MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Mittwoch, 28. März 2012

Pierre Koenig: Case Study House # 22, Los Angeles 1960


In manchen Häusern leben wir in unserer Phantasie schon seit vielen Jahren, stellen dort unseren Tisch auf und flüchten uns dorthin, wenn uns unsere eigene Realität zu profan erscheint.

Eines dieser Häuser, das wohl vielen von uns ein imaginärer Zweitwohnsitz ist, ist Pierre Koenigs Case Study House # 22 in den Hügeln Hollywoods, das er in den 50erjahren für das junge Ehepaar Stahl entwarf. Daß das Haus wirklich existiert, konnte ich nie so ganz glauben, auch nicht, wenn ich Shulmans Fotografien betrachtete. Shulman ist schließlich dafür bekannt, Gebäude, die von sich aus schon einem hohen Ideal entsprechen, durch eine geschickte Inszenierung noch idealer darzustellen. Ein hellblauer Pool, ein Glaskasten und eine Betonplatte, die hoch oben über Los Angeles schweben.

Um so surrealer ist es, wenn man den Gebäuden, in denen man gedanklich schon so viel Zeit verbracht hat, dann in Wirklichkeit begegnet, ihre Umgebung sieht, den Weg dorthin entlang läuft, die Luft dort einatmet, sich mit den Leuten unterhält, die in dem Haus leben und einen ein Gefühl der Vertrautheit und gleichzeitiger Überraschung befällt.

Betrachte ich nun zwei Jahre nach meiner Kalifornienreise meine eigenen Fotos des Stahl-Hauses, so will ich wieder nicht so recht glauben, daß ich tatsächlich dort war. Zu unglaublich ist die ganze Geschichte, und dennoch stand ich an einem Sonntagnachmittag im Oktober tatsächlich in dem scheinbar schwebenden Wohnzimmer aus Glas. Durch eine ganz merkwürdige Verkettung von Zufällen war ich dort hingeraten, aber auch dank der sprichwörtlichen amerikanischen Gastfreundschaft und der Tatsache, daß es wohl immer noch ungewöhnlich ist, in Amerika zu Fuß unterwegs zu sein, zudem in Hollywood. Zweimal machte ich mich auf den Weg zu Haus # 22, einmal direkt zu Beginn meiner Reise, wobei ich die Nachbarn der Stahls kennen lernte, und ein zweites Mal kurz vor meine Rückkehr nach Deutschland. Wieder war ich den Hollywood Boulevard entlang gelaufen und an Frank Lloyd Wrights Storer House vorbei die gewundenen Sträßchen den Hügel hinauf marschiert. Wieder empfingen die Nachbarn mich sehr freundlich und dann ergab es sich, daß Familie Stahl tatsächlich zu Hause war und uns zu sich hereinbaten. Carlotta Stahl, die damals zusammen mit ihrem Mann den Entwurf des Hauses bei Pierre Koenig in Auftrag gegeben hatte, saß mit ihrem Sohn Mark und dessen Lebensgefährtin im offenen gäsernen Wohnzimmer und schaute über die Stadt, die unter uns lag und bis zum Ozean reichte.


Ich weiß nicht, wie ich die Atmosphäre beschreiben soll, die dort herrschte, ich kann nur sagen, daß all das helle warme Licht, der hellblaue riesige Himmel um uns, die flirrenden Reflexe im Pool, die filigrane Konstruktion des Hauses und die Tatsache, daß die gesamte Rückseite des Gebäudes aus Glas besteht, die riesige glitzernde Stadt am Fuß des Berges, der Pazifik in der Ferne, daß all das wie ein gebautes Ideal wirkte, wie die perfekte Umsetzung einer Utopie. Zudem Frau Stahl kennen zu lernen, die damals zusammen mit ihrem Mann Buck und Piere Koenig an der Planung des Hauses und der Vorbereitung des als schwer bebaubar geltenden Geländes beteiligt war, war ein unvergeßliches Erlebnis, und ich dachte nur, so sieht man also aus, wenn man ein langes Leben in in einer derart perfekten Umgebung verbracht hat.

Mittlerweile wohnt Familie Stahl nicht mehr in ihrem Haus in den Hügeln, allerdings ist es immernoch im Besitz der Familie und wird für Fotoshootings und Filmaufnahmen vermietet. In unregelmäßigen Abständen jedoch besucht Frau Stahl ihr Case Study House und es war ein riesiges Glück, sie dort getroffen zu haben.

