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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Freitag, 2. Dezember 2016

Alice Musiol: Country. Eine Ausstellung im Museum Abtei Liesborn

Mein Text "Terra contrata" erscheint im Magazin zur Ausstellung

Alice Musiol: Ausstellungsansicht "Country"



























"Country" lautet der Titel der Ausstellung, die die kölner Künstlerin Alice Musiol (Link) für die Räume der Abtei Liesborn bei Lippstadt konzipiert hat und die am vergangenen Sonntag eröffnet wurde. Um das Projekt "Country" wortwörtlich über die Mauern der Abtei hinaus ins weite Land hinein weiterzuführen, hat sie diverse Künstler nach einem Bild- bzw. Textbeitrag gefragt und zu Ihrer Ausstellung ein Magazin veröffentlicht. Ich freue mich, dort mit meinem Text "Terra contrata" vertreten zu sein, zusammen mit Arbeiten von Chris Dreier, Bert Didillon, Pablo de Lillo, Julia Keppeler und anderen. Das Magazin liegt in der Ausstellung aus, die noch bis zum 05.02.2017 zu sehen ist, sowie hier: Link. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Seite des Museums: Link. Zeitgleich zu Alice Musiols Ausstellung wurde im Museum Abtei Liesborn eine Ausstellung mit Werken des Innenarchitekten und Designers Martin von Wnorowski eröffnet, der an diesem Tag einhundert Jahre alt geworden wäre (Link).


Terra contrata
Das Wort „country“, das sowohl „Land“ bedeutet als auch häufig mit „Landschaft“ in Verbindung gebracht wird, fand seinen Weg in die englische Sprache ganz bildhaft im Rahmen einer Landnahme. Im Jahr 1066 machte sich der normannische Herzog Williame II. zusammen mit seinen Kriegern von Nordfrankreich aus auf den Weg über den Ärmelkanal, um das gesamte englische Königshaus und den Klerus zu beseitigen und durch eigene Landsleute zu ersetzen. Auf diese Weise fand die Sprache der Eroberer ihren Eingang in das Englische, vor allem aber in den Bereichen des Höfischen, der Verwaltung und des Rechts. Herzog Williame sprach mit dem Normannischen eine Varietät des Altfranzösischen, einer romanischen Sprache, die sich in den folgenden Jahrhunderten mit dem Angelsächsischen vermischen und fortan als Anglonormannisch bezeichnet werden sollte. Das altfranzösische „contree“, das Williame verwendete und das dem Wort „country“ zugrunde liegt, leitet sich vom vulgärlateinischen „(terra) contrata“ ab. „Contrata“, so das „Concise Oxford Dictionary of English Etymology“, wurde v.a. in Verbindung mit dem Wort „terra“ verwendet, also „terra contrata“, „das Land auf der gegenüberliegenden Seite“ bzw. „das Land, das sich vor jemandem ausbreitet“. 


Der Text "Terra contrata" von Julia Zinnbauer ist im Magazin zur Ausstellung "Country" von Alice Musiol erschienen.
"Country" - das Magazin zur gleichnamigen Ausstellung, aufgeschlagen eine Fotografie von Chris Dreier und mein Text "Terra contrata"




























Mittwoch, 9. November 2016

Screenshots digitaler Kultur: Ein Rückblick auf die Premiere des Festivals "die digitale düsseldorf"




Düsseldorf als Ausgangspunkt der digitalen Kunst
Dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, in Düsseldorf ein ganz den digitalen Künsten gewidmetes Festival zu begründen, hat sich in den insgesamt vier Tagen der „digitalen düsseldorf“ (Link) deutlich gezeigt. Denn auch wenn die Stadt dank Kraftwerk und Nam June Paik als Ursprungsort der elektronischen Musik und Kunst gilt, liegt sowohl die Gründung der weltweit bekannten Musikgruppe als auch Nam June Paiks Tätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf doch schon einige Jahre zurück. Anstatt in die Vergangenheit zu blicken ist es notwendig, den zeitgenössischen digitalen Strömungen Düsseldorfs eine Plattform zu geben und sie in all ihrer Vielfältigkeit und Aktualität zu betrachten. Und noch etwas wurde im Rahmen des Festivals klar: es besteht aktuter Redebedarf. Denn zwischen Fortschritt, kühler Perfektion und technischer Klarheit auf der einen Seite und einer latenten Angst vor der geheimen Übermacht des Digitalen und all seiner Begleiterscheinungen auf der anderen Seite steht der Mensch, der offensichtlich noch einige Fragen zum Thema hat.

Da ich selbst noch keinen digitalen Doppelgänger habe, konnte ich leider nur einen Teil der unendlich vielen Konzerte, Performances und Ausstellungen sehen, die im Rahmen des Festivals stattfanden. Aber dank der digitalen Vernetzung kann man die einzelnen Elemente ja auch noch im Nachhinein betrachten, zumindest im virtuellen Raum.

digitale subtilitäten im onomato
Den Auftakt der „digitalen“ machten am Abend des 3. Novembers die Brause, damenundherren, die Galerie W5sieben und der onomato Videokunstverein. Die Macher des onomatos  (Link) hatten mich eingeladen, noch einmal meinen Kurzfilm „surveillance souterraine“ (Link) zu zeigen, den ich vor zwei Jahren Rahmen des onomato-Stipendiums gedreht hatte. Zu sehen waren im onomato insgesamt fünf Arbeiten, die sich auf der Schnittstelle zwischen digital und analog bewegten, Kurzfilme bzw. Animationsarbeiten von Rimma Aslarnow, Norbert Kraus, Igor Kirin, Gul Ramani und mir. In einem anschließenden Gespräch zum Thema „digitale subtilitäten“ bettete Axel Grube, Gründungsmitglied und Betreiber des onomato-Verlages, das Digitale in einen ethisch - philosophischen Diskurs ein. Dabei ging es u.a. auch um die Frage, ob die menschliche Moral in naher Zukunft von einem Logarithmus abgelöst wird. Ich kam nicht umhin, den digitalen Fortschnritt energisch zu verteidigen, da er doch zunächst einmal die Umsetzung so vieler künstlerischer Ideen ermöglicht, die ohne das Digitale bzw. Elektronische nie in Erscheinung treten würden. Bisher ist es doch immer noch der Mensch, der die Maschine lenkt und noch hat der T1000 (bekannt aus dem Film „Terminator II“ von James Cameron aus dem Jahr 1991) die Weltherrschaft nicht übernommen, insistierte ich. Auch mein Gegenpol war unter den Gästen vertreten und diskutierte mit: die typische ältere Dame, die aus Angst davor, von unsichtbaren Mächten ausspioniert zu werden, keine E-Mails empfängt. Frauke Berg, die nach dem Gespräch zusammen mit Anja Lautermann und dem gemeinsamen Musikprojekt „studium:stadt“ im onomato auftrat, brachte schließlich den treffenden Begriff des „Digitalen als Kulturtechnik“ ins Spiel. Das Digitale, das wurde an diesem Abend klar, wird noch lange Zeit Anlass für Diskussionen bieten.


