MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Donnerstag, 6. März 2014

surveillance souterraine - Ein Film von Julia Zinnbauer

 
 

surveillance souterraine
Ein Film von Julia Zinnbauer
Mit Alwina Heinz, Sandra Labs, Patrizia Lohmann und Julia Zinnbauer
Kamera, Schnitt, Kostüme, Regie: Julia Zinnbauer
Düsseldorf 2014
Link zum Film


Die Architektur
Im Jahr 2002 wurden im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk drei neue U-Bahnstationen eröffnet (Handelszentrum/Moskauer Platz, Oberbilker Markt und Oberbilk). Der Architekt Wolfgang Döring hatte mit seiner Konzentration auf die Farben Schwarz, Weiß, Grau und Rot, durch den Einsatz kostbarer Materialien und einem ausgeklügelten Zusammenspiel von Linien und Flächen drei Gebäude entworfen, in denen sich alle Elemente elegant aufeinander beziehen und ein harmonisches Gesamtbild schaffen.

Durch den Kontrast zu den oberirdischen Gebäuden des Stadtteils und dem perfekten Gesamtkonzept der drei hintereinander liegenden unterirdischen Bahnhöfe fühlt sich der Reisende mit Betreten der Anlage wie in eine andere Welt versetzt. Seit Jahren vertiefe ich mich, während ich am Bahnsteig der Haltestelle Oberbilk auf meine U-Bahn warte, in die Details von Dörings Entwurf. Obwohl ich schon lange in Oberbilk wohne und dies meine Heimat-Haltestelle ist, staune ich dennoch jedes Mal erneut darüber, wie sich die einzelnen Elemente des Gebäudes zu einem Gesamtkunstwerk verbinden. Aus diesem Grund habe ich den drei U-Bahnhaltestellen von Wolfgang Döring im Stadtteil Oberbilk eine Videoarbeit gewidmet, die ganz auf deren Charakteristika eingeht.


Die Fahrt mit der Rolltreppe hinunter zu den Bahngleisen lässt den Besucher in weite, offene Räume schweben, und gerade die Bewegung intensiviert die Wahrnehmung der Architektur. Man ist überrascht von der riesigen Höhe der unterirdischen Räume, vom hellen glänzenden Weiß der mit Neoparies verkleideten Wände, einem mit Glas beschichteten Kunststein, der in ausschließlich in Japan hergestellt wird. Man staunt darüber, wie der graue Granit des Bodens mit dem Edelstahl von Rolltreppen, Türen und Bänken und dem Schwarz der Decke und des Kiesbetts eine Einheit bilden, akzentuiert von einigen schlanken, leuchtend roten Informationssäulen. Steht man dann am Bahnsteig, vertieft man sich automatisch in die Feinheiten der Gestaltung, in die bis ins Detail aufeinander abgestimmten Proportionen der einzelnen Elemente. Sogar die Typographie der Beschilderung bezieht sich auf den gesamten Verlauf der Fugen.


Die Fugen sind es auch, die dem Raum seinen Rhythmus und seine Ordnung geben. Die Wände, Decken und Böden der drei U-Bahn-Gebäude sind allesamt mit Platten verkleidet, die zwar aus verschiedenen Materialien bestehen, allerdings fast überall die gleichen Maße aufweisen. Die Fugen wirken somit wie ein Koordinatensystem. Folgt man einer der Linien mit den Augen über den Boden, die Wände und die Decke hinweg, ist man erstaunt, wieder exakt am eigenen Standpunkt anzukommen.


Fugen sind generell ein wichtiges Gestaltungselement in den Entwürfen Wolfgang Dörings, aber auch in der Architektur der Sechzigerjahre im Allgemeinen. Dort liegen auch die Anfänge von Dörings Schaffen. Bereits im Jahr 1967 entwarf er mit dem Haus Meyer-Kuckuk in Bad Honnef eines der heute bekanntesten Fertighäuser der deutschen Architekturgeschichte.

