MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

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Dienstag, 24. September 2019

FLYOVER im Stadtmuseum Düsseldorf - Dokumentation der Ausstellung


Eine Ausstellung von Julia Zinnbauer über die architektonischen Zusammenhänge zwischen Düsseldorf und Los Angeles in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg im Stadtmuseum Düsseldorf












Meine Ausstellung FLYOVER ist nun am 15. September mit Bazon Brocks Vortrag sehr spektakulär zu Ende gegangen und ich bin sehr bewegt darüber, wer alles bei mir im Stadtmuseum vorbei gekommen ist und mit mir über das Projekt gesprochen hat. Vielen Dank an alle, die mich in den letzten Wochen im Stadtmuseum Düsseldorf besucht haben, vielen Dank an das Museums-Team, an die Galerie GRÖLLE passprojects für ihre Unterstützung, an die Firma Julius Schulte Söhne in Düsseldorf Bilk für die phantastische Pappe, aus dem wird das goldene Kuppelfragment gebaut haben und natürlich and Bazon Brock und die Denkerei Berlin!

Bis ich meine umfangreiche Dokumentation der Ausstellung fertig gestellt habe, könnt Ihr Euch hier eine Präsentation anschauen, in der ich einige Fotos der Ausstellung sowie einige Texte zusammengestellt habe. 

Das Video von Bazon Brocks Vortrag mit dem Titel "Re - education durch Architektur. Wie die Amerikaner den Deutschen das Senkrechtstehen beibringen wollten - Stahlskelettbau und Charaktermasken" schneide ich in den nächsten Tagen und lade es hier hoch.




Walter Brune in seinem Arbeitszimmer, Videostill Julia Zinnbauer
Videostill FLYOVER: Walter Brune in seinem Arbeitszimmer  













Even though my exhibition FLYOVER has been over for a month now I have not yet told you the story about the golden fragment of a geodesic dome I made for the show. Walt Disney was very much interested in urbanism and in the end of his life he planned a whole artificial city in Florida. Instead EPCOT was built as a part of Disney World. EPCOT means Experimental Prototype Community of Tomorrow and features a giant geodesic dome. An imitation of this dome can be seen in Rust, Germany, in the @europapark, and also @phantasialand, close to Bonn, had its own, GOLDEN geodesic dome. It was torn down some years ago. For my exhibition I created a melancholic looking fragment of this golden dome that is supposed to remind of all these modern buildings that are representative for a strong belief in modernism and in the future and that have already been torn down. Inside of the dome near Bonn there was a flight simulator, so in my exhibition you could watch my film FLYOVER inside the golden fragment. In the first photo you can see me talking to Dion Neutra in the VDL Research House in L.A. Silverlake, the second photo shows the original dome in the @phantasialand. I took the photo in 2014. - Many thanks to @groelle_passprojects! Without you there would have been no golden geodesic dome in my show! ...... #FLYOVER #WaltDisney #architecture #urbanism #EPCOT #geodesicdome #BuckminsterFuller #Florida #Rust #Brühl #Düsseldorf #LisAngeles #Silverlake #VDLResearchHouse #DionNeutra #flightsimulator #exhibition #art #museum #film #video #history
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Samstag, 10. August 2019

FLYOVER im Stadtmuseum Düsseldorf - Die Eröffnung

Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf



Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer








 
Am Samstag, dem 3. August 2019 wurde mein Ausstellung "FLYOVER - Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf" Im Stadtmuseum Düsseldorf eröffnet. Ich bedanke mich bei allen, die durch ihre Begeisterung, ihr Interesse und ihre Unterstzung dazu beigetragen haben, dass das ein absolut unvergesslicher, schöner, feierlicher Abend war.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. September 2019 zu sehen. Am 8. September, dem Tag des Offenen Denkmals, werde ich um 15 Uhr eine Führung durch die Ausstellung machen und zur Finissage der Ausstellung am Sonntag, dem 15. September, 11.30 Uhr, spricht Bazon Brock im Rahmen der Denkerei mobil zum Thema: „Re - education durch Architektur. Wie die Amerikaner den Deutschen das Senkrechtstehen beibringen wollten - Stahlskelettbau und Charaktermasken“.



Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211-89-96170
www.duesseldorf.de/stadtmuseum




Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer



Montag, 5. August 2019

FLYOVER - Ein Interview über meine Ausstellung im Stadtmuseum in der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf



„FLYOVER“ im Stadtmuseum Düsseldorf: Künstlerin Julia Zinnbauer zeigt in ihrer Ausstellung, wie sich hiesige Architekten nach dem Zweiten Weltkrieg von kalifornischen Baumeistern inspirieren ließen.



Bereits am 29. Juli erschien in der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf ein Interview mit mir, in dem ich über meine Ausstellung berichte, die seit dem 3. August im Stadtmuseum Düsseldorf zu sehehen ist. Vielen herzlichen Dank an den Kulturredakteur Herrn Thomas Frank für die Möglichkeit, so umfassend auf seine Frangen eingehen zu können.



Frau Zinnbauer, als es nach dem Zweiten Weltkrieg darum ging, Düsseldorf wiederaufzubauen, flogen Architekten wie Paul Schneider-Esleben oder Walter Brune nach New York, Chicago oder Los Angeles, um sich dort anregen zu lassen. Was trieb sie in die Vereinigten Staaten?

Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Entwicklung der Moderne in Deutschland, die bereits so weit fortgeschritten war, unterbrochen und das Land war jahrelang kulturell isoliert. Nach der Schließung des Bauhauses in Dessau (1932) und in Berlin (1933) wanderten Architekten wie Mies van der Rohe und Walter Gropius nach Amerika aus, setzten ihre Arbeit und ihre Lehrtätigkeit u.a. in Chicago und Havard/Cambridge fort und verfeinerten dort in den folgenden Jahren ihre Ideen. Diese Konzentration des architektonischen Fortschritts in den Vereinigten Staaten veranlasste nach dem Krieg zahlreiche junge deutsche Architekten, nach Amerika zu reisen, um etwas über modernes Bauen zu lernen. Auf diese Weise gelang es ihnen aber auch, einen ideellen Anschluss an das Bauhaus herzustellen. 

Walter Brune ist einer dieser Architekten, die immer wieder nach Amerika reisten und so die Bauhaus-Architekten dort kennen lernte. Über Jahre hinweg arbeitete er dann eng mit Marcel Breuer zusammen. Die Begesiterung, mit der Düsseldorfer Architekt heute noch vom Bauhaus spricht zeigt, wie sehr er von den Idealen der Moderne durchdrungen ist.Tatsächlich wurden aber auch ganze Architekten-Bildungsreisen organisiert, wie z.B. durch die Deutsche Aluminiumzentrale. Auf diese Weise gelangte z.B. die Idee der Vorhangfassade nach Deutschland. 

Eine große Rolle spielten zu dieser Zeit auch amerikanische Fachzeitschriften, sowohl in der Kunst als auch in der Architektur und auch Bauherren informierten sich auf diese Weise. Der junge Walter Brune las damals amerikanische Architekturzeitschriften und wandte sein so erworbenes Wissen über modernes, funktinoales Bauen beim Entwurf der Zeche Prosper Haniel in Essen an, die ein großer Erfolg wurde. Daraufhin flog er zu ersten Mal nach Amerika, um sich die Architektur vor Ort anzuschauen und lernte in Kalifornien Richard Neutra kennen.

In dem Bungalow, den er schon zu Beginn der 50er Jahre in Düsseldorf für sich selbst baute, vereinen sich seine eigenen Ideen mit seiner Begeisterung für das Bauhaus und den Erfahrungen, die er mit der Architektur des „Mid-Century-Modernism“ in Kalifornien gemacht hat. Zudem ist das Gebäude ein ganz frühes Beispiel für ein Wohnhaus mit Flachem Dach in der Nachkriegszeit.

