MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

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Sonntag, 10. November 2024

Kunstpunkte Düsseldorf at es365 in late September 2024

 

In the end of September I took part in the Kunstpunkte Düsseldorf  for the first time and I was more than happy to show my work in this incredibly beautiful space in the former FIAT store on Erkrather Straße in Düsseldorf. Many, mamy thanks to es365! My videos and photos seamlessly merged into the elegantly functional architecture of the building - with all its mirroring windows and the reflections of the cars and trams moving up and down the street. Selling Italian cars in Germany has a lot to do with the typical German yearning for the most beautiful country in the world, so part of my installation was a Pirelli calender, showing Monica Bellucci in July 1997. Also Philippe Starck's legendary lemon squeezer was part of the show and yes, it was used a lot during that weekend. Many thanks to everyone who came by!

Montag, 20. September 2021

Reading in Berkshire – Düsseldorfs englische Partnerstadt und ihr modernes Stadtzentrum von Robert Matthew Johnson-Marshall


Das Radschläger-Monument, das der Städtepartnerschaft zwischen Reading und Düsseldorf gewidmet ist, mit dem Magistrates Court von Rober Matthew Johnson-Marshall im Hintergrund
 

Die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Reading und Düsseldorf

Die Stadt Reading, die zwischen London und Oxford an der Themse liegt, ist vor allem für „beer, bricks, bulbs (in diesem Fall Blumenzwiebeln) und biscuits“ bekannt. Neben einer alten Abtei, die von Heinrich VIII. zerstört wurde, befindet sich dort zudem das Gefängnis, in dem Oscar Wilde die Jahre 1895 bis 1897 verbringen musste. Reading ist die Hauptstadt der Grafschaft Berkshire und liegt ca. 45 km westlich von London.

Die Freundschaft zwischen Reading und Düsseldorf begann unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, als Düsseldorf von Groß Britannien besetzt war. Die Briten waren es auch, die Nordrhein-Westfalen gründeten und das 75. Jubiläum der Gründung des Bundeslandes wurde im Jar 2021 ausgiebig in Düsseldorf gefeiert. Unser Projekt schließt sowohl zeitlich als auch inhaltlich an das Jubiläum an.

Durch das Royal Berkshire Regiment, das nach dem Krieg in Düsseldorf stationiert war, erfuhr Phoebe Cusden, die damalige Bürgermeisterin Readings, von den notleidenden Bewohnern des zerbombten Düsseldorfs und lud zunächst einmal einige Kinder nach Reading ein.

Aus dieser ersten Einladung entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden Städten, die bis heute andauert und sich über ganz unterschiedliche Bereiche erstreckt, vom Schüler- und Studentenaustausch über Kunst, Literatur, Kirche und Sport hinweg. Die Reading Düsseldorf Association unterstützt seit Jahrzehnten zusammen mit der Landeshauptstadt Düsseldorf Projekte im Rahmen der Städtepartnerschaft. 

 

Der Düsseldorf Way entlng der Broadstreet Mall auf das HEXAGON zuführend, im Vordergrund der der Städtepartnerschaft mit dem irischen Clonmel gewidmete Weg; Reading im Sommer 2021








 

Samstag, 5. Juni 2021

Was ist aus der Eleganz geworden? Und was ist eigentlich Eleganz?

John Lautner: Sheats Goldstein Residence, Beverly Hills, Selbstportrait 2017

Text veröffentlicht bei Eiskellerberg.TV am 03.06.2021


Vieles wird im zweiten Jahr der Pandemie vermisst – das Reisen, das flirrende Gefühl, auf Ausstellungseröffnungen zu gehen und nicht zu wissen, wohin einen der Abend noch führt, jegliche Form von Geselligkeit und Spontaneitä, und auch so einfache Dinge, wie sich mit jemandem zu unterhalten ohne Angst zu haben, die verbrauchte Luft des anderen einzuartmen. Stattdessen sind Besuche im Baumarkt zu einem seltenen, aufregenden Ereignis geworden, Online-Events haben sich zu glamourösen Höhepunkten entwickelt und der lange verdrängte Zahnarztbesuch bringt immerhin ein wenig Dreidimensionalität in den flachen Bidschirm-Alltag.

Aber vermisst eigentlich auch jemand die Eleganz? Und was genau verbirgt sich hinter diesem Wort, das man mit Mode, gutem Design und einem gewissen Schwung verbindet? Der Begriff der Eleganz beinhaltet Klarheit und Einfachheit. Eleganz zu definieren, ist allerdings nicht so einfach.
 

Montag, 19. April 2021

PINHOLE COMPUTERS: Aber Hallo - A video for Europe in the City by Matt Hulse and Julia Zinnbauer



Matt Hulse, Julia Zinnbauer: Europe in the City, Düsseldorf

 

PINHOLE COMPUTERS is the name of an art and music performance duo whose members are Julia Zinnbauer (Düsseldorf, Germany) and Matt Hulse (London, UK).  