Die Gestaltung der Bahnsteige nimmt auch die Bewegung der auf Schienen einfahrenden U-Bahnen auf. Gelangt man aus dem Dunkel des Tunnels heraus in den hellen Raum des Bahnhofs, gleitet die Bahn eine ganze Weile entlang der parallel verlaufenden Streifen der grauen Granitverkleidung, bevor die horizontalen Linien durch die Möbel der Haltestelle unterbrochen werden und die Bahn schließlich zum Stehen kommt.


surveillance souterraine
Die Grundidee meines Films liegt darin, dass der in den drei Gebäuden vorherrschende Rhythmus aus Linien und Flächen aufgenommen und in die Bewegungen der Figuren und die Geschwindigkeit der Schnitte übertragen wird. Die Figuren folgen den Linien zunächst staunend mit den Augen, lassen sich zunehmend von ihnen in Bewegung versetzen, bis das Video aus einer rhythmischen Aneinanderreihung von zahllosen Bildern und Bewegungen besteht. Statik und Dynamik werden einander entgegen gesetzt. Die Aufnahmen der drei Haltestellen habe ich so zusammengeschnitten, dass der Eindruck eines gesamten unterirdischen Reichs entsteht, in dem die Figuren des Videos bzw. dessen Betrachter bald die Orientierung verlieren. Die Bildkomposition transportiert zudem die Strenge der Architektur.

 
 
 
 

Die Kostüme
Die Kostüme der vier Protagonistinnen spiegeln in ihrer unterschiedlichen Transparenz, in ihren Oberflächen, Farben, Materialien und Formen das Typische der Gebäude wider. Es geht dabei um eine skulpturale Sicht auf Architektur und Kleidung, also beispielsweise um Fragen der Proportion, der Symmetrie und der Allansichtigkeit.  Bei genauem Hinsehen entdeckt man sogar Parallelen zwischen den Reißverschlüssen der Kleider und den Rolltreppen der U-Bahnhöfe. Die Kostüme habe ich eigens für „surveillance souterraine“ entworfen und angefertigt.

 
 
 
 
 

Abschließend ist es mir wichtig, dass die Architektur der drei U-Bahnhaltestellen in meiner Videoarbeit nicht auf den Status von Kulissen reduziert wird, die einer Handlung dienen, sondern dass umgekehrt die Architektur der Ausgangspunkt des Videos ist, an dem sich dessen gesamte Gestaltung orientiert. 

Der Architekt Werner Ruhnau, von dem das Musiktheater Gelsenkirchen stammt (eröffnet im Jahr 1959), ist der Ansicht, dass ein Architekt ein „Rhythmiker“ sein und einen Tanzkurs belegt haben soll. Diese Idee Ruhnaus hat mich zusätzlich in meinem Plan bestärkt, Bewegung, Raum und Rhythmus in meinem Video miteinander zu verbinden.


Montag, 3. März 2014

Das onomato-Werkstipendium 2014: Die Ausstellung


Mehrere Besucher unserer Ausstellung erzählten mir heute Nachmittag, dass sie bereits am Freitag zur Vernissage da waren, es sei allerdings so voll gewesen, dass sie sich das Geschehen nur von außen angeschaut haben und nun noch einmal wieder gekommen sind. Dass die Eröffnung der onomato Stipendiatenausstellung ein rauschendes Fest mit ganz unglaublichen Gästen war, der Meinung bin ich auch, und ein besseres Kompliment, als dass die Gäste wiederkommen, gibt es ja gar nicht.

Da ich die Fotos des Eröffnungsabends noch nicht vorliegen habe, kommen hier zunächst einige Bilder unserer Ausstellung. Für den Samstag ist zudem eine Finissage anberaumt, denn eines ist war, das onomato Stipendium und vor allem die dafür Verantwortlichen kann man gar nicht genug feiern.

