrem eigenen Modelabel selbstständig gemacht und zeigt mittlerweile regelmäßig ihre exklusiven Kaschmir- und Merinostrickwaren bei der New York Fashion Week. Damit belebt sie die jahrhundertealte Familientradition neu und meistert elegant Wuppertals Anschluss an das internationale Modegeschehen.

Mode, Wuppertal, Andrea Halstenbach, Julia Zinnbauer
Mit Andrea Halstenbach in ihrem Atelier
Das gute, klare, bergische Wasser, dem Wuppertal nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Existenz als Textilmetropole verdankt, entspringt einige Kilometer entfernt aus insgesamt siebenunddreißig Quellen. Siebenunddreißig silbrige Fäden fließen durch kühle Wälder, dunkle Schluchten, über die Mühlräder alter Schleifkotten und durch die Turbinen großer Staumauern und verweben sich auf ihrem Weg zu einem breiten Band, das sich schließlich geruhsam durch die Wiesen von Barmen und Elberfeld zieht.

Für das legendäre Wuppertaler Kunst- und Kulturmagazin „Die Beste Zeit“ (Link) habe ich einen umfassenden Text geschrieben, der die gesamte Geschichte der Familie Halstenbach in den größeren Zusammenhang der Städte Barmen und Elberfeld einbettet. Dabei gehe ich ganz zurück zu den Quellen, aus denen sich die lange Tradition Wuppertals als Textilhauptstadt speist. Mein Bericht spannt sich vom Ursprung der Wupper bis zum Ufer des Hudson River, von den Barmer Bauern, die im Mittelalter mit dem Garnbleichen begannen, bis zur Andrea Haltenbachs Modenschau bei der New York Fashion Week im Herbst 2017.

Die Ausgabe der „Besten Zeit“ für Oktober bis Dezember 2017 ist im Skulpturenpark Waldfrieden erhältlich, im Von-der-Heydt-Museum sowie in Buchandlungen, Zeitschriftenläden und Galerien.

Den gesamten Beitrag von mir gibt es hier als pdf: Link.


Zu Halstenbach Fine Clothes geht es hier entlang: halstenbach.biz, die Fotos der aktuellen Kollektion von Halstenbach Fine Clothes stammen von Lisa Jureczko (Link)

Mit Andrea Halstenbach und der "Besten Zeit". Der Kaschmir-Cardigan, den ich trage, stammt von Halstenbach Fine Clothes; Foto: Ulrich Halstenbach



Montag, 19. Juni 2017

Im Rausch der EuroShop: Eine mehrtägige Wanderung über die weltgrößte Messe für Visual Merchandising und Retail Design


Meine aktuelle Kolumne für das Magazin STYLEGUIDE





























Im März des Jahres fand mit der EuroShop in Düsseldorf die weltweit größte Messe für Ladenbau, Retail Design und Visual Merchandising statt. Für die Mai-Ausgabe des Magazins STYLEGUIDE habe ich mich auf eine mehrtägige Expedition in das auf dem Messegelände im düsseldorfer Norden errichtete Paralleluniversum begeben und meine Erlebnisse in einer Kolumne und dieversen Fotos festgehalten:

Ein Besuch der EuroShop Messe Düsseldorf gleicht einem Ausflug in ein ideales Einkaufsparadies, in dem allerdings nicht das verkauft wird, was in den Läden präsentiert wird, sondern die Läden selbst, genauer gesagt: ihre Ausstattung. Die weltweit größte Messe für Ladenbau, Retail Design und Visual Merchandising bietet vom Drahtkleiderbügel über den Einkaufswagen bis hin zum hyperrealistischen Luxus-Mannequin alles, was man benötigt, um den Kunden in Kauflaune zu versetzen. In diesem Jahr fand die EuroShop bereits zum fünzigsten Mal statt, und das in bisher ungekannten Dimensionenen.















 
Überwältigt von einer nicht enden wollenden Aneinderreihung von Prototypen, Dekorationen und Illusionen, läuft man als Besucher tagelang in den Messehallen umher, in denen wie in einer Stadt in der Stadt ganze Supermärkte, Modebuotiquen, Laufstege und Pavillons aufgebaut wurden. Durch die Vermischung von Abstraktion und Hyperrealismus wird die gesamte Wahrnehmung durcheinander gebracht, man verirrt sich, gerät in einem angenehmen Sinnesrausch und ist schließlich froh, den Ausgang nicht mehr zu finden. Man will nicht mehr zurück in die weit weniger perfekte, blassere Außenwelt. Verstärkt wird der Eindruck des Surrealen zusätzlich durch die spektakuläre Messearchitektur von Heinz Wilke, der den Hallen in den Siebzigerjahren durch begehbare Verbindungsröhren aus Plexi- und Fiberglas etwas unglaublich Futuristisches verliehen hat.

