MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Freitag, 27. September 2013

NRW-Forum Düsseldorf: Foto A - Z. Fotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt hätten.



Anton Corbijn, Cindy Sherman

Mit der letzten Ausstellung, die unter ihrer Regie im NRW-Forum Düsseldorf stattfindet, haben sich Petra Wenzel und Werner Lippert einen Traum erfüllt. Ab morgen präsentieren sie dort „Fotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt hätten.“, so der Untertitel der Ausstellung „Foto A - Z“.


Freitag, 20. September 2013

Hinter dem Spiegel: Taka Kagitomi und Johannes Lenhart im Raum für Vollendete Tatsachen, Düsseldorf


Von Taka Kagitomi weiß man, dass es ihm immer gelingt, ganz normale Räume in etwas Abenteuerliches, Phantasievolles zu verwandeln. Er baut Treppen, schafft Durchbrüche und bringt dabei die erstaunlichsten Materialien und Formen miteinander in Verbindung.

Der Raum für vollendete Tatsachen, der gemeinsame Projektraum von Katharina Maderthaner und Christian Schreckenberger, ist mit seiner Vergangenheit als ehemaliges Ladenlokal genau so ein Raum, der auf einen Eingriff des Bildhauers Kagitomi gewartet hat. Und obwohl der Off-Space auf der Oberbilker Allee zusammen mit seinen Besuchern in den vergangenen Jahren schon so einige Ausstellungen erlebt hat, findet man sich plötzlich nicht mehr so ganz zurecht. Irgendetwas ist anders. Und wo sind Kagitomis Bauten aus gefundenen Materialien? An der Decke hängt eine riesige Skulptur von Johannes Lenhart, die aus einem Ruderboot besteht und sich, wie man auf der Internetseite des Künstlers nachlesen kann, auf die Beuys-Ideen des erweiterten Kunstbegriffs und der sozialen Plastik bezieht. Und war hier nicht früher der Durchgang zur Bar? An einer Wand hängt ein kleiner Spiegel, vor dem ein Bänkchen steht. Die ganze Situation ist in ein geheimnisvolles Licht getaucht. Und dann erst bemerkt man es: Taka Kagitomi hat den Raum so geschickt verändert, dass man es erst auf den zweiten Blick erkennt: der Spiegel ist eine Täuschung und der Durchgang zur Bar führt nun durch den vermeintlichen Spiegel hindurch. Der Bildhauer ist sich also treu geblieben. Man klettert durch einen Zwischenraum, über Paletten und Rampen hinweg bis zu einer Rutschbahn, auf der man direkt mitten ins Getümmel schlittert. Auch die kreisrunde, von den Ausstellungsgästen umlagerte Theke, die Kagitomi aus Stullehnen gebaut hat, gehört mit zum Konzept.

Freitag, 30. August 2013

Ryoji Ikeda: test pattern [100 m version] im Landschaftspark Duisburg Nord



Rhythmus ist eines der Elemente, die Musik und Architektur miteinander verbinden. Nachdem bei der letzten Ruhrtriennale Carl Orffs „Prometheus“ in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg Nord aufgeführt wurde als eine einzige Ode auf den Rhythmus der Sprache, der Bewegungen und der Parallelen des riesigen Raums, geht nun der japanische Künstler Ryoji Ikeda mit seiner Arbeit test pattern [100 m version] auf die Dimensionen des Industriedenkmals ein. Ikeda, der seit langem mit elektronischer Musik arbeitet und diese mit Licht, Bild und Klang zu groß angelegten Installationen verbindet, übersetzt für „test pattern“ Texte, Geräusche, Fotos und Filme in Barcodes, die in einer endlosen Schleife auf den Boden des einhundert Meter Langen Gebäudes projiziert werden. Die Sounds, die Ikeda den Strichcodes entsprechend arrangiert hat, entsprechen dabei perfekt dem Muster aus schwarzen und weißen Streifen. Betritt man den riesigen Laufsteg, konzentriert man sich bald ganz darauf, den wechselnden Rhytmen zu folgen, geistig und auch körperlich und sowohl bezüglich der gesehenen als auch der gehörten Rhytmen. Ikeda gelingt es tatsächlich, die verschiedenen Kunstformen, Sinneswahrnehmungen und Dimensionen absolut miteinander verschmelzen zu lassen, sodass man sich aus dem Bann der Installation nur schwer lösen kann.