Mit Arbeiten von Fenja Braster, Heike Fink, Ted Green, Friedrich Ludmann, Annebarbe Kau, Marie Liane Moersch, Frauke Ratzke, Josef Schulz und mir ist die Ausstellung noch bis zum Sonntag, dem 9. März auf der Birkenstraße 97, Düsseldorf, zu sehen.

Heike Fink, Frauke Ratzke: Mobile, Video und Installation
Julia Zinnbauer: surveillance souterraine, Video

Dienstag, 25. Februar 2014

onomato Stipendiaten Ausstellung 2014 / Präsentation meines neuen Kurzfilms: surveillance souterraine


Ganz herzlich lade ich Euch zu der Präsentation der Arbeiten ein, die im Rahmen des onomato Werkstipendiums für Video-, Ton- und Animationskunst entstanden sind. 
"surveillance souterraine" heißt mein Beitrag, der ganz meiner Begeisterung für die drei Oberbilker U-Bahnhöfen gewidmet ist.

Freitag, 28. Februar 2014, 19 Uhr
Birkenstraße 97
Düsseldorf

www.onomato-verein.de

Montag, 24. Februar 2014

Was bisher geschah



Der Blog hat nun eine ganze Weile geruht. Tatsächlich hat sich in den letzten Monaten so viel und so Ungewöhnliches ereignet, dass mir meine bisherige Berichterstattung vorübergehend zu statisch erschien. Es ist nicht nur einfach viel mehr passiert als in der Zeit zuvor, die Erlebnisse, Charaktäre und Handlungsstränge griffen zunehmend  ineinander, sodass die Geschichte immer mehr an Geschwindigkeit, Sinn und Eleganz angenommen hat. Um all das en détail aufzuschreiben, dafür fehlt mir gerade jetzt in all dem Trubel ein wenig die Muße, da ich fieberhaft auf die Präsentation meines neuen Kurzfilms hinarbeite.

Sonntag, 22. Dezember 2013

MOVENS

Gedanklich bin ich zwar nach wie vor bei der Architektur, jedoch hat mich in der Zwischenzeit jemand ganz anderes in Beschlag genommen - die Bewegung. Beton ist geduldig, und so treten all die Zweckbauten beiseite um der Bewegung Raum zu geben. Mehr noch: die Gebäude selbst sind es, die die Bewegung herbeirufen und sie fördern, die uns dazu bringen, unseren Standpunkt zu verlassen, loszulaufen und uns ganz dem Drive zu auszuliefern. Mein nächster Kurzfilm entsteht und dem Begriff „movie“ wird dabei definitiv Rechnung getragen.

Die angekündigte Jubiläumsüberraschung anlässlich des fünften Geburtstags meines Blogs benötigt noch ein wenig Zeit, wobei es jedoch zu einem gelungenen Auftritt immer dazugehört, das Publikum eine Weile am roten Teppich warten zu lassen.

Einen ganz kleinen Blick in die Probeaufnahmen gibt es hier:



Samstag, 9. November 2013

Scissorella: Five Years of Arts, Architecture and Astronauts - Mein Blog wird fünf














Seitdem ich genau heute vor fünf Jahren zum ersten Mal auf "Veröffentlichen" geklickt habe, hat sich mein Leben rasant beschleunigt. Heute also feiert mein Blog seinen fünften Geburtstag und ich blicke erstaunt zurück. Um all das, was ich erlebt habe, all die Leute, die ich kennen lernen durfte und all das, was ich einzig durch meinen Blog erfahren habe, zu würdigen, plane ich seit geraumer Zeit eine Überraschung für Euch. Seid gespannt! Ich proste Euch zu, liebe Leser, und danke Euch für Eure Bereitschaft, mich auf meinen oft so unterschiedlichen und scheinbar widersprüchlichen Ausflügen zu begleiten. Das Ziel ist immer das gleiche: der Realität etwas Phantastisches abzugewinnen. Auf weitere Abenteuer und Bilderfluten, auf die Mode, die Kunst und die Architektur. Auf Euch!

Zum Anfang geht es hier entlang: Link



Donnerstag, 31. Oktober 2013

Congratulations Mr. Keats!