Pierre Koenig: Stahl House, Los Angeles 1959 (Foto: Julia Zinnbauer 2009)


Montag, 22. Juli 2019

Julia Zinnbauer – FLYOVER. Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf

Einladung zur Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum Düsseldorf 

 

Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer





















Ganz herzlich möchte ich Euch zu meiner Ausstellung FLYOVER im Stadtmuseum Düsseldorf einladen. Ich würde mich sehr freuen, Euch bei der Vernissage am Samstag, dem 3. August 2019 begrüßen zu dürfen:

Julia Zinnbauer – FLYOVER.
Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf


Sonntag, 4. August bis Sonntag, 15. September 2019
Vernissage: Samstag, 3. August 2019 um 18 Uhr

Zur Finissage der Ausstellung wird Bazon Brock im Rahmen der Denkerei mobil 
am Sonntag, dem 15. September einen Vortrag halten, Beginn 11.30 Uhr:

Re - education durch Architektur.
Wie die Amerikaner den Deutschen das Senkrechtstehen beibringen wollten - 

Stahlskelettbau und Charaktermasken


Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211-89-96170


English version below


In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland ein reger architektonischer Austausch. Auch von Düsseldorf aus flogen Architekten nach New York, Chicago und Los Angeles, um sich mit modernen Gebäuden auseinanderzusetzen, sich Anregungen für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Heimatstadt zu holen und um einen ideellen Anschluss an das Bauhaus herzustellen. Umgekehrt reiste beispielsweise der Architekt Richard Neutra von Los Angeles aus mit seinen Entwürfen an den Rhein und ins Bergische Land. Neuerungen wie Konzepte für Großraumbüros und Einkaufszentren gelangten auf diese Weise nach Düsseldorf und vor allem die Idee des kalifornischen Bungalows wurde dort begeistert aufgenommen.

Die Ausstellung FLYOVER handelt von den architektonischen Zusammenhängen zwischen Düsseldorf und Los Angeles in der Nachkriegszeit, sie ist aber auch dem optimistischen Glauben an die Moderne gewidmet und der Sehnsucht nach dem Glamour des Jetset-Zeitalters.

In ihren Projekten konserviert und transportiert die Düsseldorfer Künstlerin Julia Zinnbauer die Schönheit und die Atmosphäre außergewöhnlicher Bauten und erzählt deren Geschichten sowie die ihrer Architekten und ihrer Bewohner.

Für ihre Ausstellung reiste Julia Zinnbauer nach Los Angeles und drehte dort einen Film, in dem sie ihre Besuche verschiedener Gebäude Richard Neutras dokumentiert. Dabei kommt unter anderem auch Dion Neutra zu Wort, der Sohn des Architekten, der sie in dessen Reunion House und das VDL Research House in Los Angeles Silverlake einlädt und ihr von seiner langjährigen Zusammenarbeit mit seinem Vater und der Entstehungsgeschichte dieser und weiterer Häuser berichtet. In Düsseldorf besuchte Julia Zinnbauer den Architekten Walter Brune, der ihr seine Bungalowentwürfe und sein Verhältnis zu Amerika und zum Bauhaus erklärt.

Dies und was das alles auch mit der Düsseldorfer Hollywood-Schauspielerin Luise Rainer zu tun hat erfahren die Besucherinnen und Besucher ab dem 4. August im Stadtmuseum Düsseldorf wo Julia Zinnbauer unter dem Titel FLYOVER ihre Rechercheergebnisse in Form von Fotos, Videos, Texten und einer Rauminstallation präsentiert. 


Samstag, 26. Januar 2019

Der Bungalow als Symbol der Freiheit - Teil 3 meiner Serie über Paul Schneider Eslebens Haus Riedel in der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf


Julia Zinnbauer, Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Paul Schneider-Esleben


Heute in der Wochenendausgabe der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf: Teil drei meiner Serie über den ersten Flachdach-Bungalow von Paul Schneider-Esleben aus dem Jahr 1951