Zum Auftakt der Ruhrtriennale war Ikedas Werk bereits vom 23. bis zum 25. August zu sehen, vom 4. bis zum 15. September haben die Besucher ein weiteres Mal die Möglichkeit, Teil der interaktiven Installation zu werden.

Mittwoch, 28. August 2013

Fluchtpunkt Kalifornien - Wie ich an meinem Geburtstag ein Schlupfloch in die Sechzigerjahre fand / Hengsteysee

An meinem Geburtstag fand ich ein geheimes Schlupfloch nach Kalifornien. Und das ausgerechnet dort, wo das Ruhrgebiet am idyllischsten ist.

Das Interessante an der Auseinandersetzung mit Architektur sind gar nicht unbedingt nur die Gebäude selbst, mit denen man sich beschäftigt, es sind auch die Geschichten, die man dabei erlebt. Manchmal ist man überrascht, plötzlich vor einem Gebäude zu stehen, das man bisher nur von Schwarz-Weiß-Fotos kannte, oder man trifft vor Ort Leute, die einem etwas erzählen, das man sonst nie herausgefunden hätte. Und hin und wieder findet man einfach so im Vorbeigehen Bauten, nach denen man nie gesucht hat, die einen aber sofort in Begeisterung versetzen und man heilfroh ist, diesen und nicht jenen Weg eingeschlagen zu haben - Gebäude, die in keinem Architekturführer stehen, aber alle Charakteristika haben, die für eine Epoche typisch sind.

 

Sonntag, 28. Juli 2013

Wer sich fragt, was eigentlich aus der Moderne geworden ist, ...

...der sollte zur Zeit nicht unbedingt nach Krefeld fahren. Dort wird sie gerade großflächig abgeklopft und weggeschmissen. Über den drohenden Abriss der Eiermann-Fassade habe ich bereits berichtet (Link). Nun war ich eben noch einmal vor Ort und kann sagen, dass die dem Siedenweberhaus zugewandte Gebäudeseite mittlerweile komplett zerstört ist.

In Potsdam dagegen, am anderen Ende der Republik, geht es richtig voran, wie ich heute erfahren habe. Das funkelnagelneue Stadtschloss ist beinahe fertig (Link) und gibt der Stadt, in der echte Schlösser schließlich Mangelware sind, endlich das richtige Las-Vegas-Flair. Wer mir dieses verdrehte Verhältnis zwischen Fortschritt und Rückschritt erklären kann, darf sich gerne bei mir melden. Leben wir bald wieder in Höhlen?
 

Mittwoch, 24. Juli 2013

Gottfried Böhm: Rathaus Bensberg, 1963 bis 1969



Geheime Forschungsstationen auf den vereisten Gipfeln der Alpen, die nur mit dem Helikopter zu erreichen sind, eine Villa aus gewölbtem Beton, in dessen Pool man das Gefühl hat, dass der Beckenrand nahtlos mit dem gebirgigen Horizont jenseits der dürren kalifornischen Wüste abschließt, ein polypenartiges Meeresschloss aus Stahl, das man bei Bedarf im Ozean versenken kann - all das sind Architekturen, die man üblicherweise mit James-Bond-Filmen verbindet. Gemein ist diesen Bauten neben ihrer exponierten Lage immer, dass sich etwas absolut Neues, technisch wirkendes mit dem Urigen, Alten, Authentischen verbindet, mit dem Meer, dem Wüstenkarst, dem ewigen Eis und Schnee, den gewaltigen Feslmassiven. Das Erhabene ist deutlich zu spüren. Das sind die High-End-Phantasien eines Ken Adams denkt man, des Bond-Filmarchitekten, in dessen Elternhaus schon Mies van der Rohe ein- und ausgegangen ist und der Wert darauf legt, zuerst Flugzeuge fliegen und dann Autofahren gelernt zu haben; oder eines John Lautners, dessen Phantasie sowieso außerhalb jeglicher Maßstäbe liegt und der seine Wirkungsstätte zudem in sagenumwobenen Städten wie Los Angeles und Palms Springs hatte. Ganz soweit  muss man allerdings gar nicht fahren, um sich mit Bauten dieser Zeit zu beschäftigen, die ganz ähnliche Assoziationen wecken.

