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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Sonntag, 16. Dezember 2012

TM Magazin: 2. Digital Fashion Day - Fashion goes E-Commerce im InterContinental Hotel, Düsseldorf

Online Fashion-Shop des Jahres 2012: Kauf Dich glücklich
Dank der Presse- und Lifestyle-Agentur Textschwester hatte ich kürzlich das Vergnügen, am 2. Digital Fashion Day (Link) teilzunehmen, der zum wiederholten Mal im InterContinental-Hotel in Düsseldorf stattfand. „Fashion goes E-Commerce” lautete das Thema der vom TM Magazin organisierten Veranstaltung, die über den Tag hinweg diverse Vorträge über Online-Marketing-Strategien bot und in der Prämierung des Online Fashion-Shops des Jahres 2012 gipfelte. Der Online-Shop an sich stand im Mittelpunkt der Vortragsreihe und es wurden dabei ganz unterschiedliche Aspekte behandelt, die zum erfolgreichen Gründen und betreiben einer Online-Plattform notwendig sind. 

Beispielsweise wurde auf Rechtsfallen im Bereich der Suchmaschinen-Optimierung hingewiesen, auf die Notwendigkeit von I-Phone-Apps oder auf die Nachteile, die das Verkaufen der Ware über Plattformen wie Zalando oder Amazon für den Hersteller mit sich bringen. Ein ganz wichtige Aspekt besteht nämlich nach wie vor im Sammeln von Kundeninformationen, die die genannten Online-Shops tatsächlich nicht an die Hersteller weitergeben, wie man beim Digital Fashion Day erfuhr. Wie zu vermuten war, generiert sich ein Großteil der Kundendaten über Facebook und es war faszinierend zu hören, wie man sich von der Seite der Werbung aus vorstellt, dass der Kunde jedes Detail seiner „customer juorney“ dem digitalen Tagebuch anvertraut, also die Zeit zwischen dem ersten Blick auf ein Kaufobjekt, z.B. in einer Zeitschrift, bis hin zum Kauf selbst. So können die Freundinnen ein bestimmtes Kleid liken und damit der potentiellen Käuferin die Entscheidung erleichtern. Auch der Lebenspartner bekommt auf diese Weise einen Anhaltspunkt dafür, was er ihr schenken muss um den Werbungsvorgang abzukürzen. Es muss eine Verbindung hergestellt werden zwischen der digitalen und der realen Welt, da ja nach wie vor nicht alles im Internet gekauft wird. Denn, und wir kommen direkt zu DEM Schlüsselbegriff, das „experience shopping“ ist von größter Bedeutung. Der Kunde will emotional abgeholt werden, ob im Internet oder direkt am „point of sale“ im Laden. Überhaupt ist es erstaunlich, dass man offensichtlich ohne ein gewisses Repertoire an Anglizismen im Bereich der Werbung auch heute noch, jenseits der Neunzigerjahre, nicht auskommt.

Vom "point of sale" war die Rede, vom "point of experience" und von einem Phänomen, das man als Gewerbetreibender niemals zulassen darf: den Bedarfskauf. Ich oute mich an dieser Stelle als klassische Bedarfskäuferin, die weder emotional noch erlebnismäßig angesprochen werden möchte sondern einfach nur langlebige Funktionalität und ein ordentliches Design haben will. (Oh Gott, jetzt ist es ’raus, jetzt werde ich nie wieder zu einer Champagner-Gala eingeladen.) Insofern verstehe ich diese Facebook-Angst auch nicht so recht. Da können auf den riesigen Servern im Silicon Valley noch so viele Daten gespeichert sein, die Auskunft darüber geben, wann ich bei welchem Katzenfoto auf „Like“ geklickt habe, und noch so viel personalisierte Werbung über meinen Weltempfänger flackern. Kaufe ich deswegen einfach so festliche Tischwäsche zum Jahreswechsel oder trendige Boots in Saisonfarben?

Um mal den Bezug zum derzeitigen Kunstgeschehen herzustellen: der 75jährige britische Maler David Hockney sträubt sich nicht gegen aktuelle Phänomene der Popkultur. Wie damals, als er in den Sechzigerjahren als Vertreter der Pop-Art bekannt wurde (auch wenn er sich heute gegen diese Bezeichnung wehrt), setzt er sich auch jetzt mit zeitgenössischen Trends auseinander und adaptiert sie für seine Kunst. So zeigt er zur Zeit in der groß angelegten Ausstellung im kölner Museum Ludwig, das ich letzte Woche besucht habe, nicht nur riesige, farbintensive Landschaftsgemälde (Stichwort „The Bigger Picture“), sondern auch die Resultate seiner Beschäftigung mit I-Phone-Apps, mit deren Hilfe man in allen möglichen Techniken malen kann und die nun auf I-Pads und I-Phones präsentiert werden.

Und was schließe ich aus all dem nun für meinen Blog? Soll ich Euch noch mehr emotional abholen? Neue „touchpoints in der community“ schaffen mit noch mehr „experience“ und „sensation“? Im Klartext: ein Webcam-Girl einstellen? Oder, schlimmer noch: einen Webcam-Boy, mit dem Ihr Euch mittels einer eigener App über Kunst am Bau unterhalten könnt? Oder bedeutet "emotional abholen" einfach nur eine Fahrt mit Bus und Bahn zu den schönsten abrißgefährdeten Betongebäuden der letzten hundert Jahre, mit Schnittchen und Copacabana-Cocktails? Hinweise aus der Bevölkerung nehme ich jederzeit gerne entgegen. Schreibt mir Kommentare!