Mit einem Zitat von Oscar Wilde sende ich die besten Grüße nach Arkadien, wo John Keats vermutlich gerade intensiv seinen 218. Geburtstag feiert.

Sonntag, 27. Oktober 2013

NRW-Forum Düsseldorf: Studio Job



Nachdem die Moderne und Postmoderne schon lange hinter uns liegen und niemand so recht weiß, in welcher Epoche wir uns  zurzeit wirklich befinden, ist tatsächlich nur eines klar: durch die unendlichen Möglichkeiten des Internets besteht heute für jeden, der danach sucht, der Zugang zu Bildern, Stilen, Details, Manierismen und Formen aller Jahrhunderte. Diese Fülle macht sich das Studio Job (Link) zunutze und entwirft anspielungsreiche Designobjekte, die genau so auch als Skulpturen angesehen werden können. Das Dilemma zwischen „freier“ und „angewandter“ Kunst sprechen Nynke Tynagel und Job Smeets, die sich selbst als Designer bezeichnen, ganz offen aus: „Wir wäre gerne Künstler geworden“. Tatsächlich aber entwickeln sie einerseits Objekte, die ganz ohne Auftrag entstehen und einfach aus einer inneren Notwendigkeit geformt werden müssen, ganz so, wie ein Bildhauer es tut, andererseits nehmen sie aber auch gerne Aufträge von Firmen wie Swarovski oder Modedesignern wie Viktor&Rolf entgegen.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

St.Sakrament - Die Bunkerkirche in Düsseldorf Heerdt

Als im Jahr 1947 Dr. Carl Klinkhammer nach Düsseldorf versetzt wurde, um im Stadtteil Heerdt seine neue Stelle als Pfarrer anzutreten, erwartete ihn dort eine bauliche Situation, die absolut einmalig war. Es existierte dort zwar eine sogenannte „Notkirche“, wie vielerorts in Deutschland zu dieser Zeit, was Pfarrer Klinkhammer aber viel eher interessierte, war das Gebäude daneben: ein mächtiger Bunker. Während des Zweiten Weltkriegs war er in der Form einer Kirche gebaut worden, um durch diese Täuschung den Bomben entgehen zu können. Nach einer Zwangsenteignung hatte man den Bunker auf einem Grundstück angelegt, das ursprünglich im Besitz der Kirche war, und so lag für Pfarrer Klinkhammer nichts näher, als aus dem kirchenförmigen Bunker eine Kirche zu machen.


Am Tag des Offenen Denkmals fanden Führungen durch die Bunkeranlage statt und so machte sich die Reisegruppe nach einer Besichtigung des Dreischeibenhauses auf den Weg nach Herdt. (Das Foyer des Dreischeibenhauses, das sich gerade im Umbau befindet, durfte nicht fotografiert werden, tatsächlich ist zur Zeit aber die gesamte Stadt mit einer Fotografie von Candida Höfer anlässlich ihrer Ausstellung im Museum Kunstpalast plakatiert, die genau dieses Motiv zeigt: Link)

Das Interessante an den Führungen durch die Bunkerkirche war, dass sie von Gemeindemit- gliedern geleitet wurden, die Carl Klinkhammer und dessen individualis- tische Herangehens- weise seit ihrer Kindheit kannten und mit großer Begeisterung von ihrem Pfarrer berichteten. Klinkhammer, so hieß es, habe stets einen außergewöhnlichen Elan an den Tag gelegt und den Umbau intensiv vorangetrieben. Bei der Sprengung der ersten Öffnung in den bis dahin Lichtlosen Raum seien die Scheiben im Umkreis von mehreren hundert Metern zu Bruch gegangen, die Sympathien seiner Gemeinde erhielt er sich jedoch weit über seinen Tod im Jahr 1997 hinaus. Natürlich beteiligte er sich an den Umbauarbeiten selbst und schleppte zusammen mit den Herdter Bürgen die Betonbrocken aus dem Bunker. Generell war Klinkhammer wichtig, sparsam zu haushalten und das Geld lieber in soziale Projekte zu investieren. Dieser wohlüberlegte Minimalismus führte schließlich zu sehr schönen Detaillösungen. So entstanden die farbigen Glasfenster tatsächlich aus Reststücken, die in einer Glashütte anfielen. Klinkhammers Elan steckte auch andere an, und so organisierte er dort, nachdem die Bunkerkirche 1949 eingeweiht worden war, über Jahrzehnte hinweg die sogenannten Mittwochsgespräche mit Gästen wie Heinrich Böll und Konrad Adenauer, die teilweise sogar in den Räumlichkeiten übernachteten. Auch Künstler zog Klinkhammer in seinen Kreis und so stiftete Bert Gerresheim die beiden Bronzereliefs am Eingang der Sakramentskirche. 