For the festival Europe in the City, that takes place in Düsseldorf from 1st to 9th May, they created a short, loopable digital film that signals a message of hope and positive communication between the artists' respective countries, and more broadly throughout the European Union, and indeed potentially the world. Thereby they also celebrate the 75th anniversary of the foundation of North Rhine-Westphalia. 

 

Freitag, 22. Mai 2020

phone box postcards - The short film I made during the lockdown can be seen at the Sanquhar Arts Festival

Phone Box Postcards - A Video by Julia Zinnbauer

„Julia Zinnbauer is our artist in residence at MERZ for the Summer. A string of coincidences from her childhood to the present day have engaged Julia’s passion for Scotland. When she was young her family acquired a Gilbert Scott telephone box that was cast in Scotland and had it installed in their back garden in Germany. Julia Zinnbauer‘s work engages architecture and calligraphy with fashion and story telling (here based around her childhood diaries). In anticipation of her Summer Residency Julia has woven an eloquent plea for retaining Sanquhar’s Post Office, poetically illustrating the necessity of communication from a position of isolation."
David Rushton, MERZ Gallery
Sanquhar, about my short film "phone box postcards"

The Sanquhar Arts Festival
This weekend, from the Sanquhar Arts Festival is taking place. Originally it was planned to inaugurate the Sanquhar Cultural Quarter, in the presence of Scotland's First Minister Nicola Sturgeon, which unfortunately due to the current situation is not possible. But the Festival itself takes place - on the internet - and I’m happy to be part of. David Rushton compiled sixteen contributions from artists and performers from the Festival and beyond. Their photographs and films appear at regular intervals over the 22nd - 25th May weekend here: https://www.facebook.com/pg/sanquharartsfestival/

 


phone box postcards
Text, voice, calligraphy, postcards and editing by Julia Zinnbauer
Düsseldorf April/March 2020 

The short will feature in Sanquhar Arts Festival ‘running on FACEBOOK’ between May 22nd and 25th and will be presented on screen at MERZ as soon as audience conditions permit. It can also be seen here: MERZ Gallery/Julia Zinnbauer.

Montag, 30. März 2020

ASTEROIDA. Mein Kurzfilm und die Geschichte der Hortenkachel


ASTEROIDA - A Video by Julia Zinnbauer
ASTEROIDA. Kurzfilm, Julia Zinnbauer 2014/19, Filmstill


Die Hortenkachel
Durch ihren hohen Wiedererkennungswert und ihre universelle Einsatzmöglichkeit trug die Hortenkachel in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in hohem Maße zu der Verbreitung der der Kaufhauskette Horten in ganz Westdeutschland bei. Ein modulares Fassadenelement zu entwerfen, das aus dem Firmenlogo selbst besteht, war ein so genialer Zug, dass bis heute, trotz der wechselvollen Geschichte der Firma Horten inclusive Verkauf, Umbenennung, Schließung und Umbau der (ehemaligen) Filialen, die Hortenkachel selbst nach wie vor im allgemeinen Bewusstsein existiert. Jede Hortenkachel trägt ein H in sich, zwei Kacheln nebeneinander ergeben die Inizialen H. H. für Helmut Horten, zusammengesetzt zu einer großflächigen Vorhangfassade flüstern sie den Namen des Firmengründers in einem unendlichen, minimalistischen Rhythmus in die Stadt.

Dabei stellen sich allerdings zwei Fragen: einerseits nach dem Material, aus dem die Fassadenelemente bestehen, andererseits aber auch danach, wer die Hortenkachel denn nun eigentlich entworfen hat. So, wie die einzelnen Kaufhausgebäude selbst nie identisch aussahen, sondern immer an die jeweilige städtebauliche Situation und angepasst und sogar von verschiedenen Architekturbüros entworfen wurden, so wurde auch die Hortenkachel selbst ständig weiterentwickelt und besteht in ganz unterschiedlichen Varianten.

Der Begriff „Eiermannkachel“, mit dem das Fassadenelement ebenfalls häufig bezeichnet wird, muss in diesem Zusammenhang hinterfragt werden. In der Entstehungsgeschichte des Modulelements spielt der Architekt Egon Eiermann zwar eine Rolle und auch der Begriff „Kachel“ ist für ein Keramikelement bestimmt sinnvoll. Aber bestehen Eiermannkacheln nicht eigentlich aus Aluminium? 