Dienstag, 1. November 2016

die digitale düsseldorf: surveillance souterraine wird im onomato gezeigt


Vom 03. bis zum 06. November 2016 findet in Düsseldorf zum ersten Mal das Festival „die digitale düsseldorf" statt. Dabei wird im Rahmen der Veranstaltung „digitale subtilitäten“ im onomato Künstlerverein am 03. November auch mein Kurzfilm „surveillance souterraine" (Link) gezeigt.


surveillance souterraine (2014), Standbild

Düsseldorfs Ruf als Medienstadt, als Zentrum der digitalen Kunst und der elektronischen Musik ist mittlerweile legendär. Begründet liegt dieses Renommee in den späten Siebzigerjahren, in der Zeit, in der die Gruppe Kraftwerk ihre robotischen Sounds erfand und der Videokunst-Pionier Nam June Paik an der Kunstakademie Düsseldorf unterrichtete. Heute ist das Digitale längst in jeden Lebensbereich eingedrungen. Alles lässt sich in Zahlen übersetzen, bemessen und berechnen. Kaum kann man sich vorstellen, dass die Bezeichnung für all das, was das Computerzeitalter heute an Rechenleistung erbringt, davon abgeleitet ist, etwas an den Fingern abzuzählen: das lateinische "digitus" bedeutet Finger.

die digitale düsseldorf
Die digitalen Möglichkeiten in den Bereichen des Akustischen und des Visuellen erweitern sich ununterbrochen und so bietet "die digitale düsseldorf" einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Kunst, Design und Musik und konzentriert sich dabei auf Projekte aus Düsseldorf bzw. der näheren Umgebung. Im Rahmen des dreitägigen Festivals soll ausgelotet werden, was durch die Digitalisierung zahlloser sozialer, ökonomischer und kultureller Prozesse bisher erreicht wurde und welche positiven und negativen Begleiterscheinungen dadurch entstanden sind. Künftig soll "die digitale düsseldorf" regelmäßig stattfinden.

digitale subtilitäten im onomato
Der Abend im onomato Videokunstverein steht ganz unter der Frage, was das Digitale mit uns macht. Dabei soll es nicht so sehr darum gehen, wie sich die Digitalisierung rein technisch auf unseren Alltag auswirkt, sondern eher um die Nuancen, die sich auf lange Sicht in unserem Denken und Handeln verändern und wie sich dadurch auch unser künstlerisches Schaffen verändert. Nach einer Einführung von Axel Grube werden zunächst fünf Animationsfilme gezeigt, die sich auf der Schnittstelle von analog und digital bewegen.

Zu sehen sein werden Arbeiten von

Rimma Arslanov, Gul Ramani, Norbert Kraus, Igor Kirin und Julia Zinnbauer.

 

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Low Hanging Fruits: The Office for Joint Administrative Intelligence bei GRÖLLE pass:projects in Wuppertal

Mit einem Begleittext von Julia Zinnbauer

Mailart / Einladungskarte: Gary Farrelly




















Das tief empfundene Gefühl einer echten Künstlerfreundschaft, ein seit Jahrhunderten bekanntes Motiv, transportieren Chris Dreier (Link) und Gary Farrelly (Link) auf eine ganz neue, abstrakte Ebene. Beide haben sich der Rationalität der Moderne verschrieben und werden von einer intensiven Leidenschaft für deren Errungenschaften angetrieben. Dabei bleiben sie, ganz im Sinne der Romantik, den ursprünglichen, affektiven Momenten ihrer Künstlerfreundschaft treu: sie schreiben sich Briefe, veranstalten gemeinsame Exkursionen und Picknicks und streben mit ihrer Kollaboration nicht weniger als ein Gesamtkunstwerk an. Unter dem Titel „Low Hanging Fruit“ stellen sie dieses gemeinsam erschaffene Werk ab Oktober 2016 in der Galerie GRÖLLE pass:projects vor.



Der Text zu der Ausstellung wurde auf dem offiziellen Dienstweg durch das Office for Joint Administrative Intelligence bei mir in Auftrag gegeben und kann sowohl auf der Seite von GRÖLLE pass:projects (Link) als auch im Folgenden nachgelesen weden:

(Please see the English version below.)

