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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Samstag, 7. Juli 2018

Today in the Westdeutsche Zeitung: Thomas Frank's interview with Julia Zinnbauer about her film STEADY SMILE MOVE

The once most luxurious brothel of Düsseldorf as an overall piece of art

 

 

Today arts editor Thomas Frank published an opulent interview with me in the Westdeutsche Zeitung. 

The complete interview you can find on the newspaper's homepage.

Thank you so much, Mr Frank, I'm so glad about your comittment!


STEADY SMILE MOVE. A video and an environment by Julia Zinnbauer at GRÖLLE passprojects Gallery, Wuppertal













Der Film „STEADY SMILE MOVE“ handelt von Bert Wollersheims Gestaltung des Interieurs seiner drei ehemaligen Bordellbetriebe auf der Rethelstraße in Düsseldorf, von seinen Überlegungen und Ideen, die dahinter stehen und von der Epoche, die mit dem geplanten Abriss der drei Häuser zu Ende geht. Der ehemalige Zuhälter Wollersheim kommt im Rahmen des Films selbst zu Wort, als kreative Geist, als Künstler, als Unternehmer, als Dandy im Sinne Charles Baudelaires und vor allem als Schöpfer eines Gesamtkunstwerks. 

Der Film, der in der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie GRÖLLE passprojects in Raum 2 zu sehen ist, wird im Zusammenhang mit einem Environment gezeigt, das aus Artefakten besteht, die allesamt aus den Häusern stammen, in denen das Video gedreht wurde. 

Eigens für die Ausstellung hat der Düsseldorfer Künstler Joe Brockerhoff ein Portrait von Julia Zinnbauer angefertigt. Brockerhoff hat bei Beuys studiert, war mit Sigmar Polke befreundet und ist der legendärste Airbrush-Künstler aller Zeiten. Von ihm stammen die Wandarbeiten in den Räumen, die in STEADY SMILE MOVE die Hauptrolle spielen.


GRÖLLE pass projects
Friedrich-Ebert-Straße 143 e
42117 Wuppertal, 7 p. m

22.06.2018 - 22.07.2018

Schwebebahn-Stop: Pestalozzistraße


English version below. 






Düsseldorfs Lage direkt am Rhein bot schon immer die besten Vorraussetzungen für den Handel und den kulturellen Austausch mit der ganzen Welt. Durch das Hofhalten von Kurfürst Jan Wellem, durch den Einfluss seiner Frau Anna Luisa de Medici und auch durch das Entstehen der Kunstakademie entwickelte sich in der alten Residenzstadt ein kulturelles Klima, in dem man gerne genießt und gerne Geld ausgiebt - für Mode, für Kunst und für das Schöne im allgemeinen. Seit Napoleons Besuch im Jahr 1811 ist Düsseldorf zudem als Messemetropole bekannt, was bis heute zum Reichtum und zum internationalen Flair der stetig wachsenden Stadt beiträgt. Auf der Königsallee wird der erwirtschafte Wohlstand schließlich zur Schau getragen, man flaniert auf und ab und hin und her, und die, die nicht reich sind, tun wenigstens so. Denn bei aller Bodenständigkeit und Leutseligkeit der Düsseldorfer gehören die ganz große Show und die Illusion ebenfalls zum Grundstock und Repertoire der Stadt.


STEADY SMILE MOVE, Filmstill: Bert Wollersheim, Julia Zinnbauer
























Während die sprichwörtlichen Milionärsgattinnen unter den alten Kastanien den Kögraben entlangschlendern, fließt ein paar Straßen weiter parallel dazu der Rhein und transportiert den Ruf und die Güter der Stadt in die Welt. Als Pendant zu den großen, öffentlichen Auftritten auf der Königsallee braucht eine Stadt wie Düsseldorf aber auch das Geheime, Verruchte und nicht minder Luxuriöse.   

Die ganz besondere Atmosphäre Düsseldorfs, die sich zwischen Glamour, Kunst, Geld, Lebenfreude, Mode, Internationalität und Illusion entspinnt, bot schließlich die idealen Bedingungen für das Entstehen eines der luxuriösestem Amüsierbetriebe der Welt. Schon in den 20erjahren des 20. Jahrhunderts war auf der Rethelstraße ein sogenannter Pensionsbetrieb gegründet worden. Im Jahr 1986 übernahm Bert Wollersheim die drei Häuser und leitete mit der spektakulären Umgestaltung des gesamten Innenraums eine ganz neue Ära auf der Rethelstraße ein. Für die Außenwelt lag immer etwas Geheimnisvolles über diesem ganz bestimmten Abschnitt der Straße. Wie es im Innern des Amüsierbetriebs tatsächlich aussah, das wusste niemand so ganz genau. Es entstanden Legenden und Geschichten, die sich um den Gebäudekomplex rankten, und wirklich sichtbar waren nur Berts riesige Stertchlimousinen, die Nacht für Nacht durch die Straßen der Stadt fuhren.  
 


















































Als der Betrieb aufgrund von internen Komplikationen vor einigen Jahren geschlossen wurde, dachte niemand in der Stadt daran, dass dieser Zustand endgültig sein sollte. Zu sehr gehörten die Erzählungen rund um die Häuser und ihren Hausherren zum Flair und zur Geschichte der Stadt. Im März 2016 hörte ich, dass die Gebäude abgerissen werden sollen. Sofort bemühte ich mich um die Möglichkeit, mir die Gebäude einmal anschauen zu können und tauchte schließlich ein in eine ganz andere, geheimnisvolle Welt, die fernab lag von jeglicher Realität. 

