MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Freitag, 12. August 2011

Georg Heinrichs: Das Konsistoriums-Gebäude im Hansaviertel, Berlin 1968 - 71


Meine Woche in Berlin habe ich vor allem dazu genutzt, jeden Tag stundenlang mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren, um mir einige Gebäude anzuschauen. Und selbst wenn ich mich verfuhr, entdeckte ich immer wieder spektakuläre, mir bisher unbekannte Bauten. Allerdings wurde mir dabei auch wieder das große Problem bewusst, das in Berlin herrscht, und zwar besteht dort offensichtlich kaum Verständnis für den Wert des architektonischen Bestandes der Stadt und deren besondere baugeschichtliche Situation.

Ein wichtiges Ziel auf meiner Liste war das Bürogebäude des evangelischen Konsistoriums im Hansaviertel aus den Jahren 1968 -71, das von den Architekten Georg Heinrichs und Hans-Christian Müller stammt. Zunächst fällt einem die straffe scharfkantige Form des Gebäudes ins Auge, die auf den Y-förmigen Grundriß zurüchzuführen ist, zusammen mit der riesigen mattglänzenden Aluminiumfläche der Fassade. Wie eine Skulptur erhebt sich der Bau über der Spree, und tritt man näher an das Werk heran, so erkennt man, wie durchdacht dessen gesamtes Konzept ist und wie die einzelnen Elemente und Materialien aufeinander abgestimmt sind. Der gesamte Baukörper ist mit massiven Aluminiumplatten überzogen, die Fenster in den schweren Metallrahmen lassen sich wie bei Schiff vertikal nach außen kippen und die Rundungen der Fenster und Fassadenplatten wiederholen sich im Schwung der Treppengeländer. Eingelagert sind die matten Aluminiumelemente in schwarze Gummistreifen, wobei das schwarze Gummi sich auch im Belag der Außentreppen wiederfindet.

Man denkt, daß hier die Zukunft begonnen hat, aber offensichtlich ist so etwas wie Zukunfts-Optimismus aus der Mode geraten. Das Konsistoriums-Gebäude soll so bald wie möglich abgerissen werden und einer Blockrand-Bebauung weichen. Weitere Informationen und Kommentare zum geplanten Abriß befinden sich auf der Baunetz-Seite (Link). Bei Architekten für Architekten kann man eine Petition gegen den Abriss unterschreiben 

Das Problem ist dabei, daß man niemals genügend Unterschriften erlangen wird, da das Gebäude einfach zu unbekannt ist, obwohl der Architekt Henrichs an so markanten Punkten wie dem Märkischen Viertel beteiligt war und von ihm auch die Wohnanlage Schlangenbader Straße in Berlin stammt.

Ich bin ratlos und entsetzt wenn ich mir vorstelle, wie hier aus purer Unbildung und Geldgier wertvolles Kulturgut vernichtet wird und würde mich sehr freuen, wenn Ihr ebenfalls die Petition unterschreibt.
 

Dienstag, 9. August 2011

Das Keramion von Peter Neufert in Frechen (1970)


Traditionell begebe ich mich an meinem Geburtstag auf eine Wallfahrt um mir ein wenig Kulturgut anzuschauen. So bestand letztes Jahr mein Ziel im Barcelona-Pavillon, aber auch „The Tempest“ in Stratford upon Avon und der „Tristan“ in Bayreuth standen schon auf dem Plan. Da ich für den Abend noch einen kleinen Umtrunk über den Dächern der Stadt plante, wählte ich für den letzten Donnerstag ein Ziel in der näheren Umgebung aus, das dennoch meinen Ansprüchen an futuristisches Design genüge tun sollte.

Ich hätte Euch an dieser Stelle gerne einen bunten Bildbericht über die städtebauliche Situation und den aktuellen Zustand des Keramions in Frechen geliefert, einem scheibenförmigen Gebäude, das ganz deutlich einer Zeit der totalen Weltraum-Begeisterung entstammt und im Jahr 1970 von dem kölner Architekten Peter Neufert und dem Ingenieur Stefan Polónyi errichtet wurde, und zwar für den Kunstsammler und Vorstand des Keramikunternehmens „Cremer und Breuer“, Gottfried Cremer. Das freundliche Personal des Keramikmuseums machte mir allerdings einen Strich durch die Rechnung. Aber der Reihe nach.