Dienstag, 27. März 2012

Wolfgang Döring: U-Bahnhof Oberbilk/Philipshalle, Düsseldorf 2002


Seit man in Düsseldorf vor Jahren begonnen hat, einen neuen U-Bahntunnel quer durch die Stadt zu bohren, ist die Glitzermetropole nicht unbedingt schöner geworden und zusammen mit der Baugrube des Kö-Bogens verleihen die U-Bahn-Bauarbeiten der Innenstadt einen recht rauhen Nachkriegs-Look. Die einen sehen die Angelegenheit mit Humor (Link), die anderen wollen zumindest Friedrich Tamms’ Tausendfüßler erhalten (Link), einige mussten aufgrund der Dauerbaustellen schon ihre Geschäfte schließen und niemand will die neue U-Bahnline so recht haben. 


Daß man sich in Düsseldorf jedoch tatsächlich darauf versteht, ausgesprochen schöne U-Bahnhöfe zu bauen, das beweisen die drei unterirdischen Haltestellen Handelszentrum/Moskauer Platz, Oberbilker Markt und Oberbilk/Philipshalle, die im Jahr 2002 eröffnet wurden. Letztere verlor kürzlich ihre Bezeichnung, da die namengebende Halle ihren Besitzer gewechselt hat und nun Mitsubishi Electric Halle heißt. Die oberirdischen Schilder wurden bereits abgebaut und ich bange dem Tag entgegen, an dem die Schilder im unterirdischen Bereich gewaltsam aus ihren Fugen gerissen werden. Denn steht man dort am Bahnsteig, vertieft man sich automatisch in die Gestaltung des Raums, in die bis ins Detail aufeinander abgestimmten Proportionen der einzelnen Elemente, und auch die Typografie der Schilder ist perfekt in das harmonische System der Längs- und Querstreifen eingepasst.

Steigt man an der "ehemaligen Philippshalle" aus, wie man das Gebäude mittlerweile nennt, da niemand die holprige Verbindung aus Japanisch, Englisch und Deutsch der "Mitsubishi Electric Halle" über die Lippen bringen will, so ist man von der riesigen Höhe des unterirdischen Raums überrascht, vom hellen glänzenden Weiß der mit Neoparies verkleideten Wände, einem mit Glas beschichteten Kunststein, und von der Eleganz, mit der der graue Granit des Bodens, der Edelstahl von Rolltreppen, Türen und Bänken, das Schwarz der Decke und des Kiesbetts eine Einheit bilden, akzentuert von einigen schlanken, leuchtend roten Informationssäulen und den bereits erwähnten Schildern.


Sonntag, 25. März 2012

Bitumen, Altöl und Kerosin: Comme des Garçons und der Duft des Industriezeitalters


Als ich anfing, mich für die Funktionalität und Schönheit von Industriearchitektur zu begeistern, beschäftigte ich mich zunehmend auch mit Arbeitskleidung. Die Schwarz-Weiß-Kaue war beispielsweise ein wichtiges Thema, in der die Bergarbeiter ihre saubere Kleidung in Körben unter der Decke aufgehängt verwahren um dann in ihrer Arbeitsmontur in die Grube einzufahren. Jahrelang dem Kohlestaub ausgesetzt und immer wieder ausgekocht und geflickt, erreicht schließlich jedes ehemals weiße Wams und jede Hose eine ganz individuelle Färbung.
Bergarbeiter-Anzug: Scissorella, Foto: M. Lutter
Comme des Garçons 2
Ich fuhr mit der Bahn das ganze Ruhrgebiet ab und nachdem ich mich bis dahin vor allem mit der Mode bis etwa 1900 beschäftigt hatte, fesselten mich nun Filme wie „Der Zug“ (John Frankenheimer, 1964) und „Knotenpunkt Bhowani“ (George Cukor, 1956). In letzterem manifestiert eine von Ava Gardner dargestellte, attraktive Halbinderin ihre Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne, indem sie sich uns einerseits in opulenten Saris, andererseits aber auch in straffen 40erjahres-Zugbegleiter-Uniformen in Gefahr begibt.
Zeltplanen-Kostüm: Scissorella, Foto: M. Zimmermann
Clärenore Stinnes Reise mit dem Automobil um die Welt im Jahr 1927 faszinierte mich (Link), U-Boote und Flugzeuge sowieso und bei frischgeteerten Straßen fuhr ich immer etwas langsamer, um in den vollen Genuß der Teerdämpfe zu kommen. Genau so wollte ich auch riechen, aber wie sollte man das anstellen? Eine Mischung aus Teer und Kerosin schwebte mir vor, aus frischem Beton und diesem alten, matt klumpigen Maschinenöl, das besoders gut riecht, wenn die Sonne darauf scheint.