Mittwoch, 17. August 2016

Schwarzes Leder trifft auf Gold und Champagner: Mein Bericht über die Königsallee ist im Magazin Style Guide erschienen


Das Magazin Style Guide (Link), das aus der traditionsreichen Zeitschrift "Bau auf" (später "Das Schaufenster") hervorgegnagen ist, berichtet seit mehr als sechzig Jahren über Retaildesign. Dass mein Bericht über die Königsallee und die Geschichte des Kö-Centrs in der Juli/August-Ausgabe des Style Guides erschienen ist, freut mich sehr. Darin geht es u.a. um die Umgestaltung des dem Gebäudeensemble vorgelagerten ehmaligen Eickhoff-Pavillons durch den amerikanischen Architekten Peter Marino:


Sonntag, 12. Juni 2016

Die Beste Zeit: Spot Light - Surface and Space

Mein Beitrag über die Künstler James Rogers und Keith Bowler in der Neuauflage des Kulturmagazins aus Wuppertal



Die sechsunddreißgste Ausgabe des Magazins "Beste Zeit" ist eine ganz besondere. Leuchtend rot liegt sie am Eingang des Skulpturenparks Waldfrieden (Link) in Wuppertal aus und geleitet die Besucher hinein in das kulturelle Leben der Stadt und des Bergischen Landes. Mit dieser Ausgabe kehrt die Kunstzeitschrift nach einem Jahr Pause zurück und stürzt sich in einem neuen Gewand direkt wieder mitten ins kulturelle Geschehen. Teil des Magazins ist auch mein Bericht über die beiden Britischen Künstler James Rogers und Keith Bowler, die ihre Arbeiten ab Juli in der Galerie GRÖLLE pass:projects zeigen ( Zu meinem Text geht es hier entlang: Link).

" Für den Typographen und Maler James Rogers hatte das Raster Ende der Sechzigerjahre die Bildkomposition längst abgelöst. In einer Zeit, in der der Lochkartencomputer den Fortschritt in vielerlei Hinsicht beförderte, man damit Flugbahnen zum Mond und die kühnsten architektonischen Konstruktionen berechnen konnte, ließ sich mittels ausgestanzter Löcher jegliche Art von Information transportieren, codieren und transcodieren."

Von 2009 bis 2015 hatte der Wuppertaler Galerist und Kulturschaffende Hans Peter Nacke das Magazin herausgegeben. Nach der Aufgabe seiner Galerie "Epikur" und bald darauf seiner Druckerei wurde auch die Zeitschrift eingestellt, die weit über die Grenzen des Bergischen Landes hinaus bekannt war. Um der Wuppertaler Kultur weiterhin die "Beste Zeit" und eine würdige Plattform zu bieten, nahm sich schließlich ein engagiertes Team von Redakteuren rund um den Schwebetal-Verlag des Projektes an (Link).


Mittwoch, 1. Juni 2016

NEUE HEIMAT in der galerie weisser elefant - Noch bis Samstag!





Eine Ausstellung zur Wirkungsmacht der nachkriegsmodernen Architektur auf die zeitgenössische Kunst mit Werken von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth, Julia Zinnbauer, kuratiert von Alekos Hofstetter.

galerie weisser elefant
Bezirksamt Mitte von Berlin Fachbereich Kunst & Kultur
Auguststraße 21
10117 Berlin
Tel. (030) 28 88 44 54
www.galerieweisserelefant.de
30. 4. - 4. 6. 2016
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr, Sa.: 13 - 19 Uhr 

Samstag, 14. Mai 2016

NEUE HEIMAT. Eine Ausstellung zur Wirkungsmacht der nachkriegsmodernen Architektur auf die zeitgenössische Kunst

Mit Werken von 
Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer, kuratiert von Alekos Hofstetter

Text: Alekos Hofstetter
Fotos: Julia Zinnbauer


Links: Laure Catugier, Mitte und an der Wand: Julia Zinnbauer - Das Kleid für die autogerechte Stadt


























galerie weisser elefant
Bezirksamt Mitte von Berlin Fachbereich Kunst & Kultur
Auguststraße 21
10117 Berlin
Tel. (030) 28 88 44 54
www.galerieweisserelefant.de
30. 4. - 4. 6. 2016
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr, Sa.: 13 - 19 Uhr




Avantgardistisch, komfortabel oder auch nur trist? Die Architektur der Nachkriegsmoderne ruft mit ihrer modernen Formensprache die unterschiedlichsten Gefühle und Meinungen hervor. In den kontroversen Auseinandersetzungen um die Gestaltung der Innenstädte und den Debatten um Alt- und Neubauten, dem Prozess der Gentrifizierung, wie um niedrige Mieten in Bauten der sechziger und siebziger Jahre, spielen die architektonische Bedeutung und die baugeschichtliche Herkunft der Gebäude der Nachkriegs-Moderne meist keine Rolle. Umbau oder Abriss – die Veränderung der alten Bausubstanz ist nicht nur in Berlin im vollen Gange. Am Ausgangspunkt des Projektes NEUE HEIMAT stehen die beiden Fragen: von welcher Moderne sprechen wir eigentlich? Und wie fern ist uns die Moderne heute? Die Ausstellung zeigt Werke, welche neue Bezüge aufbauen zu den gesellschaftlichen Utopien, die zur Grundlage der Architektur der Moderne wurden und beleuchtet somit die unterschiedlichen Phasen des Umgangs mit diesem architektonischen Erbe in einem anderen Licht. Ist es heute möglich, durch eine Re-Konstruktion eines utopischen Kontextes, die Distanz, die unsere Gesellschaft zur Architektur der Moderne unterhält, nicht nur sichtbar zu machen sondern gleichzeitig, für eine "Aneignung" dieser Architektur der Nachkriegs-Moderne für die Gegenwart zu sorgen und sie zu einer „neuen Heimat“ zu machen? (A. Hofstetter, 2016)


Matias Bechtold


Freitag, 13. Mai 2016

NEUE HEIMAT in der galerie weißer elefant, Berlin - Die Vernissage


V. l. n. r.: EVOL, Laure Catugier, Matias Bechtold, Chris Dreier, Alekos Hofstetter, Gary Farrelly, Julia Zinnbauer (Foto: Valerie Oleynik)


Die Ausstellung NEUE HEIMAT handelt von der außergewöhnlichen Wirkung, die die Architektur der Nachkriegsmoderne auf die zeitgenössische Kunst ausübt und ist zurzeit in der galerie weißer elefant (Link) in Berlin zu sehen. Zehn Künstlerinnen und Künstler zeigen dort ihre ganz unterschiedliche Auseinandersetzung mit den Gebäuden und den städtebaulichen Ideen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, kuratiert von Alekos Hofstetter, der ebenfalls mit einigen Arbeiten vertreten ist. 