Julia Zinnbauer
Der Hauptmotor, der der großen Inszenierung der Euroshop zugrundeliegt, besteht neben dem Wettbewerb der verschiedenen Anbieter untereinander vor allem in deren Bedrohung durch den Online-Handel. Um den Kunden fest an den so genannten Point of Sale zu binden, muss in den Läden heute alles noch griffiger, noch schöner, noch „echter“ präsentiert werden, kurz: es müssen noch aufwendigere Legenden um das jeweilige Produkt gebildet werden. Oder der Einkauf wird einfach noch komfortabler gemacht, wie im Fall der Hundeboxen, in die Supermarktbesucher ihre Haustiere einschließen können, um sorglos und entspannt einzukaufen. In der so gewonnenen Zeit geben sie folglich mehr Geld aus. Am Wochenende kommt dann der Trolley-Wash-Lastwagen vorbei und in kürzester Zeit werden die Einkaufswagen in der mobilen Waschanlage wieder auf Hochglanz gebracht.


Architektur als Trägerin von Ideen
Auf der EuroShop wird nicht nur das Werbematerial beworben, mit verschiedenen Agenturen, die sich auf eine Verbindung von Raumkonzeptionen und Kommunikationsdesign spezialisiert haben, präsentieren sich auch die Macher hinter den Entwürfen selbst. Große Ideen lassen sich immer durch Architektur transportieren, und so beeindruckt die Agentur Designplus unter dem Motto „Join the Ride“ mit einem runden, sehr massiv wirkenden Pavillon, bei dem ein äußerer Ring von Räumen um einen inneren rotiert. So ergeben sich immer wieder ganz unterschiedliche Möglichkeiten und Konstellationen, ganz im Sinne der vielfältigen Aufgabenbereiche, durch die sich die Agentur auszeichnet. Den Messeauftritt von D’art Design zu fotografieren, erweist sich dagegen als gar nicht so einfach. In den riesigen spiegelnden Wänden sieht man vor allem sich selbst und die umliegenden Stände. Man wird selbst Teil der Inszenierung und weil man unbedingt die Idee hinter dem schwer fassbaren, beinahe körperlosen Messestand begreifen will, muss man ihn immer wieder fasziniert durchqueren.

Mannequins der Firma Genesis betrachten den rotierenden Stand von Designplus


























Mittwoch, 15. März 2017

Ein Interview mit mir sowie meine Kolumne in der Januarausgabe des Magazins STYLEGUIDE


Das Selbstportrait, mit dem das Interview mit mir bebildert ist, entstand beim Drehen meines aktuellen Architekturfilms.


Für die Januarausgabe des Retaildesign-Magazins STYLEGUIDE habe ich eine weitere Kolumne geschrieben sowie verschiedene Schaufenster fotografiert. Diesmal bin ich durch das weihnachtlich glitzernde Düsseldorf flaniert, um zu beschreiben, was sich dort in den Fenstern zwischen ganz minimalistisch und ganz opulent abgespielt hat. Im Zentrum meines Berichts steht dabei die Kugel in ihrer absoluten Perfektion und als Symbol für Geburt und Erneuerung.



In der Serie der PROFESSIONAL PROFILES ist im gleichen Heft zudem ein schönes Interview mit mir erschienen, in dem es um meine Begeisterung für Sprache und Kunst geht und auch darum, wie ich über die Mode und die Architektur zu den Themen Visual Merchandising und Retaildesign gekommen bin. Das Interview und die Kolumne können hier nachgelesen werden.




Breuninger, Düsseldorf

Sonntag, 29. Januar 2017

Das Kleid für die autogerechte Stadt

Über Mode, Architektur und Automobilismus


Mode, Automobil, Architektur


Das "Kleid für die Autogerechte Stadt" war im vergangenen Jahr bei verschiedenen Ausstellungen zu sehen, wie z.B. bei "Heimatplan" (Link / Link) in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal (Link) und im Rahmen des Projekts "Neue Heimat" in der galerie weisser elefant in Berlin (Link). Das Konzept, das dem Kleid als Bindeglied zwischen Architektur, Mode und Bewegung zugrunde liegt, habe ich im Folgenden einmal zusammengefasst, denn gerade in diesem Kleid fließen all meine meine Überlegungen und Experimente aus den vorangegangenen Filmprojekten, Kostümen, entworfenen Schnittmustern, Recherchen, Architektur- exkursionen und Texten in einem Objekt zusammen.