Hortenkacheln in Düsseldorf, Julia Zinnbauer

Hortenkacheln in Düsseldorf, Julia Zinnbauer
ASTEROIDA. Kurzfilm, Julia Zinnbauer 2014/19, Filmstill












  


Im Sommer 2019, als ich den Düsseldorfer Architekten Friedel Kellermann in meine Ausstellung FLYOVER (Link) ins Stadtmuseum Düsseldorf einlud, erhielt ich endlich Antwort auf meine Fragen. Teil der Ausstellung waren meine zwei eigenen Hortenkacheln sowie mein Kurzfilm ASTEROIDA, den ich in der ehemaligen Hortenfiliale auf der Berliner Allee in Düsseldorf gedreht hatte, kurz vor dem Umbau des Gebäudes im Jahr 2014. Somit war ich begeistert und aufgeregt, als Friedel Kellermann, der zusammen mit Helmut Rhode und Hans Günter Wawrowski das Architekturbüro RKW gegründet hatte, meiner Einladung ins Stadtmuseum folgte. 1959 hatte Helmut Rode den Wettbewerb um den Entwurf der Horten Hauptverwaltung in Düsseldorf am Seestern gewonnen und war schließlich zusammen mit Kellermann und Wawrowsky an der gesamte Entwicklung des Horten-Designs beteiligt.

Die Horten-Filiale in Krefeld
Bewusst wurde mir die Schönheit der Hortenfassade zum ersten mal, als ich an einem kalten, windigen, extrem sonnigen Tag vor etwa zehn Jahren mit dem Fahrrad an der ehemaligen Hortenfiliale in Krefeld vorbei fuhr. Alle Schriftelemente waren von der Fassadeentfernt worden, und so sah ich das durchbrochene Muster in seiner ursprünglichen Schönheit und Klarheit im hellen Sonnenlicht. Zuletzt war das Gebäude als Kaufhof genutz worden, wie so viele ehemalige Horten-Filialen. Mittlerweile stand es leer.

Hortenkacheln in Krefeld, Julia Zinnbauer
Krefeld 2013
Im Jahr 2013 dann der Schock. Ich kam zufällig wieder an dem Gebäude vorbei, das zu meinem Schrecken eingerüsteten war. Hinter den großflächig aufgespannten Planen hatte man die elegante Fassade schon in weiten Teilen brachial zerstört, und zwar indem man sie einfach von innen nach außen abgeklopft hatte. Auf dem Boden unter dem Baugerüst lag ein Meer aus zerbrochenen, hellblauen Hortenkacheln.

Ich begann zu recherchieren und fand heraus, dass die Kacheln von der Firma Keramag hergestellt worden waren. Ich nahm mit Keramag Kontakt auf, wies sie auf die Zerstörung hin und zu meiner großen Freude konnte eine eingagierte Mitarbeiterin einige der Kacheln für das Firmenarchiv retten, eine davon bekam ich feierlich überreicht. (Zu meinem Blogartikel aus dieser Zeit geht es hier entlang: Link)









Der Horten / Kaufhof auf der Berliner Allee in Düsseldorf
Es vergingen einige Jahre, dann hieß es plötzlich, dass nun auch der Kaufhof an der Berliner Allee in Düsseldorf seine Original-Horten-Fassade verlieren sollte. Mir gelang es damals, auf mein Nachfragen hin, das bereits leer geräumte Kaufhaus umfassend zu fotografieren und schließlich auch ein Video dort zu drehen. In diesem Zusammenhang bekam ich von der Kaufhof-Leitung meine zweite und dritte Hortenkachel geschenkt, und da erst wurden mir die subtilen Unterschiede bewusst. Die eine „Kachel“ war aus Aluminiumblech und große Flächen der Fassade bestanden aus dieser Variante. Die andere aber bestand aus Keramik, allerdings in einem ganz anderen Farbton als das hellblau-graue Exemplar aus Krefeld. Die Düsseldorfer Variante ist von einem ganz hellen Grau und von der Straße aus sah man keinen Unterschied zwischen den Aluminum- und den Keramik-Elementen. In meiner FLYOVER-Ausstellung konnte man die zarten farblichen Unterschiede zwischen dem Exemplar aus Krefeld und dem aus Düsseldorf direkt nebeneinander sehen.

ASTEROIDA
Meine Ausstellung FLYOVER handelte von den architektonischen Zusammenhängen zwischen Düsseldorf und Los Angeles in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch von amerikanischen Einflüssen auf die Architektur der Stadt im Allgemeinen. In mehrerer Hinsicht bietet dafür Helmut Rhodes Entwurf der Horten Hauptverwaltung aus dem Jahr 1959 ein ideales Beispiel dafür, wie in Deutschland moderne architektonische Einflüsse umgesetzt wurden. Das Viertel Am Seestern wurde in Düsseldorf nach dem Zweiten Weltkrieg eigens als Bürostandort angelegt, so wie der neue Stadtteil Garath als Wohnviertel entstand. Der Titel meines Kurzfilms ASTEROIDA bezieht sich auf das Büroviertel am Seestern, von dem aus die Hortenkachel ihre deutschlandweite Verbreitung fand.




ASTEROIDA
Kurzfilm
Kamera, Schnitt, Kostüm, Idee, Performance: Julia Zinnbauer
Düsseldorf 2014/2019
6.35 Min.


