MODE KUNST ARCHITEKTUR
Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.
Freitag, 17. Juni 2011
Die Stewardess
Sonntag, 5. Juni 2011
Flüssiges Silber
Während in Krefeld die Seide hergestellt wurde, die in der Modestadt Düsseldorf präsentiert und verkauft wurde und sich die Stoff-Fabrikanten Star-Architekten ins Haus holten, wie wir im letzten Beitrag gelesen haben, experimentierte zur gleichen Zeit in Paris die Modedesignerin Madelaine Vionnet mit geometrischen Formen und Drapierungen. Das Schrägschnittverfahren, das sie dabei entwickelte, also das Auflegen der Schnittmusterteile diagonal zum Fadenverlauf, gibt dem Stoff Elastizität und ermöglicht es ihm, den Körper der Trägerin weich zu umfließen.Fasziniert von der unglaublichen Eleganz des Hauses Vionnet entwarf sich die damals noch junge Militärschneiderin, die unter dem Kommandonamen Frau Zett agierte, ein Abendkleid, das mit seinem metallischen Look an die allgemeine Maschinenbegeisterung der Zwanzigerjahre anschloß.
Als die modernen Architekten nach und nach das Land verließen, blieb ihr nichts übrig, als den Schiffen hinterher zu schauen und sich insgeheim auf neue Missionen vorzbereiten - die Luftfahrt. Fortsetzung folgt.



Fotos: M. ZimmermannKleid: Scissorella, 2002
Freitag, 3. Juni 2011
Mies van der Rohe: Verseidag-Gebäude in Krefeld
Nachdem Mies van der Rohe für die beiden krefelder Seidenfabrikanten Esters und Lange jeweils eine Villa gebaut hatte (Link), bekam er im jahr 1931 zusätzlich den Auftrag, für deren Weberei, den Vereinigten Seidenwerken AG, kurz Verseidag, ein Produktions- und Verwaltungsgebäude zu entwerfen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Veseidag-Werk stark zerstört und in den Siebzigerjahren stark umgebaut. Nach der Ernennung zum Denkmal im Jahr 1999 konnten die Gebäude schließlich in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.Vor kurzem machte ich mich an einem sehr windigen Tag mit dem Fahrrad auf den Weg, um mir die Weberei-Anlage mal anzuschauen. Tatsächlich befinden sich die Verseidag auch heute noch in den Gebäuden, d.h. ein Großteil der Firma liegt gegenüber auf der anderen Seite des Girmesgarth. Um den restaurierten Kern der Anlage herum befinden sich diverse weitere Fabrikationshallen, die mittlerweile allerdings leer stehen. Es schien, als seien die Hallen erst kürzlich verlassen worden, hing doch noch eine Fahne der letzten Fußball-WM über allem. Immer wieder riß der Sturm die Wolkendecke auf und versetzte das Ensemble in gleißendes Mittagslicht, sodaß eine ganz merkwürdige Atmosphäre über Mies van der Rohes Industriebauten lag.



Dienstag, 31. Mai 2011
Die Militärschneiderin
Beim Durchblättern meines umfangreichen Archivs bin ich zu dem Entschluß gekommen, daß ich dieser Stelle einmal etwas intensiver auf meinen bisherigen Werdegang eingehen muß. Nachdem ich hier vor allem von meinen Missionen im Weltall, meinen Einsätzen auf den Dachterrassen der Welt und der ewigen Suche nach Formen, Oberflächen und Materialien berichte, blieben doch bisher die Ursprünge meiner Tätigkeit als Agentin völlig im Unklaren, genau so, wie es eigentlich auch sein sollte. Trotzdem möchte ich Euch das folgende Bildmaterial nicht weiter vorenthalten. Die Fotos stammen aus der Zeit, als ich noch nicht der Gravitation entkommen war und unter der Tarnung der charmanten Militärschneiderin von Einsatz zu Einsatz reiste.Das Kostüm nähte ich im Jahr 2002 aus einer Militär-Zeltplane, wobei ich viele Elemente dieser Plane dirket übernehmen konnte. Beispielsweise war die Knopfleiste der Jacke ursprünglich der Zeltrand und ich konnte die Nieten als Knöpfe verwenden. Die Ärmel dagegen stammen aus dem Material des Beutels, in dem das Zelt transportiert wurde, also habe ich die Tunnelzüge übernommen und die Ärmel um Taschen ergänzt. Die Knöpfe des Rocks sind ebenfalls Nieten die sich ursprünglich an der Plane befanden, die dann aber mit Muttern an ihre engültige Position geschraubt habe. Auch die Schuhe müssen hier Erwähnung finden, und zwar handelt es sich dabei um ein gutes Deichmann-Modell, das ich mit pinkfarbenem Stoff bezogen habe. Auf Abb.1 seht Ihr zusätzlich den Koffer meiner Militär-Nähmaschine.