Unter dem Namen „Tannhäuser Tor“ (Link) erforscht Alekos Hofstetter zusammen mit Florian Göpfert die Zusammenhänge zwischen den gesellschaftlichen und politischen Hintergründen und dem Entstehen und Vergehen des Begriffs der Moderne. Fasziniert von der Zeichenhaftigkeit und der weltweiten Verbreitung der Architektur der Nachkriegsmoderne schaffen die beiden Künstler zusammen Grafiken, Malereien und Wandarbeiten, die diese großen Zusammenhänge zum Thema haben. Dieser Geist der Moderne, der hinter den Arbeiten von Tannhäuser Tor steht, liegt natürlich auch dem Konzept des Projekts NEUE HEIMAT zu Grunde.



Vor den Fotografien im Hof der Galerie: Julia Zinnbauer, Laure Catugier und Kurator Alekos Hofstetter (Foto: J. Grölle)

Die Eröffnung der Ausstellung fand während des Gallery Weekends in der galerie weißer elefant statt, und so flanierten hunderte von kunstwilligen Besuchern die Auguststraße in der Nähe des Tacheles entlang. Stehen blieben sie allerdings alle an dem Stromkasten, der sich vor dem weißen elefanten befindet und den EVOL (Link) am Vortag der Eröffnung in einen seiner typischen Plattenbauten verwandelt hatte, und fanden dann ihren Weg in die Ausstellung NEUE HEIMAT. Mehr von EVOLS Auseinandersetzung mit dem modularen Bauen ist dort noch bis zum 4. Juni 2016 zu sehen, zusammen mit Arbeiten von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer.

Um all der verschiedenen Herangehensweisen gerecht zu werden, bedarf es eines weiteren, umfassenderen Berichts. Hier nun erst einmal einige Eindrücke der Vernissage, mit der die Ausstellung am 30. April 2016 eröffnet wurde.

Darüber hinaus referiert am 21. Mai Lukas Feireiss in den Räumlichkeiten der Galerie über das Thema „Architektur und Stadt als Gegenstand der zeitgenössischen Kunst“, gefolgt von einer Katalogpräsentation von Matias Bechtold und einer Industrial-Performance von Chris Dreier und Gary Farrelly. Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden sich hier: Link.



Carsten Nicolai: pt. 02' (Video, 2012)



Links: Julia Zinnbauer - Das Kleid für die autogerechte Stadt


Samstag, 30. April 2016

NEUE HEIMAT: Eröffnung heute Abend in der galerie weißer elefant, Berlin


Während gestern die Besucher des Gallery Weekends in Berlin die Auguststraße auf und ab flanierten, verwandelte EVOL den Stromkasten vor der galerie weißer elefant in einen der Plattenbauten, für die er bekannt ist. Mehr von EVOLs Architekturphantasien gibt es ab heute Abend im Rahmen der Ausstellung NEUE HEIMAT zu sehen, zusammen mit Arbeiten von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer, kuratiert von Alekos Hofstetter.
galerie weißer elefant (Link)
August Straße 21
Berlin
19 Uhr
 

Donnerstag, 14. April 2016

NEUE HEIMAT in der galerie weißer elefant in Berlin

Eine Ausstellung zur Wirkungsmacht der nachkriegsmodernen Architektur auf die zeitgenössische Kunst mit Werken von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer.  
Kuratiert von Alekos Hofstetter (Link)

Eröffnung am Samstag, dem 30. April 2016 um 19 Uhr

Avantgardistisch, komfortabel oder auch nur trist? Die Architektur der Nachkriegsmoderne ruft mit ihrer modernen Formensprache die unterschiedlichsten Gefühle und Meinungen hervor. In den kontroversen Auseinandersetzungen um die Gestaltung der Innenstädte und den Debatten um Alt- und Neubauten, dem Prozess der Gentrifizierung, wie um niedrige Mieten in Bauten der sechziger und siebziger Jahre, spielen die architektonische Bedeutung und die baugeschichtliche Herkunft der Gebäude der Nachkriegs-Moderne meist keine Rolle. Umbau oder Abriss – die Veränderung der alten Bausubstanz ist nicht nur in Berlin im vollen Gange.

Am Ausgangspunkt des Projektes NEUE HEIMAT stehen die beiden Fragen: von welcher Moderne sprechen wir eigentlich? Und wie fern ist uns die Moderne heute? Die Ausstellung zeigt Werke, welche neue Bezüge aufbauen zu den gesellschaftlichen Utopien, die zur Grundlage der Architektur der Moderne wurden und beleuchtet somit die unterschiedlichen Phasen des Umgangs mit diesem architektonischen Erbe in einem anderen Licht. Ist es heute möglich, durch eine Re-Konstruktion eines utopischen Kontextes, die Distanz, die unsere Gesellschaft zur Architektur der Moderne unterhält, nicht nur sichtbar zu machen sondern gleichzeitig, für eine "Aneignung" dieser Architektur der Nachkriegs-Moderne für die Gegenwart zu sorgen und sie zu einer „neuen Heimat“ zu machen? (Text: Alekos Hofstetter)

galerie weisser elefant
Auguststraße 21
10117 Berlin

ÖFFNUNGSZEITEN
Di. bis  Fr. von 11 bis 19 Uhr 
Sa. von 13 bis 19 Uhr



Donnerstag, 31. März 2016

Oberflächen und ihre Geschichte - Thomas Hirsch über die Ausstellung "Heimatplan" im Magazin engels


























Nach seinem aufregenden Bericht für das Magazin biograph (Link), das in Düsseldorf erscheint, hat der Kunsthistoriker Thomas Hirsch für die März-Ausgabe der Wuppertaler Zeitschrift engels einen weiteren, sehr treffend formulierten Text geschrieben, der unsere Ausstellung Heimatplan elegant zusammenfasst. Bitte klicken Sie hier: Link

Und jetzt schauen wir in die Zukunft und nach Berlin, wo einige der Heimatplan-Künstler Ende April wieder zusammentreffen werden, kuratiert von Alekos Hofstetter.