Dienstag, 24. September 2019

FLYOVER im Stadtmuseum Düsseldorf - Dokumentation der Ausstellung


Eine Ausstellung von Julia Zinnbauer über die architektonischen Zusammenhänge zwischen Düsseldorf und Los Angeles in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg im Stadtmuseum Düsseldorf












Meine Ausstellung FLYOVER ist nun am 15. September mit Bazon Brocks Vortrag sehr spektakulär zu Ende gegangen und ich bin sehr bewegt darüber, wer alles bei mir im Stadtmuseum vorbei gekommen ist und mit mir über das Projekt gesprochen hat. Vielen Dank an alle, die mich in den letzten Wochen im Stadtmuseum Düsseldorf besucht haben, vielen Dank an das Museums-Team, an die Galerie GRÖLLE passprojects für ihre Unterstützung, an die Firma Julius Schulte Söhne in Düsseldorf Bilk für die phantastische Pappe, aus dem wird das goldene Kuppelfragment gebaut haben und natürlich and Bazon Brock und die Denkerei Berlin!

Bis ich meine umfangreiche Dokumentation der Ausstellung fertig gestellt habe, könnt Ihr Euch hier eine Präsentation anschauen, in der ich einige Fotos der Ausstellung sowie einige Texte zusammengestellt habe. 

Das Video von Bazon Brocks Vortrag mit dem Titel "Re - education durch Architektur. Wie die Amerikaner den Deutschen das Senkrechtstehen beibringen wollten - Stahlskelettbau und Charaktermasken" schneide ich in den nächsten Tagen und lade es hier hoch.




Walter Brune in seinem Arbeitszimmer, Videostill Julia Zinnbauer
Videostill FLYOVER: Walter Brune in seinem Arbeitszimmer  













Even though my exhibition FLYOVER has been over for a month now I have not yet told you the story about the golden fragment of a geodesic dome I made for the show. Walt Disney was very much interested in urbanism and in the end of his life he planned a whole artificial city in Florida. Instead EPCOT was built as a part of Disney World. EPCOT means Experimental Prototype Community of Tomorrow and features a giant geodesic dome. An imitation of this dome can be seen in Rust, Germany, in the @europapark, and also @phantasialand, close to Bonn, had its own, GOLDEN geodesic dome. It was torn down some years ago. For my exhibition I created a melancholic looking fragment of this golden dome that is supposed to remind of all these modern buildings that are representative for a strong belief in modernism and in the future and that have already been torn down. Inside of the dome near Bonn there was a flight simulator, so in my exhibition you could watch my film FLYOVER inside the golden fragment. In the first photo you can see me talking to Dion Neutra in the VDL Research House in L.A. Silverlake, the second photo shows the original dome in the @phantasialand. I took the photo in 2014. - Many thanks to @groelle_passprojects! Without you there would have been no golden geodesic dome in my show! ...... #FLYOVER #WaltDisney #architecture #urbanism #EPCOT #geodesicdome #BuckminsterFuller #Florida #Rust #Brühl #Düsseldorf #LisAngeles #Silverlake #VDLResearchHouse #DionNeutra #flightsimulator #exhibition #art #museum #film #video #history
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Samstag, 10. August 2019

FLYOVER im Stadtmuseum Düsseldorf - Die Eröffnung

Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf



Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer








 
Am Samstag, dem 3. August 2019 wurde mein Ausstellung "FLYOVER - Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf" Im Stadtmuseum Düsseldorf eröffnet. Ich bedanke mich bei allen, die durch ihre Begeisterung, ihr Interesse und ihre Unterstzung dazu beigetragen haben, dass das ein absolut unvergesslicher, schöner, feierlicher Abend war.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. September 2019 zu sehen. Am 8. September, dem Tag des Offenen Denkmals, werde ich um 15 Uhr eine Führung durch die Ausstellung machen und zur Finissage der Ausstellung am Sonntag, dem 15. September, 11.30 Uhr, spricht Bazon Brock im Rahmen der Denkerei mobil zum Thema: „Re - education durch Architektur. Wie die Amerikaner den Deutschen das Senkrechtstehen beibringen wollten - Stahlskelettbau und Charaktermasken“.



Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211-89-96170
www.duesseldorf.de/stadtmuseum




Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer



Montag, 5. August 2019

FLYOVER - Ein Interview über meine Ausstellung im Stadtmuseum in der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf



„FLYOVER“ im Stadtmuseum Düsseldorf: Künstlerin Julia Zinnbauer zeigt in ihrer Ausstellung, wie sich hiesige Architekten nach dem Zweiten Weltkrieg von kalifornischen Baumeistern inspirieren ließen.



Bereits am 29. Juli erschien in der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf ein Interview mit mir, in dem ich über meine Ausstellung berichte, die seit dem 3. August im Stadtmuseum Düsseldorf zu sehehen ist. Vielen herzlichen Dank an den Kulturredakteur Herrn Thomas Frank für die Möglichkeit, so umfassend auf seine Frangen eingehen zu können.