(...) "Von der Parkstraße aus sieht man kaum etwas von dem schmalen langen Haus, das sich in die Tiefe des Grundstücks in Gruiten erstreckt. Umgekehrt sieht man vom Haus aus auch nicht direkt auf die Straße, kein Fenster öffnet sich dort hin. Diese Abgeschlossenenheit zur Straße hin wunderte die Ur-Gruitenener Anfang der 1950er Jahre und eigentlich fehlte ja auch noch das Dach. Die typischen Bergischen Häuser der Region hatte alle ein spitzes Steildach. Das Haus auf der Parkstraße galt im Dorf als so ungewöhnlich wie seine Bewohner. Familie Riedel, die ja aus der Kunst- und Modemetropole Düsseldorf hierher ins ländliche Umland gezogen waren, betrachtete man eine ganze Weile als Exoten und ihren modernen Bungalow bedachte man mit Ausdrücken wie „Möbellager“ und „Gletscherspalte“. Klar, kantig, kristallin und cool war das Haus durchaus. Vor allem aber, und das war das Revolutionäre, vor allem aber hatte es ein flaches Dach.

Als Paul Schneider-Elseben im Jahr 1951 Riedels Bungalow entwarf, war ein Flachdach auf einem deutschen Wohnhaus sowohl eine symbolträchtige Aussage als auch eine technische und rechtliche Herausforderung. Für sich selbst hatte der Architekt noch ein Haus mit Spitzdach geplant und tatsächlich war das Gebäude in Gruiten sein erster Entwurf eines modernen Flachdach-Bungalows. Mehr als zehn Jahre später beabsichtigte Ludwig Erhard mit der Architektur Kanzlerbungalows u.a. auch, das gute Verhältnis seines Landes zur den Vereinigten Staaten von Amerika zu demonstrieren. Über die politische Dimension hinaus galt Amerika als das Land der Freiheit und des Individualismus und in keiner anderen Gebäudeform manifestierten sich diese Begriffe so perfekt wie im Bungalow.

Im Gruiten des Jahres 1951 war Schneider-Esleben mit seiner Idee eines Flachdach-Bungalows seiner Zeit jedoch weit voraus. Dass er mit sienen zukunftsweisenden Überlegungen Erfolg hatte, das hatte er kurz zuvor mit seinem Entwurf der Hanielgarage bewiesen, die einzig aus einem filigranen Betongerippe, einer Glasfassade und zwei an Drahtseilen aufgehängten, elegant geneigten Rampen besteht. Um die Mitarbeiter des Bauamtes Haan-Gruiten zu überzeugen, musste sich Schneider-Esleben jedoch etwas anderes einfallen lassen als ihnen eine große Vision von Zukunft, Fortschritt und kalifornischer Lässigkeit zu präsentieren. Ganz pragmatisch argumentierte der Architekt, er würde zuerst einmal eine Massivdecke planen, als Basis für ein weiteres Stockwerk, das erst später aufgesetzt würde. Auf diese Decke wollte er ein vorläufiges, flachgeneigtes Satteldach auflegen. Zu dieser Maßnahme sähe er sich gezwungen, da es sich bei den Auftraggebern um eine junge Familie mit beschränktem Budget handelte. Beim Bauamt reichte er einen Plan ein, auf dem das Steildach mit einer gestrichelten Linie eingezeichnet war. Unter der Bedingung, dass das Steildach zu einem späteren Zeitpunkt aufgesetzt werde, erteilte man ihm schließlich die Baugenehmigung. Tatsächlich ragen auf Riedels Grundstück bis heute einzig die hohen alten Bäume in den Himmel. Das gestrichelt eingezeichnete Steildach wurde nie gebaut. (...)

Julia Zinnbauer, Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Paul Schneider-Esleben



Freitag, 14. Juni 2013

Esther Williams, 1921 - 2013. Abschied von der Badenden Venus

Ein Entwurf von mir vom April 2013. Ornament muß doch manchmal sein.
Am 6. Juni 2013 ist die amerikanische Schauspielerin und Schwimmerin Esther Williams, die vor allem als "Badende Venus" berühmt war, einundneunzigjährig in Beverly Hills verstorben.

Liebe Esther Williams, Dein schneidiges Schwimmen in Technicolor wird mir immer eine Inspiration bleiben!