Montag, 14. Oktober 2013

Julia Stoschek: Number Seven - Ed Atkins und Frances Stark

Während am 6. September in der Innenstadt Düssel- dorfs alle Zeichen auf VOGUE stan- den, fand auf der anderen Rheinseite, in Oberkassel, zur gleichen Zeit eine Veranstaltung statt, die zwar ganz der Kunst gewidmet war, jedoch die Bereiche Fashion, Lifestyle, Glamour, Socializing und alles andere gleich mit abdeckte. Denn wenn irgendwo ganz groß angelegte Vernissagen stattfinden, dann in der Julia Stoschek Collection. In der euphorischen Menschenmenge im Innenhof der ehemaligen Rahmenfabrik machte man somit nicht nur das Who is Who der Düsseldorfer Kunstbranche aus, auch Lebkuchenfabrikant Lambertz aus Aachen hatte sich von der Aussicht auf zeitgenössische Videokunst locken lassen, wie ich erstaunt feststellte.

Frances Stark

Sonntag, 13. Oktober 2013

VOGUE Fashion’s Night Out: Azzedine Alaïa / JADES

JADES-Inhaberin Evelyn Hammerström in Alaïa

Azzedine Alaïas Drang, sich professionell mit der Kunst auseinanderzusetzen, insbesondere mit der Bildhauerei, war von Anfang an so intensiv, dass er sich als Jugendlicher bei seiner Bewerbung an der Kunstakademie von Tunis einige Jahre älter machte. Die Objekte, die Alaïa entwirft, funktionieren tatsächlich über ihre Bedeutung als Kleidungsstücke hinaus als Skulpturen. 

Bei der Ausstellung von Alaïas Entwürfen im NRW-Forum im Sommer dieses Jahres legte man bei der Präsentation der Kleider und Mäntel somit auch großen Wert darauf, deren Allansichtigkeit, die Bedeutung der Materialien und Oberflächen und Alaïas Sinn für Perfektion erlebbar zu machen (Link).

Azzedine Alaia im NRW-Forum Düsseldorf

Samstag, 5. Oktober 2013

VOGUE Fashion's Night Out: Wolfgang Joop präsentiert "Das Objekt der Begierde" bei Eickhoff

Joop in Wunderkind, Scissorella in Scissorella

Mit seinem Buch “Das Objekt der Begierde” kehrt Wolfgang Joop zum Ausgangspunkt seines Schaffens zurück: zu der Zeichnung. Nachdem er in seinem Roman „Im Wolfspelz“ aus dem Jahr 2003 noch ganz konkret sein Leben als Modedesigner in New York beschreibt, betritt er nun den Bereich der Fabel. Um Mode, bzw. die Begierde nach ihr, geht es jedoch auch in der mit 16 Zeichnungen illustrierten Liebesgeschichte zweier Affen.