Frau Zinnbauer, als es nach dem Zweiten Weltkrieg darum ging, Düsseldorf wiederaufzubauen, flogen Architekten wie Paul Schneider-Esleben oder Walter Brune nach New York, Chicago oder Los Angeles, um sich dort anregen zu lassen. Was trieb sie in die Vereinigten Staaten?

Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Entwicklung der Moderne in Deutschland, die bereits so weit fortgeschritten war, unterbrochen und das Land war jahrelang kulturell isoliert. Nach der Schließung des Bauhauses in Dessau (1932) und in Berlin (1933) wanderten Architekten wie Mies van der Rohe und Walter Gropius nach Amerika aus, setzten ihre Arbeit und ihre Lehrtätigkeit u.a. in Chicago und Havard/Cambridge fort und verfeinerten dort in den folgenden Jahren ihre Ideen. Diese Konzentration des architektonischen Fortschritts in den Vereinigten Staaten veranlasste nach dem Krieg zahlreiche junge deutsche Architekten, nach Amerika zu reisen, um etwas über modernes Bauen zu lernen. Auf diese Weise gelang es ihnen aber auch, einen ideellen Anschluss an das Bauhaus herzustellen. 

Walter Brune ist einer dieser Architekten, die immer wieder nach Amerika reisten und so die Bauhaus-Architekten dort kennen lernte. Über Jahre hinweg arbeitete er dann eng mit Marcel Breuer zusammen. Die Begesiterung, mit der Düsseldorfer Architekt heute noch vom Bauhaus spricht zeigt, wie sehr er von den Idealen der Moderne durchdrungen ist.Tatsächlich wurden aber auch ganze Architekten-Bildungsreisen organisiert, wie z.B. durch die Deutsche Aluminiumzentrale. Auf diese Weise gelangte z.B. die Idee der Vorhangfassade nach Deutschland. 

Eine große Rolle spielten zu dieser Zeit auch amerikanische Fachzeitschriften, sowohl in der Kunst als auch in der Architektur und auch Bauherren informierten sich auf diese Weise. Der junge Walter Brune las damals amerikanische Architekturzeitschriften und wandte sein so erworbenes Wissen über modernes, funktinoales Bauen beim Entwurf der Zeche Prosper Haniel in Essen an, die ein großer Erfolg wurde. Daraufhin flog er zu ersten Mal nach Amerika, um sich die Architektur vor Ort anzuschauen und lernte in Kalifornien Richard Neutra kennen.

In dem Bungalow, den er schon zu Beginn der 50er Jahre in Düsseldorf für sich selbst baute, vereinen sich seine eigenen Ideen mit seiner Begeisterung für das Bauhaus und den Erfahrungen, die er mit der Architektur des „Mid-Century-Modernism“ in Kalifornien gemacht hat. Zudem ist das Gebäude ein ganz frühes Beispiel für ein Wohnhaus mit Flachem Dach in der Nachkriegszeit.

Pierre Koenig: Stahl House, Los Angeles 1959 (Foto: Julia Zinnbauer 2009)


Montag, 22. Juli 2019

Julia Zinnbauer – FLYOVER. Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf

Einladung zur Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum Düsseldorf 

 

Flyover, Stadmuseum Düsseldorf, Julia Zinnbauer





















Ganz herzlich möchte ich Euch zu meiner Ausstellung FLYOVER im Stadtmuseum Düsseldorf einladen. Ich würde mich sehr freuen, Euch bei der Vernissage am Samstag, dem 3. August 2019 begrüßen zu dürfen:

Julia Zinnbauer – FLYOVER.
Los Angeles und die Architektur der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf


Sonntag, 4. August bis Sonntag, 15. September 2019
Vernissage: Samstag, 3. August 2019 um 18 Uhr

Zur Finissage der Ausstellung wird Bazon Brock im Rahmen der Denkerei mobil 
am Sonntag, dem 15. September einen Vortrag halten, Beginn 11.30 Uhr:

Re - education durch Architektur.
Wie die Amerikaner den Deutschen das Senkrechtstehen beibringen wollten - 

Stahlskelettbau und Charaktermasken


Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211-89-96170


English version below


In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland ein reger architektonischer Austausch. Auch von Düsseldorf aus flogen Architekten nach New York, Chicago und Los Angeles, um sich mit modernen Gebäuden auseinanderzusetzen, sich Anregungen für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Heimatstadt zu holen und um einen ideellen Anschluss an das Bauhaus herzustellen. Umgekehrt reiste beispielsweise der Architekt Richard Neutra von Los Angeles aus mit seinen Entwürfen an den Rhein und ins Bergische Land. Neuerungen wie Konzepte für Großraumbüros und Einkaufszentren gelangten auf diese Weise nach Düsseldorf und vor allem die Idee des kalifornischen Bungalows wurde dort begeistert aufgenommen.

