MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Donnerstag, 14. Mai 2015

China 8 - Zeitgenössische Chinesische Kunst in Düsseldorf und im gesamten Ruhrgebiet


China 8 im Museum Folkwang, Essen
















Um einen Überblick über die zeitgenössische Kunst eines so vielfältigen Landes wie China zu gewähren, bedarf es mehr als nur eines einzigen Museums. Man benötigt dazu schon eine Museumslandschaft wie die des Ruhrgebiets, wo man seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 (Link) Erfahrung mit ganz großen, logistisch aufwändigen Inszenierungen hat. Aus dem Projekt Ruhr 2010 und den dabei geschaffenen Vernetzungen entstand schließlich auch die Idee der Ausstellungsreihe China 8. Acht Museen in neun Städten schlossen sich dabei zusammen, um die Chinesische Kunst der Gegenwart nach Deutschland zu holen.

Freitag, 8. Mai 2015

Shocking Pink! Monika Gottlieb referiert im Hetjens-Museum Düsseldorf über die Verbindung von Haute Couture und Porzellan in allen Nuancen der Farbe Rosa



Im Rahmen der Ausstellung „Pink Porcelain - Porzellanmalerei von Rosa bis Purpur“   präsentierte die Düsseldorfer Modeexpertin Monika Gottlieb (Link) am vergangenen Mittwoch ausgewählten Stücke aus ihrer privaten Modesammlung.

Jede einzelne Blüte der beiden Gestecke, die den Mittelpunkt des Ausstellungsraums bildeten, war mit solch einer Sorgfalt und Raffinesse platziert worden, dass sie in ihrer Kostbarkeit und zart nuancierten Farbigkeit kaum hinter den funkelnden Schmuckstücken zurücktraten, denen die Rosen, Hortensien und Orchideen in ihren Vitrinen einen Rahmen boten. Staunend scharten sich die Besucherinnen des Hetjens-Museums um die wie aus einer Märchenwelt stammenden Exponate, spiegelten sich mit ihren Kleidern in pink und rosé in den Scheiben der Vitrinen und entdeckten mit jedem Blick ein weiteres Collier, einen Armreif, einen Ring oder eine Brosche inmitten der zartblättrigen Arrangements. Auf einem Ast hatte sich sogar ein schimmernder, perlenbesetzter Falter niedergelassen.

Montag, 27. April 2015

700 Suits for the Beatles - Gordon Millings berichtet über seine Zeit als Tailor-Designer der Britischen Band



Familie Millings mit den Beatles, links Gordon Millings, in der Mitte sein Vater Dougie. Foto: (c) privat

































Millings & Son als jugendlichere Alternative zur Londoner Savile Row
Den typischen Briten in seiner coolen, souveränen, weltgewandten Art stellt man sich gerne im Anzug vor, zumindest hier auf dem Kontinent. Dieser Meinung war auch Brian Epstein, als er 1962 das Management der Beatles übernahm und ihnen ein gesamtes neues Image schuf. Epstein selbst, der zusammen mit seinem Vater mehrere Möbel- und Elektrogeschäfte betrieb und mit der Schauspielerei liebäugelte, ließ als junger Gentleman mit Stil seine Ensembles natürlich in der Londoner Savile Row anfertigen. In der Straße im Stadtteil Mayfair, in der man sich sich traditionell auf die Anfertigung individueller Herrenkleidung spezialisier hatte, benötigte man damals noch eine Empfehlung, um überhaupt einen der kostspieligen Anzüge in Auftrag geben zu dürfen. Zu den Kunden der so genannten Tailor-Designer in der Savile Row gehörte zu dieser Zeit beispielsweise der Autor Ian Fleming und somit auch dessen Protagonist James Bond. 

Gordon Millings mit Anzug und Scissorella


Viel weniger kompliziert ging es dagegen bei der Firma Millings & Son in Soho zu. Dougie Millings, der Vater, hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Bands Ukulele gespielt und war mit der Musikwelt vertraut. Dass es bei Millings & Son neben flotten Anzügen sogar einen Probenraum im Keller gab, sprach sich unter jungen Musikbands damals schnell herum, sodass Brian Epstein nicht der erste Musikmanager war, der bei den Millings schneidern ließ. Und so verabschiedete sich die Band aus Liverpool ab 1962 Stück für Stück von ihren Lederjacken, Jeans und Tollen und verwandelte sich von einer Gruppe Musiker aus den Arbeitervierteln Liverpools in elegante Großstädter mit guten Manieren.

Mittwoch, 22. April 2015

Cinderella gesucht - Der legendäre Märchenschuh zu Gast in Düsseldorf


Scissorella wie immer in einem Kleid von 
Scissorella. Schuhe: Dior / Swarovski

Dass das Märchen vom Aschenputtel von allen Geschichten der Gebrüder Grimm bis heute eines der beliebtesten ist, liegt definitiv an seinem zeitlosen Thema: es geht um Kleider und Schuhe. Und natürlich darum, einen Prinzen kennen zu lernen, aber das steht hier definitiv weiter hinten auf der Rangliste. Von der Idee, dass Cinderella von der guten Fee verschiedene Ballkleider geschenkt bekommt, ist auch der Name meines Blogs abgeleitet, in Verbindung mit den „scissors“, den Scheren, die zum Nähen und Entwerfen unabdingbar sind.

In dieser Woche ist das Thema Cinderella nicht nur in Florenz Stadtgespräch, insbesondere bei der Condé Nast International Luxury Conference (Link), also bei Suzy Menkes, Lagerfeld und Co., sondern auch hier bei uns in Düsseldorf. Prinzessinennen in spe können sich ab heute bei Breuninger in Düsseldorf den Originalschuh aus der Neuverfilmung des Märchens durch Kenneth Branagh anschauen. 