Bei Eickhoff, dem legen- dären Modeschäft auf der Königsallee, sollte Joop “Das Objekt der Begierde” im Rahmen der Vogue Fashion’s Night Out in Düsseldorf präsentieren. Zusammen mit diversen ebenfalls sehr vorfreudigen Damen und Herren wartete ich dort auf die Ankunft des Mode- schöpfers und immer wenn wieder ein Gast die Treppe emporstieg ging ein Raunen durch den Verkaufsraum im ersten Obergeschoss. Ein Fernsehteam richtete die Kamera aus, ein älterer Herr posierte schon einmal probeweise auf Joops Stuhl und langsam füllte sich der Raum. Aus einem Lautsprecher ertönte immer wieder die Durchsage „Herr Asbrand-Eickhoff bitte zur Kasse“ und mittlerweile hatte sich auch Christiane Arp, die Chefredakteurin der Vogue eingefunden, sowie Ute Ohoven. Dann plötzlich wurde das Raunen lauter und Wolfgang Joop wurde strahlend von der gesamten Familie Eickhoff begrüßt. Nach einigen einleitenden Worten, in denen er sein inniges Verhältnis zur Kunst, zu Familie Eickhoff und zur Stadt Düsseldorf erläuterte, begann er schließlich, sein Buch, das für das begeisterte Publikum definitiv ein Objekt der Begierde darstellte, und auch seine Kunstdrucke zu signieren. 

Freitag, 4. Oktober 2013

VOGUE Fashion's Night Out: Monika Gottlieb im Dorotheum Düsseldorf



Von Monika Gottliebs Leidenschaft für Mode erfuhr ich zum ersten Mal im August letzen Jahres in Bonn Bad Godesberg. Zu dieser Zeit wurden dort unter dem Titel „Dior am Rhein“ im Haus an der Redoute die lange verschollen geglaubten Fotografien von Heinz Engels gezeigt, die eine Modenschau von Christian Dior dokumentierten (Link). Im Jahr 1952 war Dior mit seinen Mannequins und seiner gesamten Entourage nach Bad Godesberg gereist, um seine Kollektion „La Sinueuse“ zu präsentieren. Nach zwei Defilees in der Redoute, einem Ballsaal aus dem späten 18. Jahrhundert, fuhr man schließlich weiter nach Düsseldorf und zeigte die Entwürfe im Breidenbacher Hof. Diors Kontakte nach Deutschland in der frühen Nachkriegeszeit werden heute als wichtige Schritte auf dem Weg der deutsch-französischen Annäherung gesehen.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Sommer/Ende/Herbst/Anfang



Ausflug ins Land der Handy-Fotografie (Angermund, Sommer 2013)

Der Sommer, der sich zunächst nicht so richtig einstellen wollte und einen dann im Juli mit seinen Hitzeexzessen förmlich aus dem Haus trieb, um in den ebenfalls warmen Badesee zu springen, endete schließlich in einer Serie von Tagen, in denen ich mehr erlebt habe, als im gesamten Sommer zusammen. Zunächst war die Vernissage von Taka Kagitomi (Link) der Auftakt zu einem Wochenende, an dem mindestens zehn Großveranstaltungen gleichzeitig stattfanden. Das erforderte sowohl einen straffen Zeitplan als auch  eine gewisse Vielseitigkeit, um zwischen den Punkten Mode (Vogue Fashion’s Night Out), Kunst (Julia Stoscheks Eröffnung No.7, Kunstpunke und Düsseldorf Cologne Open Art), und Architektur (Tag des Offenen Denkmals) nicht den Überblick zu verlieren. 