Auch damals schon legte ich Wert darauf, daß die Übergabe von geheimen Dokumenten an architektonisch reizvollen Orten stattfand, wie hier vor dem Mosaik von Jan Thorn-Prikker am Museum für Wirtschafts- und Gesellschaftskunde, dem heutigen NRW-Forum.Fotos: M. Zimmermann
Dress: Scissorella
Montag, 30. Mai 2011
En face: Coole Fassaden aus den Sechzigerjahren
Vor Jahren organisierte ein Bekannter von mir eine Ausstellung bei sich zu Hause und war dabei besonders stolz auf ein großformatiges Foto des düsseldorfer Kaufhofs auf der Berliner Allee, bei dem alle störenden Elemente wie Schilder und Leuchtreklamen mühsam mit Photoshop entfernt worden waren. Hier sollte ganz alleine die Schönheit der Fassade wirken. Daran muß ich immer denken, wenn ich in Krefeld an der dortigen Kaufhof-Filiale vorbeikomme. Jeglich Art der Bildbearbeitung kann man sich dort tatsächlich sparen: das Gebäude steht seit einiger Zeit leer und das typische Muster der Fassade kommt ungestört zur Geltung. 

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| Woolworth in Arnsberg, Sauerland |
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| Duisburg Rheinhausen, Ecke Friedrich-Ebert-Straße und Beethoven-Straße |
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| Grayhound-Station, Downtown Las Vegas; Nevada |
Samstag, 28. Mai 2011
Lightbox demontiert; Architekturpreis Beton 2011 im K21, Düsseldorf
Gute Architektur bewahrt ihre Schönheit auch wenn alle schmückenden Elemente abgebaut wurden.Auf dem Weg zur Verleihung des Architekturpreises Beton 2011 am 25. Mai kam ich an der halbdemontierten Lightbox auf dem Graf-Adolf-Platz vorbei und neben der Bestürzung darüber, WIE temporär der Schwarzkopf-Pavillon tatsächlich sein sollte, befiel mich dennoch auch auch eine gewisse Begeisterung über die Schönheit und Klarheit der Konstruktion. Die bisher innenliegende zweite Treppe war durch die Demontage der Lichtelemente zum Vorschein gekommen und die Verbindung von schwarzen Stahlträgern mit den weißen Trapezblechen der Decken weckte doch wieder gewisse Assoziationen bei mir: Prefab-Villen in Hanglage, vorzugsweise mit Pazifik-Blick.
Die Preisverleihung im K21, dem Ständehaus, war ebenfalls höchst interessant: Luzia Braun, mit deren Aspekte-Sendungen ich aufgewachsen bin, stellte den ausgezeichneten Architekten auf humorvolle Weise sehr direkte Fragen. Dadurch wurden über mehrere Stunden hinweg die wirklich wichtigen Fragen des Lebens diskutiert, z. B. ob Architektur didaktisch sein sollte, was im Zusammenhang mit der Renovierung des berliner Bode-Museums klar verneint wurde: hier gehe um Schönheit. Die Rekonstruktion historischer Bauten war ein Thema, und ob man, wie beim Naturkundemuseum in Berlin, Elemente eines Gebäudes abgießen und mit den noch vorhandenen Elementen verbinden darf, aber auch wie mie man überhaupt derartig große Betonteile transportiert und paßgenau aneinander setzt. Der Marco-Polo-Tower in Hamburg wurde zusammen mit der Frage diskutiert, in wie weit man mit einem sowohl sehr auffälligen als auch sehr kostspieligen Gebäude in die über Jahre gewachsene Struktur einer Stadt eingreift. Hier wurden Parallelen zu der Entwicklung in düsseldorfs Hafen und dem neuen Hyatt Hotel deutlich. Was mich ebenfalls fasziniert hat, war die Überlegung, eine Schule schon von vornherein so anzulegen, daß man sie in 15 Jahren auch noch für einen anderen Zweck nutzen kann, wenn die Anwohner eines Gebiets mit dem Gebäude mitgealtert sind.Die Festrede von Dr.- Ing. Wolfgang Voigt vom Deutschen Architekturmuseum Frankfurt am Main verdeutlichte abschließend am Beispiel von Paul Bonatz, wie wenig die Baukunst im allgemeinen Bewusstsein verankert ist. Im Gegensatz zu dessen umfangreichen Werk sei Bonatz erst jetzt durch den Stuttgater Bahnhof in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt.