Samstag, 17. März 2012

Matté Trucco: FIAT Lingotto, Turin 1916-23


Nachdem ich hier immer von der modernen Stadt bzw. der Stadt der Zukunft spreche, darf nach Tunnels (Link), Autobahnen (Link), Hochstraßen (Link), Wolkenkratzern und Dachterrassen eines nicht fehlen, und das ist die Teststrecke auf dem Dach.

In turiner Stadtteil Lingotto begann man im Jahr 1916 mit dem Bau einer neuen Produktionsanlage der Fabbrica Italiana Automobili Torino (FIAT) nach den Entwürfen des Architekten Matté Trucco. Was lag dabei näher, als die dort hergestellten Fahrzeuge direkt vor Ort zu testen? Mehrere Rampen ermöglichen es, mit dem Automobil direkt auf das Dach des Gebäudes zu fahren, in dem sich in etwa 30 m Höhe eine 1,2 km lange Teststrcke befindet. Von 1923 - 83 residierte Firma in den Gebäuden. Mit der Schließung des Werks begann der Niedergang des gesamten Viertels und nach anhaltendem Protest der Bevölkerung führte man die Anlage einer neuen Bestimmung zu. Von Renzo Piano stammt ein grün-gläserner Dachaufbau, der die Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli beherbergt, zudem verlagerte man die Fakultät für Ingenieurwesen der Universität von Turin in die Gebäude und eröffnete neben einem Hotel auch ein Einkaufszentrum.

Mittwoch, 14. März 2012

Paul Schwebes: Philipsgebäude, Berlin



Was ist eigentlich zur Zeit los? Warum wird mutwillig alles kaputt gemacht? Natürlich geht es beim Abriß und Umbau von Bauten der Moderne um wirtschaftliche Interessen, das ist mir schon klar, aber ist es nicht möglich, diese Gebäude mit etwas mehr Feingefühl zu betrachten? Ist es denn wirklich preisgünstiger, ein Hochhaus mit einier riesigen neusen Fassade und neuen Innereien zu versehen, als die bestehende Ausstattung aufzuarbeiten, weiter zu nutzen und mit einem subtilen Marketingkonzept an Interessenten zu veräußern, die am Ende der Meinung sind, nun etwas ganz Besonderes, Einzigartiges zu besitzen? Warum kann man diese Bauten der Nachkriegsmoderne, nicht als das sehen, was sie sind? Warum werden an sachlich konstruierte Verwaltungsgebäude Lochblechfassaden mit Blumenmustern angebracht? Las Vegas ist nicht der Maßstab, lasst Euch das nicht einreden. Las Vegas ist eben Las Vegas, da gehören ständiger Umbau und Kulissenarchitektur zum Bild der Stadt. Insofern ist die Glitzermetropole in jedem Fall sehenswert, aber dort herrschen andere Kriterien, als in jeder anderen Stadt, geschweige denn als in Berlin oder Düsseldorf. Dennoch strebt man diesem Ideal des sich ständig und immer schneller wandelnden Outfits in deutschen Groß- und Kleinstädten immer mehr nach.

Montag, 12. März 2012

2nd Steet Tunnel, Downtown Los Angeles, 1924


Typische Stadt-Szenarien, die man für den urbanen Look eines amerikanischen Films einfach braucht, findet man in Downtown Los Angeles auf einigen wenigen Quadratkilometern rund um den Bunker Hill konzentriert. Für Kriminalfilme unabdingbare Backsteingebäude mit Feuertreppen bietet die Gegend en masse und es verwundert nicht, dort immer wieder Kamerateams anzutreffen. Das Bradbury Building aus dem 19. Jahrhundert, das man aus dem „Bladerunner“ kennt, befindet genauso sich in diesem Stadtteil wie das hoch aufragende, weiße Art Déco Gebäude der Townhall (1928), das in „The Adventures of Superman“ erscheint, in „War of the Worlds“ (1953) und unzähligen weiteren TV- und Filmproduktionen.

Als ich im Oktober 2009 zu Fuß durch Downtown schlenderte, war ich überrascht, daß sich sogar DER ultimative Tunnel dort befindet, dessen grün schillernde Fliesen den Rahmen für unendlich viele Verfolgungsjagden und Auto-Werbespots bieten, u.a. für „The Driver“ (1978), für den „Terminator“ (1984, Link) und am elegantesten natürlich für die Szene in „Gattaca“ (1997), in der Vincent und Irene im Elektromobil in eine Kontaktlinsen-Kontrolle geraten.