Nachkriegsmoderne, Beton, Gottfried Böhm

Die Stadt Bensberg, die heute zu Bergisch Gladbach gehört und auf einem Plateau oberhalb der Kölner Bucht liegt, sollte in den Sechzigerjahren ein neues Rathaus bekommen. Bereits seit dem Mittelalter existierte dort eine Burg, von der aus man das gesamte Rheinland im Blick hatte und weit über den Kölner Dom hinausschauen konnte. Man entschied sich für einen Entwurf Gottfried Böhms, der die Überreste der Burg ergänzen sollte. Erhalten war zu dieser Zeit noch der Bergfried aus dem 12. Jahrhundert, eine den Innenhof umgebende Ringmauer aus dem 13. Jahrhundert und ein weiterer, kleinerer Turm. Böhm brachte das typische Bild einer Burg auf die Spitze, abstrahierte das Charakteristische der noch vorhandenen Elemente und entwarf eine mächtige Anlage aus trutzigen Mauern und einem phantastisch modellierten Treppenhausturm. Der Blick in die Landschaft wird zudem durch einen eleganten Rhythmus aus Fensterbändern garantiert.

Wie bei Böhms Wallfahrtskirche in Neviges handelt es sich auch in Bensberg um eine begehbare, ganz  aus Sichtbeton gegossen Skulptur, die optisch und auch haptisch erlebt werden muss. Am imposantesten ist natürlich der Aufstieg in den markanten Treppenhaus- turm, dessen Fensterband einen ungebrochenen Blick in die Ferne bietet. Darüber hinaus fallen dem Besucher unzählige weitere Details ins Auge, die Ausbuchtungen und Winkel der rauhen Wände und Decken, die Glühbirnen, die in die Decken eingelassen sind, die Sitzmöglichkeiten, die dem Grundriss des Gebäudes folgen, die großen Erdgeschossfenster zum Innenhof, die rahmenlos auf den Beton stoßen und immer wieder die zahllosen Variationen von Aus-, Durch- und Einblicken. Das ringförmige Arrangement des Ensembles taucht in den Anlagen Böhms immer wieder auf, oft gruppieren sich die einzelnen Gebäude um einen Platz mit einer Kirche wie im Fall des Seniorenheims in Düsseldorf Garath oder bei Böhms Kinderheim in Bergisch Gladbach Refrath. Im Hof der Bensberger Burg steht eine alte Kastanie, die das Bild schließlich vervollständigt.

 

Anhängen möchte ich meiner Ausführung noch, dass ich am Abend meines Besuchs in Bensberg noch einmal zu Böhms Rathaus zurück- gekehrt bin. Sie Sonne war bereits unter- gegangen und ein warmer Wind wehte über den dunkler werdenden Burg- hof. Ich saß auf einem von der Augustsonne aufgewärmten Beton- block zu Füßen des nun düster auffragenden und so noch märchenhafter wirkenden Treppenhausturms. In dieser merkwürdig warm-dämmerigen Atmosphäre geriet ich zunehmend in eine gewisse Trance. Es war genau so, wie man es Böhm damals für seinen Entwurf für Neviges vorausgesagt hatte: ich befand mich in einem idealen Paralleluniversum. Und plötzlich wurde mir eines überdeutlich klar: nie zuvor hatte sich so eindeutig die Verbindung zwischen Sprache, Schrift, Architektur und Bildhauerei manifestiert wie hier. Die einzelnen Segmente der Fensterbänder bildeten in ihren unterschiedlichen Längen einen Rhythmus, der beinahe wie ein Gedicht zu lesen war und einer inneren Logik folgte. Ähnliches habe ich danach nur bei Carl Orffs „Prometheus“ erlebt, in dem stundenlang altgriechische Ferse rezitiert werden und man bis zum Schluss so gebannt ist, dass man meint, jedes Wort verstehen zu können. 