Sonntag, 12. April 2015

Helmut Rhode: Die ehemalige Horten Hauptverwaltung am Seestern, Düsseldorf 1960/61




Während in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Wiederaufbaus Düsseldorfs im Süden der Stadt mit Garath (Link) ein gesamtes neues Wohnviertel angelegt wurde, entstand parallel dazu am nördlichen Stadtrand mit dem sogenannten Seestern ein eigenes Büroviertel. Mit diesen jeweils für einen ganz bestimmten Zweck konzipierten Neubaugebieten, die wie Satelliten um den bereits bestehenden Teil der Stadt herum in die freie Fläche gebaut wurden, folgte man damals einer Idee, die Le Corbusier und seine Mitstreiter in der Charta von Athen beschriebenen hatten. Bereits im Jahr 1933 hatte man beim Congrès International d’Architecture Moderne das Einteilen von Städten in bestimmte Zonen als sinnvoll erachtet, nachdem LeCorbusier die Überlegung schon in den Zwanzigerjahren dargelegt hatte, beispielsweise anhand der „Ville Radieuse“ (1924). Heute betrachtet man diese Art der Aufteilung insgesamt sehr skeptisch und strebt wieder eine Durchmischung von Wohnen und Arbeiten an, sowohl in den einzelnen Vierteln einer Stadt als auch in Gebäuden selbst.

Eng mit dem Konzept einzelner Stadtzonen verbunden ist auch die Idee der Autogerechten Stadt, die in Düsseldorf u.a. durch die wie eine Schneise in die nach dem Krieg noch erhaltenen Gebäude geschnittene Ein- und Ausfallsstraße umgesetzt wurde. In der Stadtmitte fuhr man schließlich über eine sehr elegant geschwungene Hochstraße, den Tausendfüßler (Link), der zusammen mit dem stahlglänzenden Dreischeibenhaus (1957 - 60) ein Ensemble bildete, das an moderne Metropolen wie New York, Seattle oder Chicago erinnerte. Das moderne Amerika hatte Helmut Rohde auch vor Augen, als er das allererste Gebäude für das Büroviertel am Seestern plante, die Verwaltungszentrale der Firma Horten.

Samstag, 11. April 2015

Am I still a House? Erwin Wurm im Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal / Franz Krauses Villa für den Lackfabrikanten Dr. Kurt Herberts

Links eine Skuptur von Tony Cragg, rechts Erwin Wurms "Fat House", 2004. Im Innern kann man dem aufgequollenen Haus zudem bei einem Video-Monolog lauschen.





Eine ganz besondere Allianz bilden zurzeit die geschmolzenen, aufgeblähten oder durch Tritte deformierten Gebäude des Bildhauers Erwin Wurm mit dem Haus, das sich der Lackfabrikant Dr. Kurt Herberts 1946 - 49 in einem Park über Wuppertal  errichten ließ. Herberts hatte während des Zweiten Weltkriegs diversen Künstlern in seiner Firma Unterschlupf gewährt, die offiziell an „Farbexperimenten“ arbeiteten, um sich nicht der entarteten Kunst verdächtig zu machen. Neben Willi Baumeister und Oskar Schlemmer arbeitete auf diese Weise auch der Maler und Architekt Franz Krause (Link) in der Autolack-Branche, nach dessen Plänen nach dem Krieg Herberts’ Villa Waldfrieden an einem Hang hoch über Barmen entstand. Vor seiner Tätigkeit bei Herberts hatte Krause Erfahrungen als Bauleiter der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gesammelt und war offenbar von den Ideen Hans Scharouns nicht unbeeindruckt geblieben. Dass Kurt Herberts sowohl einen Faibel für die Natur UND die Technik hatte, zeigt sich an den versenkbaren Wohnzimmerfenstern, die im Gegensatz zu den Hebefenstern von Mies van der Rohes Haus Lange (Link) in Krefeld tatsächlich einen schwellenlosen Übergang zwischen innen und außen schaffen. Zudem ließ Herberts in seinem gesamten Park zahllose Blechkästen installieren, die Telefone enthielten, sodass er seine Geschäftsgespräche in der freien Natur mit einem Blick über seinen Park, seine Lackfabrik und über die ganze Stadt Wuppertal führen konnte.

Seit gestern nun sind die Variationen der Gebäude Erwin Wurms in ihren ganz unterschiedlichen Aggregatzuständen zusammen mit den organischen Formen der Villa Waldfrieden zu sehen (Link).


Donnerstag, 2. April 2015

GLORIA. Verleihung des Deutschen Kosmetikpreises in Düsseldorf






GLORIA - beim Namen der Veranstaltung hat man sofort ein Bild vor seinem geistigen Auge und denkt an bodenlange Abendkleider, aufwändige Frisuren, klirrende Champagnergläser, an raschelnde Unterröcke, glitzernde Details, Blitzlichter, Kerzenschein, Scheinwerferlicht und an rote Teppiche, auf denen man zu einem riesigen Ballsaal flaniert. All das war schließlich auch Bestandteil der Verleihung des Deutsche Kosmetikpreises am 27. März im Hilton Hotel Düsseldorf. Zum zweiten Mal hatte die Zeitschrift Kosmetik International zu einem glanzvollen Galaabend geladen und man staunte, wer da alles über den roten Teppich schritt. Sechs Laudatoren und Laudatorinnen sollten den begehrten Preis an Damen und Herren aus der Kosmetikbranche verleihen, und so fanden sich nach und nach die Schauspielerinnen Gudrun Landgrebe und Christine Neubauer auf der Bühne ein, die Moderatorinnen Karen Webb und Miriam Pielhau sowie Fernanda Brandao und die Sängerin Senna Gammour. Christine Neubauers Kleid stammte übrigens aus der Kollektion "Shades of Scotland" (Link) von Thomas Rath, der zusammen mit seinem Ehemann Sandro ebenfalls an den Feierlichkeiten teilnahm und zu den Laudatoren gehörte.

Mittwoch, 25. März 2015

Karl Lagerfeld.Modemethode. Über die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn









In einer Zeit, in der beruflicher Erfolg zunehmend mit einer immer enger werdenden Spezialisierung verbunden ist, wird das Phänomen des Universalgenies selten. Einer der wenigen, denen es gelingt, viele verschiedene Talente erfolgreich miteinander zu vereinen und dessen Spezialität geradezu die Vielseitig ist, das ist bekanntermaßen Karl Lagerfeld. Dabei ist das Element, das alle seine Tätigkeiten miteinander verbindet, das Papier. Von der Inspiration durch die Literatur und die Kunst, über das Zeichnen der Entwürfe, über das Fotografieren der Kollektionen bis hin zu deren Verbreitung in Modemagazinen – immer ist das Papier mit im Spiel. Und so trägt die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Modemethode“, die seit dem 28. März in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist, auch den Untertitel „From Paper to Paper“.  