Mittwoch, 28. März 2012

Pierre Koenig: Case Study House # 22, Los Angeles 1960


In manchen Häusern leben wir in unserer Phantasie schon seit vielen Jahren, stellen dort unseren Tisch auf und flüchten uns dorthin, wenn uns unsere eigene Realität zu profan erscheint.

Eines dieser Häuser, das wohl vielen von uns ein imaginärer Zweitwohnsitz ist, ist Pierre Koenigs Case Study House # 22 in den Hügeln Hollywoods, das er in den 50erjahren für das junge Ehepaar Stahl entwarf. Daß das Haus wirklich existiert, konnte ich nie so ganz glauben, auch nicht, wenn ich Shulmans Fotografien betrachtete. Shulman ist schließlich dafür bekannt, Gebäude, die von sich aus schon einem hohen Ideal entsprechen, durch eine geschickte Inszenierung noch idealer darzustellen. Ein hellblauer Pool, ein Glaskasten und eine Betonplatte, die hoch oben über Los Angeles schweben.

Um so surrealer ist es, wenn man den Gebäuden, in denen man gedanklich schon so viel Zeit verbracht hat, dann in Wirklichkeit begegnet, ihre Umgebung sieht, den Weg dorthin entlang läuft, die Luft dort einatmet, sich mit den Leuten unterhält, die in dem Haus leben und einen ein Gefühl der Vertrautheit und gleichzeitiger Überraschung befällt.

Betrachte ich nun zwei Jahre nach meiner Kalifornienreise meine eigenen Fotos des Stahl-Hauses, so will ich wieder nicht so recht glauben, daß ich tatsächlich dort war. Zu unglaublich ist die ganze Geschichte, und dennoch stand ich an einem Sonntagnachmittag im Oktober tatsächlich in dem scheinbar schwebenden Wohnzimmer aus Glas. Durch eine ganz merkwürdige Verkettung von Zufällen war ich dort hingeraten, aber auch dank der sprichwörtlichen amerikanischen Gastfreundschaft und der Tatsache, daß es wohl immer noch ungewöhnlich ist, in Amerika zu Fuß unterwegs zu sein, zudem in Hollywood. Zweimal machte ich mich auf den Weg zu Haus # 22, einmal direkt zu Beginn meiner Reise, wobei ich die Nachbarn der Stahls kennen lernte, und ein zweites Mal kurz vor meine Rückkehr nach Deutschland. Wieder war ich den Hollywood Boulevard entlang gelaufen und an Frank Lloyd Wrights Storer House vorbei die gewundenen Sträßchen den Hügel hinauf marschiert. Wieder empfingen die Nachbarn mich sehr freundlich und dann ergab es sich, daß Familie Stahl tatsächlich zu Hause war und uns zu sich hereinbaten. Carlotta Stahl, die damals zusammen mit ihrem Mann den Entwurf des Hauses bei Pierre Koenig in Auftrag gegeben hatte, saß mit ihrem Sohn Mark und dessen Lebensgefährtin im offenen gäsernen Wohnzimmer und schaute über die Stadt, die unter uns lag und bis zum Ozean reichte.


Ich weiß nicht, wie ich die Atmosphäre beschreiben soll, die dort herrschte, ich kann nur sagen, daß all das helle warme Licht, der hellblaue riesige Himmel um uns, die flirrenden Reflexe im Pool, die filigrane Konstruktion des Hauses und die Tatsache, daß die gesamte Rückseite des Gebäudes aus Glas besteht, die riesige glitzernde Stadt am Fuß des Berges, der Pazifik in der Ferne, daß all das wie ein gebautes Ideal wirkte, wie die perfekte Umsetzung einer Utopie. Zudem Frau Stahl kennen zu lernen, die damals zusammen mit ihrem Mann Buck und Piere Koenig an der Planung des Hauses und der Vorbereitung des als schwer bebaubar geltenden Geländes beteiligt war, war ein unvergeßliches Erlebnis, und ich dachte nur, so sieht man also aus, wenn man ein langes Leben in in einer derart perfekten Umgebung verbracht hat.