Steigt man am Kölner Neumarkt in die Linie 7, so erreicht man nach einer beinahe halbstündigen Fahrt mit der Straßenbahn das Frechener Industriegebiet, wo man sich vorzugsweise auf den Vertrieb von Baumaterialien, insbesondere von Fliesen spezialisiert hat. Ich war ganz erstaunt, zwischen Garten- und Outletcentern, Tankstellen, Baustoffhandlungen und Autobahnschildern, tatsächlich den Ufo-förmigen Bau Neuferts zu entdecken, machte die Umgebung doch eher den Eindruck, als kämen hier höchstens mal ein paar Fernfahrer vorbei.

Die Damen im Museum waren sich aber durchaus ihrer exquisiten Position bewusst und wollten garnicht auf meine Geburtstags-Gutelaune eingehen. Dies sei ein Museum, belehrte man mich, und man würde mir durchaus eine Karte verkaufen. Ach ich wolle garkeine Postkarte sondern eine Eintrittskarte? Das sei ja etwas anderes. Deutlich merkte man, daß man im Keramion irgendwie nicht so recht auf Publikum eingestellt war, was ja auch verständlich ist, so direkt hinter dem Autobahnschild. Dennoch wollte man das beste aus meinem Besuch machen und erklärte mir, daß hier nur Privataufnahmen erlaubt seien, eine Außenaufnahme des Gebäudes würde 500 Euro kosten. Liebe Leute, soviel hatte nicht mal ich in meinem Portemonnaie, auch wenn ich ja sonst weder Kosten noch Mühen scheue, um Fotos von den architektonischen Hotspots der Welt für meinen Blog zu machen. 

So kann ich Euch diesmal nur eine grobe Skizze liefern, zusammen mit einer Beschreibung und der Aufforderung, selbst einmal in Frechen vorbei zu fahren. Ich kann Euch nur erzählen, wie man offensichtlich in den 80erjahren im gesamten Keramion große, weiße, quadratische Fliesen verlegt und damit die Wirkung des Rundbaus zerstört hat; wie man zu dieser Zeit auch Unmengen von Stehleuchten gekauft und exakt so positioniert hat, daß die Sicht auf die elegant geschwungenen Formen der Kuppel immer gestört ist; wie man zwischen den Glaskästen mit den Exponaten Unmengen von Stühlen, Tischen und beigefarbenen Papierkörben arrangiert hat und, um alles zu toppen, den sprichwörtlichen fließenden Übergang zwischen innen und außen, der dem Architekten offensichtlich sehr am Herzen gelegen hat, ad absurdum geführt hat. Die gesamte Rückseite des Gebäudes besteht aus einer Glaswand. Und wie wir es von Richard Neutra kennen, befindet sich dort auch ein längliches Wasserbecken, das sowohl innen als auch außen der Rundung der Scheibe folgt. Der Idee des fließenden Übergangs wurde insofern Rechnung getragen, als beide Teile des Beckens mit grauem Schutt verfüllt und so eine mindestens genauso schöne Verbindung zwischen Innenraum und umliegendem Ackerland geschaffen wurde.

Gottseidank ist das alles ja auch egal, denn die diversen Maßnahmen können recht leicht wieder rückgängig gemacht werden. Und vielleich kommt irgendwann ja auch mal der eine Besucher, der 500 Euro für ein Gruppenbild mit seinen Bunnies hinterm Haus auf den Tisch legt.

Dienstag, 2. August 2011

Zehn Jahre auf der Raumstation - Wie ich mir ein Kleid entworfen habe


„Hömma, machst Du in Kohle oder Stahl“ fragte mich am letzten Montag ein Typ in der U-Bahn, als ich auf dem Weg zur Verleihung des New Faces Awards war. „Weltraum“ war meine knappe Antwort.
 
Ihr wisst vermutlich alle, wie das ist: zu Beginn einer extraterrestrischen Mission ist der Medienrummel groß. Alles muß gut sitzen und schick aussehen, das Fernsehen ist da, der Raketenabschuß wird per Satellit in die ganze Welt übertragen, man repräsentiert schließlich sein Heimatland, ach was, den gesamten Heimatplaneten. Und dann? Dann sitzt man jahrelang auf irgendeinem Planeten fest, geht seinen täglichen Pflichten nach und stellt irgendwann fest, daß auf den heimischen Informationskanälen längst andere Themen das Tagesgeschehen beherrschen. Und dann wirst Du bei Deiner Rückkehr auch noch gefragt, ob Du in Kohle oder Stahl machst. Klar mach’ ich das, in Kohle UND Stahl, nur eben nicht auf der Erde.