Gerry Weber: Spanish Nights in der Ulmer Höh'


Die Fashion Night des Hauses Gerry Weber ist mittlerweile ein fester Bestandteil der düsseldorfer Modewoche und fand nun bereits zu dritten Mal im Innenhof des ehemaligen Gefängnisses Ulmer Höh’ statt. Dort hatte man weiße Zelte, Liegestühle und Fackeln aufgestellt, auch das phantastische Sommerwetter entsprach dem Motto „Spanish Nights“, und so entfaltete sich innerhalb der roten Backsteinmauern ein echtes balearisches Flair.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Gottfried Böhm: Maria, Königin des Friedens; Velbert Neviges 1968




 

Gottfried Böhm möchte nicht über seine Werke sprechen. Das liest man zumindest in Veronika Darius’ Schrift über Böhms Bauten aus den Sechzigerjahren, erschienen im Beton-Verlag, Düsseldorf 1988. Betrachtet man, oder eher: erlebt man die Gebäude Böhms direkt vor Ort, dann erübrigen sich zunächst tatsächlich alle möglichen Fragen zu Beweggründen und Motiven des Architekten. Stattdessen setzt unmittelbar ein Gefühl des Überwältigtseins ein, zusammen mit dem dringenden Bedürfnis, sich ganz in den Sog dieser bis ins letzte Detail plastisch durchformten Welten zu begeben und komplett darin einzutauchen. Das Phantastische ist Gottfried Böhms Metier, das Großartige, Spektakuläre, Geheimnisvolle, wobei es beinahe zur Nebensache wird, ob es sich nun um eine Kirche, ein Verwaltungsgebäude oder um ein Kinderheim handelt. 

Den gesamten letzten Sommer über hatte ich immer wieder das Glück, mich mit diversen Bauten Böhms im Rheinland beschäftigen zu können und bin dabei auf typische Muster in seiner Vorgehensweise gestoßen. Es sind ähnliche Motive die er immer wieder variiert und auch die Materialien wieder- holen sich. Es ist faszinierend zu sehen, wie es Gottfried Böhm gelungen ist, über Jahrzehnte hinweg im gesamten Rheinland öffentliche Gebäude zu plazieren, die durch den  Einsatz immer wieder auftauchender Elemente, Materialien und ganzer Bauteile deutlich als Werke Böhms zu erkennen sind und immer den Aspekt des Phantas- tischen transportieren. Bei Veronika Darius liest man sogar, dass Böhm seinen Entwurf für die Wallfahrtskirche „Maria, Königin des Friedens“ in Velbert Neviges überarbeiten musste, nachdem man ihm vorgeworfen hatte, mit dem Gebäude ein Paralleluniversum schaffen zu wollen. Gerade diese Eigenschaft der Gebäude Böhms, mit ihrem Anspruch an das Gesamtkunstwerk den Besucher in eine perfekt durchgestaltete Welt zu führen, ist typisch für sein Werk und findet sich bis heute in zahllosen weiteren Entwürfen.

Die Wallfahrtskirche „Maria, Königin des Friedens“ in Velbert Neviges, die im Jahr 1968 geweiht wurde, ist wohl Böhms bekanntestes Werk. Neviges selbst ist ein hübscher kleiner Ort mit alten Fachwerkhäusern und einer Barockkirche. Nähert man sich Böhms Wallfahrtskirche, so sieht man zunächst immer wieder deren merkwürdig zerklüftetes riesiges Betondach wie ein Gebirge über den schwarzen Balken und weißen Flächen der heimelig wirkenden alten Häusern des Örtchens aufragen. Schließlich gelangt man an den Fuß des sogenannten Pilgerweges, der sich, flankiert von einem langgezogenen zweistöckigen Gebäude mit zahllosen runden Erkern auf der linken und der mächtigen Wand einer betonierten Böschung auf der rechten Seite, unter Platanen hindurch bis zum Eingang des riesigen Betonzelts erstreckt. Böhm inszeniert den Aufgang der Pilgerscharen zur Kirche wie eine Prozession und schafft eine Atmosphäre, die den Besucher schrittweise auf das Unglaubliche vorbereitet, das ihn im Inneren erwarten soll. 
 

Mittwoch, 10. Juli 2013

Düsseldorf: Diner en blanc an der Rheinuferpromenade



Scissorella in Scissorella: Das Diner en blanc bot die optimale Gelegenheit, die Bergarbeiterjacke zu reaktivieren, die ich vor einigen Jahren entworfen habe, hier in Kombination mit meiner Lindyhop-Matrosenhose, die ebenfalls von mir stammt.

Das sieht ja aus wie an der Côte d’Azur, meinte eine Dame zu mir, während ich an der Brüstung der Rheinuferpromenade auf meine Picknickgäste wartete. Und tatsächlich fühlte man sich angesichts der langen, festlich gedeckten Tafel, an der hunderte, ganz in weiß gekleidete Leute saßen und den Sommer feierten, in eine Art Märchenreich versetzt.