Mittlerweile wohnt Familie Stahl nicht mehr in ihrem Haus in den Hügeln, allerdings ist es immernoch im Besitz der Familie und wird für Fotoshootings und Filmaufnahmen vermietet. In unregelmäßigen Abständen jedoch besucht Frau Stahl ihr Case Study House und es war ein riesiges Glück, sie dort getroffen zu haben.

Montag, 12. März 2012

2nd Steet Tunnel, Downtown Los Angeles, 1924


Typische Stadt-Szenarien, die man für den urbanen Look eines amerikanischen Films einfach braucht, findet man in Downtown Los Angeles auf einigen wenigen Quadratkilometern rund um den Bunker Hill konzentriert. Für Kriminalfilme unabdingbare Backsteingebäude mit Feuertreppen bietet die Gegend en masse und es verwundert nicht, dort immer wieder Kamerateams anzutreffen. Das Bradbury Building aus dem 19. Jahrhundert, das man aus dem „Bladerunner“ kennt, befindet genauso sich in diesem Stadtteil wie das hoch aufragende, weiße Art Déco Gebäude der Townhall (1928), das in „The Adventures of Superman“ erscheint, in „War of the Worlds“ (1953) und unzähligen weiteren TV- und Filmproduktionen.

Als ich im Oktober 2009 zu Fuß durch Downtown schlenderte, war ich überrascht, daß sich sogar DER ultimative Tunnel dort befindet, dessen grün schillernde Fliesen den Rahmen für unendlich viele Verfolgungsjagden und Auto-Werbespots bieten, u.a. für „The Driver“ (1978), für den „Terminator“ (1984, Link) und am elegantesten natürlich für die Szene in „Gattaca“ (1997), in der Vincent und Irene im Elektromobil in eine Kontaktlinsen-Kontrolle geraten.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Los Angeles: Valerie Schmidt fotografiert Kleider von Scissorella



Meine spektakuläre Reise nach Los Angeles jährt sich nun schon zum zweiten mal. Damals nahm ich zusammen mit Kunst-, Design-, Tanz- und Musikstudenten aus Paris, Los Angeles und dem Ruhrgebiet an einem Austauschprogramm teil, das uns im Oktober 2009 ins Calarts College Los Angeles führte. Die Fotografin Valerie Schmidt machte in diesem Rahmen mehrere wunderschöne Aufnahmen von Tänzerinnen, die Entwürfe von mir trugen. Nachdem ich die Fotografien nun zwei Jahre lang wie einen Schatz gehütet habe, ist es höchste Zeit, sie endlich zu veröffentlichen.
http://valerieschmidt.de/ http://www.valerieschmidt.de/






Sonntag, 31. Januar 2010

John Lautner: The Chemosphere - My second Visit

 
Im Oktober 2009 befand ich mich dank eines Austauschprogramms zwischen der Folkwangschule, der Kunstakademie Düsseldorf, dem CalArts College in Los Angeles und einigen anderen Hochschulen für beinahe einen ganzen Monat in Kalifornien.

So hatte ich die Möglichkeit, in Los Angeles all die Gebäude aufzusuchen, die ich damals ständig vor meinem geistigen Auge hatte (und immernoch habe) um sie endlich in natura zu sehen: die Case Study Houses, die Textile-Block-Houses von Frank Lloyd Wright, und eben auch die Chemosphere von John Lautner.

Zweimal musste ich mich dazu auf den Weg machen, das erste Mal regnete es so sehr (nachdem es in Südkalifornien ein ganzes Jahr lang überhauptnicht geregnet hatte), daß ich den Mulholland Drive erst einmal stundenlang in die falsche Richtung entlangwanderte und Lautners vermeintliches Flugobjekt erst in der nebeligen Abenddämmerung erreichte.