Sonntag, 11. März 2012

William Pereira: Transamerica Pyramid, San Francisco, 1969 - 72


Das Spannungsfeld zwischen Architektur, Filmarchitektur und Architektur, die als Filmarchitektur verwendet wird, zeigt sich im Werk des amerikanischen Arcitekten William Pereira (1909 - 85) in besonderem Maße. Seine futuristischen Entwürfe der 60er- und 70erjahre wirken wie Realität gewordene Szenarien aus Science Fiction Filme und tatsächlich war Pereira zu Beginn seiner Karriere im Hollywood der Vierzigerjahre als Filmarchitekt aktiv.

Architektur, Nachkriegsmoderne, San Francisco, Kalifornien

Pereira selbst war ein begeisterter Science Fiction Fan und so verwundert es nicht, daß er beim Bau des sogenannten Theme-Buildings beteiligt war, das die Reisenden am Flughafen von Los Angeles begrüßt (Link) oder daß die von Pereira entworfenen Gebäude der University of California, Irvine, im Jahr 1972 als Filmkulisse für „Conquest of the Planet of the Apes“ dienten. Pereiras spektakulärestes Gebäudes ist wohl das der Geisel Libary aus dem Jahr 1970, das er für die University of California, San Diego, entwarf. Der Stahlbeton, Pereiras bevorzugtes Material, scheint hier jeglicher Gravitation entzogen zu sein und auf einer einzigen Säule arrangiert türmen sich die ineinander verschachtelten Stockwerke in den Himmel. Auf der Seite der UC San Diego kann man sich sogar den Originalbericht über den Bau des Bibliothek mit allen technischen Details durchlesen (Link).

Donnerstag, 8. März 2012

Aus den Archiven: Buntes und Vermischtes

Der Winter liegt in seinen letzten Zügen und wehrt sich mit grauem Licht stur gegen seine baldige Abschiebung. Meine Liste an zu fotografierenden Gebäuden wird immer länger und ich warte sehnsüchtig auf das Licht der Frühlingssonne. Um bis dahin aber nicht die Saure-Gurken-Zeit regieren zu lassen und Euch mit Outfit-Posts bei Laune zu halten, will ich nicht über Muffins berichten, über best buys, new ins, me likies und wanna haves, oder gar über Gurkengerichte im Wandel der Zeit. Lieber steige ich hinab ins Archiv und liefere Euch ein paar architektonische Hotspots und Highlights. (Wobei eine Abhandlung über Oscar Wildes Gurken-Sandwiches vermutlich garnicht so verkehrt wäre.) Oder möchte jemand wissen, wie ich in meinem alten Anorak zum Aldi gehumpelt bin und mir einen Sack Kartoffeln gekauft habe? Dann sendet bitte eine Nachricht mit dem Betreff „Best buy/Outfit post“ an die Redaktion.


Manchmal beneide ich die meist weiblichen Blogger schon ein wenig um die Arglosigkeit, mit der sie ihre kulinarischen Errungenschaften thematisieren. Anstatt eines Gurken-Sandwiches gibt es hier also ausnahmsweise einmal ein von der Chefredaktion geschmiertes Quarkbrot zu bestaunen, aber auch nur, weil sich der Vergleich mit Matti Suuronens Futuro (mit original orangefarbener Innenausstattung) förmlich aufdrängt (Link).

LUPO Charity Mode Event im Stadtmuseum Düsseldorf

Von Eric Alexander habe ich mal wieder spektakuläres Bildmaterial zugeschickt bekommen, und zwar waren wir kürzlich im düsseldorfer Stadtmuseum auf einer Charity Gala, die Erics langjähriger Freund und Friseur LUPO zugunsten der Aidshilfe ins Leben gerufen hatte. Dabei wurde das Publikum mit unzähligen Modenschauen und Musikeinlagen überrascht, zudem präsentierte LUPO zusammen mit seinem Team aktuelle Frisurentrends an seinen Models, denen er live on stage die Haare verzauberte. Bei den Schauen begegneten uns u.a. die aktuellen Entwürfe von Rayan Odyll, über den wir bereits hier berichtet haben (Link), und auch Outfits von Senso Unico waren mit von der Partie. Den Senso-Unico-Machern bin ich bereits im Herbst auf der ART.FAIR begegnet und war von ihrer wilden Verarbeitung recycelter Materialien an alten Industrienähmaschinen sofort begeistert (Link).