Montag, 28. März 2016

Scissorella schreibt für Halstenbach Fine Clothes bei der New York Fashion Week





“Halstenbach Fine Clothes stands for a deep love for luxurious materials and highly elaborate details. As there is almost a sculptural approach towards fashion you can experience a tension between the abstract shapes of the woolen dresses, cardigans and scarves and the coziness of the soft and silky surfaces.”

Als Andrea Halstenbach, Gründerin und Designerin des Kaschmir- und Merinolabels Halstenbach Fine Clothes, Anfang des Jahres von der Agentur four18 zur PRONTO Fashion Trade Show (Link) eingeladen wurde, im Rahmen der New York Fashion Week ihre aktuelle Kollektion zu präsentieren, benötigte sie für Ihre Teilnahme weit mehr als drei Überseekoffer und eine nüchterne Bestandsliste. Sie brauchte ein Lookbook, ein Portfolio, das vor allem eines wecken sollte: das unwiderstehliche, dringliche Verlangen, sich in Halstenbachs elegante Strickwaren zu hüllen, und das so erworbene, luxuriöse Lebensgefühl an Kundinnen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent weiterzugeben.



Foto: Fee Louisa Halstenbach


Während Andrea Halstenbach also all die hochwertigen, in Italien auf historischen Strickmaschinen hergestellten Kleider, Schals, Jacken und Röcke, die in ihrer Zartheit so wie so kaum etwas wiegen, grammgenau in eine Liste eintrug, sie zollgerecht verpackte und alle weiten Vorbereitungen für ihre Reise nach Manhattan traf, entstand parallel dazu ein opulentes Lookbook. Die Fotografin Ann-Christin Freuwörth war dabei für den visuellen Teil verantwortlich, zusammen mit Stefan Wintgen, von dem das Layout stammt. Das Vorwort, das das Label in seiner Verwurzelung zwischen Tradition und Zukunft und zwischen Minimalismus und Opulenz verortet, habe ich verfasst (Link).

Dienstag, 23. Februar 2016

Die Textur der Großstadt. Thomas Hirsch schreibt im biograph über die Ausstellung "Heimatplan", über Scissorella und über das Konzept, das allem zugrundeliegt

Brutalism





Die Ausstellung „Heimatplan“ (Link), die ich zusammengestellt habe und die zurzeit in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal zu sehen ist (Link), hat der Kunsthistoriker Thoams Hirsch zum Anlass genommen, einen umfassenden Text über mich für die aktuelle Ausgabe des biographen zu schreiben.

In seinem Bericht, der den Titel „Textur der Großstadt“ trägt, geht Thomas Hirsch zunächst detailliert auf meinen Blog ein, legt das Konzept dar, das hinter meinen Arbeiten steht und beschreibt meine Auseinandersetzung mit der Architektur bzw. wie ich mich dem Thema auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Medien nähere. Er erläutert meine „Feldforschung“ und wie ich dabei das nüchtern Analytische mit dem Opulenten, Lebendigen verbinde, wie ich in meinen Videos durch außergewöhnliche Architektur laufe, tanze und schwimme, in selbst entworfenen Kostümen durch den Weltraum fliege und dabei immer auf der Suche nach Schönen bin und nach den Konstruktionen und Systemen, die hinter allem liegen. Selbst der Bungalow, in dem ich aufgewachsen bin, findet seinen Platz in Thomas Hirschs Text.
 

Zu sagen, dass ich mich über einen derart tiefsinnigen, schönen Text einfach freue, wäre zu schlicht ausgedrückt. Ich kann es an dieser Stelle nicht anders formulieren, als in meiner üblichen, ein wenig opulenteren Art und Weise. Als ich mir den biographen ganz lege artis in einer bekannten Düsseldorfer Buchhandlung geholt hatte und wieder auf die Straße trat, umfing mich das gleißende Sonnenlicht eines Vorfrühlingsmittags, sodass ich in all meiner Begeisterung über den spektakulären Bericht förmlich nicht weniger als das Gefühl hatte, auf einem goldenen Lichtstrahl nach Hause zu gleiten. 

Der Text von Thomas Hirsch ist auf der Internetseite des biographen zu lesen, und zwar hier: https://www.biograph.de/julia-zinnbauer, oder noch schöner in der Printversion der Februarausgabe des Magazins, flankiert von einem Standbild aus meinem Kurzfilm "surveillance souterraine". 


Montag, 8. Februar 2016

HEIMATPLAN. Brutalismus und die Architektur der Nachkriegsmoderne in der Galerie GRÖLLE pass:projects, Wuppertal





Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne - zusammengestellt von Julia Zinnbauer.

23.01.2016 - 13.03 2016


Matias Bechtold (Berlin)
Chris Dreier (Berlin)
Bert Didillon (Köln)
Gary Farrelly (Dublin/ Brüssel)
Lothar Götz (London)
Alekos Hofstetter & Florian Göpfert (Tannhäuser Tor, Berlin)
Pablo de Lillo (Oviedo/Gijon)
Julia Zinnbauer (Düsseldorf)


Galerie GRÖLLE pass:projects
Friedrich-Ebert-Straße 143e
D-42117 Wuppertal
fon +49 (0)1732611115
www.passprojects.com
WED - FRI 4 - 7 PM / SAT 11 - 3 PM
Schwebebahn: Haltestelle Pestalozzistraße



Links: Zeichnungen von Lothar Götz, rechts die Arbeit "KM 1" von Matias Bechtold
























 


Architekten haben eine ganz bestimmte Sicht auf die Architektur der Nachkriegsmoderne. Kunsthistoriker haben wiederum einen anderen Blick auf die Gebäude dieser Epoche. Und das Feuilleton hat neben den reinen Fakten zumindest eine Meinung dazu, von totaler Ablehnung zu einer beinahe schon romantisierenden Begeisterung. Wie aber sehen Künstler die Architektur dieser Zeit? Wie gehen sie mit den Formen, den Materialien und vor allem den Ideen um, die hinter den Flughäfen, Bungalows, Swimmingpools, Verwaltungsgebäuden und Satellitenstädten aus Glas, Beton, Aluminium und Stahl stehen? Auf diese Frage geht die Ausstellung „Heimatplan“ ein, die zurzeit in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal zu sehen ist.
 
