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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Zum Tode von Gerry Anderson: Moderne en miniature




Ende letzten Jahres starb mit Oscar Niemeyer einer der phantasievollsten Visionäre der modernen Architektur. In seinen Gebäuden manifestiert sich stets ein optimistischer Glaube an eine fortschrittliche Zukunft und weit über die Grenzen Brasiliens hinaus schuf er Bilder in unseren Köpfen, die sowohl von Technikbegeisterung als auch von exotischem Glamour erzählen. Was Niemeyer entwarf, war immer groß angelegt. Was kam ihm da mehr entgegen, als für die karge Steppenregion im Zentrum Brasiliens eine neue Hauptstadt zu entwerfen, deren Großformen mit der gesamten Landschaft kommunizieren? Was Niemeyer en gros leistete, das schuf Gerry Anderson en miniature. 


Die Marionettenserien, die der Filmproduzent in den Fünfziger- und Sechzigerjahren schuf, stehen für ein Maximum an Phantasie und technischer Perfektion. Mit Serien wie "Thunderbirds" und "Captain Scarlet" entwirft er Universen, die scheinbar ganz der Coolness gewidmet sind. Immer sind Agenten im Spiel, futuristische Fahrzeuge, spektakuläre Rettungsaktionen, trockener Humor und nicht umsonst fühlt man sich stark an James Bond Filme erinnert. Er versammelte ein Team von Experten um sich, das auf der Basis der Arbeit in Andersons Produktionsfirma Century 21 Productions auch im Maßstab 1:1 erfolgreich war, wie beispielsweise Derek Meddings, der seine Erfahrungen im Bereich von Modellbau und Explosionen in diverse Bond-Filme mit einbrachte. Art Director Bob Bell dagegen war für den Look von dreizehn Folgen von “Mit Schirm, Charme und Melone” verantwortlich.
Neben all der Technik und den perfekt animierten Marinonetten (Anderson erfand ein Verfahren namens „Supermarionation“) spielen in all seinen Serien immer die Architektur und die Ausstattung eine Hauptrolle. Tatsächlich wollte Anderson ursprünglich Architekt werden und gelangte erst auf Umwegen und über die Fotografie in die Filmbranche. Tatsächlich wurden Andersons Serien für das Kinderprogramm gedreht.

Gerry Anderson ist es hoch anzurechnen, den coolen Look der Sechzigerjahre und seinen unfassbaren Sinn für Architektur, Mode und Möbeldesign Kinderserien zugrunde zu legen und wer weiß, wie vielen Generationen von jungen Zuschauern er auf diese Weise ein gewisses Stilempfinden mit auf den Lebensweg gegeben hat.

Der Visionär der Moderne im Miniaturformat starb am 26. Dezember 2012, nur einige Tage nach Oscar Niemeyer.