Der zweite Besuch fand am 31. Oktober statt, als selbst die Bewohner seriösester Wohnggegenden in Hasen- und Bärenkostümen unterwegs waren, namentlich die Nachbarn des Eigentümers von Cases Study House #21 von Pierre Koenig (Link). Beschwingt von der Tatsache, diese minimalistische Komposition aus weißen Flächen und schwarzen Linien nach monatelangem Absorbieren von Shulmans Fotografien des Hauses nun in Wirklichkeit gesehen zu haben, fand ich den Weg zur Chemosphere auf Anhieb. Auch dieses Mal dämmerte der Abend bereits und ich musste den Mulholland Drive streckenweise im Dauerlauf zurücklegen. Die Stadt zu Füßen der Hügel begann schon zu funkeln als ich Lautners unglaubliches Gebäude erreichte.


Entworfen hatte Lautner die Chemosphere, die aufgrund des schwer bebaubaren Geländes auf einer Betonsäule ruht, für den Flugzeugingenieur Leonard Malin und dessen Familie im Jahr 1960. Heute residiert Benedikt Taschen in dem ufoförmigen Gebäude und erst im Nachhinein habe ich beim Betrachten meiner Fotos entdeckt, daß sich am Fuß der Chemosphere auch noch ein Futuro von Matti Suuronen befindet (Link). An Coolness ist dieses Arrangemen wohl nicht zu überbieten.


Davon abgesehen: mein swimmingpoolfarbenes Kleid habe ich mir für Einsätze genau dieser Art entworfen.


Pierre Koenig, CSH #21, Los Angeles 1956-58




Ein sehr wichtiger Teil meiner Los Angeles-Expedition war der Besuch des Case Study House #21 von Pierre Koenig in den Hollywood Hills. Genau so muß ein Haus aussehen. Es ist genauso schön wie auf den Photos von Julius Shulman. Das türkis Kleid habe ich mir für derartige Anlässe genäht, in Anlehnung an kalifornische Pools.

Frank Lloyd Wright: The Ennis House, Hollywood

Nachdem ich in Pacific Palisades durch meinen Besuch des Eames-Hauses der Coolness gehuldigt hatte, fuhr ich mit dem Bus den gesamten Sunset Boulevard zurück nach Hollywood, was insgesamt mehr als eineinhalb Stunden dauern sollte. Das war nun also dieser berühmte, brachligende Feierabendverkehr von Los Angeles, und er bereitete mir ein ziemliches Herzrasen. Die Sonne drohte langsam unterzugehen und ich wollte doch noch unbedingt das Ennis House von Frank Lloyd Wright sehen. Wie in einem amerikanischen Spielfilmen, in dem ein Schauspieler zu einem Taxifahrer sagt: "Folgen Sie dem Wagen!", so stand ich mit angespannter Mine vorne im Bus und gab dem Busfahrer Anweisungen, wo ich hinwollte, was diesen ja nicht so sehr interessierte. Dann sah ich das Ennis House tatsächlich oben am Berg über mir aufragen! Unfassbar! Ohne einen genauen Plan zu haben rannte ich dem Haus entgegen, immer den Berg hoch und meiner Intuition folgend, und erhaschte tatsächlich die letzten Sonnenstrahlen auf Frank Lloyd Wrights gegossenen Betonelementen.











Filmfreunde kennen das Ennis House aus "Bladerunner", was mich aber auch sehr begeistert hat, war ein Haus in dessen dirketer Nachbarschaft, das meine sämtlichen Phantasien bezüglich eines typischen Agentenlebens doch sehr beflügelt hat.

Eames-House, Pacific Palisades, Los Angeles

Von frühster Jugend an war der Name Eames ein wichtiger Begriff in meinem Leben, da mein großer Bruder sich von seinem ersten selbsverdienten Geld einen Eames-Stuhl gekauft hat. So glich es also einer Wallfahrt, als ich Ende letzten Oktober mit dem Bus beinahe den gesamten Sunsetboulevard entlang von Hollywood aus nach Westen bis nach Pacific Palisades fuhr, um dort das Haus von Ray und Charles Eames zu besichtigen. Dort hatte alles seinen Anfang genommen, dort hatten John Entenza und das Ehepaar Eames mit dem Case-Study-House Programme begonnen, damals in den 40erjahren, als in Pacific Palisades nur Eukalyptusbäume standen und das Meer rauschte. Ich war tief ergriffen, war das doch die Wiege der Coolness.