Samstag, 25. Februar 2012

2. Fashion Net Education Center am 5. Februar 2012 in den Cubic Studios, Düsseldorf



Auch wenn ich bei der zweiten Ausgabe des Fashion Net Education Centers am 5. Februar leider nicht alle Vorträge miterleben konnte, so bot mir zumindest das, was ich gehört habe, wieder eine Menge Inspitation und Information. Abgesehen davon, daß ich jedes Mal von der erstaunlichen Vielzahl der im Rahmen des Education Centers behandelten Themen beeindruckt bin, so begeistert es mich genauso, daß man immer wieder von Tatsachen erfährt, an die man von selbst vermutlich im Entferntesten nicht gedacht hätte.

Drapierungen von Jean Yu
Pim Sukhahuta im Gespräch mit Fashion-Net-Projektmanager Wolfgang Hein
Jenny Brucherseifer referierte beispielsweise über die Schwierigkeiten, auf die man mittlerweile bei der Produktion von Kleidungsstücken in China trifft. Dort stünden häufig beinahe ganze Fabriken still, da ein Großteil der Wanderarbeiter nach dem chinesischen Neujahrsfest nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren würden, auch, weil man in der Automobilindustrie mittlerweile das zehnfache verdient.

Interessant war auch der Beitrag von Isabelle Braun und Lena Grossmüller, die gerade am Tag zuvor im NRW-Forum ihre Ausstellung Frontrow Revolution - Modejournalismus 2.0 eröffnet hatten. Anhand eines sehr lustig gemachten Films erläuterten sie die Entstehungsgeschichte ihrer Ausstellung und setzten sich mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen von Prinrtmedien bzw. Blogs auseinander.
Jean Yu mit Wolfgang Hein

Sonntag, 19. Februar 2012

Rolf Gutbrod: Dorlandhaus

Wie ich auf das Dorlandhaus aufmerksam wurde und schließlich viel mehr davon gesehen habe, als ich es jemals erwartet hätte, will ich an dieser Stelle nicht erläutern. Die Geschichte würde schlichtweg unrealistisch klingen und in den Bereich der Fiktion verschoben werden.

Die Fakten dagegen sind die folgenden:
Als Firmenzentrale der Werbeagentur Dorland entstand in Berlin an der Urania von 1964 bis 66 ein Bürohochhaus nach den Plänen von Rolf Gutbrod. Das 14stöckige Gebäude sollte nicht nur der Firma Dorland selbst Raum bieten, sondern als Zentrum des internationalen Werbegeschehens auch andere Agenturen anziehen. Das ebenerdig in einem Seitenflügel gelegene, damals mit modernster Technik ausgestattete Fotostudio diente ebenfalls diesem Zweck. Zusätzlich zu dem Namen Dorlandhaus ehielt das Gebäude den Titel „Haus der Werbung“. 
 
Abseits von technischen und geschichtlichen Fakten ist vor allem Gutbrods Phantasie zu erwähnen, mit der er auf der Basis des dreieckigen Grundrisses und aus den Materialien Schiefer, Beton, Edelstahl, Holz und Glas ein bis ins Detail durchdachtes Gesamtkunstwerk geschaffen hat.  


Die Spitzen des Grundriss-Dreiecks sind jeweils abgeschnitten, was bewirkt, daß das Gebäude drei breite und drei schmale Fassadenteile besitzt. Die drei breiteren Fassaden werden von einem eleganten Rhytmus aus Fensterbändern und Edelstahlplatten beherrscht, die Schmalseiten bestehen in Sichtbetonreliefs. Der charakterisch kristalline Knick, der jeweils vertikal über die gesamte Länge der drei Fassadenreliefs verläuft, wiederholt sich mehrfach im Innern des Gebäudes, beispielsweise in den Handläufen einiger Treppengeländer, und auch in den Pfeilern, auf denen das gesamte Hochhaus ruht. Und das ist einer der erstaunlichsten Aspekte des Gebäudes: dadurch, daß es im Erdgeschoß alleine von Pfeilern getragen wird, und das Foyer zu fast allen Seiten hin verglast ist, entsteht der Eindruck, daß das gesamte Dorlandhaus schwebt. Verstärkt wird dieser Eindruck zusätzlich dadurch, daß die Verglasung des Foyers an vielen Stellen ohne Rahmen direkt auf den schwarzen Schiefer trifft, mit dem die Wände der seitlich ausgelagerten Pavillons und des Fotostudios verkleidet sind, sodaß das Glas an vielen Stellen beinahe unsichtbar wird und ein fließender Übergang zwischen innen und außen besteht.