Architektur und Mode
Die Bewegung ist eines der Elemente, die eine Verbindung zwischen Kleidung und Architektur darstellen. Durch ein Gebäude muss man sich erst einmal hindurch bewegen, um es in seiner Gesamtheit verstehen zu können. Die Architektur verführt den Betrachter durch ihre Formen und Materialien dazu, sich in Bewegung zu setzen und zieht ihn auf diese Weise Schritt für Schritt in ihren Bann. Ähnlich verhält es sich mit Kleidung. Sie muss in der Bewegung funktionieren, verleitet den Träger aber auch durch ihre Proportionen, Volumina, Materialien und Formen, sich auf die eine oder die ganz andere Art und Weise zu bewegen, sich zu halten und sich zu positionieren.

In meinen Arbeiten begebe ich mich immer wieder auf die Suche nach den Zusammenhängen zwischen den verschiedenen Kunstformen, sei es in der Mode, der Literatur, der Architektur oder der Bildhauerei. Bewegungen lassen sich in Rhythmen übersetzen und somit auch in Proportionen, ganz unabhängig vom jeweiligen Material. Ein ideales Medium, um eine Verbindung zwischen verschiedenen Kunstformen herzustellen, ist der Film. In meinem Video mit dem Titel „surveillance souterraine“ (2014, Link) war es beispielsweise mein Ziel, die Linien und Proportionen dreier U-Bahnhöfe in Bewegungen umzusetzen und darüber hinaus Kostüme zu entwerfen, die den Materialien und Proportionen der Gebäude entsprechen.

Mode, Automobil, Architektur
Die Autogerechte Stadt
Seit dem 20. Jahrhundert spielt im Verhältnis zwischen Architektur und Bewegung noch ein weiterer Aspekt eine Rolle: das Automobil. Städte breiteten sich seit dem frühen 20. Jahrhundert parallel zu der immer schneller wachsenden Anzahl von Automobilen zu riesigen bebauten Flächen aus, wie beispielsweise Los Angeles, oder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in sogenannte autogerechte Städte umgebaut - mit breiten Durchgangsstraßen und neu angelegten Wohngebieten an der Peripherie. Eine dieser Trabantenstädte ist das Märkische Viertel in Berlin (Link), das in den Sechzigerjahren u. a. von Georg Heinrichs geplant wurde. Wer hier kein Auto hat, dem fällt es schwer, in den speziellen Genuss der modernen Großstadt zu gelangen.


Mittwoch, 18. Januar 2017

Meine Kolumne für das Magazin StyleGuide im November 2016: Wie aktuelle Modetrends ihren Weg in die Schaufenster finden

Über Neapel als ideale Kulisse und Sehnsuchtsort und Mode zwischen Messgewändern und barockem Marmor




Im vergangenen Sommer war ich gleich zweimal in Italien. Zunächst einmal saß ich im August unter Olivenbäumen am Lago die Bolsena, besichtigte Tuffsteindörfer, die hoch oben auf sich seit Jahrhunderten auflösenden, porösen Felsformationen saßen und verbrachte meinen Geburtstag in Rom – zwölf Uhr Mittags im Lichtkegel des Pantheons. Als dann im Oktober die Italiensehnsucht überhaupt nicht nachlassen wollte, stieg ich in einen VW-Bus, der bei mir vor der Tür hielt und an dem hinten ein Segelboot hing, und fuhr einfach mit – an den Gardasee. Und es war tatsächlich dort, im Segelclub Circolo Vela Arco, wo sich über den filigranen Masten der Katamarane ein riesiges Gebirge auftürmt, dessen Abwinde den ganzen See in Aufregung versetzen können, dass mich eine Nachricht erreichte, in der es um eine neue Kolumne für das Magazin StyleGuide (Link) ging. Natürlich sagte ich zu, konnte aber dank meiner aktuellen Situation nur ein einziges Thema vorschlagen: Italien. Italien als schönstes Land der Welt, Italien als Wiege der Kunst, Italien als Modezentrum, Italien als Markenbotschaft, Sophia Loren als ewige Markenbotschafterin Italiens, Neapel als italienischste Stadt überhaupt, etc.

