MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Los Angeles: Valerie Schmidt fotografiert Kleider von Scissorella



Meine spektakuläre Reise nach Los Angeles jährt sich nun schon zum zweiten mal. Damals nahm ich zusammen mit Kunst-, Design-, Tanz- und Musikstudenten aus Paris, Los Angeles und dem Ruhrgebiet an einem Austauschprogramm teil, das uns im Oktober 2009 ins Calarts College Los Angeles führte. Die Fotografin Valerie Schmidt machte in diesem Rahmen mehrere wunderschöne Aufnahmen von Tänzerinnen, die Entwürfe von mir trugen. Nachdem ich die Fotografien nun zwei Jahre lang wie einen Schatz gehütet habe, ist es höchste Zeit, sie endlich zu veröffentlichen.
http://valerieschmidt.de/ http://www.valerieschmidt.de/






Dienstag, 11. Oktober 2011

Was machen eigentlich meine Luft- und Raumfahrt-Projekte?

Über mein aktuelles Projekt verrate ich nur, daß ich zur Zeit die Kostüme für meinen nächsten Kurzfilm entwerfe und antfertige, der natürlich nur an ausgewählten Originalschauplätzen im Weltraum gedreht wird. Alles weitere ist zunächst streng geheim.

Montag, 10. Oktober 2011

Hermann Fehling: Paul-Gerhardt-Kirche 1961/62, Berlin Schöneberg


Bei meiner letzten Berlinreise fuhr ich eines Tages mit dem Fahrrad in Schöneberg die Hauptstraße entlang und befand mich eigentlich gerade auf dem Weg zum Bierpinsel und zu der Siedlung Obnkel Toms Hütte, die beide im Südwesten Berlins liegen, als mir plötzlich ein ganz unglaubliches Gebäudeensemble ins Auge fiel, das mich abrupt meine beschwingte Fahrt unterbrechen ließ.

Unweit des schöneberger Rathauses gruppieren sich diagonal über die Ecke eines Häuserblocks mehrere phantastisch ineinander verschachtetelte Betonbauten, allesamt Gebäude der evangelischen Kirche. Dabei fällt auf, wie die modernen Gebäude offensichtlich nach Kriegsschäden in die ältere Bausubstanz integriert wurden. So wurde Anfang der Sechzigerjahre neben der ursprünglich vorhandenen Dorfkirche Schöneberg eine neue, spitzwinklige Kirche angelegt, deren Seitenwand in die Wand eines viel älteren Wohnhaus übergeht; eine weitere, dritte Kirche besteht sogar aus dem alten Schiff der Ursprungskirche, das nach dem Krieg mit wild expressionistisch wirkenden Elementen wieder vervollständigt wurde. Je weiter man in das verwinkelte Arrangement hineingezogen wird, desto mehr spektakulär skulpturale Details entdeckt man, beispielsweise trifft das Wasser, das die Regenrinne der vorderen Kirche entlangrauscht, auf einen Betonwinkel, sodaß es dort elegant in den Boden abgeleitet wird.

Die Bauten an der Hauptstraße 48 stammen von Hermann Fehlign (einem Schüler von Mendelsohn und Scharoun), Daniel Gogel und Peter Pfannkuch, weiter Informationen gibt es hier: Fehling und Gogel
Die Weite des Areals erfährt man erst, wenn man den schmalen Durchgang unter einer Dienstwohnung hindurch passiert, die sich unterhalb des Kirchturms befindet.
Das Wasser aus der Regenrinne trifft auf einen scharfkantigen Betonblock und wird somit elegant abgeleitet.
Das nach dem Krieg erhaltene Schiff der Kirche auf der Rückseite des Areals wurde durch moderne Betonelemente ergänzt.


Samstag, 1. Oktober 2011

Klaus Kirsten: Rotaprint, 1957 - 59, Berlin Wedding

 
Nach all den Berichten über Bauten, die sich in akuter Gefahr befinden, abgerissen zu werden oder zu verfallen, möchte ich Euch nun einmal ein Beispiel vorstellen, bei dem es einer engagierten Gruppe von Künstlern tatsächlich gelungen ist, ein ganz außergewöhnliches Gebäudeensemble zu retten. 