Die Ausstellung FLYOVER handelt von den architektonischen Zusammenhängen zwischen Düsseldorf und Los Angeles in der Nachkriegszeit, sie ist aber auch dem optimistischen Glauben an die Moderne gewidmet und der Sehnsucht nach dem Glamour des Jetset-Zeitalters.

In ihren Projekten konserviert und transportiert die Düsseldorfer Künstlerin Julia Zinnbauer die Schönheit und die Atmosphäre außergewöhnlicher Bauten und erzählt deren Geschichten sowie die ihrer Architekten und ihrer Bewohner.

Für ihre Ausstellung reiste Julia Zinnbauer nach Los Angeles und drehte dort einen Film, in dem sie ihre Besuche verschiedener Gebäude Richard Neutras dokumentiert. Dabei kommt unter anderem auch Dion Neutra zu Wort, der Sohn des Architekten, der sie in dessen Reunion House und das VDL Research House in Los Angeles Silverlake einlädt und ihr von seiner langjährigen Zusammenarbeit mit seinem Vater und der Entstehungsgeschichte dieser und weiterer Häuser berichtet. In Düsseldorf besuchte Julia Zinnbauer den Architekten Walter Brune, der ihr seine Bungalowentwürfe und sein Verhältnis zu Amerika und zum Bauhaus erklärt.

Dies und was das alles auch mit der Düsseldorfer Hollywood-Schauspielerin Luise Rainer zu tun hat erfahren die Besucherinnen und Besucher ab dem 4. August im Stadtmuseum Düsseldorf wo Julia Zinnbauer unter dem Titel FLYOVER ihre Rechercheergebnisse in Form von Fotos, Videos, Texten und einer Rauminstallation präsentiert. 


Freitag, 14. Juni 2019

Schönes Wohnen - Einladung zu der Ausstellung im no cube Münster





 Zu der Austellung „Schönes Wohnen“ und den anschließenden Projektwochen im no cube Münster laden wir Euch ganz herzlich ein.

Schönes Wohnen - mit Arbeiten von
Susanne von Bülow, Satomi Edo, Verena Gründel, Ruppe Koselleck, Susanne Kutter, Thomas Prautsch, Dietmar Schmale, Julia Zinnbauer

15. Juni bis 7. Juli 2019
Eröffnung am Samstag, dem 15. Juni um 18:00 Uhr

Täglich geöffnet (16:00 –21:00 Uhr)
Projektwochen: 15. Juni - 22. Juni

no cube
Achtermannstraße 26
48143 Münster

Der Verein KiF e.V. widmet im Frühsommer sein Augenmerk u.a. dem Spannungsfeld Gentrifizierung und lädt unter dem Titel „Schönes Wohnen“ Künstler und Künstlerinnen ins Bahnhofsviertel ein. Ziel ist es, sich aus künstlerischer Sicht mit dem Wohnen, seinen Bedingungen, Einflüssen, Ausprägungen, Gefährdungen, Grenzen, Entwicklungen und mit den individuellen Wünschenzum Wohnenauseinanderzusetzen. Geplants ind drei Veranstaltungswochen, in denen die diversen Aspekte zum Thema „Schönes Wohnen“ aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln mit künstlerischen Mitteln untersucht werden. Eine Gruppenausstellung zum Thema wird die Projektwochen einleiten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die prozesshafte Entwicklung von künstlerischen Arbeiten und Installationen zum Themenbereich und deren Präsentationen vor Ort. „Schönes Wohnen“ untergliedert sich deshalb in mehrere Abschnitte: eine klassische Gruppenausstellung und zwei Projektwochen mit unterschiedlichen künstlerischen Teams vor Ort (beides im no cube).

Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck hinterfragen gleich zu Beginn der Ausstellung mit ihrer Aktion „Grund und Boden“ gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Was kostet ein Quadratmeter Grundbesitz in Münsters Bahnhofsviertel? Vor Ort nimmt das Künstlerduo mit Hilfe einer Straßenwalze und von Druckerfarbe einen Abdruck der Achtermannstraße in der Größe eines Quadratmeters. Das frisch erzeugte Werk wird zum aktuellen Grundstückspreis des Viertels angeboten. Satomi Edo präsentiert orangefarbene Zelte. Sie hängen im Hof und im Außenraum der angrenzenden Großbaustelle des no cube. Die Künstlerin kommt aus Japan, in Ihrem Land bedeutet die Farbe Orange Gefahr. So kündet die Signalfarbeder Zelte: Vorsicht! Verena Gründel zeigt farbige Kunstdrucke. Ihre Sujets sind Wohnhäuser, Gärten und Pools, deren Darstellungsweise Bekanntes verfremdet, an Kunstwelten des Kinos erinnert und wie aus der Zeit entrückt wirkt. Julia Zinnbauer liebt Architektur so sehr, dass sie passende Kleidung zu architektonischen Meisterwerken entwirft. Passend gewandet, posiert sie in formschönen Kulissen und fotografiert und filmt sich mit Selbstauslöser. So entstehen seltsam anmutende, extravagant wirkende Fotografien und Filme vor solchen Gebäuden, wie dem von Oscar Niemeyer entworfenen Hauptquartier der Kommunistischen Partei Frankreichs. Für Dietmar Schmales Kunst ist dasSammeln wesentlich. Ob Kunstbücher, Materialien, altbekannte Alltagsgegenstände - weniges scheint ihn nicht zu interessieren. Aus seine Funden entwickelt er künstlerische Aussagen, in denen sich neue Wahrheiten und gesellschaftliche Abgründe auftun. Wie die Sammlung von Abbildungen verschiedenster Hotelzimmern aus Hotelkatalogen, die der Künstler im no cube präsentiert. Sie wirken in ihrer Vielzahl ernüchternd und entlarvend. Thomas Prautsch wollte ursprünglich eineneue Stadtansicht präsentieren. Er hat sich aber umentschieden und zieht einen Kellerraum, um mit einer für ihn etwas ungewöhnlichen Art, sich dem Thema „schönes wohnen“ zu nähern, das Ergebnis ist also noch offen.