Der fertige Artikel handelte schließlich davon, wie das Modehaus Dolce e Gabbana ein ganz bestimmtes Bild Italiens in die ganze Welt verkauft, die Altstadt Neapels in einen Laufsteg verwandelte (siehe Stefano Gabbanas Instagram-Posts, unten) und weltweit seine Niederlassungen immer individueller gestaltet. Zudem geht es auch um Schaufenster in Mailand und Düsseldorf. Die gesamte Kolumne kann man hier nachlesen: Link


Das Foto auf dem Titelblatt stammt von mir und zeigt ein Detail des
Franzen-Schaufensters auf der Königsallee in Düsseldorf
Das grüne Brokatensemble, das hier über das Kopfsteinpflaster schleift, stammt nicht von Dolce e Gabbana sondern von mir. Tatsächlich habe ich mir das barocke Korsett und den Meerjungfrauenrock einmal für eine Hochzeit in Caserta genäht, das ganz in der Nähe Neaplels liegt. Der Instagram-Account von Stefano Gabbana gibt weiter unten jedoch Auskunft über die eigentliche Modenschau, die in den Straßen Spaccanapolis stattfand.










Mittwoch, 17. August 2016

Schwarzes Leder trifft auf Gold und Champagner: Mein Bericht über die Königsallee ist im Magazin Style Guide erschienen


Das Magazin Style Guide (Link), das aus der traditionsreichen Zeitschrift "Bau auf" (später "Das Schaufenster") hervorgegnagen ist, berichtet seit mehr als sechzig Jahren über Retaildesign. Dass mein Bericht über die Königsallee und die Geschichte des Kö-Centrs in der Juli/August-Ausgabe des Style Guides erschienen ist, freut mich sehr. Darin geht es u.a. um die Umgestaltung des dem Gebäudeensemble vorgelagerten ehmaligen Eickhoff-Pavillons durch den amerikanischen Architekten Peter Marino:


Montag, 28. März 2016

Scissorella schreibt für Halstenbach Fine Clothes bei der New York Fashion Week





“Halstenbach Fine Clothes stands for a deep love for luxurious materials and highly elaborate details. As there is almost a sculptural approach towards fashion you can experience a tension between the abstract shapes of the woolen dresses, cardigans and scarves and the coziness of the soft and silky surfaces.”

Als Andrea Halstenbach, Gründerin und Designerin des Kaschmir- und Merinolabels Halstenbach Fine Clothes, Anfang des Jahres von der Agentur four18 zur PRONTO Fashion Trade Show (Link) eingeladen wurde, im Rahmen der New York Fashion Week ihre aktuelle Kollektion zu präsentieren, benötigte sie für Ihre Teilnahme weit mehr als drei Überseekoffer und eine nüchterne Bestandsliste. Sie brauchte ein Lookbook, ein Portfolio, das vor allem eines wecken sollte: das unwiderstehliche, dringliche Verlangen, sich in Halstenbachs elegante Strickwaren zu hüllen, und das so erworbene, luxuriöse Lebensgefühl an Kundinnen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent weiterzugeben.



Foto: Fee Louisa Halstenbach


Während Andrea Halstenbach also all die hochwertigen, in Italien auf historischen Strickmaschinen hergestellten Kleider, Schals, Jacken und Röcke, die in ihrer Zartheit so wie so kaum etwas wiegen, grammgenau in eine Liste eintrug, sie zollgerecht verpackte und alle weiten Vorbereitungen für ihre Reise nach Manhattan traf, entstand parallel dazu ein opulentes Lookbook. Die Fotografin Ann-Christin Freuwörth war dabei für den visuellen Teil verantwortlich, zusammen mit Stefan Wintgen, von dem das Layout stammt. Das Vorwort, das das Label in seiner Verwurzelung zwischen Tradition und Zukunft und zwischen Minimalismus und Opulenz verortet, habe ich verfasst (Link).

Freitag, 16. Oktober 2015

Der gekaufte Traum - Helga Reidemeisters Filme über das Märkische Viertel



Die großen Hochhaussiedlungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg überall in Europa an den Stadträndern entstanden, wurden von Anfang an scharf kritisiert. Die junge Filmemacherin Helga Reidemeister machte sich ab den späten 60erjahren ein ganz eigenes Bild vom Leben an der Peripherie, stand über Jahre hinweg in engem Kontakt zu den Bewohnern des Märkischen Viertels und drehte schließlich mehrere Dokumentarfilme über die Großwohnsiedlung im Nordwesten Berlins. Die Fotos, die Helga Reidemeister in diesem Zusammenhang aufnahm, sowie auch einige ihrer Filme aus dieser Zeit, sind noch bis zum 18. Oktober in vor Ort im Märkischen Viertel zu sehen, in der Viertelbox (Link).

