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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Sonntag, 13. Mai 2012

Stefan Polónyi: Tragende Linien und tragende Flächen - Ausstellungseröffnung des M:AI im Dortmunder U


Dem Namen Stefan Polónyi begegnete ich zum ersten Mal in meiner Auseinandersetzung mit dem Keramion, einem einer rotierenden Töpferscheibe nachempfundenen Museumsbau des Architekten Peter Neufert. Die Form des futuristisch wirkenden Betongebäudes, das sich in Frechen bei Köln befindet und ganz der Keramikkunst gewidmet ist, hatte Neufert im Jahr 1970 zusammen mit dem Bauingenieur Stefan Polónyi entwickelt. Dabei treibt sich mit einem enormen Schwung aus der den Bau dominierenden runden Scheibe eine Schale, die den Innenraum des Gebäudes zum Himmel öffnet (Link).

Wie in der Bildhauerei, so steht auch in der Architektur zwischen der Phantasie der ersten Zeichnungen auf den sprichwörtlichen Zetteln und Servietten und der eigentlichen Umsetzung in Stein und Beton ein langer Weg. Im Gegensatz zum Bildhauer steht dem Architekten jedoch der Bauingenieur zur Seite, der einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die letztendliche Gestalt des Werks hat. Oft geht allerdings nur der Name des Architekten in die Kunstgeschichte ein und der Bauingenieur bleibt gänzlich unerwähnt. Diesem Missverhältnis arbeitet Stefan Polónyi seit Jahrzehnten entgegen. Während seiner Zeit als Professor an der TU Dortmund setzt er sich für ein Gleichgewicht zwischen Ästhetik und Technik im Architekturstudium ein und stärkte damit auch das Ansehen des Bauingenieurs, der gerade die skulpturalen Aspekte eines Bauwerks erst ermöglicht.

Dem Lebenswerk Stefan Polónyis widemt das M:AI, das Museum für Architektur und Ingenieurskunst NRW, nun eine Ausstellung, die seit dem 4. Mai im Dortmunder U zu sehen ist: „Tragende Linien und tragende Flächen“. Hier wird nicht nur ein Überblick über Polónyis Bauwerke geboten, auch die Prinzipien der Tragwerkslehre werden an unzähligen Beispielen sehr anschaulich erklärt, sodaß auch Besucher wie ich, die Architektur vor allem unter bildhauerischen Aspekten betrachten, einen Einblick in diesen Bereich erlangen.

Beschäftigt man sich mit der zukunftsweisenden Architektur der Sechziger- und Siebzigerjahre, ist man erstaunt, wie oft der Name Polónyi erscheint. Der Flughafen Tegel ist beispielsweise zu nennen (Link), die Metastadt Wulfen und die EGKS Versuchsstation Schleswiger Ufer in Berlin (Link). Die Ausstellung des M:AI zeigt jedoch, wie sehr Polónyi bis heute in die gesamte Architekturgeschichte der Nachkriegszeit involviert ist und sowohl im Ruhrgebiet und in Köln als auch in Berlin, wo er von den Sechziger- bis in die Achzigerjahre zusammen mit Herbert Fink ein Büro für Bauingenieurwesen betrieb (das nach wie vor existiert), maßgeblich am Geschehen beteiligt ist.


Die Ausstellung „Tragende Linien und tragende Flächen“ ist noch bis zum 24. Juni im Dortmunder U zu sehen, zu weiteren Informationengeht es hier entlang: M:AI.