Das gesamte Programm gibt es hier:




Freitag, 15. Februar 2019

Ein Bungalow in den Farben des Mittelmeeres - Teil vier meiner Serie über Paul Schneider-Esleben in der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf

Was hat ein Flachdach-Bau im Düsseldorfer Umland mit hellblauen Autos und der Côte d’Azur zu tun?



Julia Zinnbauer, Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Paul Schneider-Esleben

Der vierte Teil meiner Serie über Paul Schneider-Esleben und den ersten Flachdach-Bungalow, den er Anfang der 1950er Jahr entwarf, ist am vergangenen Montag, dem 11. Februar, in der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf erschienen. Da ich mich zu dieser Zeit jedoch auf einer sehr aufregenden, ganz der Architektur Richard Neutras gewidmeten Berlin-Reise befand, halte ich mein WZ-Exemplar erst jetzt in Händen und staune über das elegante Layout. Nach all den kunstgeschichtlichen und politischen Zusammenhängen, um die es in den ersten drei Kapiteln ging, handelt der vierte Teil von dem eigentlichen Leben in dem für die Gegend zwischen Düsseldorf und Wuppertal ungewöhnlichen Bungalow, sowie von all dem, wofür der Name Schneider Esleben steht: von cooler Architektur und dem glamourösen Jetset-Leben zwischen Düsseldorf und der Côte d’Azur.

Das Leben im Bungalow
Die Bewohner von Gruiten schauten ziemlich skeptisch, als dort auf der Parkstraße Anfang der 1950er Jahre ein Haus gebaut wurde, das so ganz anders war als die übrigen Häuser im Dorf. Eigentlich sah man gar nicht so viel von dem schmalen Gebäude, das zur Straße hin mit einer weiß fensterlosen Wand ganz abgeschlossen war. Wie weit es sich auf seinem Grundstück zwischen all den alten Bäumen nach hinten erstreckte, konnte von der Straße aus niemand erkennen. Auch das eigentliche Dach des Hauses schien lange auf sich warten zu lassen. In der Gegend um Gruiten herum beginnt das flache Rheinland langsam ins Bergische überzugehen, wo man seit Jahrhunderten mit Schiefer verkleidete Fachwerkhäuser mit spitzen Giebeln baut. Das, was sich die Familie aus Düsseldorf da errichten ließ, kannte man in Gruiten höchstens aus Hollywoodfilmen. Zumindest der hellblaue Käfer, mit dem der Vater jeden Abend nach Hause kam, sah vertraut aus. Die Erwachsenen wunderten sich, die Gruitener Kinder nahmen das Haus einfach in Besitz.

Mit einem Flachdach-Bungalow zeigte man 1952, in der gerade erst gegründeten Bundesrepublik, dass man an einen Neuanfang und an eine bessere Zukunft glaubte. Ein Flachdach war das optimistische Bekenntnis zu den Idealen der Moderne und eine Abkehr von allem, wofür das Dritte Reich gestanden hatte. Der Bungalow, den der Architekt Paul Schneider-Esleben für das Ehepaar Erich und Irmgard Riedel entwarf, war eines der ersten Wohnhäuser mit flachem Dach überhaupt, das zu dieser Zeit in Westdeutschland gebaut wurde. Die Kinder aus der Nachbarschaft, die sich mit den Kindern der zugezogenen Familie anfreundeten, ahnten weder etwas vom theoretischen Hintergrund noch vom Symbolwert des Bungalows. Sie wussten nicht, dass das Haus später einmal als „Trompetenstoß der Moderne“ in die Geschichte eingehen sollte. Intuitiv verstanden sie, worin das Besondere des Hauses lag. Um auch von den Erwachsenen nicht länger als Fremde betrachtet zu werden, gaben Riedels alle handwerklichen Aufgaben bei lokalen Betrieben in Auftrag. Einzig die Möbel, die Schneider-Esleben für sie entworfen hatte, wurden in Krefeld angefertigt, in der Werkstatt von Johannes Althoff. 