Die Verbindung von ästhetischen mit technischen Fragestellungen sorgten für einen spektakulären Galaabend und es war sehr erfreulich, das Material Beton so intensiv gepriesen zu sehen.
Samstag, 7. Mai 2011
The Third and the Seventh: Ein Film von Alex Roman
The Third & The Seventh from Alex Roman on Vimeo.
Selten habe ich einen Film gesehen, der so präzise meine gesamte Geistetshaltung repräsentiert wie "The Third and the Seventh" von Alex Roman. Ich bin ausgesprochen froh, daß mein Bruder das phantastische Werk des Spaniers aus dem Jahr 2009 kürzlich im Internet fand.
In atemberaubend schönen Bildern, die bis auf wenige Ausnahmen computergeneriert sind, zeigt uns Roman seine Sicht auf seine Lieblingsbauwerke, wir begegnen u.a. dem Barcelona Pavillon und der Philip Exeter Libary von Louis Kahn. Es geht um den Blick des Fotografen auf die Architektur, worauf sich auch der Titel des Films bezieht, sind doch von den sieben Künsten die dritte und die siebte die Architektur und die Fotografie.
Es ist so großartig, zu sehen, daß Alex Roman nicht nur in technischer Hinsicht ein Genie ist, sondern auch einen unglaublichen Sinn sowohl für das Komponieren von Bildern als auch für die Gebäude selbst hat. Und dieses unglaubliche Licht!
Erhaben ist einfach der Moment, in dem ein Düsenjet über Gehrys Guggenheim Museum fliegt, man "Oh, Gattaca!" denkt und dann Michael Nymans Musik einsetzt - Schnitt - Beton und Neonlicht. Einfach der Wahnsinn. Es folgen weitere Greenaway-Anspielungen (denn wir wissen ja, daß bei "Gattaca" Michael Nyman nicht das einzige Mitglied der ursprünglichen Greenaway-Besetzung war), z.B. sehen wir immer wieder die Kamera auf ihrem Stativ zwischen uns und dem Bauwerk stehen, eine deutliche Anspielung auf Greenaways "Kontrakt des Zeichners", die Kamera vor dem weißen Sofa erinnert an eine Szene aus dem "Bauch des Architekten", in der Kracklite die Schwester seines Kontrahenten in deren Fotostudio besucht, bis hin zu Romans fulminanter Schlußeinstellung, in der zahllose Buchseiten durch Louis Kahns Bibliothek fliegen und man an "Prosperos Bücher" denkt.
Greenaway sagte schon vor geraumer Zeit, daß das Kino, wie wir es kennen, tot ist und er die Zukunft in rein artifiziellen Filmen sieht. In Alex Roman hätte er einen künstlerischen Partner, der seine Bildwelt versteht und in der Lage ist, Greenaways Ideen in einer absolut zukunftsweisenden Technik umzusetzen. Eigentlich sollte man mal ein Treffen zwischen den beiden arrangieren, der Weltgeist wäre sicher dankbar.
Freitag, 29. April 2011
Ruhr Universität Bochum
Wer mal wieder einen Ausflug in die Zukunft machen will und auf Städte wie Brasilia und Chandigarh steht, die die fernab von allem ins Nichts gebaut wurden, dem empfehle ich dringend, der Universität Bochum einen Besuch abzustatten. Anlegestellen für Luftschiffe und Landeplätze für Helikopter sind reichlich vorhanden, getreu dem Motto "Straßen? Wo wir hinfahren brauchen wir keine Straßen."Der Gebäudekomplex stammt aus dem Hause Hentrich, Petschnigg und Partner, dem düsseldorfer Traditionsunternehmen von dem ich kürzlich berichtet habe, und wurde im Jahr 1965 eroffnet, fünf Jahre nach der Fertigstellung des Dreischeibenhauses in Düsseldorf durch die gleichen Architekten.
Was mich bei meinem Besuch sehr fasziniert hat, das war die Tatsache, wie sehr die einzelnen Baukörper ineinander und übereinander verschachtelt sind, sich in unzähligen Ebenen über den steilen Hang gruppieren und so immer wieder neue Aussichten bieten. Der Werkstoff Beton kommt in großen Flächen wunderbar zur Geltung und wird im Innenraum von phantastisch minimalistischen Neonröhren beleuchtet.