Mittwoch, 2. Oktober 2013

NRW-Forum Düsseldorf: Foto A - Z. Die Eröffnung


Scissorella in Scissorella (Foto: Jen Hel)
Am Abend des 27. Septembers wurde die Abschiedsausstellung der beiden NRW-Forum-Macher Perta Wenzel und Werner Lippert eröffnet, „Foto A - Z . Fotografien, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt hätten“ (Link). Unter den Vernissagegästen machte ich zahllose langjährige Fans des NRW-Forums aus und die für die Eröffnungsabende typische Euphorie konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei allen die Melancholie mitschwang. Die Ausstellungen im NRW-Forum waren durch ihre Themenauswahl aus den Bereichen Mode, Fotografie, Architektur, Videokunst und ähnlichem immer ein Anziehungspunkt für begeisterte Individualisten. Die Vernissagen gingen dementsprechend in ihrer Festlichkeit stets weit über die üblichen Ausstellungseröffnungen hinaus. Ich bin mir sicher, dass man dank dieser Mischung aus anspruchsvoller Kunst und Glamour später einmal vom NRW-Forum spricht wie heute vom Studio 54. Gerade weil man an diesen Freitagabenden im NRW-Forum immer so viele Enthusiasten traf, sich stundenlang unterhielt und auf einer Woge der Begeisterung durch die Räume gespült wurde, habe ich immer zu wenig fotografiert. So auch am letzen Freitag. Zum Glück hat Jen Hel (DressCodeHighFashion.com) ein Foto von mir gemacht, ganz passend mit Anton Corbijn.

Auch wenn niemand weiß, wie es mit dem NRW-Forum weitergeht, bin ich davon überzeugt, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist.

Freitag, 27. September 2013

NRW-Forum Düsseldorf: Foto A - Z. Fotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt hätten.



Anton Corbijn, Cindy Sherman

Mit der letzten Ausstellung, die unter ihrer Regie im NRW-Forum Düsseldorf stattfindet, haben sich Petra Wenzel und Werner Lippert einen Traum erfüllt. Ab morgen präsentieren sie dort „Fotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt hätten.“, so der Untertitel der Ausstellung „Foto A - Z“.


Freitag, 20. September 2013

Hinter dem Spiegel: Taka Kagitomi und Johannes Lenhart im Raum für Vollendete Tatsachen, Düsseldorf


Von Taka Kagitomi weiß man, dass es ihm immer gelingt, ganz normale Räume in etwas Abenteuerliches, Phantasievolles zu verwandeln. Er baut Treppen, schafft Durchbrüche und bringt dabei die erstaunlichsten Materialien und Formen miteinander in Verbindung.

Der Raum für vollendete Tatsachen, der gemeinsame Projektraum von Katharina Maderthaner und Christian Schreckenberger, ist mit seiner Vergangenheit als ehemaliges Ladenlokal genau so ein Raum, der auf einen Eingriff des Bildhauers Kagitomi gewartet hat. Und obwohl der Off-Space auf der Oberbilker Allee zusammen mit seinen Besuchern in den vergangenen Jahren schon so einige Ausstellungen erlebt hat, findet man sich plötzlich nicht mehr so ganz zurecht. Irgendetwas ist anders. Und wo sind Kagitomis Bauten aus gefundenen Materialien? An der Decke hängt eine riesige Skulptur von Johannes Lenhart, die aus einem Ruderboot besteht und sich, wie man auf der Internetseite des Künstlers nachlesen kann, auf die Beuys-Ideen des erweiterten Kunstbegriffs und der sozialen Plastik bezieht. Und war hier nicht früher der Durchgang zur Bar? An einer Wand hängt ein kleiner Spiegel, vor dem ein Bänkchen steht. Die ganze Situation ist in ein geheimnisvolles Licht getaucht. Und dann erst bemerkt man es: Taka Kagitomi hat den Raum so geschickt verändert, dass man es erst auf den zweiten Blick erkennt: der Spiegel ist eine Täuschung und der Durchgang zur Bar führt nun durch den vermeintlichen Spiegel hindurch. Der Bildhauer ist sich also treu geblieben. Man klettert durch einen Zwischenraum, über Paletten und Rampen hinweg bis zu einer Rutschbahn, auf der man direkt mitten ins Getümmel schlittert. Auch die kreisrunde, von den Ausstellungsgästen umlagerte Theke, die Kagitomi aus Stullehnen gebaut hat, gehört mit zum Konzept.