Die Idee zur Ausstellung
Der Ausgangspunk des Projekts „Heimatplan“ liegt im Besuch des Galeristen Jürgen Grölle der Ausstellung über den Architekten Paul Schneider von Esleben, die das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW im August letzten Jahres in Düsseldorf organisiert hat. Durch die Lektüre meines Blogs und durch mein ständiges Hinweisen auf die eine oder andere Betonkirche aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war Jürgen Grölle durchaus mit dem Thema vertraut. Die Auseinandersetzung mit dem kunstsinnigen Architekten Schneider von Esleben und der Verbindung, die durch dessen Architektur zwischen den Städten Düsseldorf und seiner Heimatstadt Wuppertal besteht, hat den Galeristen schließlich so von der Thematik eingenommen gemacht, dass er beschloss, mit mir zusammen eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne zu konzipieren.


Dienstag, 2. Februar 2016

HEIMATPLAN. Die Eröffnung unserer Ausstellung in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal




Von links: Jürgen Grölle, Alekos Hofstetter, Chris Dreier, Julia Zinnbauer, Gary Farrelly, Florian Göpfert vor Fotografien von Chris Dreier (Foto: U. Zinnbauer)

Ein umfassender Bericht über unsere Ausstellung "Heimatplan" (Link), die seit dem 23. Januar in der Galerie GRÖLLE pass:projects (Link) in Wuppertal zu sehen ist, folgt hier in Kürze. Hier erst einmal einige Momentaufnahmen der Eröffnung. Es war spektakulär, es war voll und es war überwältigend. Einen Dank an alle, die mit uns die Architektur der Nachkriegsmoderne und die Kunst gefeiert haben!








Sonntag, 31. Januar 2016

Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne. Die Ausstellungseröffnung in der Stadtsparkasse Wuppertal




Die sehnsüchtig erwartete Fortsetzung der Ausstellung „Paul Schneider von Esleben – Das Erbe der Nachkriegsmoderne“ des M:AI (Link), die im August letzen Jahres ihren Ausgangspunkt in Düsseldorf hatte (Link), wird nun in Wuppertal fortgesetzt. Nachdem sie zunächst in Düsseldorf im Mannesmann Hochhaus gastiert hatte, ist die aufwändig gestaltete Ausstellung seit dem 20. Januar im Foyer der Stadtsparkasse Wuppertal zu sehen. Wie das Mannesmann Hochhaus stammt auch das Gebäude der Stadtsparkasse Wuppertal von Paul Schneider von Esleben.

Nur wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung war das gesamte Gebäudeensemble, das aus dem markant über der Stadt aufragenden Verwaltungsturm, einem Kundenzentrum und einem Parkhaus besteht, unter Denkmalschutz gestellt worden. Am Eröffnungsabend war die Stimmung dementsprechend umso euphorischer.

Nachdem die Leiterin des M:AI, Frau Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, über das Leben und Werk des Düsseldorfer Architekten gesprochen hatte, hielt Historiker Michael  Okroy einen umfassenden Vortrag über die Entwicklung Wuppertals zur autogerechten Stadt und ging dabei auch auf die aktuellen Geschehnisse rund um den Döppersberg ein. Eine Fahrt hinauf in das gläserne Penthouse des futuristischen Gebäudes und der Blick über die nächtliche, im Tal funkelnde Stadt war darüber hinaus einer der Höhepunkte des Eröffnungsabends.

Bis zum 24. Februar 2016 kann die Ausstellung in der Stadtsparkasse Wuppertal am Islandufer noch besichtigt werden.

Dienstag, 19. Januar 2016

HEIMATPLAN. Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne in der Galerie GRÖLLE pass: projects Wuppertal

Foto: Chris Dreier























Galerie Grölle pass:projects präsentiert

>> HEIMATPLAN <<

Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne - zusammengestellt von Julia Zinnbauer.

Herzliche Einladung zur Ausstellungseröffnung am Samstag, dem 23.01.2016 um 19:00 Uhr


Mit Arbeiten von

Matias Bechtold (Berlin)
Chris Dreier (Berlin)
Bert Didillon (Köln)
Gary Farrelly (Dublin/ Brüssel)
Lothar Götz (London)
Alekos Hofstetter & Florian Göpfert (Tannhäuser Tor, Berlin)
Pablo de Lillo (Oviedo/Gijon)
Julia Zinnbauer (Düsseldorf)


Galerie GRÖLLE pass:projects
Friedrich-Ebert-Straße 143e
D-42117 Wuppertal
fon +49 (0)1732611115
www.passprojects.com
WED - FRI 4 - 7 PM / SAT 11 - 3 PM
Schwebebahn: Haltestelle Pestalozzistraße


Heimatplan

Der schmale elegante Turm der Stadtsparkasse Wuppertal überragt in seiner ungewöhnlich technischen, futuristisch wirkenden Form die gesamte Stadt und hebt sich deutlich von den Gründerzeitgebäuden der Industriemetropole ab. Beinahe von der ganzen Stadt aus ist das raumkapselartige Penthouse des Gebäudes zu sehen, von den waldigen Hängen des Bergischen Landes aus, von der Autobahn, die die Stadt an Düsseldorf und Köln anschließt und natürlich auch von der Schwebebahn aus, die am Fuße des markanten Turms vorbei rauscht und ein nicht weniger visionäres Wahrzeichen Wuppertals darstellt. Die Ausstellung „Heimatplan“, die am 23. Januar in der Galerie GRÖLLE pass:projects eröffnet wird, zeigt den Blick zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne (Link).