Samstag, 16. April 2011
Lightbox: Eröffnung mit Karl Lagerfeld


Am Abend des 14. 4. erschien Lagerfeld zusammen mit Muse Baptiste und Frau Ferres zur feierlichen Eröffnung des Pavillons, nachdem bereits Frau Henkel, Frau Padberg und Herr Elbers den schwarzen Teppich beschritten hatten.
Mittwoch, 13. April 2011
Schwarzkopf Lightbox by Karl Lagerfeld
Am unteren Ende der Königsallee befindet sich zur Zeit ein Pavillon, der inmitten von Baustellen und schwerem Gerät Einblicke in die großangelegte Planung des Kö-Bogens bieten soll und eher an einen Baucontainer erinnert. Am oberen Ende der Allee herrscht dagegen pure Eleganz. Mit der Lightbox begegnen wir am Graf-Adolf-Platz einem temporären Bauwerk, das dem Begriff Pavillon alle Ehre macht. Anlässlich des Eurovision Songcontests, der im Mai in Düsseldorf stattfindet und dessen Hauptsponsor und Beautypartner die Firma Schwarzkopf ist, wurde das Gebäude nach einem Entwurf von Karl Lagerfeld in kürzester Zeit errichtet. Als Ausgangspunkt für die Silhouetten, die Lagerfeld für die von 360 Leuchtstoffröhren beleuchteten Außenhaut entworfen hat, diente ihm das Firmenemblem von Schwarzkopf, das sich nun u.a. in der Gesellschaft von Lagerfelds Muse Baptiste und dem Profil des Meisters selbst präsentiert. Der Pavillon dient Schwarzkopf als Concept Store, beinhaltet einen Hair Salon und soll darüber hinaus Raum für Aktionen wie Parties und Styling Nights bieten. Realisiert wurde Lagerfelds Idee von den HPP Architekten Düsseldorf und man sieht dem Kubus seine kurze Bauzeit nicht an. Mit seiner wunderbar strengen und transparenten Konstruktion aus schwarzen Stahlträgern und großen Glasflächen fügt er sich elegant in das Stadtbild ein und es ist ein genialer Griff, die Lichtbänder, die sich schon seit einigen Jahren auf dem Gelände befinden, in das Konzept der Lightbox mit einzubeziehen. Ab diesem Samstag, dem 16. April, ist der Schwarzkopf Store für die Öffentlichkeit zugänglich und wird noch bis zum Eurovision Songcontest am 14. Mai bestehen.
Ich wünsche der Lightbox, daß sie noch an vielen Orten der Welt zum Einsatz kommt und sich der Begriff „temporär“ noch auf eine lange Zeitspanne bezieht.


Der Architekt Wolfgang Miazgowski