Als die Leitung der 1904 gegründeten Druckmaschinenfirma Rotaprint in den 50erjahren beschließt, ihre Verwaltungsgebäude neu zu gestalten, entscheidet man sich für den jungen Architekten Klaus Kirsten. Dieser entwirft daraufhin zwei markante Betontürme aus phantastisch ineinander verschachtelten Elementen, Büro- und Werkstattgebäude.

Mit dem Aufkommer des Fotokopierers gerät Rotaprint in den 80erjahren in die Krise und muß 1989 Konkurs anmelden. Künstler entdecken der Wert des Ensembles und mieten sich in die Räume der ehemaligen Fabrik ein, und ist es der jahrelangen Iniziative der Mieter zu verdanken, daß Kirstens Werk schließlich unter Denkmalschutz gestellt und erhalten wird. Wer die gesamte Geschichte der Firma Rotaprint lesen möchte und sich für die Rettung und Umnutzung der Gebäude interessiert, der klicke bitte hier: http://www.exrotaprint.de/

Im Hansaviertel befinden sich darüber hinaus zwei weitere Gebäude von Klaus Kirsten, und zwar handelt es sich dabei um Bungalows, die im Rahmen der Interbau 1958 entstanden, die Fotos davon kommen in einem der nächsten Berichte.

 




Sonntag, 25. September 2011

Cloud Cities: Tomás Saraceno im Hamburger Bahnhof, Berlin


Passend zum letzten Bericht über die geodätischen Kugeln sandte mir Berlin-Korrespondentin Yasemin kürzlich Fotos von der Eröffnung der Ausstellung Cloud Cities im Hamburger Bahnhof zu. Dort hat Tomás Saraceno eine luftige Welt aus filigran versponnenen Schnüren und riesigen transparenten Kugeln geschaffen, und schließt sich damit an seine bisherigen Arbeiten an, beispielsweise an Bündel fliegender Luftkissen oder eben Kugeln, die alleine aus einem Netz geschickt verknoteter Schnüre bestehen.

Mittwoch, 14. September 2011

Kalter Krieg


Die hier dokumentierte Mission ist so geheim, daß ich weder Namen noch Orte erwähnen werde. Es sei nur so viel verraten, daß es sich bei den Gebäuden um eine Flugüberwachungs- und Spionageabhöhranlage handelt, die die Amerikaner im Kalten Krieg im Grunewald errichtet haben. Unter den mittlerweile stark zerstörten geodätischen Kugeln befanden sich ursprünglich die Antennen, mit denen der Luftraum überwacht wurde. Von 1957 an wurde der aus Kriegsschutt entstandene Berg von verschiedenen Geheimdiensten genutz, zuletzt auch als Flugsicherungs-Radarstation für die zivile Luftfahrt (1991 bis 1999). In den Anfangszeiten arbeitete  man noch mit mobilen Radargeräten, im Verlauf der 60er- bis hin zu den 80erjahren entstanden dann nach und nach die verschiedenen Dauerbauten, wie z.B. das mit einem Turm gekrönte Radargebäude von 1969 - 72, das insgesamt drei der markanten, folienbespannten Kugeln trägt.

Die ganz besondere Situation Berlins wird einem vor allem auf dem großen Radarturm bewusst, wenn man auf der einen Seite nur Wälder und Seen liegen sieht und auf der anderen Seite einen spektakulären Blick auf das Internationale Congress Centrum, den Funk- und den Fernsehturm hat.



Sonntag, 4. September 2011

Der Müggelturm in Köpenick, 1961

 
Noch in diesem Monat wird der 50. Geburtstag des Müggelturms gefeiert, aber tatsächlich reicht die Geschichte dieses bis heute beliebten Ausflugsziels im Wald von Köpenick noch viel weiter zurück.