Freitag, 30. August 2013

Ryoji Ikeda: test pattern [100 m version] im Landschaftspark Duisburg Nord



Rhythmus ist eines der Elemente, die Musik und Architektur miteinander verbinden. Nachdem bei der letzten Ruhrtriennale Carl Orffs „Prometheus“ in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg Nord aufgeführt wurde als eine einzige Ode auf den Rhythmus der Sprache, der Bewegungen und der Parallelen des riesigen Raums, geht nun der japanische Künstler Ryoji Ikeda mit seiner Arbeit test pattern [100 m version] auf die Dimensionen des Industriedenkmals ein. Ikeda, der seit langem mit elektronischer Musik arbeitet und diese mit Licht, Bild und Klang zu groß angelegten Installationen verbindet, übersetzt für „test pattern“ Texte, Geräusche, Fotos und Filme in Barcodes, die in einer endlosen Schleife auf den Boden des einhundert Meter Langen Gebäudes projiziert werden. Die Sounds, die Ikeda den Strichcodes entsprechend arrangiert hat, entsprechen dabei perfekt dem Muster aus schwarzen und weißen Streifen. Betritt man den riesigen Laufsteg, konzentriert man sich bald ganz darauf, den wechselnden Rhytmen zu folgen, geistig und auch körperlich und sowohl bezüglich der gesehenen als auch der gehörten Rhytmen. Ikeda gelingt es tatsächlich, die verschiedenen Kunstformen, Sinneswahrnehmungen und Dimensionen absolut miteinander verschmelzen zu lassen, sodass man sich aus dem Bann der Installation nur schwer lösen kann.


Zum Auftakt der Ruhrtriennale war Ikedas Werk bereits vom 23. bis zum 25. August zu sehen, vom 4. bis zum 15. September haben die Besucher ein weiteres Mal die Möglichkeit, Teil der interaktiven Installation zu werden.

Mittwoch, 28. August 2013

Fluchtpunkt Kalifornien - Wie ich an meinem Geburtstag ein Schlupfloch in die Sechzigerjahre fand / Hengsteysee

An meinem Geburtstag fand ich ein geheimes Schlupfloch nach Kalifornien. Und das ausgerechnet dort, wo das Ruhrgebiet am idyllischsten ist.

Das Interessante an der Auseinandersetzung mit Architektur sind gar nicht unbedingt nur die Gebäude selbst, mit denen man sich beschäftigt, es sind auch die Geschichten, die man dabei erlebt. Manchmal ist man überrascht, plötzlich vor einem Gebäude zu stehen, das man bisher nur von Schwarz-Weiß-Fotos kannte, oder man trifft vor Ort Leute, die einem etwas erzählen, das man sonst nie herausgefunden hätte. Und hin und wieder findet man einfach so im Vorbeigehen Bauten, nach denen man nie gesucht hat, die einen aber sofort in Begeisterung versetzen und man heilfroh ist, diesen und nicht jenen Weg eingeschlagen zu haben - Gebäude, die in keinem Architekturführer stehen, aber alle Charakteristika haben, die für eine Epoche typisch sind.

 

Sonntag, 28. Juli 2013

Wer sich fragt, was eigentlich aus der Moderne geworden ist, ...

...der sollte zur Zeit nicht unbedingt nach Krefeld fahren. Dort wird sie gerade großflächig abgeklopft und weggeschmissen. Über den drohenden Abriss der Eiermann-Fassade habe ich bereits berichtet (Link). Nun war ich eben noch einmal vor Ort und kann sagen, dass die dem Siedenweberhaus zugewandte Gebäudeseite mittlerweile komplett zerstört ist.

In Potsdam dagegen, am anderen Ende der Republik, geht es richtig voran, wie ich heute erfahren habe. Das funkelnagelneue Stadtschloss ist beinahe fertig (Link) und gibt der Stadt, in der echte Schlösser schließlich Mangelware sind, endlich das richtige Las-Vegas-Flair. Wer mir dieses verdrehte Verhältnis zwischen Fortschritt und Rückschritt erklären kann, darf sich gerne bei mir melden. Leben wir bald wieder in Höhlen?