Die Großwohnsiedlung am Stadtrand
Das Märkische Viertel, das in den 60er- und 70erjahren im Nord-Westen Berlins nach Plänen von Christian Müller und Georg Heinrichs angelegt wurde (Link), musste von Anfang an mit seinem Image kämpfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Berlin ein großer Mangel an Wohnraum und sowohl in der Innenstadt als auch in dem ursprünglich sumpfigen Gebiet bei Reinickendorf, wo die neue Hochhaussiedlung entstehen sollte, lebte man in Baracken und Notunterkünften. Um der Wohnungsnot Herr zu werden, wurden schließlich sogar Gebäude abgerissen, die die Bombardements und Kriegswirren überstanden hatten, zugunsten von riesigen, neu gebauten Wohnanlagen, wie beispielsweise das Kottbusser Tor in Kreuzberg. Diese Abrisse ganzer Areale in Verbindung mit der Umsiedlung von Leuten aus ihrem gewohnten Umfeld in zunächst gleichförmig und steril wirkende Wohnblocks, die sich im schlimmsten Fall weit außerhalb der Stadt befanden, sorgten damals für Kritik und Protest. Zusätzlich zu der Entfernung der neuen Wohngebiete wie dem Märkischen Viertel, Marzahn oder der Gropiusstadt zu den lebendigen, gewachsenen Zentren Berlins, kam die anfängliche Kargheit, die die neuen Gebäude umgab. Die geplanten Grünflächen mussten schließlich erst noch zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenwachsen und das Bild von Kindern, die auf kargem Beton spielten, prägte sich im kollektiven Gedächtnis ein. Bis heute spricht man Satelliten- und Trabantenstädten ihre Wohnlichkeit ab und kritisiert die mangelnde Lebensqualität in den Hochhaussiedlungen an den Rändern großer Städte. 


Montag, 17. August 2015

Platform Fashion Düsseldorf, Tag 2: Fashion Net Presents Düsseldorf Designers in der Alten Federnfabrik des Areal Böhler



Rita Lagune für Fashion Net
Bei der Juli-Ausgabe der Platform Fashion (Link) nahm der Fashion Net e.V. Düsseldorf (Link) zum ersten Mal mit einer eigenen Modenschau teil. In den letzten Jahren hatte der Verein immer wieder mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen dafür gesorgt, dass Düsseldorf weltweit seinen Ruf als Modemetropole ausbauen und festigen konnte, dabei reichte die Bandbreite der Events von Parties bis zu hin zu Vortragsreihen wie das Fashion Net Education Center (Link) , bei dem Modeikonen wie z.B. Patricia Field zu Wort kamen.

Nach einer Einführung von Fashion-Net-Leiter Wolfgang Hein zeigten am zweiten Tag des Modewochenendes die Labels Strehlow, ELA und Rita Lagune (Link) ihre Modelle und bewiesen dabei, wie vielfältig und individuell die Düsseldorfer Modelandschaft ist. Von futuristisch-funktional-schwarz  bei Strehlow und ELA bis zu zart-verspielt und farbenfroh bei Rita Lagune blieb kein Wunsch unerfüllt. Eingeleitet und untermalt wurde die Show des Labels von Marion Strehlow zudem durch das Elektronik-Duo BAR (Band am Rhein). Was mich allerdings ganz besonders gefreut hat, war das Wiedersehen mit Ruth Heinen und Ihrem Label Rita Lagune. Vor einigen Jahren habe ich Ruth Heinen im Rahmen eines spektakulären Filmdrehs kennen gelernt, bei der ihre Entwürfe neben der griechischen Landschaft für den entsprechenden Glamour gesorgt haben und ich dabei als Scriptgirl die Timecodes notiert habe. In Düsseldorf führt die Mode eben alle immer wieder zusammen.


Samstag, 15. August 2015

Platform Fashion Düsseldorf, Tag 1: Die AMD Best Graduate Show in der Alten Federnfabrik des Areal Böhler