Die Architektur der Nachkriegsmoderne
Überall in Europa entstanden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Gebäude aus einem ganz ähnlichen Geist heraus wie der Turm der Stadtsparkasse. Die Architekten, die die zerstörten Städte wieder aufbauten, ganze Viertel und Zentren neu anlegten und eine neue Infrastruktur planten, verfolgten dabei ganz bestimmte Ideale. Es ging ihnen um das Umsetzen demokratischer Ziele, um menschenwürdiges Wohnen, um Transparenz und Eleganz und vor allem um einen optimistischen Glauben an die Zukunft. Neu entwickelte Materialien und Techniken aus der Luft- und Raumfahrt ermöglichten zudem innovative Gebäudeformen und nicht selten eine sehr skulpturale Herangehensweise.Die Architektur der Nachkriegsmoderne reicht in ihrer Bandbreite von streng funktionalen Modulbauten, Rasterfassaden und vermeintlich spröder Zweckarchitektur über futuristisch wirkende Space-Age-Konstruktionen bis hin zur rauen Opulenz brutalistischer Betonbauten.

Die heutige Sicht auf die Nachkriegsmoderne
Viele Gebäude dieser Epoche verschwinden heute beinahe unbemerkt aus dem Stadtbild, oftmals ohne Widerspruch der Bevölkerung. Andere werden im Rahmen des Bauens im Bestand bis zur Unkenntlichkeit modifiziert. Dabei geht gerade das, was das Charakteristische dieser Bauten ausmacht, verloren: die eleganten Proportionen, die aus dem Zusammenspiel von Linien und Flächen entstehen, die subtilen Details der Gestaltung, die sich beispielsweise in der Verbindung von Oberflächen und Fugen zeigen, bis hin zu den ganz typischen Materialien und Farben dieser Zeit. Einige wenige Gebäude, wie das der Stadtsparkasse Wuppertal, werden in ihrer Besonderheit geschätzt und unter Denkmalschutz gestellt. Oftmals jedoch sind sie großer Unkenntnis und Ignoranz ausgesetzt.

Wir leben in einer Zeit, in der man infolge einer riesigen Bilderflut wohlwollend auf alle möglichen Stile und Epochen zurückblickt. In den Bereichen Mode, Film und Architektur spielt der Retrogedanke seit Jahren eine große Rolle. Wie kann es jedoch sein, dass ausgerechnet die Architektur der Nachkriegsmoderne derart in Gefahr ist? Was ist aus den Utopien dieser Zeit geworden und wer glaubt heute noch an sie? Worin liegt die Schönheit der Gebäude, die in diesem Zusammenhang entstanden sind?

Heimatplan. Eine Ausstellung in der Galerie GRÖLLE pass:projects
Die Künstler der Ausstellung „Heimatplan“ stellen genau diese Fragen. So unterschiedlich sie sich in ihrem jeweiligen Medium mit den Formen und Idealen der Nachkriegszeit auseinandersetzen, so haben sie dennoch eine große Gemeinsamkeit. Allesamt sind sie geprägt von der Begeisterung für die architektonische Bildsprache der Nachkriegsmoderne. Sie betrachten die verschiedenen Gebäude dieser Epoche in ihrem kunst- und kulturgeschichtlichen Zusammenhang, stellen Bezüge zu städtebaulichen und gesellschaftlichen Fragen her, sehen aber auch das Phantastische in der Architektur dieser Jahre und die Verbindung zu Science-Fiction-Filmen, Sputnik-Schock und Mondlandung. 

„Heimatplan“ stellt die Bedeutung der Nachkriegsarchitektur in unserer heutigen Zeit heraus und lässt die ganz besondere Schönheit dieser Gebäude sichtbar werden.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist der 100. Geburtstag des Architekten Paul Schneider von Esleben im Jahr 2015 und sein Entwurf für die Stadtsparkasse Wuppertal. Wie die einzelnen Künstler des Projekts „Heimatplan“ ihre Identifikation mit dem Geist der Moderne jeweils umsetzen, ist ab dem 23. Januar 2016 in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal zu sehen.

Zu weiteren Informationen geht es hier entlang: www.groelle.de, darüber hinaus kündigt auch das M:AI die Ausstellung "Heimatplan" in einem opulenten Artikel auf seiner Seite an (Link).

Ab dem 20. 01. 2016 ist zudem der zweite Teil der Ausstellung "Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne" des M:AI in der Stadtsparkasse Wuppertal zu sehen (Link).

Im April 2016 findet dann unter dem Titel  „Neue Heimat“ eine weitere Ausstellung zum Thema Nachkriegsmoderne in der Galerie weißer elefant in Berlin statt, die im  Zusammenhang mit dem Projekt „Heimatplan“ entsteht.

Montag, 18. Januar 2016

Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne. Teil 2 der Ausstellung des M:AI in der Stadtsparkasse Wuppertal




Immer vor Ort. Nie am selben.“ So lautet der Wahlspruch des M:AI (Link), des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW. Zum Konzept des Museums gehört es, dass die Ausstellung des M:AI immer in außergewöhnlichen Gebäude stattfinden, die thematisch mit dem jeweiligen Projekt in Verbindung stehen. Die Ausstellung des M:AI über Paul Schneider von Esleben anlässlich des 100. Geburtstags des Architekten erstreckte sich im August letzten Jahres über die gesamte Heimatstadt des Düsseldorfers hinweg (Link). So erfuhr man nicht nur in Schneider von Eslebens Mannesmann Hochhaus über dessen Leben und Werk, sondern auch in der Architektenkammer NRW und in der Rochuskirche.

In Wuppertal findet nun der zweite Teil der Ausstellung statt, natürlich in einem weiteren spektakulären Gebäude Paul Schneider von Eslebens, dem weithin sichtbaren Ensemble der Stadtsparkasse Wuppertal am Islandufer.