Am letzten Samstag fand in Düsseldorf zum dritten Mal das Diner en blanc statt, ein Fest, dessen Konzept deutlich über das eines Picknicks hinausgeht. Alle Teilnehmer des Dines erscheinen traditionell in weiß gekleidet, und auch die mitgebrachten Tische, die zu einer langen Tafel zusammengestellt werden, hält man ganz in weiß, inclusive Porzellan und Kerzen. An warmen Sommerabenden trifft man sich zu einer phantastischen Inszenierung und nimmt unter freiem Himmel sein mitgebrachtes Drei-Gänge-Menü ein. Der spannende Aspekt beim Diner en blanc besteht in der Wahl des Orts. Erst kurz vor Beginn der Feier wird über soziale Netzwerke bekannt gegeben, wo genau man sich zum Dinieren trifft, was der so wie so schon verzauberten Atmosphäre einen Hauch des Abenteuers gibt.


Sonntag, 7. Juli 2013

Tomás Saraceno: in orbit

Fotos von Wilfried Meyer

In seiner Auseinandersetzung mit der idealen Architektur verfolgt Tomás Saraceno die Idee der fliegenden Stadt. Neben seinen Skulpturen gelang es Saraceno in den letzten Jahren immer wieder, seine Vorstellung einer gesamten idealen Stadt in die Realität umzusetzen, wie z. B. in Berlin mit der Installation „Cloud Cities“ im Jahr 2011 (Link). 

Mit seinen Installationen, die aus aufblasbaren Sphären, Netzen und spiegelnden Oberflächen bestehen und ausgesprochen futuristisch wirken, bezieht sich Saraceno sowohl auf die Vorgehensweisen von Spinnen aus auch auf die Ideen Richard Buckminster Fullers. So wie es Spinnen gelingt, an ein bereits bestehendes Netz eine zweite ebene anzuknüpfen, so spannt Saraceno für seine Arbeit „in orbit, die die seit dem 21. Juni im K21 zu erleben ist, über dem zwanzig Meter hohen Atrium des ehemaligen Ständehauses in mehreren Ebenen filigrane Stahlnetze auf, zwischen denen sich die Besucher bewegen können. Die Interaktion der Besucher mit seinen Konstruktionen ist Saraceno immer ein Anliegen. Gerade bei „in orbit“ ist es faszinierend zu sehen, wie die in weiße Overalls gekleideten Besucher die Netze und Sphären in Schwingung versetzen und sich nach einem vorsichtigen Herantasten an den Abgrund zunehmend sicherer im Luftraum unter der riesigen Glaskuppel des  Ständehauses bewegen. Und das ist das eigentlich Beeindruckende an Saracenos Arbeit: die Euphorie lässt einen sämtliche Ängste vergessen und man fliegt förmlich in großen weichen Schritten durch die Luft. Man fühlt sich „in orbit“.



Dienstag, 2. Juli 2013

Running the race: NEU BAUHAUS und SCISSORELLA beim B2RUN

Fotos von Jörg Reich

Wilfried Korfmacher und Dustin Stupp im neongelben NEU BAUHAUS Look am Start, Scissorella im SCISSORELLA-Korsett
Sport und gutes Design sind zwei untrennbare Begriffe, beinhaltet doch der Sport selbst schon einen Gestaltungswillen bezüglich des Körpers. Für das Design von Sportkleidung besteht zudem im Idealfall der Anspruch, Eleganz und Geschwindigkeit mit Funktionalität zu verbinden. Von Stella McCartneys Entwürfen für adidas über die schneidigen Schwimm-Outfits der Firma Jantzen aus den Dreißigerjahren kann man zurückgehen bis zu den Olympioniken des antiken Griechenlands, deren Turnkleidung offensichtlich kein Fettpölsterchen kaschierte.