Folgt man dem Weg zu all den Gebäuden und Plätzen, in und auf denen die Veranstaltungen rund um die Düsseldorfer Modewoche seit einiger Zeit stattfinden über mehrere Saisons hinweg, so gelangt man zu den schönsten und geheimnisvollsten Orte der gesamten Stadt. Eine ganze Weile ist es nun schon her, dass die letzen CPD-Modenschauen in den Messehallen im Norden der Stadt stattgefunden haben (Link). Seitdem traf sich die Modewelt im ehemaligen Amerikanischen Konsulat (Link), einem Gebäude der Architekten Skidmore, Owings and Merril auf der Cäcilienallee, im ehemaligen Gefängnis Ulmer Höh’ (Link), in der Halle 6, einer für ihre Kunstveranstaltungen bekannten, luftigen Industriehalle (Link), Im Kugelzelt auf der Fläche zwischen Ehrenhof und Rheinterrasse, mehrfach in der ehemaligen Schraubenfabrik Max Mothes in Bilk (Link) und zuletzt im Februar in den Schwanenhöfen (Link). Eine besondere Rolle hat dabei immer der Fashion Net e.V. gespielt (Link), der mit großem Einsatz dafür sorgt, dass Düsseldorf weltweit als DIE Modemetropole bekannt ist und bleibt. In der vierten Saison des Erfolgskonzepts Platform Fashion zog man nun zum ersten Mal mit den Schauen ins Areal Böhler (Link) das mit seinem markanten Spitzbunker und seinen Kaminen auf der Stadtgrenze zwischen Düsseldorf und Meerbusch gelegen, weithin sichtbar ist. Ganz unbekannt war das ehemalige Stahlwerk dem modeinteressierten Publikum nicht, hatte hier doch bereits vor zwei Jahren das Festival des Métiers der Firma Hermès stattgefunden (Link). Für die aktuelle Ausgabe der Platform Fashion bezog man nun die Alte Federnfabrik des ehemaligen Industriegeländes.

Dienstag, 28. Juli 2015

Platform Fashion Teil vier in den Böhlerwerken: Düsseldorf wieder einmal im totalen Modetaumel


In Düsseldorf war das gesamte vergangene Wochenende mit all seinen Schauen und Events ganz der Mode gewidmet. Dabei habe ich wieder einmal so viel erlebt und so viele Fotos gemacht, dass ein umfassender Bericht noch eine kleine Weile dauert. Also, seid gespannt!

Montag, 13. Juli 2015

Schwarzes Leder trifft auf Gold und Champagner: Der Amerikanische Architekt Peter Marino gestaltet für Dior den Pavillon des Kö-Centers um


Dies hier sind die eigentlichen Künstler, die die Entwürfe des New Yorker Architekten Peter Marino für Dior auf der Kö Nacht für Nacht umgesetzt haben


Für den Aufstieg Düsseldorfs zur Modemetropole nach dem Zweiten Weltkrieg steht wie ein schimmerndes Symbol das Kö-Center. Nachdem das Modeunternehmen Eickhoff über Dekaden hinweg den Pavillon des Architekturensembles aus den Sechzigerjahren bespielt hat, ist dort nun eine Dior-Filiale eingezogen.

In der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit wurde die gesamte Stadt modernisiert, es entstanden Durchfahrtsstraßen, neue Wohn- und Büroviertel (Link) wurden angelegt, plötzlich überspannte das Stadtzentrum eine Hochstraße (Link), die den Verkehr an der stählernen und gläsernen Fläche des Dreischeibenhauses und den Schwüngen des neuen Schauspielhauses vorbeiführte. In der Architektur orientierte sich Deutschland nun deutlich an Amerika, man baute breite, flache Bungalows und Hochhäuser im International Style. Düsseldorf übernahm gleich mehrere absolut innovative Ideen aus dem Kontinent jenseits des Atlantiks. So entstand 1961  mit der Hortenzentrale von Helmut Rhode (Link) das erste Gebäude des frisch angelegten Büroviertels Am Seestern und damit das erste Großraumbüro Deutschlands. Das Kö-Center auf der namensgebenden Prachtallee ist wiederum ein ganz frühes Beispiel für ein Einkaufszentrum nach Amerikanischem Vorbild und wurde 1967 eröffnet. In seinen klaren, rechtwinkligen Formen und mit seiner matt schimmernden Aluminiumfassade besteht das Kö-Center aus einem Ensemble verschiedener Geschäfte, einer legendären Disco und einem Hochhaus, das mit der Inschrift „Aluminium-Zentrale“ gekrönt ist.

Eickhoff im Kö-Center
In dem dem Hochhaus vorgelagerten Pavillon befand sich bis vor etwa einem Jahr noch das Ladenlokal der Firma Eickhoff (Link), die zusammen mit dem Uhrenhändler Blome für den traditionsreichen Luxus der Königsallee stand. Nachdem er seit 1961 seinen Modesalon in Lippstadt betrieben hatte, eröffnete Albert Eickhoff im Jahr 1981 eine Boutique auf der Königsallee und zog kurz darauf zu Blome ins Kö-Center, der dort nach wie vor seine Werkstatt und seinen Laden betreibt. Eickhoff hatte bereits in Lippstadt Entwürfe von Prada, Gucci und Chloé verkauft und wurde nicht zuletzt dadurch bekannt, Gianni Versace zu entdecken und als Erster seine Kollektionen in Deutschland zu verkaufen. Vor einem Jahr dann ging die Ära Eickhoff auf der Kö zu Ende und der damals 79jährige zog sich ins Privatleben zurück. Dass Dior nun die beiden Etagen des Pavillons gemietet habe, erzählte man sich in der Stadt, und die ehemals opulent gefüllten Schaufenster wurden großflächig mit Folien zugeklebt.

