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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Donnerstag, 27. August 2015

Paul Schneider von Esleben - Wie man in Düsseldorf mit drei Ausstellungen an drei Orten den 100. Geburtstag des Architekten glamourös gefeiert hat



Am 23. August herrschte in Düsseldorf perfektes Segelwetter. Das intensive Sonnenlicht spiegelte sich in den scharfen Edelstahlkanten und Fensterflächen des Mannesmannhochhauses, das sich so in seiner eleganten schmalen Form beinahe schon überdeutlich vom tiefen Blau des Sommerhimmels abhob. Hunderte von Besuchern waren an diesem Sonntagvormittag in das Foyer des Bürogebäudes an der Rheinuferpromenade geströmt, um einen großartigen, runden Geburtstag zu feiern. Der Düsseldorfer Architekt Paul Schneider von Esleben wäre am 23. August einhundert Jahre alt geworden (Link).


Architektur als Gesamtkunstwerk
Die Architektur ist eine Kunstform, die viele verschiedene Kunstarten zusammenbringt und miteinander verbindet. Dazu bedarf es einer etwas umfassenderen Sicht auf die Welt, auf die Kunst und natürlich auch auf die Technik. PSE, wie man ihn heute noch gerne nennt, war so ein Architekt, der alles, was er tat, mit einem künstlerischen Blick betrachtete und zu einem großen Ganzen zusammensetze. Dazu besaß er aber auch den nötigen Unternehmergeist, um über Jahrzehnte hinweg Großprojekte umzusetzen. Er zeichnete, karikierte, notierte, entwarf Schmuck, gestaltete Möbel und hinterließ  Häuser, die dem Ideal des Gesamtkunstwerks entsprechen, bis hin zur ganz großen Inszenierung seines eigenen, glamourös wirkenden Lebens. 

Jetset mit Schneider-Esleben 
Zu seinen Gebäuden und zu seinem Leben gehörten dabei immer auch die Mobilität und die Geschwindigkeit. Nachdem er in den späten Sechzigerjahren den Flughafen Köln-Bonn (Link) entworfen und dabei die Möglichkeit geschaffen hatte, so nah wie niemals zuvor mit dem Auto an ein Flugzeug heran fahren zu können, wurde er dort bald regelmäßiger Fluggast und erhielt den Beinahmen Schneider-Jetleben. Begonnen hatte er seine Karriere mit dem Entwurf für ein gläsernes, filigran wirkendes Parkhaus mit angeschlossenem Motel, Shuttleservice und einem leider nicht umgesetzten Hubschrauber-Landeplatz – die Hanielgarage (Link).   Der Architekt und Weggefährte Werner Ruhnau gab später zu, dass er PSE damals sehr um sein Mercedes Cabrio 220 SL beneidet hätte. Nachdem die intensivste und eleganteste Möglichkeit, das Cabriofahren und das Fliegen miteinander zu verbinden, im Segeln liegt, trat PSE im Jahr 1964 in den Kieler Yachtclub ein und  entwarf sich sein eigenes Segelboot, das er nach seiner Tochter Tina benannte. Zu Schneider-Eslebens Jetset-Leben gehörte in späteren Jahren dann auch ein Haus an der Küste der Provence, das aufgrund seiner geschwungenen Formen „Haus Octopus“ genannt wurde. 

Mit Claudia Schneider-Esleben und dem Kurator der PSE-Ausstellung, Paul Andreas (Foto: Ellen Heyer)

Eröffnung der PSE-Ausstellung des M:AI im Foyer des Mannesmannhochhauses































PSE: Der 100. Geburtstag
Um den Geburtstag eines so vielschichtigen Künstlers zu feiern, reicht ein Tag gar nicht aus, auch wenn man ihn mit gleich drei Ausstellungseröffnungen begeht. Man benötigt Wochen, im Idealfall Geburtstagsfestwochen.

Am Vormittag des 23. August wurde also zunächst der erste Teil der Ausstellung „Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne“ des M:AI (Link) eröffnet, um dann seine Fortsetzung am Mittag in der Architektenkammer NRW zu finden. Im Beisein von PSEs Tochter Claudia Schneider-Esleben, die maßgeblich am Entstehen der Ausstellungen beteiligt war, weiteren Verwandten, ehemaligen Mitarbeitern, Weggefährten wie Nikolaus Fritschi, Künstlern wie Mischa Kuball und zahllosen Anhängern und Fans feierte man PSEs Geburtstag angemessen elegant im mit schwarzen Granit ausgekleideten Foyer des Mannesmannhochhauses. Dabei wehte tatsächlich, sobald sich die gläsernen Schiebetüren öffneten, der warme Segelwind ins Gebäude, und die Geburtstagsgesellschaft machte sich schließlich mit den modernen Otis-Aufzügen auf den Weg nach oben in die 21. Etage. Nur ein Gast blieb dabei im Foyer zurück: die eigens aus dem ehemaligen Commerzbank-Gebäude herbeigeholte, dickblättrige Grünpflanze, die in ihrem von PSE entworfenen Kübel der schwarz-weißen Geradlinigkeit der Eingangshalle das exotisch-opulente Gegengewicht verlieh.


Die Identifikation der PSE-Anhänger mit den Entwürfen des Architekten ging so weit, dass man auch seine Garderobe darauf abstimmte. Meine Freundin Ellen und ich bezogen uns beide mit unseren Outfits auf die Hanielgarage (Link), Ellen hinsichtlich der Farbe Türkis und ich in Bezugnahme auf die Transparenz und die Offenlegung der Konstruktion. (Foto: Oliver May)


Blick aus der 21. Etage des Mannesmannhochhauses


Teil zwei der Ausstellung in der Architektenkammer NRW, im Vordergrund Schneider-Eslebens Sputnik-Sessel


Das Kleid und das Magazin. Mehr dazu in Kürze!
 
Abends dann traf man sich schließlich in PSEs Rochuskirche, wo der dritte Teil der Ausstellungs-Serie stattfand und gefeiert wurde noch bis tief in die Nacht hinein.

Die Geschichte rund um meinen Auftritt im PSE-Magazin (Link), das anlässlich der Ausstellungen des M:AI erschienen ist, erzähle ich hier: Link.

Die Ausstellungen im Mannesmannhochhaus und in der Architektenkammer Düsseldorf können noch bis zum 25. September besichtigt werden.