Sport ist, und davon möchte ich nicht abweichen, auch die Grundlage für den vollen Architekturgenuss, da so- wohl ein gewisses Körper- gefühl als auch die eigene Beweglichkeit notwendig ist, ein Verhältnis zum Raum und dessen Proportionen herzustellen, das über den rein visuellen Eindruck hinausgeht. LeCorbusier sah beispielsweise für die Bade- zimmer seiner Wohnanlagen genügend Platz vor, um Fitnessgeräte aufzustellen, sowie weitläufige Grün- flächenflächen zwischen den Gebäuden um sich ganz dem Licht, Luft und Sonne-Ideal zu widmen.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Egon Eiermann: IBM Zentrale Stuttgart Vaihingen, 1967 - 72




In akuter Gefahr befinden sich zur Zeit die Gebäude, die Egon Eiermann in den Sechzigerjahren für die Internationale Büromaschinen Gesellschaft mbH, kurz IBM, in Stuttgart Vaihingen entworfen hat. Der Gebäudekomplex, der aus drei Verwaltungsgebäuden und einer separaten Kantine besteht, ist an zwei Seiten von Autobahnen umschlossen, zudem ist der Haupteingang nur über eine Brücke zu erreichen. Gerade diese besondere Lage und die auschließliche Erreichbarkeit mit dem Automobil, die so typisch ist für die Entstehungszeit des Ensembles, sind Gründe, weswegen es sich nach dem Auszug der Firma IBM im Jahr 2009 weder vermieten oder verkaufen lässt. Der jetzige Besitzer hat sich mit der Immobilie offensichtlich verspekuliert, Insolvenz angemeldet und daraufhin eine Abrisserlaubnis für den unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplex beantragt, dem der Baubürgermeister der Stadt Stuttgart allerdings nicht zustimmen will. Grund für den Auszug der Firma IBM waren die angeblich zu hohen Investitionen für eine energetische Sanierung der Häuser. Schönheit hat immer ihren Preis und gerade die Eiermann-Gebäude in Vaihingen verlangen einen Investor, der dazu bereit ist, sich in die subtile Komposition filigraner Elemente einzufühlen und ein entsprechendes Budget so einzusetzen, dass die Leichtigkeit und Strenge kalifornischer Case Study Houses erhalten bleibt.

Don Christobal war in Vaihingen vor Ort, um für Scissorella.de einige Fotos der Situation zu machen. Vielen Dank!

Dienstag, 25. Juni 2013

Düsseldorf: Im Londoner Taxi zu Hermès






Dass man Mode mittler- weile gerne in außergewöhnlicher Architektur präsentiert und vom Konzept der neutralen Messehalle hin zu der speziellen Atmosphäre außergewöhnlicher Bauten geht, beobachte ich nun bereits seit einiger Zeit. Beispiele dafür finden sich in der Show and Order, einer Modemesse, die in einem Berliner Heizkraft- werk stattfindet (Link), in der Premium in den Hallen der Station Berlin, einem Postbahnhof aus dem 19. Jahrhundert, und nicht zuletzt auch im Festival des Métiers des Hauses Hermès, das vor einigen Tagen in den Böhlerwerken im Norden Düsseldorfs zu Ende gegangen ist (Link). Bei Hermès jedoch ging man über die Inszenierung in einer sorgfältig restaurierten Fabrikanlage mit angeschlossenem Spitzbunker hinaus und organisierte zusätzlich einen sehr eleganten Shuttleservice, bei dem das interessierte Publikum im Londoner Taxi direkt von der Hermès-Niederlassung auf der Königsallee nach Lörick in die Böhler Werke chauffiert wurde.


Begeistert von der spektakulären Anreise fragte ich einen der beiden Fahrer nach Details und er erklärte mir, dass das Modell eigens als Londoner Taxi entworfen wurde, und zwar als sogennanter "Fairway Driver". Er legte dabei großen Wert darauf, daß es sich bei seinem Taxi nicht um einen Austin handelte. So ganz falsch lag ich jedoch mit meiner Frage nicht, wurde doch das Vorgängermodelll ursprünglich von Austin gebaut und dann schließlich von der Firma London Taxi International Limited übernommen.

Durch mein geschicktes Fragen waren die beiden charmanten Fahrer jedenfalls so abgelenkt, dass mir beinahe am Ende die Flucht im Londoner Taxi gelungen wäre, der Schüssel hat zumindest gesteckt!


Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Fotograf Wilfried Meyer für die phantastischen Detailaufnahmen des Festivals, die er mir eigens angefertigt hat, sowie bei Axel für die Taxifotos.

Samstag, 15. Juni 2013

Das ist kein echter Eiermann, das kann weg.