Es folgt eine dramatische Foto-Lovestory zur Entstehungsgeschichte meiner ehemals blütenweißen Dienstuniform:

 

Die Fertigstellung des Nessel-Schnittes löste eine gewisse Vorfreude bei mir aus, gepaart mit ein wenig Albernheit.


Nachdem es im gesamten mir bekannten Universum zur Zeit keinen grauen Baumwollstoff gibt, der nicht mit Elasthan versehen ist, griff ich schließlich zur beliebten Heitmann-Farbe. Doch Vorsicht: es ist nicht alles schwarz wo schwarz draufsteht. Wenigstens passte das Blaugrau zum Himmel dieses überaus strahlenden Julis.



Das letzte Bild stammt von der Verleihung des New Faces Awards; mit einem Dank an Herrn Marcel Berndt (Rheinische Post, klick mich).

Das Kleid, das auf diese Weise entstanden ist, spielte schließlich eine Rolle in meinem Kurzfilm "ellipsoid episodes" und wurde dort von einer jungen Weltraummechanikerin getragen (Link).

Montag, 1. August 2011

Form follows feminine

...diesen wunderbaren Satz von Oscar Niemeyer fand ich gestern Nachmittag sehr treffend illustriert im Schaufenster eines Immobilienmaklers auf der Benrather Straße. Tatsächlich entwarf der Architekt in den 40erjahren des letzten Jahrhunderts ein Theater, dessen Form an eine Sonnenbadende an der Copacabana erinnern sollte. DAS ist das Leben, wie es sein soll!

Bei der Abbildung oben handelt es sich um den funkelangel-neuen Marcopolo-Tower in Hamburg, der übrigens auch bei der großen Beton-Gala ausgezeichnet wurde, über die ich berichtet habe (klick mich).

Nur Niemeyers bewunderter Meister, LeCorbusier, wollte das Thema "form follows feminine" nicht so richtig wahrhaben.
Ich jedoch fühle mich mal wieder bestätigt in meiner Aussage, daß Architektur und Mode ganz nah beeinander liegen.

Dienstag, 26. Juli 2011

Verleihung des New Faces Awards Fashion durch die BUNTE

Als Höhepunkt und Abschluß des großen Modewochenendes in Düsseldorf verlieh die Zeitschrift BUNTE gestern Abend in der Rheinterrasse wie jeden Sommer den New Faces Award Fashion. Bisher hatte ich mir den Galaabend voller Mode und Prominenz immer in den glühendsten Farben ausgemalt und freute mich nun umso mehr, in diesem Jahr daran teilnehmen und darüber berichten zu dürfen.
Mit der Wahl der Location knüpfen die Veranstalter alljährlich an die lange Messetradition Düsseldorfs an, gehört doch die Rheinterrase zu den vier Dauerbauten, die Wilhelm Kreis 1925 für die Gesundheitsmesse Gesolei entwarf. Somit bot der muschelförmige goldene Kuppelsaal des Gebäudes auch den ideale Rahmen um den rote Teppich zu entrollen, über den alsbald das Who-is-Who der Mode- und der Medienbrache laufen sollte. Moderiert wurde der Abend von der gutgelaunten Barbara Schöneberger, die im Laufe der Preisverleihung verriet, daß es das Kleid, das sie trug, demnächst als Burda-Schnitt zu kaufen gäbe. Die Tasche dagegen habe sie von der ebenfalls anwesenden Sonya Kraus geliehen bekommen und als man sie auf dem roten Teppich nach dem Inhalt der Clutch fragte, habe sie geantwortet: „Ein Säckchen mit Trockengranulat.“
Frau Schöneberger mit Tasche
In diesem trockenhumorigen Stil verlief die gesamte Preisverleihung, in dessen Rahem das Designduo Perret Schaad in der Kategorie „Bestes Fashion Label“ mit der roten Raubkatze ausgezeichnet wurden, Alina Schürfeld im Bereich „Bestes Accessoire Label“ und die Geschwister Felder und Felder als bestes deutsches Label im Ausland. Frau Schöneberger legte großen Wert auf die korrekte Aussprache des Wortes „Accessoire“, was ich ihr natürlich hoch anrechnete, da ich diesbezüglich schon seit Jahren missionarisch unterwegs bin, und erläuterte den Einsatz verschieden großer Taschen und Plastiktüten zum Kaschieren und Schmücken der Trägerin. Die Accessoire-Designerin Alina Schürfeld hatte sich ursprünglich auf Yachten spezialisiert, was Frau Schönebergers Theorie ja durchaus nicht widerspricht. Und schließlich bekam der Designer Simon Barth einen Prototyp des Siegerschuhs überreicht, mit dem er im Wettbewerb der Firma Reno um das beste Schuh-Design gewonnen hatte.
Die Damen Perret Schaad erhielten den Award in der Kategorie Bestes Fashion Label...