Bereits im Jahr 1880 wurde auf dem Kleinen Müggelberg ein erster Aussichtsturm aus Holz errichtet, der 1889 auf 27 m aufgestockt wurde. So konnten die Besucher den phantastischen Rundum-Blick genießen, auf den Großen Müggelsee und den Langen See, über die Wälder hinweg bis nach Berlin. Von Anfang an erfreute sich der Turm aufgrund seiner verwunschenen Lage mitten im Wald und des spektakulären Ausblicks einer riesigen Begeisterung bei Wanderern und Ausflüglern. Im Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Funkturm. Als 1945 die Russen kamen, wollten die Deutschen den Turm sprengen, und nur das beherzete Eingreifen des Gastwirts, der die Sprengkabel durchschnitt, rettete das Bauwerk. Sein Schicksal ereilte den Holzturm dennoch, als er im Jahr 1958 bei Renovierungs- und Schweißarbeiten in Flammen aufging. Noch im gleichen Jahr fand ein Wettbewerb zur Gestaltung eines neuen Turms statt, den ein Studentenkollektiv der Kunsthochschule Berlin Weißensee gewann. In der Silvesternacht 1961 fand dann die feierliche Wiedereröffnung des Müggelturms statt, der nun um diverse Sonnenterrassen und ein neues Ausflugslokal erweitert war.



Die Erfolgsgeschichte des Turms ging weiter bis zur Wende. Seitdem verfällt die Anlage und die Versuche, die Situation zu retten, scheitern allesamt. Es ist wie bei so vielen Gebäuden Berlins: Investoren kommen und gehen aber nichts geschieht. Oder schlimmer noch: in unkontrolliertem Aktivismus wird das, was noch funktioniert, herausgerissen, der Verputz abgeklopft, und dann die Baustelle verlassen und Witterung und Vandalismus ausgesetzt.

Daß der Müggelturm bis heute bewirtschaftet wird, ist das Verdienst von András Milak. Seit 15 Jahren fährt er täglich zu seinem Turm und betreibt dort einen Kiosk. Aber ganz so einfach ist die Situation nicht. Immer wieder wird in seinen Laden eingebrochen, das Ordnungsamt moniert den fehlenden Wasseranschluß, und 2010 wird der Kiosk sogar in Brand gesteckt. Zudem muß Herr Milak eine nicht geringe Miete an den jetzigen Besitzer des Turms zahlen, obwohl er selbst es ist, der den Turm eisern bewacht, im Gegensatz zu dem Besitzer, dessen Leistung darin besteht, das Areal verkommen zu lassen.


Zu meiner großen Freude traf ich Herrn Milak nach meiner stundenlangen Radtour von Neukölln zum Müggelturm in seinem neu errichteten Kiosk vor Ort an und er erzählte mir bereitwillig die Geschichte des Turms und von seinem Kampf darum, weiterhin den Besuchern ein schönes Ausflugserlebnis zu bereiten. Neben all den beschriebenen Querelen ist es Milaks größte Sorge, daß durch die immer wieder vorkommenden Einbrüche und Verwüstungen und der Berichterstattung darüber in den Medien der Eindruck entsteht, der Müggelturm sei mittlerweile endgültig verlassen und der Kiosk aufgegeben.

Somit soll auch der nun anstehende 50. Geburtstag des Neubaus von 1961 groß gefeiert werden, und zwar vom 25. September an bis zum Ende des Jahres. Übrigens traf ich auf der Aussichtsplattform des Turmes auch einen Herrn mit Enkel, der mir berichtete, daß er sogar noch den Holzturm gekannt hat. Bei seiner Erzählung kam deutlich heraus, wie sehr die Köpenicker an ihrem Müggelturm hängen, und steht man dort oben auf der Plattform, inmitten des Waldes und sieht über die glitzernde Seenlandschft hinweg bis zum Fernsehturm, so versteht man die unzerstörbare Anziehungskraft dieses ganz besonderen Ortes.

Herr András Milak vor seinem Shop

Dienstag, 23. August 2011

Z 9: Eine audiovisuelle Klanginstallation von Abel, Carlo und Max Korinsky; Berlin



Wer zur Zeit an lauen Sommerabenden die Friedrichstraße entlang schlendert und an der Brücke über die Spree stehenbleibt um den Panoramablick über das Bodemuseum bis hin zum Fernsehturm zu genießen, der mag sich fragen, was da in den alten Universitätsgebäuden direkt am Ufer vor sich geht. Hinter dem dichten Blättervorhang aus Weinlaub, der die gesamten Backsteinbauten überzieht, leuchtet es aus einem merkwürdig schief sitzenden Fenster geheimnisvoll grün hervor. Man überquert die Brücke und biegt beim Grill Royal in den Fußweg ein, um der Sache auf den Grund zu gehen, aber anstatt sein Geheimnis preiszugeben, wird der Ort nur noch mysteriöser. Plötzlich hört man ein leises Knistern, es nimmt zu und wieder ab, knarzt und knackt. Nur einige wenige Meter entfernt von der verkehrsumtosten Hauptschlagader Berlins, der Friedrichstraße, befindet man sich wie in einem märchenhaften Reich direkt an der Spree.