Gleich bei meinem ersten Besuch war mir klar, dass es sich bei all dem, wovon ich mir gerade einen allerersten Eindruck machte, um nicht weniger als ein in sich abgeschlossenes, perfekt durchgestaltetes Gesamtkunstwerk handelte. Immer wieder kehrte ich zurück auf die Rethelstraße und wenn ich einmal nicht in einem der drei Häusern war, dann träumte ich von ihnen. Ich lief hin und her und hin und her, treppauf, treppab und hin und her, draußen wurde es Tag, es wurde Nacht, die Jahreszeiten änderten sich, ich aber bekam von all dem nichts mit. Zwischen mir und der Außenwelt lagen Rolläden und Vorhänge, die auf immer verschlossen bleiben sollten. Ich verlief mich in dem Labyrinth aus Zimmern und Fluren und verlor mich in einem Kaleidoskop aus Spiegeln, deren Facetten den Raum in die Unendlichkeit vervielfältigten. 


Foto: Julia Zinnbauer
Eigens für die Ausstellung hat konnte ich den Düsseldorfer Künstler Joe Brockerhoff dafür gewinnen ein Portrait von mir zu sprayen. In den 1980er Jahren fertigte Brockerhoff großflächige, opulente Wandarbeiten für Bert Wollersheims Bordell auf der Rehtelstraße an.



Dienstag, 3. Juli 2018

Cloud Stairs / Letter to Ludwig von Lilienthal

Kalligraphie















Im Rahmen der Kunst- und Museumsnacht Wuppertal habe ich in der Galerie Oktogon am vergangenen Freitag eine Lecture-Performance durchgeführt, die ganz der Schönheit, der Geschichte und der geheimnisvollen Atmosphäre des achteckigen Pavillons im Klophaus-Park gewidmet ist. Das filigrane, klassizistische Gebäude geht auf Ludwig von Lilienthal zurück. Er war Modewarenhändler, Mäzen, Maler und Dichter.






















Lieber Ludwig von Lilienthal,

Anfang Juni, wenn morgens ein hellrosa Flirren über der Stadt liegt und die warmen Luftschichten bewirken, dass alles aussieht, als sei der Blick über die Stadt mit einem grobkörnigen Film aufgenommen worden, wenn die Tage hell und glänzend und die Nächte kurz sind und nach Linden riechen, dann ziehen sich die Kanadagänse im Park ihre großen, dunkel schimmernden Schwanzfedern aus. Zu dieser Zeit sind die Gänsejungen schon recht selbstständig, sodass die schwarz-grau-weißen Eltern sich in Ruhe hinsetzen und sich ihrem Gefieder widmen können. Dann liegen an dem See, an dem ich jeden Morgen vorbeilaufe und von den würdig daherschreitenden Waservögeln begutachtet werde, wie Blüten ausgebreitet die schönsten Federn in unterschiedlichsten Größen und Formen. Hebt man sie auf und fühlt das feste elastische Material, dann erhält man eine Ahnung davon, wie der Mensch das Schreiben entwickelt hat, wie der Schwung der Schrift mit den Schwingen der Vögel und deren geschwungenen Flugbahnen zusammenhängt.

Mit einer dieser Federn schreibe ich Ihnen nun, Herr von Lilienthal. Als Inhaber und Leiter eines modernen, international ausgerichteten Kaufhauses in der Industriemetropole Elberfeld würden Sie mir heute wahrscheinlich eine E-Mail schreiben. Da Sie jedoch als Modewarenhändler, Mäzen, Maler UND Dichter bekannt sind, denke ich, Sie können mir mein romantisierendes Schreibwerkzeug nachsehen. Jemandem, der sich auf einem Berg namens Wolkenburg, auf dem niemals das Bestehen einer tatsächlichen Burg nachgewiesen werden konnte, ein wahrhaftes Märchenschloss gebaut hat, dem darf und sollte man mit der Feder schreiben, auch im Jahr 2018. Denn das verbindet uns beide wahrscheinlich – wir haben beide ein Faible für Mode, Kunst, Literatur und Architektur und sind mithilfe unserer Phantasie in der Lage, zwischen den Jahrhunderten hin und herzuspringen.

Alles, was ich über Sie lese, fasziniert mich und Sie reihen sich ein in meine Entourage außergewöhnlicher Herren, die allesamt beschlossen haben, Ihr Leben als Gesamtkunstwerk zu betrachten und für das Schöne zu kämpfen. (...)







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