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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Mittwoch, 25. März 2015

Karl Lagerfeld.Modemethode. Über die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn









In einer Zeit, in der beruflicher Erfolg zunehmend mit einer immer enger werdenden Spezialisierung verbunden ist, wird das Phänomen des Universalgenies selten. Einer der wenigen, denen es gelingt, viele verschiedene Talente erfolgreich miteinander zu vereinen und dessen Spezialität geradezu die Vielseitig ist, das ist bekanntermaßen Karl Lagerfeld. Dabei ist das Element, das alle seine Tätigkeiten miteinander verbindet, das Papier. Von der Inspiration durch die Literatur und die Kunst, über das Zeichnen der Entwürfe, über das Fotografieren der Kollektionen bis hin zu deren Verbreitung in Modemagazinen – immer ist das Papier mit im Spiel. Und so trägt die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Modemethode“, die seit dem 28. März in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist, auch den Untertitel „From Paper to Paper“.  













Gerhard Steidl: Papier als Grundlage der Mode und der Gesamten Ausstellung
Die Bedeutung, die dem Werkstoff Papier durch die gesamte Ausstellung hindurch beigemessen wird, liegt zudem darin begründet, dass Lagerfelds Hausverleger Gerhard Steidl (Link) für das Ausstellungsdesign verantwortlich ist. Zusammen mit dem Verleger gibt Lagerfeld seit Jahren Fotografiebände und literarische Werke heraus und auch die Drucksachen für die verschiedenen Modehäuser, für die Lagerfeld entwirft, stammen aus Steidls Verlag in Göttingen. Diese Liebe zum Papier zieht sich durch das gesamte Gestaltungskonzept der Präsentation in Bonn, und so beginnt die Ausstellung mit einem Blick auf Lagerfelds Schreibtisch, auf Blöcke und Stifte und auf Stapel von Büchern, die sich auftürmen und aus Taschen quellen, ganz zu oberst natürlich Oscar Wilde. 

Lagerfeld für Chloé






























Vom Daily Life zur Haute Couture
Die Ausstellung fängt mit der Inspiration und dem Entwurf an und endet mit dem Traum, der Haute Couture. Dazwischen liegt das, was Lagerfeld als „daily life“ bezeichnet, wie man in Neonbuchstaben lesen kann, also Prêt-à-Porter-Mode, die man auf der Straße trägt. „I like fashion to be part of daily life“, wird er zitiert. Dementsprechend hat Steidl den gesamten Prêt-à-Porter-Bereich mit einer fotografisch reproduzierten Betonoberfläche auskleiden lassen, die auf Papier gedruckt ist. In diesem Beton-Interieur leuchtet das Narzissen-Zitronengelb des Wollmantels, mit dem Lagerfelds Karriere 1957 begann, ganz besonders. Zahllose Materialien, Details und Farben wurden in diesem coolen urbanen Setting spektakulär in Szene gesetzt.



Die Modemethode: Vom Detail bis zum Gesamtkonzept hat Lagerfeld alles im Blick
Nachdem Lagerfeld zeitgleich für verschiedene Modehäuser arbeitet, kann man bei einem Gang durch die Ausstellungsräume nachvollziehen, wie er für Fendi, Chloé, Chanel und sein eigenes Label jeweils ganz verschiedene Materialien und Formen verwendet, verschiedene Silhouetten kreiert und damit ganz unterschiedliche Frauentypen erschafft.

Die titelgebende „Modemethode“ bezieht sich auf die Tatsache, dass Lagerfeld bei all seinen Projekten jedes einzelne Detail im Blick hat und beispielsweise seine Mode auch selbst fotografiert. Zu der ausgesprochen lebendigen Präsentation der einzelnen Modelle gehören auch Lagerfelds Werbekampagnen, wobei es Steidl wichtig war, die Anzeigen direkt auf die betonhaften Wände zu plakatieren. Und um zudem die Sprache der Mode zu sprechen, entschieden sich die Ausstellungsmacher nicht zu einem konventionellen Katalog, stattdessen erscheint eine Sonderausgabe der VOGUE (Link), die ganz auf die Details der Ausstellung eingeht und zudem alle Beteiligten zu Wort kommen lässt.

Abschluss und Höhepunkt der Ausstellung bildet schließlich der Papierpalast des Spanischen Designertrios Wanda Barcelona, der zwanzig Haute-Couture-Stücke beherbergt und in seiner filigranen Zartheit einen schönen Kontrast zum urbanen Look des Prêt-à-Porter-Bereichs bildet.

Die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Modemethode“ ist noch bis zum 13. September 2015 in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen (Link) und einen Überblick über die einzelnen Exponate bietet zudem die VOGUE (Link).
 



Im Rahmen der Presse-Preview führte Lady Amanda Harlech durch die Ausstellung, die seit Jahren als Lagerfelds Krativberaterin bei Chanel tätig ist.


 
Mit dem Entwurf für einen Wollmantel in der Farbe von Narzissen und Zitronen begann Lagerfelds Karriere im Jahr 1957.
Scissorella mit VOGUE-Redakteurin Suzy Menkes bei der Presse-Preview, im Hintergrund Mode von Karl Lagerfeld für Chloé
 
 
Lagerfelds Schreibtisch

Das Thema Beton ist bezüglich der Bundeskunsthalle (1985 - 93) naheliegend. Vom Architekten Axel Schultes stammt u.a. auch das Bundeskanzleramt in Berlin.