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MODE KUNST ARCHITEKTUR

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Mittwoch, 16. Oktober 2013

St.Sakrament - Die Bunkerkirche in Düsseldorf Heerdt

Als im Jahr 1947 Dr. Carl Klinkhammer nach Düsseldorf versetzt wurde, um im Stadtteil Heerdt seine neue Stelle als Pfarrer anzutreten, erwartete ihn dort eine bauliche Situation, die absolut einmalig war. Es existierte dort zwar eine sogenannte „Notkirche“, wie vielerorts in Deutschland zu dieser Zeit, was Pfarrer Klinkhammer aber viel eher interessierte, war das Gebäude daneben: ein mächtiger Bunker. Während des Zweiten Weltkriegs war er in der Form einer Kirche gebaut worden, um durch diese Täuschung den Bomben entgehen zu können. Nach einer Zwangsenteignung hatte man den Bunker auf einem Grundstück angelegt, das ursprünglich im Besitz der Kirche war, und so lag für Pfarrer Klinkhammer nichts näher, als aus dem kirchenförmigen Bunker eine Kirche zu machen.


Am Tag des Offenen Denkmals fanden Führungen durch die Bunkeranlage statt und so machte sich die Reisegruppe nach einer Besichtigung des Dreischeibenhauses auf den Weg nach Herdt. (Das Foyer des Dreischeibenhauses, das sich gerade im Umbau befindet, durfte nicht fotografiert werden, tatsächlich ist zur Zeit aber die gesamte Stadt mit einer Fotografie von Candida Höfer anlässlich ihrer Ausstellung im Museum Kunstpalast plakatiert, die genau dieses Motiv zeigt: Link)

Das Interessante an den Führungen durch die Bunkerkirche war, dass sie von Gemeindemit- gliedern geleitet wurden, die Carl Klinkhammer und dessen individualis- tische Herangehens- weise seit ihrer Kindheit kannten und mit großer Begeisterung von ihrem Pfarrer berichteten. Klinkhammer, so hieß es, habe stets einen außergewöhnlichen Elan an den Tag gelegt und den Umbau intensiv vorangetrieben. Bei der Sprengung der ersten Öffnung in den bis dahin Lichtlosen Raum seien die Scheiben im Umkreis von mehreren hundert Metern zu Bruch gegangen, die Sympathien seiner Gemeinde erhielt er sich jedoch weit über seinen Tod im Jahr 1997 hinaus. Natürlich beteiligte er sich an den Umbauarbeiten selbst und schleppte zusammen mit den Herdter Bürgen die Betonbrocken aus dem Bunker. Generell war Klinkhammer wichtig, sparsam zu haushalten und das Geld lieber in soziale Projekte zu investieren. Dieser wohlüberlegte Minimalismus führte schließlich zu sehr schönen Detaillösungen. So entstanden die farbigen Glasfenster tatsächlich aus Reststücken, die in einer Glashütte anfielen. Klinkhammers Elan steckte auch andere an, und so organisierte er dort, nachdem die Bunkerkirche 1949 eingeweiht worden war, über Jahrzehnte hinweg die sogenannten Mittwochsgespräche mit Gästen wie Heinrich Böll und Konrad Adenauer, die teilweise sogar in den Räumlichkeiten übernachteten. Auch Künstler zog Klinkhammer in seinen Kreis und so stiftete Bert Gerresheim die beiden Bronzereliefs am Eingang der Sakramentskirche. 


Der Kirchturm, dem Klinkhammer in den Fünfzigerjahren einen Glockenstuhl aufsetzen ließ, sollte angeblich als Auffahrt eines für die Zeit nach dem Krieg geplanten Parkhauses dienen, das neben dem Bunker entstehen sollte. Vergleicht man den Turm jedoch mit den typischen Spitzbunkern dieser Zeit wie dem Exemplar in den Böhlerwerken (Link), so glaube ich eher, dass die Spindel der Auffahrt wie dort dazu dient, im Ernstfall möglichst viele Personen auf geringem Raum aufzunehmen.