Nach dem offiziellen Teil des Abends hatte ich das Vergnügen, mich mit Gästen wie Gitta Saxx und Rolf Scheider zu unterhalten und traf den Modedesigner Dominik Laux, den wir ja alle durch seine Abenteuerreise mit Frau Katzenberger in die Gegend in und um Hollywood kennen.
Gefeiert wurde noch bis in die Morgenstunden und Düsseldorf hat mit dem New Faces Award der Welt mal wieder gezeigt was echter Glamour ist!
...und ich habe einige meiner Helden und Heldinnen getroffen: Rolf Scheider...

Gitta Saxx...

Sonntag, 24. Juli 2011

Erste Eindrücke vom Fashion Net Education Center

Wolfgang Hein mit dem Team von Susanne Bisovsky

Weitere Ausführungen zu dem spektakulären Tag im Tanzhaus NRW folgen in Kürze! So viele interessante Informationen auf einmal müssen erst verarbeitet werden.
Und morgen geht's zum New Faces Award!

Nachtrag:
Am Sonntag, dem 24. Juli, hatte ich die Möglichkeit, am Ersten Fashion Net Education Center teilzunehmen und habe dabei Unmengen an Informationen über das Entwerfen von und das Geschäft mit der Mode erfahren. Das Symposium, das im Tanzhaus NRW in Düsseldorf stattfand, war so aufgebaut, daß zunächst Dozentinnen der Modeschule Wien über die dortige Ausbildung berichteten und danach Absolventen zu Wort kamen um ihren individuellen Werdegang zu erläutern. Dabei erfuhr man von ganz unterschiedlichen Wegen ins Modebusiness, u.a. von der Gründung des Labels Meshit (http://www.meshit.at), von der Tätigkeit des Stylisten Mirza Sprecakovic beim Online-Magazin Vangardist bis hin zu Peter Pilottos Ausführungen über das Bedrucken von Stoffen und der Suche nach geeigneten Herstellern.

Dawid Tomaszewski auf der CPD


Seine
Entwürfe sieht der Designer Dawid Tomaszewski nicht als schnellebige Modeartikel sondern als Werke, deren Farben und Formen über die Jahre hinweg ihren Wert und ihre Gültigkeit bewahren. Um jede Einzelheit seiner filigranen Arbeiten optimal zur Geltung zu bringen, inszenierte er nun seinen Beitrag zur düsseldorfer CPD nicht einfach als Modenschau, stattdessen wandelten seinen Damen elegant zu ihren Podesten und präsentierten von dort aus dem begeisterten Publikum Tomaszewskis Ensembles. So konnte man als Betrachter ganz in den unzähligen Details der Kleider versinken und sich von den Materialien und Oberflächen begeistern lassen. Das Skulpturale der Kleider und Masken wurde zudem von einem sehr akzentuierten Licht hervorgehoben und man geriet völlig in der Bann der Kristalle, Federn, Falten und zarten Volants. Als Farbe dominierte ein kräftiges glänzendes Pink, das durch diverse matte Weiß- und Cremetöne abgedäpft wurde.


Davon abgesehen habe ich mich sehr über das nette Gespräch mit Frau Dolly Buster gefreut.
Für weitere Informationen zu Herrn Tomaszewski geht es hier entlang:
www.dawid-tomaszewski.com


Samstag, 16. Juli 2011

Robert Freund: Models landen im Medienhafen

  
Der Fotograf Robert Freund nahm den dreitägigen Besuch von Karl Lagerfeld vor einigen Wochen in Düsseldorf zum Anlaß (klick mich!), ein Editorial zu erstellen, das sich mit der Thematik "Der Mann der vom Himmel fiel" auseinandersetzt. Genau das ist der Modeschöpfer für den bekennenden Lagerfeld-Fan Robert Freund. Sich auf dessen kreative Anfänge berufend schuf Fotograf Freund zusammen mit der Visagistin Charisma eine Serie von Aufnahmen, die sich auf die Mode der 60er- und 70erjahre bezieht und dabei den Bezug zum aktuellen Geschehen in unserer Stadt nicht aus den Augen lässt. Koulisse für das opulent arrangierte Shooting war das Gebiet um das erst im Februar diesen Jahres eröffnete Grand Hyatt Hotel im Düsseldorfer Hafen. Der Titel der Serie spiegelt sich sprichwörtlich in der Location wider, entsteigen doch Freunds Models einem glitzernden Ufo, das dem Hyatt Hotel als Pavillon vorgelagert ist.