Samstag, 14. März 2015

Zum Tode von Frei Otto: Olympia / München



Zum Tode des Architekten Frei Otto am vergangenen Montag, dem 9. März, werfen wir noch einmal einen Blick zurück ins Jahr 1972 zur Olympiade nach München. Sowohl Günther Behnisch als auch Frei Otto hatten jahrelang mit freitragenden Dachkonstruktionen experimentiert, bevor Behnisch im Jahr 1967 zusammen mit einigen anderen Architekten den Ideenwettbewerb für das Münchner Olympiagelände gewann. Als Vorbild für Behnischs Idee eines transparenten Zeltdachs hatte Frei Ottos Entwurf des Deutschen Pavillons für die Weltausstellung 1967 in Montreal gedient. Tatsächlich war die Realisierbarkeit von Behnischs Idee für die Olympiade 1972 noch ungewiss, als er den Zuschlag bekam und so lag es nah, Frei Otto mit ins Team zu holen und das spektakulärste, größte und eleganteste Zeltdach aller Zeiten zu entwerfen. Die Transparenz, die für Behnisch auch in symbolischer Hinsicht für sein gesamtes Werk von Bedeutung war, erreichte man in München durch den Einsatz tausender von Plexiglaselementen. Im Dortmunder Westfalenpark hatte Behnisch zuvor ein Sonnensegel installiert, das als direkte Vorstudie des Olympiadachs betrachtet wird. Frei Otto hingegen hatte bereits in den Fünfzigerjahren  mit Seifenlauge und Drahtmodellen experimentiert und 1957 ein erstes Zeltdach über dem Kölner Tanzbrunnen installiert.

Beweglich Plättchen aus Metall und Plastik, die mit Kettengliedern aneinander befestigt werden und eine bewegliche Oberfläche bilden, kennt man im Bereich der Mode spätestens seit Paco Rabannes Entwürfen für den Film „Barbarella“ aus dem Jahr 1968. Und nicht umsonst stellt Hans Hollein, der sich immer wieder auf Paco Rabanne bezieht, in seiner Zeitschrift „Bau“ im gleichen Jahr das Schnittmuster einer Herrenjacke dem Schnittmusterbogen des Expo-Pavillons für Montreal gegenüber.

Freitag, 13. März 2015

NRW-Forum Düsseldorf: Peter Behrens und die Vielfalt der Gestaltung

Behrens' eigenes Haus für die Mathildenhöhe in Darmstadt, 1901.
Anlässlich des 75. Todestages von Peter Behrens wurde am 27. Februar im NRW-Forum Düsseldorf eine ausgesprochen elegant entworfene Ausstellung eröffnet. Peter Behrens, der vor allem für sein gestalterisches Gesamtkonzept für die Firma AEG und die Turbinenhalle bekannt ist, die er in diesem Zusammenhang für den Standort Berlin entworfen hat, hatte über sein gesamtes Leben hinweg ein enges Verhältnis zu Düsseldorf. Nachdem er zunächst an den Kunstakademien Düsseldorf und Karlsruhe Malerei studierte und sich erst in der Folgezeit der Architektur zuwandte bzw. sein erstes Haus für die Darmstädter Mathildenhöhe baute, kehrte Behrens im Jahr 1903 zurück, setzte sich gegen seinen Mitbewerber Wilhelm Kreis durch und war von 1903 bis 1907 als Direktor der der  Kunstgewerbeschule Düsseldorf tätig. 1907 zog Behrens schließlich nach Berlin, um sein eigenes Architekturbüro zu gründen, in dem u. a. Walther Gropius, Mies van der Rohe und der damals noch unter dem Namen Jeanneret firmierende LeCorbusier arbeiten sollten. 1912 entstanddann die Turbinenhalle für AEG, an denen Walther Gropius maßgeblich beteiligt war. Das Mannesmann-Haus, das sich direkt am Düsseldorfer Rheinufer befindet, stammt aus genau dieser Zeit. Für seine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie kehrte Peter Behrens schließlich noch einmal in den Jahren 1931/22 an den Rhein zurück.

Die Ausstellung im NRW-Forum, die in Zusammenarbeit mit der FH Düsseldorf entstanden ist, hätte dem Maler, Produktdesigner und Architekten Peter Behrens  in ihrer perfekten Ausführung und mit ihren elegant arrangierten Exponaten vermutlich sehr gefallen. Zu weiteren Informationen geht es hier entlang: www.peter-behrens-ausstellung.de


Freitag, 27. Februar 2015

Gottfried Böhm: Landesbetrieb Information und Technik NRW, Düsseldorf 1972 - 76


Landesbetrieb Information und Technik NRW - das klingt weder nach Abenteuer noch nach Aufregung. Die Gegend entlang der Roßtraße, in der sich das  Statistische Landesamt befindet, wirkt auf den ersten Blick auch eher sachlich und nüchtern. Das Finanzamt Nord befindet sich dort beispielsweise und gesellt sich zu verschiedenen Bürogebäuden und gepflegten Mehrfamilienhäusern.

Inmitten dieses ordentlichen Idylls sieht es jedoch aus, als habe sich knirschend und krachend die Erde geöffnet und eine riesige rostige Maschine sei aus dem Boden geschossen, installiert von einer fremden Macht, um von dort aus den gesamten Planeten zu übernehmen. Weit ragt das rostig wirkende Monument über die umliegenden Gebäude hinaus und wirkt in seiner strengen Form, seinen stufenförmig ansteigenden unteren Geschoßen und seinen auf der Außenhaut liegenden Lüftungsrohen und Treppen ausgesprochen brachial und technisch. Noch geheimnisvoller erscheint das Gebäude zusätzlich dadurch, dass es nur über eine Brücke zu erreichen ist. Es handelt sich dabei um das sechzehngeschossige Gebäude von Gottfried Böhm für das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen aus den Jahren 1972 - 76, heute Landesbetrieb Information und Technik genannt. 

