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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Donnerstag, 24. April 2014

Hans Hollein: Vom aufblasbaren Büro zum Museumsbau


Gerade vor zwei Wochen noch betonte Max Hollein bei seiner Rede anlässlich der Eröffnung der seinem Vater gewidmeten Ausstellung im Museum Abteiberg, dass es Hans Hollein sehr bedauert, aus Krankheitsgründen nicht dabei sein zu können. Ausstellungen habe der Architekt immer sehr gerne eröffnet, vor allem seine eigenen. Der gesamte Raum, das Foyer des Museums mit seinem offenen, galerieartigen Treppenaufgang machte das glaubhaft und war definitiv geschaffen für festliche, lebendige Anlässe. Mit einer Ausstellung anlässlich seines 80. Geburtstag wollte Hollein in das Museumsgebäude zurückzukehren, mit dem er seine umfassenden Ideen zu ersten Mal en gros umsetzen konnte. 1982 wurde Holleins Museum für Mönchengladbach eröffnet, das sich in seiner Vielteiligkeit und verwinkelten Struktur in den Abteiberg hinein gräbt und eins mit ihm wird.

Max Hollein eröffnet die Ausstellung
Keinen vom Rest der Stadt abgegrenzten Bau wollte Hollein anlegen,sondern ein Gebilde, dass sich in die Stadt integriert. „Alles ist Architektur“ war Holleins Credo, und so sollte die Architektur weit über das Gebaute hinausgehen und sich auf alle Aspekte beziehen. Das erklärt auch die verschiedenen Zugänge zum Museum Abteiberg von verschiedenen Höhen  und Himmelsrichtungen aus, über eine Brücke zur Dachterrasse hin oder von unten den Berg hinauf oder von der Stadt her gesehen über eine breite Zufahrt. Das Labyrinthische, Verwinkelte, Verspielte, das typisch Postmoderne, verbindet sich im Innern mit einer offenen Klarheit, mit Sichtachsen und Durchblicken zwischen den Räumen, die sich um das hohe offene Foyer gruppieren.

Holleins Gesamtanspruch an die Architektur, die sich auf den gesamten Organismus der Stadt auswirkt, verleitete Frank Gehry Jahre später zu seinem Ausspruch: „Without Mönchengladbach there would not have been Bilbao“. Die nordspanische Stadt ist schließlich dafür bekannt, dass Gehrys Guggenheim Museum eine Revitalisierung der gesamten Stadt herbeigeführt hat. Die Idee des Museums, das sich in den Berg hinein gräbt, setzte Hollein ab 1989 in seinem Entwurf für das Museum im Mönchsberg in Salzburg fort. Das Modell des nicht realisierten Museums in der Mönchengladbacher Ausstellung zu sehen und erinnert unwillkürlich an den Vulkan aus „Man lebt nur zweimal“(Link).

Abteiberg
Der Architekt  Hollein betrachtete sich als Künstler, arbeitete mit Joseph Beuys zusammen, organisierte Ausstellungen und sah schon in den Sechzigerjahren die Grenzen zwischen der so genannten angewandten und der freien Kunst schwinden. Selbst das portable Büro sah er damals schon voraus, weit vor der Erfindung des Laptops und setzte es in Form einer aufblasbaren Plastikblase um.

„Alles ist Architektur“ - Holleins Motto  und Titel der Mönchengladbacher Ausstellung steht analog zu Beuys „Jeder ist ein Künstler“. Ein globaler Gesamtanspruch ist den beiden nicht abzusprechen.

Mönchsberg
Heute, am 24. April, erfahren wir, dass Hans Hollein zwei Wochen nach der Eröffnung seiner aktuellen Ausstellung im gestorben ist.