Sonntag, 3. Juli 2011

Kryptonit und Kunst: Strasserauf in Düsseldorf Lierenfeld

ein ganz besonderes Konzept verbirgt sich hinter diesem Namen, und zwar investiert der alternative Stromanbieter nicht in Werbung, sondern in Kunst und erreicht damit eine ganz andere Zielgruppe als die üblichen Energielieferanten. Schon die Internetseite der Firma macht neugierig mit ihren geheimnisvoll grünleuchtenden Polygonen, die sich allesamt öffnen lassen. Die gleichen transparenten Kryptonit-Kristalle finden sich auch an den DJ-Pulten wieder, die Strasserauf jungen Musikern für Parties zur Verfügung stellt. In regelmäßigen Abständen wird das Büro des Stromanbieters, das sich in einer wunderschönen Industrieanlage auf der Ronsdorfer Straße befindet, leergeräumt und dient dann als Ausstellungsraum. So geschehen auch am letzten Freitag, als Arbeiten von Jürgen Paas und Jan KRSN Garet in Vertretung für die Galerien Zweigstelle Berlin und Nina sagt zu sehen waren. Individualistische Herangehensweisen bestimmen offensichtlich das gesamte Firmenkonzept, bis hin zu den Spinden in der Mitte des großzügigen Backstein-Lofts, die aus einem Atomkraftwerk stammen und von einer berliner Streetart-Künstlerin veredelt wurden. Und auch Mode spielt bei Strasserauf eine Rolle, fand doch gerade erst kürzlich der Mädchenflohmarkt (diesmal auch für Jungs) in der Energiezentrale statt. Auf weitere spektakuläre Events darf man also durchaus gespannt sein.
Popplaneten von Jürgen Paas

Freitag, 1. Juli 2011

Die Rettung des Tausendfüßlers ist noch möglich!

Der Tausendfüßler von Friedrich Tamms aus den Jahren 1961-62
 
Leben Gefühl Stadt: der Info-Pavillon, der sich direkt an der Baugrube des  Jan-Wellem-Platzes befindet, wirbt mit diesem Slogan für den dort entstehenden Kö-Bogen. Ein Gefühl beschleicht den Besucher an dieser Stelle dort tatsächlich: angesichts der tief aufgerissenen Erde und der gigantischen Dimensionen des Projekts Kö-Bogen macht sich ein Gefühl des Unbehangens bemerkbar.
Dazu trägt auch die Angst um den mittlerweile mit Stahlträgern abgestützten Tausendfüßler bei, Düsseldorfs beliebte Hochstraße, die untrennbar zu dem Ensemble aus Dreischeiben-Haus und Theater gehört. Der Tausendfüßler, der offiziell unter Denkmalschutz steht und gemeinhin als die schönste und eleganteste Hochstraße der Bundesrepublik der Nachkriegszeit gilt, soll abgerissen werden. Gründe dafür nennen Stadt und Kö-Bogen-Investoren viele. Aber gerade mit dem Lebensgefühl einer Stadt zu argumentieren ist denkbar fraglich. So haben doch, wie es sich in den Unterschriftensammlungen der Iniziative Lott Stonn gezeigt hat, ein Großteil der düsseldorfer Bürger das „Gefühl“, der Tausendfüßler müsse erhlaten werden. Worin fußt denn nun dieses Gefühl? Wie entsteht das typische Lebensgefühl in einer Stadt? Meiner Meinung nach sind es die gewachsenen Strukturen, die ein Lebensgefühl ausmachen, die Beziehungen der Bewohner untereinander, aber auch die Gebäude, die nach und nach entstehen, die Plätze auf denen man sich trifft, die markanten Formen an denen man sich orientiert, die Bilder der Stadt im kollektiven Gedächtnis der Bewohner.
Verschwindet dann aber mit einem Schlag ein großer Bereich dieser Stadt, ist das ein Schock.
Das Lebensgefühl wird verletzt, Identifikation schwindet. So geschehen beim Abriß des Güterbahnhofs in Derendorf, der mit seinem wöchentlich stattfindenden Flohmarkt für Atmosphäre und Individualität sorgte, die das zur Zeit dort entstehende Wohnquartier nicht ersetzen kann.
   