Sonntag, 22. Februar 2015

Wie ich weder Günther Uecker noch Trisha Donnelly gesehen habe. How not to be seen in Düsseldorf


Foto: Ellen Heyer
Es gibt Künstler, von denen man lange Zeit gar nicht genau wusste, ob sie überhaupt existieren. Und es gibt Künstler, die zwar schon seit Jahrzehnten den Status einer Legende haben, die aber scheinbar trotzdem auch in ihrer Heimatstadt noch immer nicht bei allen bekannt sind. Es gibt Künstler, die sich nicht fotografieren lassen und solche, die in die Kamera lächeln und Autogramme geben aber tatsächlich so viele Fans haben, dass die, die zu lange in der Schlange gestanden haben, den Meister genau um eine halbe Minute verpassen. Und dann gibt es auch noch die Art von Künstlerinnen, deren ausgeübte Kunstform das Leben selbst ist, die Eleganz und die Lebensfreude. Und diese Damen zeigen dann auch eine ausgesprochene Souveränität im Umgang mit Kameras. Am vorletzten Freitag bin ich tatsächlich ganz verschiedenen Formen des künstlerischen Ausdrucks begegnet. Oder eben gerade nicht begegnet.

Donnerstag, 19. Februar 2015

2. Fashion Blogger Café Shoeedition bei der GDS

Die Aquifer Belle von Clarks werden definitiv einen rasanten Auftritt in meinem kommenden Architekturfilm haben. Den Schuh-Muffin stellte freundlicherweise die Firma Bugatti zur Verfügung, denn ein Bloggertreffen ohne Muffins wäre schier undenkbar.

Das Fashion Blogger Café, das seit Jahren von der Modeplattform Styleranking (Link) mit solider Regelmäßigkeit an den verschiedensten Orten ausgerichtet wird, ist jedes Mal wie Weihnachten. Nur, dass es hier definitiv mehr Überraschungen gibt, als an Weihnachten und Ostern zusammen.

Schuhe: Clarks; Jacke und Shirt: Scissorella
Zum zweiten Mal fand das Styleranking-Bloggertreffen am 6. Februar nun im Rahmen der GDS statt, der Düsseldorfer Schuhmesse. Neu war dabei, dass man diesmal an mehreren Tagen Zutritt zur Messe hatte und sich somit neben dem Besuch des Bloggerevents einen ausgiebigen Überblick über die kommenden Trends verschaffen konnte. Neu war aber auch das gesamte Konzept der GDS, mit der die ursprünglich „Große Deutsche Schumusterschau“ bereits im letzten Juli in die „Global Destination for Shoes and Accessories“ umgewidmet worden war.

Nach einem umfassenden Orientierungsgang am Donnerstag widmete ich mich am Freitag ganz dem Fashionblogger-Café. Die Damen, die die Firma Clarks repräsentierten und jeder Bloggerin ein paar Schuhe schenkten, habe ich mit meiner Begeisterung vermutlich ziemlich in den Wahnsinn getrieben. Die silbefarbenen Aquifer Belle, die ich überreicht bekam, entsprachen aber auch zu sehr meiner Vorstellung von Schuhen, die genau für mich entworfen waren, sodass ich in einen Zustand der totalen Schuh-Freude verfallen MUSSTE. Die Aquifer Belle vereinen mit ihrem kleinen, perfekt geschwungenen Absatz, ihrem Fersenriemchen und ihrer unglaublich spitzen Form die Silhouette der frühen mit dem Material der späten Sechzigerjahre. DAS sind die Schuhe, die für Dachterrassen-Events und Cabriofahrten gemacht sind und ich weiß nicht, wie oft ich in diesem Zusammenhang den Namen Doris Day erwähnt habe.

Sonntag, 15. Februar 2015

Platform Fashion: Thomas Rath präsentiert "Shades of Scotland"


Vor einigen Wochen erhielt ich eine hellbraun-dunkelbraun karierte Karte, auf der eine Dame, die aussah wie Maria Stuart, zu einer Modenschau namens „Shades of Scotland“ einlud. Auf der beigefügten Rückantwort konnte ich ankreuzen, ob ich an der Veranstaltung teilnehme, nicht teilnehme, in Begleitung erscheine und / oder mit Fahrer. Die Einladung entsprach genau dem überbordenden Glamour, den man spätestens seit dem letzten großen Defilee des Absenders im vergangenen Juli ein weiteres Mal erleben wollte. Die Einladung stammte von Thomas Rath. Bereits im letzten Sommer hatte der Designer im Rahmen der Platform Fashion Gold über der Stadt ausgeschüttet, und nun sollte das Fest also fortgesetzt werden.  

Am Abend der Show entlud sich die Vorfreude aller in schiere Begeisterung, und es waren wirklich alle in den Schwanenhäfen versammelt, die man zu sehen hoffte (Link). Ich traf JADES-Inhaberin Evelyn Hammerström, das Unternermer-Ehepaar Muth, Society-Lady Renate Blumentrath, Modeexpertin Monika Gottlieb (Link) mit ihren phantastischen Freundinnen und dass ich wieder einmal Dolly Buster begegnet bin, hat mich ebenfalls ganz besonders gefreut. 

Donnerstag, 12. Februar 2015

Platform Fashion Selected in den Schwanenhöfen

Einen Überblick über die Teilnehmer der letzten Ausgaben der Platform Fashion und den Vertretern dieser Saison bot die Selected-Show im Anschluss an das Passionata-Defilee in den Schwanenhöfen. Mit dabei waren u.a. Annette Görtz (Link), Milian by Annette Görtz und Barbara Schwarzer (Link). Und wer von Passionata (Link) noch nicht genug bekommen hatte, für den posierten die Damen in der fröhlich bunten Unterwäsche noch ein zweites Mal, genau so, wie die Show auch einen Ausblick auf den Abschluss und Höhepunkt des Abends bot, auf die Kollektion von Thomas Rath mit dem Titel "Shades of Scotland". Farblich gesehen kann man festhalten, dass man zum bunten Darunter weiterhin schwarz und grau trägt und man sich sowohl bei Annette Görtz als auch bei Barbara Schwarzer an Beton- und Steinoberflächen orientiert.