Zum Abriss der Horten-Fassade in Krefeld


Einerseits legt man in Krefeld großen Wert darauf, den Ruf der Stadt als Architektur-Metropole zu festigen, wie es das ambitionierte Golfclub-Projekt mit dem spektakulären 1:1 Modell eines Entwurfs von Mies van der Rohe aus dem Jahr 1930 zeigt, das gerade eröffnet wurde (Link). Andererseits wird, wie ich gerade erfahren habe, zur Zeit die charakteristische Fassade des Horten-Gebäudes in der krefelder Innenstadt entsorgt. Dabei handelt es sich um die typischen Keramikelemente, die Egon Eiermann um 1960 für die Gebäude der Kaufhauskette entworfen hatte und die so typisch für den Look dieser Zeit sind. Wie passt das dazu, dass das Stadthaus in Krefeld, das ursprünglich als Verwaltungsgebäude der Vereinigten Seidenwebereien AG von Egon Eiermann entworfen wurde (nach einer Idee Mies van der Rohes), gerade vor dem Abriß gerettet werden konnte?


Seit einigen Jahren schon steht das krefelder Warenhaus leer und nun will man offensichtlich mit neuen Mietern und einem neuen Image die immer ein wenig verlassen wirkende Innenstadt neu beleben. Und wie immer hat die Stadtbevölkerung Angst, daß die Ansammlung der üblichen Filialisten (Link) den Einzelhandel schädigt. Hauptmieter des umgestalteten Gebäudes soll die irische Billigmodekette Primark werden, was der Stadt Krefeld, die seit dem 18. Jahrhundert für die Herstellung von hochwertigen Seiden- und Brokatstoffe bekannt ist, vermutlich endlich den erhofften Aufschwung bringt. Ich wünsche viel Erfolg bei der Imagepflege.

Freitag, 14. Juni 2013

Esther Williams, 1921 - 2013. Abschied von der Badenden Venus

Ein Entwurf von mir vom April 2013. Ornament muß doch manchmal sein.
Am 6. Juni 2013 ist die amerikanische Schauspielerin und Schwimmerin Esther Williams, die vor allem als "Badende Venus" berühmt war, einundneunzigjährig in Beverly Hills verstorben.

Liebe Esther Williams, Dein schneidiges Schwimmen in Technicolor wird mir immer eine Inspiration bleiben!

Dienstag, 11. Juni 2013

Azzedine Alaïa im NRW-Forum - Die Eröffnung

Mit Azzedine Alaïa und einem ehrfurchtsvollen Blick. Dank an Ellen für das wunderbare Foto!
Ganz berauscht von der Pressekonferenz am Freitagvormittag besuchte ich abends auch die Vernissage der Ausstellung "Alaïa. Azzedine Alaïa im 21. Jahrhundert" im NRW-Forum. Und da traf ich den Meister der Form und Perfektion dann auch an, nachdem er sich bei der Pressekonferenz, ganz dem Primat des Understatements folgend, unauffällig an seinen Werken vorbei ins Haus geschlichen hatte. Der ganze Abend war von einer unglaublich feierlichen Atmosphäre getragen, einer Mischung aus Euphorie und Andacht, so sehr versetzte Alaïa das Vernissagepublikum mit seinen definitiv als Skulpturen angelegten Kleiderentwürfen in Begeisterung. Selten sieht man eine so zur Perfektion gebrachte Verbindung von Form, Farbe, Material und Detailversessenheit, die sich zudem in der gesamten Ausstellungsarchitektur widerspiegelte. Zu der festlichen Stimmung der Eröffnung passte es schließlich auch, daß sich vor der Tür des Museums ein wunderbarer Sommerabend ausgebreitet hatte und wir noch lange auf der Terrasse des NRW-Forums Alaïas Genie feierten.

Freitag, 7. Juni 2013

NRW-Forum Düsseldorf: Alaïa. Azzedine Alaïa im 21. Jahrhundert

Absolut euphorisiert komme ich von der Pressekonferens der Azzedine Alaïa-Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf, die ab morgen dort zu sehen ist. Bevor ich mich ausgiebig über die unglaubliche skulpturale Qualität von Alaïas Arbeiten auslasse, schicke ich einige visuelle Eindrücke vorweg. Eines sei noch erwähnt: bevor sich Alaïa der Modebranche zuwandte, studierte er zunächst an der Kunstakademie von Tunis Bildhauerei. Und genau diese dafür notwendige Besessenheit von Formen und Materialien spricht aus jedem einzelnen Exponat der Ausstellung (Link)