Hinter der audiovisuellen Klanginstallation namens „Z9“ stehen die Brüder Abel, Carlo und Max Korinsky, drei Künstler aus Nordrhein Westfalen, die vor kurzem in Wuppertal eine alte Hebebühne bespielt und nun ihren Tätigkeitsbereich nach Berlin verlegt haben. Bei ihren Streifzügen durch die Stadt entdeckten sie eines Tages das verlassene Hörsaalgebäude der Klinik für Chirurgie, Augen- und Ohrenheilkunde und bald reifte der Wunsch, ein Projekt zu der ganz besonderen Atmosphäre und Lage dieses Orts zu durchzuführen.

Am Freitag, dem 19. August hatte ich das große Vergnügen, der Einweihung der Installation beizuwohnen, und wer sich bis Ende September in der Hauptstadt aufhält, sollte sich unbedingt selbst ein Bild von Z9 machen. Wer diese Möglichkeit nicht hat, dem empfehle ich die Performance der Korinskys im Rahmen der Ausstellung „Love and Hate Wuppertal“ im neuen Kunstverein Wuppertal. (23.09. - 6.11. 2011). Weitere Informationen gibt es hier: www.korinsky.com



Fotos: Max Korinsky

Freitag, 19. August 2011

125 Jahre Mies: Party in van der Rohes Haus Lemke in Berlin am 13. August 2011


Am letzten Samstag machte ich mich auf den Weg nach Berlin, um zusammen mit Yasemin den 125. Geburtstag von Mies van der Rohe zu feiern, und zwar standesgemäß in Haus Lemke. Bei dem L-förmigen Flachdachbau handelt es sich um das Letzte Wohnhaus, das der Architekt in Deutschland baute, bevor er im Jahr 1938 nach Amerika auswanderte.

Ich hatte mich schon seit Wochen auf das Geburtstags-Picknick gefreut, das mit allerhand "miesen" Wortspielen auf der Baunetz-Seite angekündigt wurde. Es sollte u.a. mies getanzt werden, Miesmuscheln den See schmücken, der an den Garten der Lemkes grenzt, und es sollte ein mieses Ratespiel stattfinden. All dies wurde von den Organisatoren tatsächlich umgesetzt und zusätzlich empfing uns ein ganz phantastischer Sommerabend, als wir den Garten mit unserer Picknick-Ausrüstung betraten. Wir waren wie die Wahnsinnigen mit unseren Fahrrädern durch die Stadt gerast um noch ein paar goldene Sonnenstrahlen auf den Backsteinmauern zu erhaschen und wurden nicht enttäuscht. Überall im Garten hatten Mies' Geburtstagsgäste ihre Picknickdecken ausgebreitet, es knallten die Korken um auf den Meister anzustoßen und getanzt wurde ganz und garnicht mies.

Erst im Laufe des Abends wurde mir bewusst, wie außergewöhnlich es ist, sich auf ein derart großes und sogar an einem See gelegenen Grundstück ein so verhältnismäßig kleines Haus wie dieses zu bauen. Der Grundgedanke liegt meiner Meinung nach darin, die Gartenlandschaft und das Licht vollkommen wirken zu lassen und durch nichts zu stören. Das gesamte Haus ist nach dem See und dem riesigen Baum ausgerichtet, der vielleicht schon vor 80 Jahren eine gewisse Größe hatte, und um den (auch hier) immer wieder erwähnten fließenden Übergang zwischen innen und außen zu erreichen, besteht die gesamte Gartenseite von Haus Lemke aus einer Fensterfront. Und tatsächlich herrschte auf dem gesamten Areal diese ganz besondere Atmosphäre, die dann entsteht, wenn man genau weiß, daß der Erbauer eines Hauses dessen Formen und Materialien perfekt in die Landschaft, den Geruch der Pflanzen und den Einfall des Sonnenlichts eingepasst hat.