Montag, 9. Februar 2015

Platform Fashion: Playful Seduction in den Schwanenhöfen - Passionata

Ob dieses Magazin nun von jungen Mädchen oder doch eher von Herren im besten Alter gelesen wird, spielt bei diesem Bericht einmal keine Rolle. Die  Passionata-Show, um die es hier geht, versetzte als Auftakt der Platform Fashion (Link) in Düsseldorf gleichermaßen alle Besucher in Begeisterung. Die Models verbreiteten mit ihren Pin-up-Posen echte Fröhlichkeit in den Schwanenhöfen und auch inhaltlich war für jeden etwas dabei. Unter dem Motto „Playful Seduction“ reichte die Palette von neon-bunt über pastellfarben-verspielt bis zu sachlich-weiß und fand ihr Finale in verrucht-schwarzer Eleganz. Mit ihrer neuen Location in den Schwanenhöfen brachte die dritte Ausgabe der Platform Fashion auch eine ganz neue Laufstegform mit sich und damit verbunden auch eine größere Möglichkeit für Choreographien. Im Gegensatz zu den bisherigen Schauen saßen die Besucher nun erstmalig mitten im Geschehen, was vermutlich ebenfalls zu der mitreißenden Begeisterung und der beschwingten Atmosphäre mit beitrug. Mit dem Dessous-Defilee von Passionata war die Basis gelegt für die weiteren Schauen des Abends, bei denen es jedoch eher um das „Darüber“ gehen sollte. Fortsetzung folgt.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Düsseldorf 2015: Platform Fashion - Das Zelt in den Schwanenhöfen



Wiedersehen mit Dolly Buster (Link)

Das Zelt (Link) als unverwechselbares Element, das in allen Metropolen in Erscheinung tritt, in denen eine Modewoche abgehalten wird, hat nun auch seinen Eingang in die Düsseldorfer Eventarchitektur gefunden. Denn neben den Kleiderentwürfen selbst benötigt auch der gesellschaftliche Aspekt der Mode einen Rahmen, in dem sich das begeisterte Publikum präsentieren kann. Ohne den Gesamtzusammenhang eines besonderen Lebensgefühls, zu dem Menschen, Orte, Emotionen und Geschichten gehören, ist Mode eben oft nur der Oberbegriff für Kleidungsstücke und andere Gebrauchsgegenstände.

Seit Jahren arbeitet der Verein Fashion Net e.V. (Link) daran, Düsseldorf wieder zu dem Glanz zurück zu verhelfen, für das die Stadt durch die lange Tradition der Königsallee und der IGEDO als Modestandort bekannt ist. Seitdem übertrifft tatsächlich jede Saison die vorangegangene, insbesondere seit dem Februar letzten Jahres. Im Februar 2014 fanden im Rahmen der Platform Fashion in Bilk die ersten großangelegten Modenschauen statt, gefolgt von den Schauen im Juli, bei denen klar wurde, dass Glamour und Luxus unzweifelhaft auf immer untrennbar mit dem Stadtbild verbunden bleiben werden.
Mit Countertenor Oswald Musielski (links) und Thomas Rath (Foto: Ellen Heyer)

Montag, 2. Februar 2015

Düsseldorf: Euphorie und Glanz bei der Platform Fashion

Foto: Ellen Heyer; Outfit: Scissorella

Glamour, Lebensfreude und Schönheit bot am gestrigen Abend die dritte Ausgabe der Platform Fashion in Düsseldorf. Bevor hier ein umfassender Bericht über die Defilees von Annette Görtz, Barbara Schwarzer, Passionata und Thomas Rath folgt, sende ich Euch einen euphorischen Gruß aus der Glitzerredaktion. SO sieht echte Düsseldorfer Begeisterung aus!

Mittwoch, 28. Januar 2015

Ansage.

Nach sechs Jahren des Bloggens muss ich wohl auch einmal etwas über das Bloggen selbst schreiben.

Scissorella war ursprünglich der Name des Modelabels, das ich einmal gründen wollte. Nachdem ich Unmengen von Kleidern entworfen und mich im Lauf der Zeit auch mit den Mechanismen der Modebranche auseinandergesetzt habe, bin ich diesbezüglich ein wenig desillusioniert. Es geht dort vor allem darum, dass Trends beschlossen und umgesetzt werden. Beim Betreiben eines Blogs scheint es ähnlich zu sein.

Da ich aus einem Umfeld stamme, in dem man keine Aufgaben gestellt bekommt, sondern sich seine Aufgaben selbst stellt (was definitiv schwieriger ist), habe ich meine Kleiderentwürfe immer aus Situationen oder Themen heraus entwickelt, die mich schwer beeindruckt haben. Dabei spielt bis heute das Motiv der Besessenheit eine Rolle. Irgendeinen Lehrer hatte ich dabei nicht. John Keats würde sagen „I believe in nothing but in the truth of the heart’s affection.“ Der Blog namens Scissorella entstand im November 2008 und sollte von meinen verschiedenen künstlerischen Aktionen berichten, von meiner Herangehensweise und wie ich meine Ideen entwickele. Da die Architektur neben der Kunst und der Literatur schon immer eine entscheidende Rolle in meinem Leben gespielt hat, hat über die Jahre der Anteil an Architekturberichten auf meinem Blog kontinuierlich zugenommen. Mode, Kunst, Architektur und Sprache sind Bereiche, die untrennbar miteinander verbunden sind. Erst in ihrem Zusammenklang kann eine Gesamtsicht entstehen.

Dienstag, 27. Januar 2015

imm cologne 2015 / SYSTEM DESIGN im makk



Spektakuläres Sitzen bei de Sede

Retroglamour bei Gubi
Willkommen im modernen Biedermeier / Glückseligkeit in Opas Sessel / Bunter, runder, weicher. Die Überschriften der offiziellen Pressetexte zur imm cologne 2015 beschreiben genau das, was in der Architektur seit Jahren zu beobachten ist. Diejenigen, die hoffen, dass der Trend zum Rückzug ins Private bzw. in die Gemütlichkeit langsam einmal ein Ende haben sollte, müssen weiterhin tapfer sein und zwischen all den flauschigen Oberflächen und kuscheligen Formen ihrerseits ihren Privatglauben an ein zukunftsweisendes, lebendigeres Wohnen aufrecht erhalten.