Durch das Verteilen des Gewichts auf die schmalen Pfeiler wird es der Unterseite des scheinbar schwebenden Baukörpers ermöglich, in riesigen Dimensionen auszukristallisieren. Die scharfkantigen Formen des dreieckigen Grundrisses aufnehmend, gestaltet Gutbrod die Decke des Foyers als eine riesige Skulptur in Sichtbeton. 
In dieses brachiale, höhlenhaft anmutende Ensemble aus grob gebrochenem, schwarz glänzendem Schiefer und massiven Betonelementen fügen sich elegant die filigranen Formen der Treppe und die Rauten der gläsernen Fensterausbuchtung auf der Rückseite der Eingangshalle ein. Das gesamte Arrangement bewirkt, daß der Besucher beim Betreten der Eingangshalle von einer ausgesprochen erhabenen Atmosphäre begüsst wird.

Gutbrods Dorlandhaus ist eine einzige begehbare Skulptur, die so sehr bis in jedes Detail durchgestaltet ist, daß man sich absolut in eine andere Welt versetzt fühlt.

Freitag, 17. Februar 2012

Virtuelle Nachbarschaft: Perisphere berichtet über den Flurflaneur

 
Perisphere, das Online-Magazin der beiden Kuratoren und Ausstellungsmacher Emanuel Mir und Florian Kuhlmann, erwähnt im Rahmen seines Rundgangsberichts freundlicherweise den Flurflaneur (Link). 
Gerade erst haben Mir und Kuhlmann ihre bisherige Seite "Vier Wände Off" in "Perisphere" umbenannt, jedoch bleiben sie auch unter neuem Namen und mit neuem Layout ihrer Kunstberichterstattung abseits des Mainstreams treu. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!
                                 

Freitag, 10. Februar 2012

Zwischenbilanz: Der Flurflaneur floriert!

 
Den Flurflaneur zu betreiben, meinen Modeblog zum Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf, ist eine ganz neue Erfahrung. Ich bin immer wieder fasziniert davon, mit wieviel Geduld mir die Ausstellungsbesucher, die ich nach einem Foto frage, etwas zu ihrer Garderobe erzählen. Viele freuen sich, einige sind skeptisch, manche lehnen das Internet ab, und ich muß sagen, daß das Thema Modeblog im Kontext der Kunstakademie offensichtlich doch noch etwas Ungewöhnliches ist. 

An dieser Stelle einen Gruß an all die eleganten Damen und Herren, die sich von mir fotografieren ließen.
Zum Kunstakademie-Modeblog geht es hier entlang: Flurflaneur

Unterstützt wird meine Blog-Präsentation in Raum 13 der Kunstakademie von der Firma Strasserauf Electricitaet (Link), die mir freundlicherweise einen Flachbildschirm zur Verfügung gestellt hat.

Barbara Schmidt und Roshni Grunenberg: Abschlußausstellung in der Kunstakademie Düsseldorf


Die Fotografin Barbara Schmidt wurde bekannt durch ihre Aufnahmen geheimnisvoller Welten, die sie aus unzähligen Fundstücken baut und mit einer subtilen Lichtführung in Szene setzt (Link). Anlässlich ihrer Abschlußausstellung im Rahmen des Rundgangs an der Kunstakademie Düsseldorf, öffnet sie erstmalig ihre Wunderkammer und zeigt zusammen mit großformatigen Fotografien ihre Sammlung an Funden aus Flora und Fauna.

Donnerstag, 9. Februar 2012

.RESPAWN.

Mit „Respawn“ wird der Wiedereinstieg einer Spielfigur an bestimmten oder zufälligen Punkten auf einem Level eines Computerspiels bezeichnet.
.RESPAWN. ist auch der Titel des Kurzfilms, den Mevlana Lipp und Daniel Struzyna zum diesjährigen Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf präsentieren.

Die zwei Figuren des Films, ein alter und ein junger Mann, bewegen sich, geheimnisvoll voneinander angezogen, in einer merkwürdig kargen Ebene aufeinander zu. Geheimnisvoll ist die gesamte Atmosphäre des bildgewaltigen Streifens. Dies verdankt .RESPAWN. nicht nur seiner Beleuchtung, sondern v.a. auch den unzähligen Details der Ausstattung, die die beiden Künstler in monatelanger, detailversessener Arbeit eigens entworfen und angefertigt haben. Zudem spielen Lipp und Struzyna die beiden Protagonisten des Film selbst, haben den Film selbst aufgenommen und sind zudem für Kostüme, Filmmusik und Postproduction verantwortlich. Zu seinen Vorbildern zählt das Künstlerduo beispielsweise den „Bladerunnner“, was in der Architektur des Videos und der Erzählgeschwindigkeit deutlich zum Ausdruck kommt.