Die Neugestaltung: Peter Marino
Als der Amerikanische Architekt Peter Marino (Link) schließlich den Auftrag zur Neugestaltung des Ladens erhielt, betrat er damit nicht unbedingt Neuland. Mit dem International Style bzw. dem coolen Look der Nachkriegsmoderne ist Marino bestens vertraut, arbeitete er doch zu Beginn seiner Karriere bei Skidmore, Owings and Merrill (Link) und dem Designer und Architekten George Nelson (Link). Auch das Thema Mode ist Marino mehr als nur ein theoretischer Begriff. Seit langem ist der heute Sechsundsechzigjährige mit einer Kostümdesignerin verheiratet und hat sich schließlich darauf spezialisiert, luxuriöse Modegeschäfte in der ganzen Welt auszustatten. Zu seinen Kunden zählen Chanel, Fendi und Louis Vuitton, deren Läden er zwischen Beverly Hills und Japan mit Kunst und Design versorgt.


Dienstag, 16. Juni 2015

Mode, Kunst, Moral und das Schöne - Vivienne Westwood besucht Mönchengladbach und hält zwei Vorträge über ihre idealistische Sicht auf die Welt




Einen kurzen Text über Vivienne Westwood zu schreiben erscheint mir als etwas Unmögliches, denn die Britische Modedesignerin entwirft mehr als nur Kleidung, sie entwirft ein ganzes Lebenskonzept. Und so schnitt sie bei den zwei Vorträgen, die sie am vergangenen Dienstag in Mönchengladbach hielt, unendlich viele Themen aus den verschiedensten Lebensbereichen an und bewegte sich eloquent zwischen dem ganz Privaten und der großen Weltpolitik. Dabei wurde vor allem eines offensichtlich: die Basis für das Gelingen aller menschlicher Bestrebungen ist ein an der Kultur geschultes Urteilsvermögen.

Sowohl ihre Naturverbundenheit, die sie seit ihrer Kindheit in Tintwistle einem Dorf in der Grafschaft Derbyshire begleitet als auch ihre Tätigkeit als Grundschullehrerin wirken sich bis heute auf ihr Schaffen aus. Nach wie vor sieht sich Vivienne Westwood als Lehrerin, der die Bildung junger Menschen und das lebenslange Lernen ein ernstes Anliegen ist. Voller Idealismus referierte die Modedesignerin somit zusammen mit ihrem Ehemann Andreas Kronthaler nachmittags vor den Studenten und Studentinnen der Hochschule Niederrhein, um nach einem Pressegespräch im Hochzeitszimmer der Kaiser-Friedrich-Halle am Abend im Saal des historischen Gebäudes vor großem Publikum einen weiteren Vortrag zu halten.

Kultur als Weltformel: das Schöne und das Gute
Unabhängig davon, ob sie nun über Mode, Kunst, Inspiration, menschliche Beziehungen, das Lehren und Lernen, über Werte im Allgemeinen, ob sie über Finanz- oder Klimapolitik sprach – eines war dabei immer der zentrale Punkt: die Kultur. Kultur ermöglicht alles, Kultur ist die Basis von allem Guten, mit Kultur lassen sich die meisten Probleme lösen und  hätten wir mehr Kultur, dann wären wir weder mit der Umwelt noch mit der Finanzlage jemals in Schwierigkeiten geraten.
      Das Faszinierende an Vivienne Westwoods Überlegungen liegt darin, dass sie das Ästhetische und das Moralische als zwei untrennbare Bereiche sieht, die einander bedingen und denen sie den gleichen Wert beimisst. Mit der gleichen Überzeugung, mit der sie T.S. Eliots „Tradition and the Individual Talent“ zitiert, chinesische Malerei bewundert oder von der kulturellen Blüte Frankreichs im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts schwärmt, empfiehlt sie, Plastiktüten mehrfach zu verwenden und Leitungswasser zu trinken, um die Plastikflut zu bekämpfen. Dabei besitzt die überzeugte Vegetarierin so viel Weitsicht hinzuzufügen, dass die Produktion von Plastik weitaus weniger giftig ist als die von Leder.