Dennoch muss ich sagen, dass es absolut beeindruckend war, tagelang durch ein riesiges gebautes Paralleluniversum zu wandern, in dem Stile und Epochen fließend ineinander übergingen und in dem sich neu aufgelegte Originalentwürfe mit den genau diesen Ursprungsformen nachempfundenen Neufindungen vermischten. Vielleicht liegt in einer Zeit, in der die Vergangenheit ein genau so wichtiger Sehnsuchtsort geworden ist, wie in früheren Jahrzehnten die Zukunft, die Entscheidung nicht mehr in der Frage nach dem Dekor, sondern in der Frage, ob man sich überhaupt  einer praktisch-technischen Funktionalität widmen will.

de Sede DS-25


Donnerstag, 8. Januar 2015

Fritz Schaller: Betonpilze am Kölner Dom, 1964 - 70

Brutalism,  post-war modernism, Cologne



Bis vor einigen Monaten standen an der Nordseite des Kölner Doms sechs kantige Betonpilze. Die Pilze waren nicht etwa dem unweit gelegenen Heinzelmännchen-Brunnen entlaufen, sondern markierten den Rand der Domplatte, die dort einen scharfen Absatz macht. Schaute man über die Brüstung der Domplatte, entdeckte man die eigentliche Funktion der Pilze: sie bildeten das Dach einer etwas tiefer gelegenen Bushaltestelle.

Am Ende waren die sechs Pilze das Einzige, was von der Domplatten-Neugestaltung des Kölner Architekten Fritz Schaller noch erhalten war. Schaller hatte 1964 den entsprechenden Wettbewerb gewonnen und sorgte daraufhin dafür, dass das Niveau des Domplatzes auf die Höhe der Eingangspforten des Gebäudes angehoben und eine direkte Verbindung zwischen Dom und Altstadt hergestellt wurde. Mit der Zick-Zack-Linie der aneinander gebauten Pilzdächer und der Brüstung der Domplatte bezog sich Schaller auf die gotischen bzw. neugotischen Formen des Doms. Dies behauptet der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings in einem Artikel des Kölner Stadtanzeigers (Link). Seiner Meinung nach hätten die sechs Dächer auf ihren schlanken Stützen nicht „exekutiert“ werden müssen. Unter dem Artikel versammeln sich in den Kommentaren die üblichen Wutausbrüche, die man dem Beton der Sechzigerjahre gemeinhin entgegenbringt. Auch die Architektur-Fachzeitschrift „Express“ (Link) betont konsequent in mehreren Artikeln, wie hässlich Schallers Betonobjekte seien und lässt ihre Leser wählen, welches Gebäude sie am liebsten abreißen würden. Die Antwort: die schlimmen Pilze stehen auf Platz eins der „Wut-Liste“ des Jahres 2011. Im November 2013 wurden Schallers Betonskulpturen dann abgesägt und entsorgt. Zahllose Rentner, Studenten und so genannte Nachtschwärmer atmeten, so der Kölner Express, daraufhin merklich auf und können sich nun endlich unbehelligt von Schallers neoexpressionistischen Formen zwischen Dom und Hauptbahnhof aufhalten.

Sonntag, 4. Januar 2015

BÜRO211 wünscht: Viva Vivarium - Zum Wiederaufbau des Vivarium von Mark Dion im Hofgarten


Eine Stadt wie Düsseldorf ändert andauernd ihr Aussehen, überall werden ständig Gebäude abgerissen und ausgewechselt. Nichts hat im letzten Jahr jedoch so sehr in das Stadtbild eingegriffen, wie der Sturm Ela, der am Pfingstfest 2014 alleine in Düsseldorf etwa 45 000 Bäume zerstört bzw. entwurzelt hat. Seitdem werden in der Stadt Spenden für die Wiederaufforstung gesammelt. Die Griechische Gemeinde Düsseldorf hat der Stadt beispielsweise im November fünfzig Stieleichen geschenkt, die aus der Gegend des Olymp im Norden Griechenlands stammen.

In das Entsetzten und die Trauer, die all die uralten, riesigen Bäume auslösten, deren massive Wurzeln sie nicht davor bewahren konnten, umgerissen zu werden, mischte sich auch Erstaunen über das Bild, das sich nach dem Sturm im Hofgarten bot. Dort war ein Baum genau im rechten Winkel auf ein Glashaus gefallen, in dem schon seit vielen Jahren ein anderer Baum aufgebahrt lag. Dabei handelte es sich um das Vivarium des Amerikanischen Künstlers Mark Dion. Auf einem wie in einem Schneewittchensarg liegenden Baumstamm hatte Dion Pilze und Insekten angesiedelt und auf diese Weise so etwas wie ein lebendes Kunstwerk geschaffen. Die Natur hatte also ein Kunstwerk zerstört, das davon handelte, etwas aus der Natur herauszulösen und unter eine Glasglocke bzw. in den Kontext der Kunst zu setzen (Link).

Donnerstag, 1. Januar 2015

Tag eins.


Als ich gestern Nacht aus der Stadt nach Hause kam, lagen bei mir mitten auf der Straße zwei ineinandergeknäulte, reglose Körper und wurden von zwei Frauen beweint. Einige erste Polizisten kamen angefahren und zwei Leute berichteten mir, die beiden hätten sich Bierflaschen auf den Kopf geschlagen. Der eine ist doch schon tot, meinte eine Frau. Ein älterer Herr gesellte sich zu uns, der sich im Gehen ein Stück Klopapier in die Nase steckte. Er hatte kurz zuvor versucht, die beiden zu trennen und dabei selbst einen Schlag aufs Gesicht bekommen. Eine aufgeregte Frau und ein Mädchen, das einen riesigen Kochlöffel in der Hand trug, eilten zu der Verkehrsinsel. Noch stundenlang hörte ich von meinem Küchenfenster aus Hundegebell, Polizeiautos und aufgeregtes Rufen. Dabei wurde der Nebel immer dichter und legte sich über das wie inszeniert wirkende Bild. So also begann Tag eins des neuen Jahres.

Montag, 22. Dezember 2014

Pascal Haüsermann: L’Eau Vive, Raon l’Étape 1967



Als gegen Ende der Sechzigerjahre eine euphorisch-exzessive Welle über dem Planeten zusammenschwappte und die metallisch schimmernde Geradlinigkeit von Häusern und Möbeln in Schwung versetzte, da befand sich der Schweizer Architekt Pascal Haüsermann schon lange mitten im Geschehen rund um das Maison Bulle, das Blasenhaus. Haüsermanns Geschichte zeigt, wie eine überbordende Phantasie und der Idealismus, das Wohnen spektakulärer und individualistischer zu gestalten, am Ende an immer rigider werdenden Bauvorschriften und sogar offen zur Schau gestellter Missgunst scheiten sollte.