Kunstakademie Düsseldorf: Abschlußausstellung von Agata Agatowska

Über die Arbeiten von Agata Agatowska haben wir bereits hier (Link) und hier (Link) berichtet. Nun möchten wir ihr ganz herzlich zu ihrer am Dienstag bestandenen Abschlußprüfung gratulieren, mit der sie den Akademiebrief der Kunstakademie Düsseldorf erworben hat. 

Agata Agatowskas Skulpturen sind im Rahmen des Rundgangs noch bis zum Sonntag, dem 12. Februar 2012 in Raum 106 der Kunstakademie zu sehen.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Flurflaneur - Der Modeblog zum Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf



„Immer, wenn ich in die (Royal) Academy gegangen bin, waren entweder so viele Leute da, daß ich die Bilder nicht sehen konnte, was schlimm war, oder so viele Bilder, daß ich die Leute nicht sehen konnte, was noch schlimmer war. "
(Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray) 

Jeden Februar strömen Zehntausende von Besuchern zum Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf, um sich das anzuschauen, was die Studenten über das Jahr hinweg erschaffen haben. Jeden Februar stellt sich erneut die Frage: was ziehe ich zum Rundgang an. Es ist Februar, es ist kalt, man trifft wichtige Leute, man wird gesehen, man will seriös wirken, auffallen, nicht auffallen, man ist glamourös, flippig, hip, on the edge, web 2.0, oldfashioned, sophisticated, hot, underdressed,  happening, on the run, overdressed, hat einen großen Rucksack dabei, in den auch eine Termoskanne passt, eine Clutch, in die garnichts passt, eine Walter-König-Tüte, einen Hund, einen Ehemann, ein Gehgerät, eine Schulklasse, einen Terminkalender, einen Fotoapparat, einen bodenlangen Filzmantel, einen lustigen Hut mit Wiedererkennungswert, einen „Geist-ist-geil-Button“...

In den Jahren meines Studiums an der Kunstakademie habe ich ALLES gesehen und fasziniert zur Kenntnis genommen. Man geht nicht einfach nur zum Rundgang, man inszeniert sich. Die Flure der Kunstakademie sind der ultimative Laufsteg, auf denen man flanierend sein Kunstinteresse manifestiert, sich trifft, sich verplaudert, verabredet, verliert, wiederfindet, Entdeckungen macht, Kunst diskutiert, Kunst kauft, Karrieren erschafft, Grünkohl isst, facebooked, Flaschen und Handynummern sammelt, Visitenkarten, kühle Blicke und alles andere verteilt, und froh ist, in all dem Durcheinander von high and low die richtige Garderobe für den Einsatz an der Kunst-Front gewählt zu haben.

Scissorellas Kleinen-Bruder-Blog, der Flurflaneur (Link), wird sich im Verlauf des Rundgangs an der Kunstakademie (8. - 12. Februar 2012) zu einem großen Bruder entwickeln. Es bleibt also spannend und Ihr werdet natürlich ordnungsgemäß auf dem Laufenden gehalten.

Die Firma Strasserauf Electricitaet (Link) unterstützt die Präsentation meines Blogs in der Kunstakademie, indem sie mir einen Flachbildschirm zur Verfügung stellt.

Kunstakademie Düsseldorf, Raum 13, Klasse Thomas Grünfeld

Dienstag, 7. Februar 2012

Susanne Bisovsky: Everlasting Collection, Fotos von Eric Alexander

Von Susanne Bisovskys und Joseph Gergers Vortrag beim ersten Fashion Net Education Center im Juli 2011 war ich bereits damals sehr begeistert (Link), und nun sollte sich mit der zweiten Ausgabe der Reihe das Bild vervollständigen. Im Sommer letzten Jahres hatten die beiden sehr detailiert und farbenprächtig erklärt, wie sie auf der Basis ihrer modegeschichtlichen Forschungsarbeit ihre Entwürfe entwickeln, und dabei zu den tiefsten Geheimnissen österreichischer Trachten vordringen. Somit war ich nun besonders darauf gespannt, Susanne Bisovskys Everlasting Collection zu sehen, die sie im Anschluß an das diesmalige Fasion Net Education Center auf den Laufsteg brachte.

Tatsächlich war das, was wir schließlich zu sehen bekamen, eine bis in jedes Detail durchdachte Inszenierung, die gleichzeitig geheimnis- und humorvoll war. Der Betrachter wurde hineingezogen in eine ganz eigene Welt, in der Damen in aufwändig plissierten und bestickten Kleidern zu Bergglockenläuten aus dem Dunkel des Bühnenraums auftauchtenden und dabei immer wieder von tanzenden, echten und wollenen Pudeln umgarnt wurden. Die Brücke zwischen Tradition und Moderne wurde zudem dadurch geschlagen, daß sich die riesige computeranimierte Stickerei, die über das Geschehen hinweg projiziert wurde, im Laufe der Performance vervollständigte.