Nach dem Entwurf für das Mannesmann Hochhaus in den Fünfzigerjahren avancierte Schneider von Esleben bald zum Hochhausexperten. In den Sechzigerjahren entwarf er für Düsseldorf zunächst das Commerzbank Hochhaus (1961 – 63) und das ARAG-Gebäude (1963 – 67) und wandte sich dabei zunehmend dem Einsatz von Beton zu. Zwischen 1969 und 1973 entstand dann das dreiteilige Gebäude der Stadtsparkasse Wuppertal , das nun gerade kürzlich, rechtzeitig zu der Eröffnung der Ausstellung, unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Dabei berief man sich auf die innovative Konstruktion des Verwaltungsturms bzw. des gesamten Ensembles, auf die typologisch neuartige Kombination aus Kunden- und Verwaltungszentrum und auf die Bedeutung des markanten Turms für die gesamte Stadtsilhouette. Das Besondere an dem 75 Meter hohen Verwaltungsturm liegt darin, dass in einem ersten Schritt zunächst ein Betonkern gegossen wurde, in dem sich die Treppen- und Aufzugsschächte befinden, und dann in einem weiteren Arbeitsschritt die einzelnen Etagen von ober nach untern an diesen Kern angehängt wurden. Auf diese Weise schuf Schneider von Esleben neunzehn Etagen, die allesamt keine tragenden Säulen oder Pfeiler benötigen und deren Flächen somit frei einteilbar sind. Diese Form der Hängekonstruktion, die sich auch in Egon Eiermanns Olivetti-Häusern in Frankfurt und in den Gebäuden des Rathauses in Marl wiederfindet, geht auf die Erfindung zweier Wuppertaler Architekten zurück, auf die Brüder Bodo und Heinz Rasch, wobei letzterer bis zu seinem Tod in einem Haus am Döppersberg wohnte, nicht weit vom Islandufer entfernt.

Flankiert wird der Verwaltungsturm auf der einen Seite von einer Parkgarage mit auffälligen Spindeltreppen und auf der anderen Seite von einem Flachbau, der nach dem gleichen Hängeprinzip konstruiert wurde und das Kundenzentrum enthält. Ganz im Sinne des zukunftsweisenden Gebäudearrangements, das sich deutlich vom gesamten Stadtbild Wuppertals abhebt, beauftragte Paul Schneider von Esleben zudem den Krefelder Künstler Adolf Luther mit dem Entwurf einer Plastik. Über die gesamte Rückwand des Kundenzentrums hinweg erstreckt sich somit ein (ehemals) kinetisches Objekt, das aus Adolf Luthers typischen Glaslinsen besteht. In Form von insgesamt vierundvierzig Stelen drehten sich Luthers riesige reflektierende Glasobjekte ursprünglich um ihre eigene Achse und verbreiteten ein schillerndes Licht in der Schalterhalle. Die Dynamik ist generell ein wichtiges Thema im Werk Paul Schneider von Eslebens. Wie beim Gebäude für die Commerzbank Düsseldorf verfügte auch das des Stadtsparkasse Wuppertal einen Drive-in-Schalter für ganz eilige Kunden.


Dienstag, 5. Januar 2016

Literatur und Architektur - Teil 2: Max Frisch - Das Letzibad in Zürich (1942 - 49)



Im Werk des Schweizer Schriftstellers Max Frisch ist die Frage nach der eigenen Identität eines der zentralen Themen. In "Homo faber", Frischs bekanntestem Roman (1957), geht es darum, wie das gesamte sorgsam konstruierte Weltbild eines Ingenieurs in wenigen Wochen auseinanderfällt. Durch eine schicksalhafte Verkettung von Ereignissen und Begegnungen stellt die Titelfigur Walter Faber sein bisheriges Leben in Frage und ist gezwungen, sich selbst ganz neu zu definieren. Bereits einige Jahre zuvor hatte Max Frisch in "Stiller" beschrieben, wie der Protagonist hartnäckig behauptet, eine ganz andere Person zu sein, obwohl ihn sein gesamtes Umfeld als den Stiller identifizieren kann, den es seit Jahren kennt. In "Mein Name sei Gantenbein" aus dem Jahr 1964 erfindet sich die Hauptperson schließlich immer wieder neue Identitäten, die er der Reihe nach anprobiert "wie Kleider". Das Material, mit dem Max Frisch all diese verschiedenen Persönlichkeiten erschafft, ist eine Sprache die zwischen sachlich-nüchtern und plastisch-opulent jede Nuance abdeckt. 

Mit dem ehemaligen Bademeister des Letzibades und jetzigen Leiter des dortigen Kunstvereins, Pierre Geering, auf der Betontreppe von Max Frischs Pavillon (Foto: Jürgen Grölle)
















Max Frisch als Architekt
Max Frisch selbst konnte sich über eine lange Zeit hinweg hinweg nicht entscheiden, ob er sich als Schriftsteller oder als Architekt definieren sollte. Als im Jahr 1949 in Zürich das Letzibad eröffnet wurde, das nach seinen Entwürfen gebaut worden war, hatte er bereits verschiedene Versionen seiner selbst ausprobiert.Enttäuscht von seinem schließlich abgebrochenen Germanistikstudium, hatte er sein Geld zunächst als Journalist verdient und war dann dem Vorbild seines Vaters gefolgt, um Architektur zu studieren. Im Jahr 1943 gewann er schließlich im Alter von zweiunddreißig Jahren den Wettbewerb für den Entwurf des Letzibades. Während der kriegsbedingt langen Bauzeit der Badeanlage folgte Max Frisch jedoch schon wieder seiner Doppelexistenz und schrieb mehrere Theaterstücke. Er erlebte somit gleichzeitig den Bau seines Bades und die Aufführung seiner Stücke in Zürich. Mit dem Fahrrad fuhr er zwischen Theater und Strandbad hin und her (Link) und war beeindruckt von der Umsetzung seine Ideen sowohl durch Schauspieler als auch durch Bauarbeiter. Im Verhältnis  zwischen dem Schreiben und dem Entwerfen von Gebäuden sah er nicht so sehr eine Spannung zwischen Theorie und Praxis, sondern war eher fasziniert von den verschiedenen Arten reflektierten Tuns. Insgesamt verfolgte er diese Form von Doppelexistenz über zwanzig Jahre hinweg.