Les Maisons Bulle
Bereits im Jahr 1959 baute Pascal Haüserman in Grilly ein erstes Ferienhaus und entwickelte dabei sowohl seine Technik, Betonschalen herzustellen, als auch seine eigenen Ideen zum Thema Autokonstruktion. Haüsermans Methode bestand darin, zunächst ein korbartiges Gestell aus gebogenen Stahlbändern zu bauen, um in einem zweiten Schritt die so entstandene Armierung per Hand mit Beton zu umschließen. Eine Verschalung benötigte man für die geschwungenen Formen somit nicht. Auf diese Weise gelangen ihm begeh- und bewohnbare Skulpturen, die an Eier, Ellipsen und Muscheln erinnern und die ein wenig wie überdimensionierte Töpferwaren aussehen. Nicht zufällig betreibt heute noch Haüsermanns erste Frau Claude Costy in dem „La Ruine“ genannten Haus, das ebenfalls von dem Architekten stammt, eine Töpferwerkstatt. Claude Costy war lange Jahre intensiv am Werk ihres Mannes beteiligt.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

ellipsoid episodes - Ein filmischer Ausflug in die totale Schwerelosigkeit

 
Nachdem „ellipsoid episodes“, mein Kurzfilm aus dem Jahr 2012, mittlerweile bei den wildesten Veranstaltungen gezeigt wurde, nehme ich den nun gerade vergangenen sechsten Geburtstag meines Blogs zum Anlass, das Weltraumabenteuer endlich Teil dieser Seite werden zu lassen. Die Entstehungsgeschichte des Films (Link) und der Kostüme, die ich dafür entworfen habe, sind genauso mit meinem Blog verwoben, wie die Erlebnisse rund um die Aufführungen der UFO-Episoden. Immer geht es dabei um meine Suche nach aufregender, futuristischer Architektur und so habe ich mich natürlich gefreut, dass „ellipsoid episodes“, nachdem ich den Film in einem Futuro von Matti Suuronen gedreht hatte, von Anfang an  auch an ungewöhnlichen Orten gezeigt wurde. Seine Uraufführung erlebte der Kurzfilm bei der Eröffnung des Museums Charles Wilp Space in Witten (Link), war dann im Filmmuseum Düsseldorf zu sehen und in der Wuppertaler Galerie Grölle pass:projects (Link), während die Schwebebahn über die Köpfe der Zuschauer hinweg rauschte. Bei der Wiedereröffnung der Caprigarage (Link) wurde "ellipsoid episodes" unter einem riesigen Sternenhimmel gezeigt und war schleißlich Teil der 60. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (Link). Es bleibt mir, Euch einen vergnüglichen Ausflug in die totale Schwerelosigkeit zu wünschen.

ellipsoid episodes
Ein Film von Julia Zinnbauer
Kamera, Schnitt, Kostüme, Regie: Julia Zinnbauer
Mit Sandra Labs (Weltraummechanikerin), Patrizia Lohmann (Astronautin), Stefanie Pürschler (Astronautin), Axel Schrooten (Astronaut) und Julia Zinnbauer (Weltraumtouristin, Astronautin, Samba-Fransenmonster)
Düsseldorf 2012 

Zu der Entstehungsgeschichte der Kostüme geht es hier entlang: Link / Link / Link

Montag, 1. Dezember 2014

Arne Jacobsen: Das Mainzer Rathaus (1974)


Seit Jahren diskutiert man, ob man das Mainzer Rathaus nicht einfach abreißen soll. Zum vierzigsten Geburtstag des Gebäudes von Arne Jacobsen und Otto Weitling fand nun im Foyer des Hauses eine Ausstellung statt, die einmal die gesamte Entstehungsgeschichte aufrollte und das groß angelegte Konzept hinter dem Entwurf der beiden Architekten erklärte. Dabei wurde vor allem eines ganz deutlich: das Mainzer Rathaus ist ein Gesamtkunstwerk.

Samstag, 22. November 2014

Die Modesammlerin: Monika Gottlieb auf der Cologne Fine Art

Monika Gottlieb / Kleid von Nina Ricci
Die Frage, was man zu seinem Jaguar E-Type anzieht, beantwortet Monika Gottlieb natürlich mit Dior. Zurzeit nimmt die Düsseldorferin mitsamt ihrer Entourage an der Cologne Fine Art teil und bringt mit ausgewählten Stücken aus ihrer Sammlung den Glanz des internationalen Jetsets in die Domstadt. 

Die Geschichte Monika Gottliebs ist eng verwoben mit dem Aufstieg Düsseldorfs zur Modemetropole in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und das Flair exklusiver Mode begleitet sie von klein auf. Über das Parfümerie- und Modeschäft von Monika Gottliebs Eltern in der Nähe der Königsallee und die Sammlung, die daraus hervorging, habe ich nun schon einige Male berichtet (hier (Link) und hier (Link)). Umso mehr freute ich mich, von Frau Gottlieb zur diesjährigen Cologne Fine Art eingeladen zu werden. Als zusätzliches Highlight der Messe war auf Anraten Frau Gottliebs die Londoner Auktionatorin Kerry Taylor (Link) angereist, die mit ihrem Vortrag das Publikum sehr ins Schwärmen brachte. Dabei ging es um Schätze von Madelaine Vionnet und Elsa Schiaparelli, die sie in Kellern und auf Dachböden ausfindig machte, um die Garderobe Prinzessin Dianas, um die Kleider von Filmdiven wie Liz Taylor und Ava Gardner, die Kerry Taylor immer wieder mit einem euphorischen „gorgeous“ kommentierte und schließlich auch die drei Gründe, weswegen sich eine Dame überhaupt von ihrer luxuriösen Kleidung trennt: debt, divorce, death. 

Mittwoch, 19. November 2014

surveillance souterraine: Die Making-of-Fotos meines Videodrehs von Robert Freund




Als ich im Januar des Jahres im Rahmen des onomato-Video-Stpendiums meinen Kurzfilm mit dem Titel „surveillance souterraine“ gedreht habe (Link), begleitete der Düsseldorfer Fotograf Robert Freund (Link) das Team für einen Tag und dokumentierte unsere Aufnahmen. Ich freue mich wirklich sehr darüber, unsere Dreharbeiten und auch die Kostüme, die ich eigens für das Projekt entworfen und angefertigt habe, im Nachhinein noch einmal aus einer anderen, nicht weniger architekturbegeisterten Perspektive zu sehen. Robert Freund hat ursprünglich Architektur studiert, fotografiert jedoch seit einigen Jahren das glamouröse Geschehen zwischen Düsseldorf und Sardinien.