Nun gut, Bauland ist teuer. Aber warum man verkehrstechnisch notwendige, funktionierende Bauwerke wie den Tausendfüßler nicht in das sich wandelnde Stadtbild integrieren kann und man stattdessen gigantische Tunnellbauten anlegen will, die den Hofgarten in zwei Hälften unterteilen, die nur noch über einen umständlich zu begehenden Weg miteinander verbunden sind, und die zudem riesige mehrspurige Einfahrten inmitten des Stadtzentrums beanspruchen, bleibt unerklärlich.
      
Der Schwung geht verloren - sowohl der Schwung den man aufnimmt, wenn man mit dem Fahrrad durch die Jägerhof-Passage im Hofgarten fährt (die dem Tunnelbau weichen soll), als auch der Schwung mit dem man mit dem Auto den Tausendfüßler hinauffährt, für einen Moment die glitzernde Stadt und den Hofgarten von oben sieht und dann sanft wieder hinabgleitet.

Baugeschichtliche, ästhetische, praktische und finanzielle Argumente sprechen für den Erhalt des Tausendfüßlers, denn sie alle bedingen eines: das Lebensgefühl Stadt, für das in Düsseldorf so gerne geworben wird.

Freitag, 24. Juni 2011

Letzte Fahrt zum Betriebshof Am Steinberg

Das Bild oben werden wir so nie wieder sehen: nach 103 Jahren wird der Straßenbahn-Betriebshof in Düsseldorf Bilk geschlossen und die rot-weißen Bahnen aus den Siebzigerjahren werden nach Krakau verkauft. Am Sonntag hatten wehmütige Düssldorfer die Möglichkeit, noch einmal mit den Bahnen zum Steinberg zu fahren und sich die wunderschönen Hallen anzuschauen, die in Zukunft als Ateliers genutz werden sollen. Zugegebenermaßen drängte sich mir vor allem eine Nutzung als Laufsteg auf, damit würde Düsseldorf Berlin in puncto Fashonweek wirklich Konkurrenz machen und ich würde mich mit meinem Jung-Label gerne dafür zur Verfügung stellen.
      Über den Verlust der Bahnen bin ich wirklich sehr traurig, geht damit doch wieder ein typisches Stück Düsseldorf verloren. In Polen ist man da einfach schlauer und ich wünsche unseren Bahnen noch ein langes Leben und gute Fahrt.
     Was den weiteren Verbleib der Hallen betrifft, so steht ein Straßenbahnmuseum zur Debatte, was sich natürlich anbietet. Die Alternative der Künstlerateliers, die in besonderem Maße ehemaligen Kunstakademie-Studenten zugutekommen würden, finde ich als Betroffene natürlich super, frage mich allerdings jetzt schon, wem man charmante Komplimente und Präsente machen muß, um auf die Warteliste gesetzt zu werden.
     Am Sonntag waren zudem Straßenbahnfans aus ganz Deutschland angereist und flankierten mit Fotoapparaten, Videokamaras und Stativen den gesamten Weg zum Hauptbahnhof. Zum Streetstyle ist zu sagen: wetterfeste Adventure-Jacken, bequemes Schuhwerk für langes Ausharren an Straßenkreuzungen, bequeme robuste Jeanshosen und Tornister für Ausrüstung und Schnittchen. So hat jede Subkultur ihren Stil, auch die Gruppe der Tramway-Spotter (s.Abb. unten).

Donnerstag, 23. Juni 2011

Skidmore Owings & Merril: Das ehemalige Amerikanische Generalkonsulat, Düsseldorf - Sunbeam in the Glasshouse

Am letzten Samstag lud der Verein 701 zu der Ausstellung "Sunbeam in the Glasshouse" in das ehemalige Amerikanische Generalkonsulat, das in der 50erjahren von Skidmore Owings & Merril in Düsseldorf gebaut wurde. In den 90erjahren wurde der Bau von den Ingenhoven-Architekten modernisiert, mit Fünfzigerjahres-Chrame muß der Besucher also nicht rechnen. Stattdessen erwartet ihn eine Gruppenausstellung, dessen Vernissage immerhin mit einem Festival der guten Laune aufgepeppt wurde, s. Abb. unten. Bis zum 17. Juli kann das Ensemble noch besichtigt werden, weitere Informationen gibt es hier: http://www.701kunst.de/.