 

Wenn Irmagrd den Handwerkern die gläserne Eingangstür öffnete und diese die junge Frau mit Jeans und Pferdeschwanz nach der Dame des Hauses fragten, musste sie jedes Mal lachen. Irmgard war zusammen mit ihrem Mann Erich, der sich mittlerweile als Patentanwalt selbstständig gemacht hatte, schon oft vom nahegelegenen Flughafen aus nach New York geflogen. Dort hatte sie viel zu viel Coolness geatmet, um zu Hause eine damenhafte, Düsseldorfer Direktorengattin zu mimen. Viel mehr interessierte sich Irmgard für ihren Garten. Sie wollte im Freien sein, die Jahreszeiten und die Witterung erleben und für genau diesen ungezwungenen Lebenstil war ihr Bungalow gemacht, ganz im Sinne des kalifornischen Vorbilds. Der fließende Übergang zwischen innen und außen gehörte zu den Grundideen dieser Gebäudeform, zudem befand sich das Haus auf dem Areal einer ehemaligen Baumschule und war umstanden von schönen, großen, alten Bäumen. Im hinteren Teil des Grundstücks legte Irmgard einen Nutzgarten an. Heute würde man vermutlich von einem Biogarten sprechen. Die Kinder, die zu Besuch kamen, schwärmten ihren Eltern vor, dass es bei Riedels irgendwie ganz anders zuging und dass sogar das Essen außergewöhnlich schmeckte. Ohne genau zu wissen, was es mit der Architektur des Bungalows und der Weltanschauung seiner Bewohner im Detail auf sich hatte, spürten die Gruitener Kinder, dass dort eine Atmosphäre von Weltoffenheit und Freiheit herrschte. Aus dem zunächst noch geheimnisvollen Haus wurde bald eine Art Jugendzentrum. 
 
Julia Zinnbauer, Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Paul Schneider-Esleben





Während Irmgard Riedel ihren Garten kultivierte, Erich seine Callas-Platten auf dem modernen, von Schneider-Esleben entworfenen Hifi-Schrank abspielte, sich die Kinder kichernd durch den Garten scheuchten und aus dem nierenförmigen Pool kommend nasse Fußabdrücke auf dem Terrassen- und dem Wohnzimmerboden hinterließen, wehte der Wind einige Blätter ins Haus. So zogen die Jahre und die Jahreszeiten vorbei. Bis tief in den Herbst hinein spielten die Kinder draußen. Dabei war bei dem zum Garten hin weit geöffneten Haus nie so ganz klar, wo das Innen aufhörte und das Außen begann. Auch die Erwachsenen saßen auf der Terrasse, feierten, unterhielten sich und tranken Wein - bis spät in die Nacht und spät in den Herbst. Wenn es dann im Winter draußen eiskalt war, saß man im Wohnzimmer am warmen Kamin und hatte dank der bodentiefen Fenster das Gefühl, nicht im geringsten von den verschneiten Tannen getrennt zu sein.

Hellblaue Autos und das tiefblaue Mittelmeer
Einer der ersten Urlaube führte Familie Riedel nach Südfrankreich. Erich hatte Beziehungen zu Jacques Cousteau und dessen ozeanographischen Institut in Monaco und machte sich zusammen mit seiner Familie immer wieder im hellblauen, viertürigen Mercedes auf den Weg in den Süden. Dort mieteten sich Riedels ein Ferienhaus, von dessen Balkon aus man direkt auf das Meer sah. In Gruiten hatte Schneider-Esleben sämtliche Fensterrahmen des Bungalows in der Farbe der Sehnsucht und der Ferne streichen lassen, in einem hellen Blau. So wie Riedels nach Südfrankreich reisten, entwarf sich der Architekt sein eigenes Segelboot und befuhr damit das Mittelmeer. Zu dem Gefühl, im Sommer barfuß über die warmen Steine der Terrasse zu laufen und dann die kühleren Bodenplatten im Wohnzimmer unter seinen Füßen zu spüren, mochte das Hellblau der Fensterrahmen gut gepasst haben. Auch in anderen Gebäuden des Architekten taucht die Farbe immer wieder auf - im Berliner Hansaviertel, im Mannesmann-Hochhaus und auch in der Hanielgarage, beide in Düsseldorf. Mit der Hanielgarage, die beinahe nur aus Glas, türkisblauen Fensterrahmen und zwei am Dach aufgehängten, elegant geneigten Rampen besteht, hatte er gleich zu Beginn seiner Karriere der Geschwindigkeit und dem Fortschritt ein kristallines Denkmal gesetzt. 

Paul Schneider-Esleben in seinem Mercedes 190 SL vor der Rolandschule in Düsseldorf