Ganz der Schönheit der Architektur dreier U-Bahnhöfe gewidmet, die im Jahr 2002 nach Entwürfen von Wolfgang Döring im Stadtteil Düsseldorf Oberbilk eröffnet wurden, handelt „surveillance souterraine“ davon, wie sich die vier Filmfiguren von den elegant arrangierten Linien und Flächen der Gebäude in Bewegung versetzen lassen und zunehmend in eine ausgelassene Euphorie geraten. Ein ganz wichtiges Ritual, das sich über die gesamten Dreharbeiten hinweg wiederholte, lag darin, dass wird den teils streng, teils erfreut dreinblickenden Sicherheitsleuten der Rheinbahn mit offizieller Mine unsere Drehgenehmigung vorlegen mussten. Auch diese Momente hat Robert Freund festgehalten. Mir bleibt, mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich sowohl bei meinen Darstellerinnen als auch bei unserem  souveränen Setfotografen zu bedanken.

surveillance souterraine
Mit Alwina Heinz, Sandra Labs, Patrizia Lohmann und Julia Zinnbauer
Kamera, Schnitt, Kostüme, Regie: Julia Zinnbauer
Düsseldorf 2014
20.07 min.


Mit Alwina Heinz (links) und Patrizia Lohmann (rechts) im Oberbilker Untergrund.

Dienstag, 11. November 2014

Roger Hummel, André Blanc: L'École Nationale de la Marine Marchande du Havre, 1961


Zu einer Hafenstadt, und als nichts anderes wurde LeHavre im 16. Jahrhundert gegründet und angelegt, gehört neben einem Leuchtturm und diversen Hafenbecken auch eine Marineschule. Die École Royale d'Hydrographie du Havre wurde bereits im Jahr 1666 auf königliche Anweisung hin gegründet und ist eine der ältesten Marineschulen Frankreichs. Während des Zweiten Weltkriegs und den Bombardements, die die ganze Stadt zerstörten, wurde die Schule geschlossen und im Jahr 1949 in einem Provisorium wiedereröffnet. Im Rahmen des Wiederaufbaus der Stadt sollte auch die Marineschule ein neues Gebäudeensemble erhalten, allerdings hoch oben auf einem Felsen im Vorort Sainte Adresse, mit einem weiten Blick über Le Havre hinaus auf das Meer.



Eine gewisse Erfahrung mit Schiffsformen hatte Roger Hummel (1900 - 1983) durchaus, als er Ende der Fünfzigerjahre damit beauftragt wurde, zusammen mit seinem Kollegen André Blanc ein neues Schulgebäude für die angehenden Offiziere der Handelsmarine zu entwerfen. Das lag nicht nur daran, dass er seit 1945 der leitende Architekt der Französischen Handelsmarine war. Bereits in den Dreißigerjahren hatte er diverse Schulgebäude entworfen, und zwar ganz im Sinne der Licht, Luft und Sonne Bewegung, mit großen Terrassen und breiten Fensterbändern. Der Ozeandampfer galt damals nicht nur bei LeCorbusier als absolutes Ideal an Funktionalität und Modernität. LeCorbusier war begeistert von der Reduktion auf das technisch Notwendige an Flugzeugen, Schiffen und Silos, vom Fehlen jeglicher Dekoration und den harmonischen Proportionen rein funktionaler Bauten. Art-Déco-Architekten wie Roger Hummel imitierten mit ihren Gebäuden jedoch auch die äußere Form von Ozeandampfern mitsamt ihren Rundungen und Bullaugen (z.B. das Aquatic Bathhouse Building in San Francisco von Sargent Claude Johnson aus dem Jahr 1939 (Link)). Von Roger Hummel stammen beispielsweise La Groupe Scolaire Condorcet in Paris (1930 - 34, Link) und das Gebäude des Collège Jules Ferry in Toulouse, das 1935 eröffnet wurde  (Link).

Samstag, 8. November 2014

Musée Malraux, LeHavre (1953 - 1961)



Dort, wo Auguste Perrets strenge Betonstadt auf das Meer trifft und sich Le Havre zu seinem namensgebenden Hafen hin öffnet, liegt das Musée Malraux. Fest in seinem Sockel verankert, ist es in seiner filigranen Konstruktion aus Glas, Stahl und Aluminium ganz seiner exponierten Lage gewidmet und zelebriert das extreme, ständig wechselnde Licht der Normandie, den Wind und die weite Sicht auf das Meer. Die Architekten Guy Lagneau, Michel Weill, Jean Dimitrijevic und Raymond Audigier (der auch für die Vollendung St. Josephs nach Perrets Tod im Jahr 1954 verantwortlich war (Link)), hatten ihren Entwurf für das erste Kunstmuseum, das in Frankreich nach dem Krieg eröffnet werden sollte und damit auch einen großen symbolischen Wert hatte, bereits im Jahr 1953 vorgestellt. Eingeweiht wurde der Bau 1961. 


Mit seiner Transparenz und Offenheit widersprach das Musée Malraux damals allem, was man bis dahin als Museumsbau kannte. Die Stahlkonstruktion erlaubt es, dass im Innern keine tragenden Wände notwendig sind, ganz so, wie es LeCorbusiers Ideal entspricht. Durch die Modularität der Trennwände kann man diese je nach Anlass arrangieren. Um den besonderen Lichtverhältnissen gerecht zu werden, besteht für jede der fünf Glasfassaden ein eigenes System aus Sonnenblenden. Dabei stammen die Aluminiumelemnte und der Dachaufbau von Jean Prouvé (Link), der zudem auch die sechs mal sieben Meter große Tür auf der Westseite des Gebäudes entworfen hat. Gefiltert wird das Licht zusätzlich durch Streifen aus Milchglasscheiben. Die Bedeutung, die hier dem Licht beigemessen wird, bezieht sich nicht zuletzt aber auch auf die Malerei, der das Musée Malraux gewidmet ist (Link).