Kultur, so Vivienne Westwood, ist unbedingt notwendig, um daran sein eigenes Urteilsvermögen zu schulen. Nur wer immer wieder vergleicht, sein wissen erweitert, seine eigenen Schlüsse zieht, erhält einen Einblick in die Möglichkeiten des Menschlichen Genies und ist in der Lage sich fortzuentwickeln. Vivienne Westwood glaubt fest an die menschliche Perfektabilität und auch daran dass man, indem man an sich selbst arbeitet, etwas zu der Weiterentwicklung der gesamten menschlichen Spezies in Richtung von etwas Göttlichem beiträgt. Und so ermutigte sie beispielsweise eine Studentin, die sie fragte, wie man denn nun andere Leute von seinen eigenen idealistischen Überlegungen überzeugen soll, indem sie ihr erklärte, dass es bei den eigenen Taten immer auch darum geht, wer man selbst ist, dass man vieles auch einfach für sich selber machen müsse, auch wenn man niemanden damit überzeugen könne.

Freitag, 8. Mai 2015

Shocking Pink! Monika Gottlieb referiert im Hetjens-Museum Düsseldorf über die Verbindung von Haute Couture und Porzellan in allen Nuancen der Farbe Rosa



Im Rahmen der Ausstellung „Pink Porcelain - Porzellanmalerei von Rosa bis Purpur“   präsentierte die Düsseldorfer Modeexpertin Monika Gottlieb (Link) am vergangenen Mittwoch ausgewählten Stücke aus ihrer privaten Modesammlung.

Jede einzelne Blüte der beiden Gestecke, die den Mittelpunkt des Ausstellungsraums bildeten, war mit solch einer Sorgfalt und Raffinesse platziert worden, dass sie in ihrer Kostbarkeit und zart nuancierten Farbigkeit kaum hinter den funkelnden Schmuckstücken zurücktraten, denen die Rosen, Hortensien und Orchideen in ihren Vitrinen einen Rahmen boten. Staunend scharten sich die Besucherinnen des Hetjens-Museums um die wie aus einer Märchenwelt stammenden Exponate, spiegelten sich mit ihren Kleidern in pink und rosé in den Scheiben der Vitrinen und entdeckten mit jedem Blick ein weiteres Collier, einen Armreif, einen Ring oder eine Brosche inmitten der zartblättrigen Arrangements. Auf einem Ast hatte sich sogar ein schimmernder, perlenbesetzter Falter niedergelassen.

Montag, 27. April 2015

700 Suits for the Beatles - Gordon Millings berichtet über seine Zeit als Tailor-Designer der Britischen Band



Familie Millings mit den Beatles, links Gordon Millings, in der Mitte sein Vater Dougie. Foto: (c) privat

































Millings & Son als jugendlichere Alternative zur Londoner Savile Row
Den typischen Briten in seiner coolen, souveränen, weltgewandten Art stellt man sich gerne im Anzug vor, zumindest hier auf dem Kontinent. Dieser Meinung war auch Brian Epstein, als er 1962 das Management der Beatles übernahm und ihnen ein gesamtes neues Image schuf. Epstein selbst, der zusammen mit seinem Vater mehrere Möbel- und Elektrogeschäfte betrieb und mit der Schauspielerei liebäugelte, ließ als junger Gentleman mit Stil seine Ensembles natürlich in der Londoner Savile Row anfertigen. In der Straße im Stadtteil Mayfair, in der man sich sich traditionell auf die Anfertigung individueller Herrenkleidung spezialisier hatte, benötigte man damals noch eine Empfehlung, um überhaupt einen der kostspieligen Anzüge in Auftrag geben zu dürfen. Zu den Kunden der so genannten Tailor-Designer in der Savile Row gehörte zu dieser Zeit beispielsweise der Autor Ian Fleming und somit auch dessen Protagonist James Bond. 

Gordon Millings mit Anzug und Scissorella


Viel weniger kompliziert ging es dagegen bei der Firma Millings & Son in Soho zu. Dougie Millings, der Vater, hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Bands Ukulele gespielt und war mit der Musikwelt vertraut. Dass es bei Millings & Son neben flotten Anzügen sogar einen Probenraum im Keller gab, sprach sich unter jungen Musikbands damals schnell herum, sodass Brian Epstein nicht der erste Musikmanager war, der bei den Millings schneidern ließ. Und so verabschiedete sich die Band aus Liverpool ab 1962 Stück für Stück von ihren Lederjacken, Jeans und Tollen und verwandelte sich von einer Gruppe Musiker aus den Arbeitervierteln Liverpools in elegante Großstädter mit guten Manieren.