Das zweite Fashion Net Education Center am 05.02.2012: erste Eindrücke

Am Sonntag durfte ich an der zweiten Ausgabe des Fashion Net Education Centers in Düsseldorf teilnehmen, wovon es nun zunächst einmal ein paar erste Eindrücke gibt. Die vielen Informationen und Anregungen, die ich dort gesammelt habe, verlangen natürlich einen längeren Text, aber den kann ich leider erst liefern, wenn das sehr umfangreiche Flurflaneur-Projekt (Link) abgeschlossen ist. Bis dahin!

Zum ausführlichen Bericht bitte hier entlang: Link







Montag, 6. Februar 2012

Armin Morbachs Fashion Messies: Vernissage im Intercontinental Hotel, Düsseldorf


F.C. Gundlach, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Talbot und Runhof, Michael Michalsky, Andreas Gursky, Tony Cragg – sie alle standen für den Samstagabend auf der Gästeliste zu Armin Morbachs Fashion-Messies-Vernissage im Interconti Hotel auf der Königsallee. Ich stand auch auf der Liste, kämpfte aber noch mit den technischen Tücken meiner Internetinstallation für den diesjährigen Rundgang an der Kunstakademie Düsseldorf. So befand mich um 19 Uhr ebenfalls auf der Königsallee, nur eben im Haus gegenüber, bei Saturn und kaufte mir eine dunkelrot glänzende Logitech-Mouse. Als ich dann irgendwann, Stunden später bei der Vernissage ankam, waren schon viele gegangen, aber man raunte mir mir zu, Liliana Matthäus sei noch da und ich war froh, daß ich mir bereits bei der Pressekonferenz ein Bild der Ausstellung gemacht hatte (Link).

Samstag, 4. Februar 2012

Armin Moorbach in der Vertical Gallery, Interconti Hotel: Fashion Messies

Erst gestern Abend wurde im NRW-Forum Düsseldorf die Ausstellung „State of the Art Photography“ eröffnet, bei der zeitgenössische Fotografien zu sehen sind. Ausgewählt wurden die einzelnen Arbeiten u.a. von F.C. Gundlach und Andreas Gursky, darunter Arbeiten von Mischa Kuball und Armin Morbach. Mit letzterem geht es heute direkt weiter, und zwar zeigt er im Interconti Hotel auf der Königsallee ab heute Abend eine Foto-Installation, mit der er einerseits auf die besondere bauliche Situation des Gebäudes eingeht, sich andererseits aber auch dem Thema Mode widmet, dem Bereich, in dem er als Stylist fest verwurzelt ist.

Freitag, 3. Februar 2012

Wer hat die 1x2 Karten für das Fashion Net Education Center gewonnen?

Am Sonntag haben wir Euch zu unserer Superververlosung eingeladen, bei der es 1x2 Karten für das Fashion Net Education Center zu gewinnen gab (Link). Und gewonnen hat...

Donnerstag, 2. Februar 2012

Preview: State of the Art Photography, NRW-Forum Düsseldorf

Arbeiten von Armin Morbach
Wer die Geschehnisse im NRW-Forum verfolgt, der weiß, daß man sich Anfang Februar traditionell auf eine neue, großangelegte Ausstellung freuen darf (wir erinnern uns beispielsweie an Vivienne Wetswood). Nun steht wieder die Fotografie im Fokus, und gerade eben konnte ich mir schon einmal einen ersten Überblick über die Ausstellung verschaffen, die dem 4. Februar zu sehen ist. Dabei habe ich Armin Morbach getroffen (s. Bild oben), von dem wir in Düsseldorf (und natürlich auch bei Scissorella) in den nächsten Tagen noch einiges hören werden. Das Photo Weekend und diverse Modemessen finden statt, das Frontrow Revolution Event steht für den Samstag, das Fashion Net Education für den Sonntag auf dem Plan, und ganz nebenher plane ich, am Montag Scissorellas Kleinen-Bruder-Blog, den Flurflaneur (Link), zu lancieren, der sich im Verlauf des Rundgangs an der Kunstakademie (8. - 12. Februar 2012) zu einem großen Bruder entwickeln wird. Es bleibt also spannend und Ihr werdet natürlich ordnungsgemäß auf dem Laufenden gehalten.